Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-02-18 · 7 (18.2.1910) · page 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
7 (18.2.1910)
Date
1910-02-18
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3020846-3021873-3021881--19066-3044027
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 7 Dr. Blochs Hönigsberg Stefan, geb. 23. November 1866, Wien, VI., Gumpendorfers*rasse 7. Lembach Hermine, Hutstaffiererin, geb. 9. Dezember 1884, Nikolsbarg, XX., Karajangasse 25. Schwarz Siegfried, geb. 21. Februar 1884, Wien, XVII., Hauptstrasse 30. Schwarz Alfred, Beamter, geb. 23. Dezember 1879, Wien, III, Kübeckt;asse 3. Szekula Arpad, Kommis, geb. 12. Jänner 1874, Fiume, X., Keplerplatz 9. Wozasek Oskar, Beamter, geb. 3. Juni 1880, Prag, XV.. Klementinengasse 26. Hohenems. Am 13. d. M. feierte der langjährige Vorsteher unserer Gemeinde, Herr Anton Rosenthal, seinen 70. Geburtstag. Wiewohl die Feier sich nur auf den engsten Familienkreis beschränken sollte, find dem Jubilar von nah und fern zahlreiche Beweise der Verehrung zugekommen. Der Ausschuß der Kultusgemeinde ehrte seinen Vorsitzenden durch Einberufung einer Festsitzung, in welcher dem Jubilar eine prachtvolle, kunstvoll ausgestattete Adresse überreicht wurde. Das Arrangement des Festes lag in den Händen des Herrn Oberlehrers M. Federmann; die Festrede hielt Herr Rabbiner Dr. Link. Jamnitz. (K u 1 t u s w a h l e n.) Am 2, Feber d. I. fand unter zahlreicher Beteiligung die Wahl der Vertretung unserer Kultusgemeinde statt. Gewählt wurden: in den Ausschuß: Samuel Kohn, Dr. H. Wertheimer, Ludw. Mayer, Emanuel Schwarzbart, Dr. I. G l e i ß n e r. Leopold P o l l a k, Leopold Gutsreund, Albert Korn st reicher und Fritz K a nf r i e d. Als Ersatzmänner wurden gewählt: Ludwig K o h n, Sigm. W o t i tz k y und Emanuel K o r n st r e i ch e r. In den verstärkten Kultusausschuß wurden berufen: Eduard Schwarzbart. Alfred Goldmann, Bernhard L a m p l. Sam. E r o ß m a n n. Karl Mayer, Emil M a y e r, Mark. N e u m a n n, Alois F l e i - s d) e r und Mar Oe st erreiche r. Die Wahl des Kultusoorstandes ergab folgendes Resultat: Sam. Kohn, Vorsteher, Dr. I. G l e i ß n e r, Vorsteherstellvertreter, Ludwig Mayer, erster Beirat, Emanuel Schwarzbart, zweiter Beirat. Unser verdienstvoller Vorsteher versieht dieses Amt bereits die siebente Wahlperiode zur größten Zufriedenheit der ganzen Gemeinde. . Galga (T r a u e r g o t t e s d i e n st.) In dem mit reichem Trauerflor verzierten, voll beleuchteten Tempel wurde kürzlich für den langjährigen, erprobten Wohltäter der Kultusgemeinde, wie auch der Stadt, Herrn Adolf Wallach, der vor drei Wochen als 87jähriger Greis in Newyork sem edles Leben beschloß, ein imposanter Trauergottesdienst abgehalten. Demselben wohnten der gesamte Vorstand der Kultusgemeinde und der Chewra-Kadischa und fast alle Gemeindemitglieder bei. Auch die Frauengalerie war dicht besetzt. Herr Oberrabbiner Rosenfeld schilderte den edlen, großmütigen Charakter des Verstorbenen als unermüdlicher Wohltäter der Knltusgemeinde und ihrer Institutionen, wie auch derjenigen der Ortsgemeinde und ihrer Armen ohne Unterschied der Konfession, ferner als Mann des tätigen Gewerbefleißes, als Großindustrieller, der mit seinem im Tode vorausgegangenen, an menschlichen und jüdischen Tugenden gleichgesinnten Bruder Anthony Wallach noch zu Ende der Vierziger-Jahre des vorigen Jahrhundertes als arme Goldschmiedearbeiter seinen Heimatsor: Galga verließ und durch unermüdlichen Fleiß, Geschicklichkeit ein in seiner Art unübertroffenes großes Fabriksetabliffement gegründet und beide zu Millionären in Newyork sich anfgeschwungen. Das edle Brüderpaar handelte im wahrem Smne des Wortes nach dem Gebote unserer Weisen: „Liebe die Arbeit.