Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 8 (25.2.1910)
- Date
- 1910-02-25
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 8 Dr. Blocks Wochenschrift. Seite 149 Das Atelier desBildhauers Moses Ezekielin Rom. Ein interessanter Streit ist zwischen dem berühmten jüdischen Bildhauer Moses Ezekiel und den römischen Behörden ausgebrochen. Der Künstler hat den Auftrag erhalten, sein Atelier in den Diocletianischen Bädern binnen kurzer Frist zu räumen, da das genannte historische Gebäude zu Zwecken eines großen Museums adaptiert werden soll. Ezekiel hat jedoch diese Kündigung nicht zur Kenntnis genommen. Das Atelier Moses Ezekiels gehört zu den Sehenswürdigkeiten Roms, die kein Fremder von Dlstinktion aufzusuchen verabsäumt. Das Atelier, ein überaus großer Raum mit einem Kuppeldach, ist selbst ein kleines Museum wertvoller Kunstwerke, die Ezekiel von seinen Freunden und Verehrern erhalten oder selbst erworben hat. In der Sammlung Ezekiels befinden sich auch zahlreiche Antiquitäten, die einen hohen Wert repräsentieren. Der Künstler zählt zu den populärsten Persönlichkeiten Roms.'Sein Atelier ist schon seit Jahren der Sammelpunkt der römischen Gesellschaft, die sich pünktlich einmal jede Woche in dessen Wohnung Rendezvous gibt. Ezekiel arbeitet jetzt an einem großen Gruppenwerk „Die Makkabäer". Man ist in Rom gespannt, ob der Künstler in seinem Streite, der demnächst das römische Zlvilgericht beschäftigen wird, doch schließlich siegen werde. Eine Ehrung Michelsons. Der bekannte Physiker Albert Abraham Michelson, der Gewinner des Nobelpreises im Jahre 1907, wurde zum Präsidenten der bedeutendsten wissenschaftlichen Gesellschaft Amerikas, der „American Association for the Avancement of Science", gewählt. Michelson ist Präsident des Departements für Physik an der Lhikagoer Universität und wurde wiederholt von den verschiedensten G eleh rten- G esells ch aften aus gezeichnet. Ehrung eines jüdischen Kinderarztes in der Newyorker deutschen Kolonie. Aus Newyork wird berichtet: Ein angesehenes Mitglied der hiesigen deutschen Kolonie, Frau Anna Wörishoffer. hat der Verwaltung des deutschen Hospitals 100.000 Dollars mit der Bestimmung übermittelt, ein Kinderspital zu errichten, das den Namen „Professor Dr. Abraham Iacobi-Kinderspital" führen soll. Die hochherzige Dame schreibt in ihrem Stiftsbries, daß die großen Verdienste, die sich Dr. Iacobi auf dem Gebiete des Kinderheilwesens in Newyork erworben hat, sie veranlaßten, diese dauernde Institution dem Andenken des großen Gelehrten und Kinderfreundes zu widmen. Die Direktion des deutschen Hospitals hat die Stiftung in einer Festsitzung angenommen und beschlossen, für die Vergrößerung des Fonds zu sorgen. Feuilleton. JimgUngsjahrr. Roman von Hermann Blumenthal. XIII. Die Hilfsaktion für Wiesettier. Als Dawid eines Tages beim Mittagessen saß, ging die Tür auf und Wieseliier erschien auf der Schwelle. Wieseltier lächelte und - sah Dawid einige Minuten schweigend zu. „Sie sind nicht besser als die andern." sagte er und kam an den Tisch heran. „Jetzt essen Sie wenig, denn "Sie haben nur wenig Geld. Wenn Sie mehr Geld haben werden, werden Sie auch mehr essen...! Fragen Sie mich, ob ich heute ans Mittagessen inur gedacht habe!" Dawid verstand den Wink. Sofort teilte er seine Vorräte in zwei Hälften und schob die eine Wieseliier zu. Dieser ließ sich erst bitten, griff aber dann tüchtig zu. Nach dem Essen reichte ihm Dawid seine Tabaksdose und sagte: „Sie haben sich ja lange nicht