Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 8 (25.2.1910)
- Date
- 1910-02-25
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Dr. Vlochs Wochenschrift. Ar. 8 Sette 146 Heim des Jubelpaares, dem eine so wohlverdiente Ehrung zuteil geworden. Die oben gebrachte Adresse wurde dem Jubelpaare zum Andenken an den für sie so bedeutsamen Tag, in einer prachtvollen, künstlerisch ausgesührten Mappe überreicht. N. Sch. Essek, den 16. Februar 1910. Neue jüdische Senatoren in Italien. Unter den jüngst ernannten italienischen Senatoren befinden sich auch zwei Juden, und zwar Ludovico Mostara und Vittorio Polacco. Luduvico Mostara ist der Sohn des verstorbene Rabbiners Marco Mostara. Mitglied des römischen Magistrates. Er genießt einen ausgezeichneten Ruf als Jurist, war früher Professor in Pisa und Neapel und Präsident des AppellationS' gerichtes in Ancona und zuletzt GeneralprokUror am Kassationshofe in Rom. Senator Mostara gehört der demokratischen Partei an. Vittorio Pollacco war Professor für Zivilrecht an der Universität zu Padua. Nach langjähriger Tätigkeit als Präsident der Rechtsfakultät wurde er von seinen Kollegen einstimmig zum Rektor der Universität in Padua gewählt. Senator Polacco nimmt regen, aktiven Anteil an dem religiösen Leben seiner Glaubensgenossen und hat sich auch auf speziell jüdischem Gebiete schriftstellerisch betätigt. Sein bekanntestes Buch ist: Die Frage der Ehescheidungen und die Juden in Italien. Eine jüdische Kandidatur für den Londoner County Council. Aus London wird uns geschrieben: In drei Wochen finden die Wahlen in den Londoner Geschäftsrat, eine Art Landtag, statt. In dieser Körperschaft stehen zwei Parteien, die Munizipalisten und Progressivisten, einander gegenüber. Im gegenwärtigen Geschäftsrat sitzen acht Juden, und zwar Munizipalisten: Jocelyn Brandon (Hammersmith), N. L. Cohen (London City), D. Davis (North. Kensington), Mitglied des englischen Parlaments F. Goldsmith (St. Pancras Süd), I. Salmon (West- Jslington) und P. C. Simmons (St. Georges-in-the- East): ferner die Progressivisten: H. H. Gordon (Whitechapel) und P. A. Harris (South-West-Bethnal-Grren). Die Genannten werden auch im nächsten Wahlkampf kandidieren. Ueberdies werden sich noch Folgende um ein Mandat im County Council bewerben : Der bekannte jüdische Philanthrop Carl Stettauer (Progr.) in Mile End und die Munizipalisten Philipp Henriques als Gegenkandidat des Mr. C., Stettauer in Mile End. Major Lewis-Barned (South Paddington) und Oscar Marburg (North Hackney). Die Sensation der kommenden Wahlen ist die Tatsache, daß heuer zum erstenmale auch Frauen kandidieren werden. Unter diesen Kandidatinnen befindet sich auch die Tochter des Londoner Chief-Rabbi, Miß Netti Adler, die in Hackney von der progressiven Partei als Kandidatin proklamiert wurde. Miß Netti Adler, eine der Führerin der Bewegung zur Besserung der sozialen Verhältnisse in London, wurde vom gegenwärtigen Grasschaftsrat in die Kommission für Erziehungswesen kooptiert. Erst kürzlich erregte-Miß Adler durch einen politischen Vortrag zu Gunsten der Liberalen allgemeines Aufsehen. Herbert Samuel Minister für Psstwesen. Vor einigen Monaten erst wurde, wie erinnerlich, Sir Herbert Samuel, der zu den hervorragendsten Persönlichkeiten der englischen Judenschäft zählt, zum Kanzler des Herzogtums Lancaster, ernannt, wodurch er Mitglied der' englischen Regierung wurde. Wie nun