- Und endlich verherrlichte der Redner den Dahingeschiedenen als Mäcen der jüdischen Literatur. Der Rabbiner und große Gelehrte Dr. Kohut hatte es der Munifizenz des erhaben denkenden, echt jüdisch fühlenden Brüderpaares Abraham und Anthony Wallach zu verdanken, daß er sein großes, kostspieliges Werk aruch completum in Druck herausgeben konnte. Kein jüdischer Schriftsteller wandte sich vergebens mit seinem Geistesprodukte an deren Opferwilligkeit. Ein neuer Hofrat. Seine Majestät hat dem Arader Fabrikanten Daniel Neumann von Vegvür in Anerkennung seiner aus dem Gebiete der öffentlichen Angelegenheiten erworbenen Verdienste den Titel und Charakter eines königlich-ungarischen Hofrates verliehen. Neu-Sandee. Bei der hier am 1. bis 3. und 4. Februar vorgenommenen Wahl des Rates der israelitischen Kultusgemeinde, bei einer Beteiligung von 75 Perzent der Wahlberechtigten wurden folgende Herren mit Stimmeneinhelligkeit in den Kultusrat gewählt: Amsterdam Samuel, Borgenicht Jakob, Engländer Sender, Geldzähler Hersch, G r o tzbar d Jakob, Gutfreund Simche, Herbst Samuel, I n f e l d Abraham Majer, Kampf Moses, K l a p p h o l z, Elias, Dr. Körbel Moritz, K r i s ch e r Nathan, Landau Feiwel, Lustig Juda Leib, Reich Isaak, Dr. Silbermann Leo, S t e i n b a ch Leiser und Weindling Natan. Wochenschrift. Seite iss Feuilleton. Jüngtingsjahre. Roman von Hermann Blumenthal. XII. Eine Stunde Poesie. Es kam die Zeit, wo Dawid für Zeitungen Notizen und Plaudereien zu schreiben begann. Er tat es ungerne, aber wenn ihm das Geld ausging, hatte er keine andere Mahl. Diese kleinen Arbeiten waren rasch niedergeschrieben und wurden gerne genommen; seine Gedichte und Skizzen jedoch konnte er gar nicht unterbringen. Er. trug sie von Redaktion zu Redaktion und überall erhielt er dieselben Antworten. Die Redakteure lobten seine Arbeiten, aber vorläufig waren sie mit Feuilletonmaterial überhäuft und Dawid mußte eine Hoffnung nach der anderen fahren lassen. Eines Tages brachte eine Tageszeitung ein Preisausschreiben für Erzählungen. Diese günstige Gelegenheit wollte Dawid nicht versäumen: so wählte er seine beste Geschichte aus und schickte sie dem Blatte. Rach Monaten las er die Namen der Preisträger. Die Redaktion hatte aber außer den drei preisgekrönten zehn andere Arbeiten zum Abdruck ausgewählt. Dawid schöpfte neue Hoffnung, und als er sein Manuskript nicht zurückbekam, suchte er den Redakteur des Blattes auf, von dem er erfuhr, daß seine Erzählung angenommen sei. Er las jetzt das Blatt an jedem Morgen, aber enttäuscht schob er es immer von sich. Sein Feuilleton erschien nicht. —- Nach einiger Zeit ging er wieder zum Redakteur. Als Dawid seine Karte hineinschickte, brachte ihm der Diener einen Brief. Dawid riß den Umschlag auf und fand - sein Manuskript... Nun -wollte Dawid den Herrn sprechen, aber er mußte lange warten. Als er endlich vorgelassen wurde, fand er den Redakteur nachlässig mit dem Papiermesser spielend. „Ich erhalte irrtümlicherweise meine Erzählung zurück," sagte Dawid. „O, es ist kein Irrtum. Wir können die Sache nicht bringen." „Aber Sie versprachen mir doch." rief Dawid mit bebender Stimme. „Ia - aber es geht nicht - wirklich nicht... Ich will Ihnen die Wahrheit sagen: Als wir die Couverts öffneten, fanden wir unter den Einsendern Namen erster Autoren, denen wir auf keinen Fall Manuskripte retournieren dürfen. Und so kam es eben..." Er hüstelte und erhob sich, Dawid konnte gehen. - - — Kurze Zeit darauf erhielt Dawid auch sein Theaterstück zurück. Er legte das Manuskript in seinen Koffer und zog es nicht wieder hervor... Seine Wirtin wußte bald, was die dicken Briefe bedeuteten und sie versuchte, ihn zu trösten. Er sei nicht der Erste, dem es schief ginge, erklärte sie ihm... Wenn er traurig nach Hause kam, setzte sie sich oft zu ihm. - „Dazu hat man nun Kinder und schickt sie in die Welt hinaus, damit sie schon in jungen Iahren allen Kummer des Lebens erfahren," sagte sie seufzend. „Da war es zu meiner Zeit anders. Die Kinder blieben zu Hause, und wenn sie erwachsen waren, heirateten sie. Da hatten sie wenigstens ihr tägliches Brot..." So sprach die Alte und zuweilen stellte sie vor Dawid ein Glas Milch oder einen Teller Erbssuppe hin. Sie hatte Mitleid mit dem blassen Iungen. * * * Es war an einem Maimorgen. Die Sonne strahlte von wolkenlosem Blau und alle Vögel sangen. Dawid saß mißgestimmt beim Fenster und blinzelte in den frischen Morgen hinaus.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.