Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 8 (25.2.1910)
- Date
- 1910-02-25
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 138 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 8 Wirkung unrichtiger Berichte und höswilliger Einflüsterungen zu beseitigen und den wahren Sachverhalt festzustellen. Wichtig für den Erfolg war die werktätige Unterstützung der jüdischen Mitglieder des Reichsrates, von denen Herr Abg. Hofrat Dr. K u r a n d a, Mitglied des Annexionsausschusses war, deren Rat Präsident Dr. Stern in allen Phasen der Angelegenheit einholte, und es muß konstatiert werden, daß alle jüdischen Abgeordneten, ohne Unterschied der Parteistellung, sich bereitwilligst in den Dienst der Sache gestellt haben. Das bosnische Verfasiungswerk ist nunmehr vollendet und vou den Juden die Gefahr abgewendet, durch einen Gesetzesakt zu Mitgliedern einer mit den übrigen Konfessionen nicht gleichwertigen Konfession gestempelt zu werden. Denn es handelte sich in diesem Falle nicht nur um die Wahrung der Rechte der bosnischen Jaden allein, sondern um die Vermeidung eines Präzedenzfalles, deren Folgen für die Rechtsstellung der Juden beider Staaten unserer Monarchie hätten gefährlich werden können. Deshab haben sich auch die Juden des Reiches so sehr eingesetzt, daß das Recht der Juden nicht gebeugt werde; deshalb haben, ganz unabhängig von der Aktion des „Bund" und der jüdischen Reichsratsabgeordneten, auch die maßgebenden jüdischen Kreise in Ungarn, alles auf geboten, bamit die Sachlage nicht verdunkelt werde und auch die ungarische Regierung über die Rechtslage der Forderungen der Juden wahrheitsgetreu informiert werde. Das Recht hat gesiegt. Die Juden Bosniens werden ohne Zweifel verstehen, von ihrem Rechte in dem Sinne Gebrauch zu machen, wie es ihre Pflicht gegenüber dem Lande und gegenüber ihren Glaubensgenossen ihnen diktiert. * * Eine Dankeskundgebuug An den Präsidenten der Wiener israelitischen Kultusgemeinde gelangte nachstehendes Telegramm: Herrn Dr. Alfred Stern Präsident der israelitischen Kultusgemeinde. Anläßlich der Gewährung zweier Mandate für die Judenschaft zum bosnischen Landtage erachten wir es als nusere Pflicht, Ahnen hochverehrter Herr Präsident, für die wackere Unterstützung unserer Sache tiefempfundenen Dank znm Ausdruck zu bringen. Verstände der sephardischen und öftere, ung. Kultusgemeinden. Galveston. Von Israel Zangwill, London. Drei Jahre sind nun verflossen, seitdem das Galveston-Werk begonnen hat, und schon sind Tausende von Existenzen, Tausende von Familien in Mitleidenschaft gezogen. Da das Bureau in Kiew sämtliche von ihm beförderten Emigranten fortwährend im Auge behält, so kann man nun mit Leichtigkeit die Resultate dieser dreijährigen Tätigkeit übersehen. Und mit Freude mutz konstatiert werden, datz alle Auswanderer mit ihrem Lose höchst zufrieden sind; und alle von unseren Gegnern erhobenen Beschuldigungen haben sich beim näheren Betrachten jedesmal noch als plumpe, völlig! unbegründete Verleumdungen erwiesen. Das einzige, was vielleicht bei Galveston ausgesetzt werden könnte, ist die etwas längere Reisezeit, als nach Newyork. Es ist aber allbekannt, datz alle Unannehmlichkeiten der Seereise bereits nach ben ersten Tagen verschwinden, sodatz der letzte Teil der lleberfahrt niemals zu irgend welchen Beschwerden Anlatz zu geben pflegt. Wird doch die Seereise, wie bekannt, sogar kranken Leuten von den Aerzten aufs wärmste empfohlen! Wenn man noch dabei bedenkt, datz es der Jto gelungen ist, nicht nur die Einführung koscherer Kost auf den Dampfern durchzusetzen, sondern auch die Schiffsgesellschaften zu veranlassen, streng auf eine gute Behandlung der Zwischendeckpassagiere seitens der Mannschaft zu achten (mit jeder größeren Emigrantenpartie fährt sogar ein spezieller Beamter mit), — so kann wohl mit Recht behauptet werden, daß