aus London berichtet wird, wurde Sir Herbert vom König Eduard zum Minister für Postwesen ernannt. Die Pariser Ueberschwemmung und die jüdische Wohltätigkeit. Die Pariser Blätter registrieren äußerst lobend die Hilfsbereitschaft der jüdischen Gesellschaften von Frankreich anläßlich der Überschwemmungskatastrophe. Besonders hervorgetan hat sich das „Comitee de B'i'enfaisance israelite in Paris", das außer bedeutenden Geldunterstützungen, an den gefährdetsten Punkten Ambulanzen und Naturalverpflegsstationen errichtet hat. Ueberdies hat das Comitee ein Asyl mit 60 Betten eingerichtet, um die Obdachlosen aufzunehmen und über die Zeit der Gefahr zu verpflegen. Eine solche Asylstalion wurde auch im Pariser Rothschildspital errichtet. Es braucht nicht erst betont zu werden, daß das Comitee die Unterstützungen ohne Rücksicht auf die Konfession der von der Katastrophe Heimgesuchten, verteilte. Abgesehen von dieser Hilfstätigkeit 'haben auffallend viele Juden sich auch an den allgemeinen Geldsammlungen mit bedeutenden Zuwendungen beteiligt und schließlich sei noch erwähnt, daß der Grand-Rabbin von Frankreich, A. Levy. an alle Rabbiner des Landes ein Rundschreiben richtete, in welchem die Rabbiner ausgefordert werden. Sammlungen einzuleiten. Der getaufte Sohn des Rabbiners. Die traurige Schicksalsgeschichte einer russischen Rabbinerfamilie wird im „Hed Hazman" erzählt: Vor längerer Zeit starb in Nemirow der dortige Rabbiner und hinterließ eine Witwe mit fünf unversorgten Söhnen. Die Kinder besuchten das Gymnasium, nach dem Tode des Vaters waren sie jedoch gezwungen, ihre Studien als Privatisten fortzusetzen. Der Aelteste hat nach großen Mühen die Maturitätsprüfung bestanden. Da er jedoch als Jude nicht in die Universität ausgenommen wurde, ließ er sich taufen. Er wurde Jurist, erhielt, nach Absolvierung seiner Studien, eine Stelle als Untersuchungsrichter im Innern des Landes und verheiratete sich bald darauf mit einer Christin. Auch der zweite Bruder erlangte das Reifezeugnis und verlor in seiner Aufregung darüber, daß ihm die Aufnahme in die Universität verweigert wurde, den Verstand. Er befindet sich jetzt iw Jrrenhause. Nun ist auch für die drei übrigen Brüder die Zeit gekommen, sich einen Lebensberuf zu wählen. Sie wendeten sich an ihren Bruder mit der Mitteilung, daß sie sich entschlossen hätten, seinem Beispiele zu folgen und sich taufen zu lassen. In kurzer Zeit erhielten sie die Antwort, die geeignet war, die drei Brüder gründlich zu ernüchtern. Flehentlich bat der Abtrünnige seine Brüder, ja ihren Entschluß nicht auszuführen. Er selbst bereue auch den Schritt, der ihm unausgesetzt seelische Qualen bereite. Er sei von der Gesellschaft gemieden, die Juden erblicken in ihm den Abtrünnigen und die Christen behandeln ihn wie einen Juden. ..In keinem Falle" schließt er seinen Brief, „dürft ihr eine solch schreckliche Tat begehen. Ich will euch nach Kräften unterstützen, aber um des Himmels willen, bleibt treu eurem Glauben . . ." Die drei Brüder haben den Rat ihres ältesten Bruders beherzigt. Vermischtes. Schlnß-Bortrag aus jüdischer Geschichte, Literatur und Kultur. Donnerstagden 3. März 1910, präzise halb 8 Uhr abends, findet im Festsaale des Ingenieur- und Architektenvereines, I., Eschenbachgasse 9, ein Vortrag des Herrn Rabbiner Dr. Max Grunwald statt. Thema: „Moses Montefiore." Mit Vorführung von Lichtbildern. Eintritt frei, ohne Karten.