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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-02-18 · 7 (18.2.1910) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
7 (18.2.1910)
Date
1910-02-18
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Setlr 134 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 7 T(er scharfe Ton der elektrischen Klingel schreckte ihn aus seinen Betrachtungen und bald darauf betrat der Briefträger das Zimmer, der ihm einen Brief überbrachte. Dawid entfaltete das Schreiben und las: „Geehrter Herr! Mein Neffe hat mir Ihre Erzählung „Den Berg hinauf" geliehen, die mir sehr gefallen hat. Bitte, vielleicht besuchen Sie mich heute gegen sechs Uhr. Frau Dr. Felder." Die Dame war eine Tante Adolfs. In ihrer Villa im Döblinger Cottage verkehrte die geistige Elite Wiens. Um fünf Uhr nachmittags machte sich Dawid auf den Weg. und schleuderte langsam durch die lauten, geschäftigen Straßen. Als er die Döblinger Hauptstraße hinter sich hatte, blieb er überrascht stehen. Er war in eine ganz andere Welt geraten. Frei wölbte sich der Himmel über die Landschaft und die Häuschen standen wie hingezaubert im hellsten Sonnenschein. Das frische Grün auf den Wegen tat seinen Augen wohl... Da stand er nun Tag um Tag im Kampfe mit dem Schicksal und vergaß beinahe, daß es noch Glück und Sonne auf Erden gibt! — Dawid war am Ziele. Er läutete und ein Diener führte ihn in einen kleinen Salon, dessen Fenster in den Garten mündeten. Bald darauf erschien die Dame des Hauses. Sie war eine schöne Frau von vielleicht dreißig Jahren. Kohlschwarzes Haar umrahmte ein feines, schmales Gesicht. Sie hatte wunderlich-träumende Augen und ihre Stimme klang weich und mädchenhaft. Viel Empfindung sprach aus ihren Worten; Dawid hätte ihr lange zuhören mögen. Sie wußte sehr wohl, wie hart und mühevoll der Weg eines jungen Schriftstellers ist. „£), Sie werden sich durchringen, denn Sie haben Talent," sagte sie. „Dann werden Sie an diese traurige Zeit nur mit einem Lächeln zurückdenken... Werden Sie sich aber auch unserer heutigen Unterredung erinnern?" Dawid nahm ihre Hand und führte sie an seine Lippen. „Wie dankbar bin ich Ihnen für Ihre aufmunternden Worte," sagte er. Er kam in Stimmung und redete — wie ihm zu Herzen war. Sie saß da und blickte ihn mit ihren hellen, guten Augen an. Wenn etwas Trauriges kam und er fich Mühe gab, es zu mildern. dann drohte sie ihm lächelnd mit dem Finger und half ihm mit einem Wort über das Unangenehme hinweg. Dawid mußte ihr versprechen, in seinem Kampfe auszuharren... Wie gute Kameraden saßen sie beisammen und plauderten — und die Viertelstunden verflogen. Als Dawid aufbrechen mußte, war es ihm, als wenn er aus der Heimat in die Fremde zöge. — Lange schlenderte er planlos durch die stillen Laubgänge. Die untergehende Sonne färbte den Himmel blutigrot und die Straßen standen in Lachen von Blut — in einem Meere von Blut. Mit sicheren Schritten Sing Dawid dahin und die blütenschweren Kastanienbäume duckten sich gleichsam, um ihn vorbeizulassen... Bald war der Himmel voll Sterne.. — Als Dawid nach Hause kam, setzte er sich, ohne erst Licht zu machen, ans Fenster und sah lange Zeit in die helle Nacht hinaus. Das Häusermeer stand so still — wie aufatmend — nach dem heißen Tage. Dawid fühlte eine Sehnsucht nach etwas, von dem er sich noch keine Rechenschaft geben konnte. Er wollte dorthin, wo der Puls des Lebens am lautesten schlug: um ihn war es aber so entsetzlich still und finster... Heiß rollte das Blut durch seine Adern. Er spürte ein Würgen im Halse und seine Arme bebten. — — Plötzlich sprang er auf und rannte keuchend, in Schweiß gebadet, durch die dunkle Stube... Nein — er wollte nicht müde werden — nicht müde werden. Es konnte nichts Falsches sein, was seine Pulse höher schlagen machte! Er wollte den Kampf weiter aufnehmen — bis ans Ende. Komme, was da wolle! (Fortsetzung folgt.) Literatur. M. Krakauer. Bausteine und Denkftelne. Breslau 1906. Jakob B. Branders. 386 S. M. 6.