der Auswanderer die Strapazen der Ueberfahrt unvergleichlich weniger empfindet, als sonst, und mit frischem Mute und mit frischen Kräften seine zukünftige Heimat betritt. Kommt ein jüdischer Emigrant nach Newyork, so sieht er sich plötzlich unbekannten Leuten - mit einer fremden Sprache gegenüber, die ihn barsch anfahren und nur nach einem Grunde ausschauen, den vielgeplagten Dulder nach der Hölle zurückzuschicken, der er eben entronnen ist. Und wird er auch doch hineingelassen, so steht vor ihm sofort das verzweifelte Problem: wo Arbeit finden? Wie anders in Galveston! Jeder gesunde und arbeitswillige Emigrant wird ohne weiteres ans Land gelassen, wo ihn das Jto-Komitee mit einem brüderlichen „Baruch-habah" empfängt. Dasselbe Komitee hat schon vor seinem Ankommen für ihn einen entsprechenden Arbeitsplatz besorgt — und zwar dort, wo sein Beruf am meisten gesucht und am besten bezahlt wird: unentgeltlich wird er an diesen Platz mit der Eisenbahn befördert und dort wiederum von seinen Brüdern empfangen, die auch nachher ihm in jeder Weise behilflich zu sein suchen. Oft hat er sogar Gelegenheit, sofort in einem Abendkursus die englische Sprache zu erlernen, um.seinen einheimischen Arbeitskameraden in keiner Weise nachzustehen. Es ist mir tatsächlich unmöglich, die richtigen Worte zu finden, um die hingebungsvolle Fürsorge zu schildern, welche von unserem amerikanischen Komitee mit Mr. Jakob H. Schiff an der Spitze den Einwanderern gegenüber an den Tag gelegt wird. Nur Mr. Schiff und der Familie Rothschild (Lord Rothschild und feine Brüder in London und Baron Edmand de Rothschild in Paris) ist es zu verdanken, datz die Jto imstande war, den jüdischen Emigranten das alles zu bieten. Die Städte, wohin unsere Emigranten dirigiert werden. weisen alle eine mehr oder weniger starke jüdische Bevölkerung auf, sodatz der Neuankommende sich bald heimisch fühlt. In allen diesen Städten ist der Arbeitslohn höher als in Rußland, und bei etwas Ausdauer und Fleiß kommt jeder Emigrant bald in die Lage, seine Familie herüberzunehmen. Obwohl es der Jto natürlich lich nicht möglich ist, die Familie des Emigranten — oder auch nur ihn selbst — auf ihre Kosten zu spedieren (das ist ja von den amerikanischen Gesetzen direkt verboten), ist unser Komitee doch bereit, jedem tüchtigen und arbeitsamen Emigranten, mit gutem Lohnverdienst. eine gewisse Summe vorzustrecken, um seine Familie kommen zu lassen. Selbstverständlich mutz er das geliehene Geld nachher in Raten abzahlen. Entschließt sich ein Emigrant, nach Galveston statt nach Newyork zu gehen, so kann er sicher sein, daß er in einer gesünderen und nicht so übervölkerten Stadt wohnen und bedeutend mehr verdienen wird, als es in Newyork der Fall gewesen wäre, wobei auch seine Kinder einer viel besseren und ruhigeren Zukunft entgegensehen können. Man klagt viel über den russischen Ansiedlungsrayon. Und doch ist er so groß, wie ganz Frankreich. Wenn aber diese Einengung trotzdem so viel Elend und Armut mit sich bringt, warum beharren die Juden mit blinder Hartnäckigkeit darauf, sich in Newyork aufzuhäufen, wo bereits auf einer einzigen Quadratmeile fast 800.000 Menschen zusammengepfercht sind? Mit welch' berechtigter Entrüstung würde man einem Regierungs- „Ukas" begegnen, der ein so fast unglaubliches Zusammendrängen von Menschen verfügen würde! Nun hat freilich die amerikanische Regierung diese Zustände durchaus nicht selbst veranläßt und wünscht sogar, im Gegenteil, die möglichst baldige Abschaffung derselben. Sollte aber dieser Emigrantenstrom nach Newyork nicht aufhören, so kann man sicher sein, datz es nicht lange dauern wird, bis dieser Hafen — und vielleicht auch alle anderen — für jüdische Einwanderer gänzlich geschlossen wird. Auf diese Weise ist es ersichtlich, daß jeder Galveston- Emigrant nicht nur deswegen eine „Mitzwoh" hat, daß