sehen lassen. Wieseltier?" Wieseltier drehte sich eine Zigarette und gab keine Antwort. „Sind Sie mir böse?" fragte Dawid nach einer Pause. „Sie wissen doch, daß ich für Sie nichts tun kann. Ich bin genau so ein armer Teufel wie Sie —" „Ja, Sie könnten mir schon helfen, wenn Sie nur wollten", schrie Wieseltier und stellte sich vor Dawid hin. „Warum sehen Sie nicht, daß der Verein gegründet wird? Diese Zusammenkünfte haben keinen Zweck, sage ich. Wer weiß von uns? Ein Verein ist eine Macht. Man kann sich an Abgeordnete wenden. Man kann Petitionen einreichen. Und was Hab' ich für meine Mühe? Tut jemand etwas für mich?" Er hielt inne, doch da Dawid nichts erwiderte, fuhr er fo$: „Sie sind ein Schriftsteller, für Sie wird schon irgend jemand etwas tun. Aber wer denkt an mich? Wollen Sie, daß ich mit alten Hosen handeln soll? Wollen Sie das? He! Oder soll ich mit Ansichtskarten und Zündhölzchen hausieren? Was verlange ich denn? Ich will ja nur, es soll mir gut sein... Sorgt jemand dafür, daß ich das habe, was ich brauche?" „Sie sind in einem großen Irrtum, wenn Sie meinen, daß andere für Sie sorgen werden," sagte Dawid ernst. „Aber anderen hilft man: das weiß ich besser," rief Wieseliier zornig. „Sie sind kein „Macher" und können es nicht beurteilen! Die reichen Juden geben Hundertlaulausende für wohltätige Zwecke aus, die werden auch mir helfen. Aber in diesem Anzug kann ich sie nicht besuchen: die Diener lassen mich nicht hinein. Seit drei Wochen gehe ich jeden Tag zu einem Bankier und er ist nie ßu Hause. Gestern habe ich aber mit eigenen Augen gesehen, wie er vorgefahren ist. Als ich ihn ein paar Minuten später sprechen will, höre ich wieder: „Nicht zu Hause". Wenn ich aber fein gekleidet bin, wird er zu Hause sein. Ich brauche also einen neuen Anzug. Jetzt frag' ich Sie, wo ich das Geld dazu auftreiben kann?" Dawid wußte ihm keinen Rat und so schwiegen beide eine Weile. >,Ich habe eine Idee," rief Wieseltier plötzlich. „Gut, Sie wissen es nicht! Aber andere können mir raten. Ich will einige Leute zusammenrufen und ihnen meine Lage schildern. Wenn sie nicht wissen, um was es sich handelt, werden sie kommen. Ich werde nur Geschäftsleute und praktische Menschen einladen. Was sagen Sie zu meinem Einfall?" Wieseltier rieb sich vergnügt die Hände. „Sagen Sie nur nichts Grünbaum davon," fuhr er fort. „Er ist mein Feind und will, daß ich zu Grunde gehen soll. Was Hab' ich ihm getan, daß er mir immer nur schaden will? Ich will jetzt gehen und die Einladungen schreiben. Morgen ist sonst niemand bei Nachtigall. Das paßt sehr gut. Sie kommen doch auch. Dawid?" „Nein, was soll ich dort?" erwiderte Dawid. „Das ist Nebensache, ich kann Sie morgen sehr gut brauchen. Das sind fremde Menschen, aber Sie sind mein Freund und müssen für mich eintreten. Geben Sie mir die Hand darauf, daß Sie kommen." Dawid mußte es ihm versprechen. — — Als er am nächsten Abend zu Nachtigall kam, war um den runden Tisch eine kleine Gesellschaft versammelt, die sich aus einem Ratenhändler, einem Hausierer, einem Buchhalter, einem Schuhmacher und aus Herrn Nachtigall selbst zusammensetzte. Wieseltier hatte allerdings nur „praktische Menschen" eingeladen. Keiner wußte, um was es sich handelte, und als Wieseltier erschien, wurde er mit Fragen bestürmt. Er machte ein ernstes Gesicht, räusperte sich und begann ru lvrecken. Cs bandele lick beute um eine besonders wichtige Sacke, bub er an. darum habe er nur erfahrene und kluge Männer hergebeten. Man müsse einem armen t