—. .. Außer homiletischen Betrachtungen über die ersten drei Bücher den Pentateuchs enthält der ansprechend ausgestattete Band Gedächtnisreden, die wie jene Betrachtungen jedesmal einen sinnigen Gedanken mit meisterhafter Beherrschung des jüdischen Schrifttums und in Worten behandelt, aus denen schlichte, gerade Ueberzeugungstreue spricht. Wie die Reden in ihrem Kreise gewiß Beifall gefunden haben, so verdienen sie auch einem größeren Publikum empfohlen zu werden. R. L. Hickl's jüdischer Volkskalender für das Jahr 5670. Brünn 1809. Max Hickl. Für 80 Heller wird in diesem Büchlein viel geboten. Von den Originalbeiträgen verzeichnen wir solche von Kurrein, Thekla Blech- Merwin, Berkowitz, Steif, Eisler, Grünfeld, Rabbinowicz, Werner. Den Löwenanteil bestreitet Günzig, der auch das Kalendarium geliefert hat, an dem sowohl die historische Gedenktafel, wie die Aufzeichnung des Synagogenrituales besonders hervorzuheben sind. L. L« Simon. Aspects of the Hebrew Genius. London 1910. George Routledge and Sons. Das mhaltsreiche und anregende Buch ist von der Vereinigung der jüdischen Literaturvereine Englands zu Ehren der Manen des auch dort mit Recht gefeierten Gustav Karpeles herausgegeben worden. Es enthält außer einer — wie zu erwarten — geistvollen Einleitung aus der Feder Elkan N. Adlers folgende Beiträge: N. Bentwich, Philo; M. Simon, Saadiah; H. S. Lewis, Maimonides; S. Daiches, Jewish Codes and Codifiers; A. Wolf, Aristotle and Medieval Jewifh Thought; H. Sperling, Jewish Mysticism.; M. H. Segal, The Jewish New Learning of the Nineteenth Century. Dem Charakter der populären Darstellung entsprechend, geben diese Skizzen doch von ihrem Gegenstand jedesmal ein anschauliches Bild. Das Buch macht seinen Herausgebern Ehre. L. A. D. Weinhold. Die Propheten in Israel von Moses bis auf Jesus- Langensalza 1909. Herm. Beyer u. Söhne. Diele Vorträge, die vor Lehrern u> d Lehrerinnen des Rheinlandes gehalten worden sind, bilden das 383. Heft des von Fr. Mann herausgegebenen „Pädagogischen Magazines", die einen Stolz zugleich der deutschen pädagogischen Literatur, wie des deutschen Buchhandels bilden darf. Für durchschnittlich 20 Pfennige werden die gediegensten Arbeiten über alle nur erdenklichen Gegenstände der Pädagogik und ihrer Geschichte in ausgezeichneter Ausstattung geliefert. Wir heben aus dem Meere des Juteressanten nur heraus: Pottag, Zur Mimik des Kindes; I. Moses, Das Seelenbinnenleben des Kindes; die gediegenen Arbeiten von Dr. Susanna Rubinstein über Schiller und W. v. Humboldt. Jedes Haus, in dem Kinder erzogen werden, sollte diesem Unternehmen sein Augenmerk zuwenden, und für Volksaufklärung durch Vorträge in unseren Toynbee-Hallen liegen hier die kostbarsten Schätze zutage. Leider gilt dieses allgemeine Urteil nicht für die vorliegende Probe. Moses, Amos, Hosea, Jesaja, Jeremia und Jesus werden hier nach der beliebten, protestantischen Methode so behandelt, daß man für die Propheten des alten Bundes möglichst wenig übrig läßt, um für den neuen möglichst viel zu retten. Dieses Buch verdient aber darum besondere Beachtung, weil es sich auch mit den jüdischen Urteilen über solche Geschichtsklitterung auseinandersetzt. Jesus hat zwar, nach W, das Judentum in sich ausgenommen, aber indem es durch den Schmelztiegel seiner Persönlichkeit gegangen ist, ist es etwas ganz anderes geworden. „Das Judentum für sich ist kein Kulturträger für uns gewesen und geworden" (S. 116), obwohl schon „die Religion des Moses als die Religion des Einen sittlichen GotteS" (S. 15) anerkannt wird. Amos und Hosea lehren Gerechtigtigkeit und Liebe Gottes natürlich nur in Beziehung zu seinem Volke. Betrübend ist besonders an diesen gequälten Apologien, daß sie Lehrern vorgetragen und dadurch in die Volksschule hineingetragen werden. x. Inventar des allgemeinen Archivs des Ministeriums des Inner». Bearbeitet von den Beamten dieses Archivs im Auftrag des k. k. Ministeriums des Innern. Wien 1909. Mit Freude ist der Entschluß des k. k. Archivrates zu begrüßen, von dem wir die Herausgabe der Jnventare aller österreichischen staatlichen Archive zu erwarten haben. Mit der vorliegenden Veröffentlichung ist ein glücklicher Anfang gemacht worden. Seite 75 sind die „Judensachen" zusammengestellt, Akten, die bis in die Mitte des 15. Jahrhunderts zuröckreichen. Sie behandeln unter vierzehn Titeln: Duldung, Handel, Besitz und Gewerbefähigkeit, Religionsgegenstände, Ehen der Juden, Familienstellen usw. Wer das Entgegenkommen der gegenwärtigen Archivleitung kennt, wird es doppelt bedauern.

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