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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-02-18 · 7 (18.2.1910) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
7 (18.2.1910)
Date
1910-02-18
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 7 Sette 129 Dr. Blochs Wochenschrift. Reichsamt des Innern beschlossen, um die Berücksichtigung aller berechtigten Wünsche der strenggläubigen Glaubensgenossen in den Entwurf herbeizuführen. Eingehend wurde die vom Verbände einzunehmende Stellung gegenüber den Zurücksetzungen der Juden bei der Beförderung im Heere erörtert. Alljährlich ergibt sich aus einer Anzahl von Fällen der systematische Ausschluß der Juden von der Beförderung zu Reserveoffizieren in den dem preußischen Kriegsministerium unterstellten Kontingenten. Die Angelegenheit ist im Reichstage zur Sprache gebracht und das vom Verbände gesammelte Material dem Kriegsminister überreicht worden. Es wurde beschlossen, eine Eingabe an den Kriegsminister zu richten, in der unter Hinweis auf das umfangreiche Material hervorgehoben wird, wie die tatsächliche Hebung in gleicher Weise mit der Verfassung, wie mit den vorjährigen Erklärungen des Kriegsministers im Reichstage im Widerspruch steht, und um ein wirksames Eingreifen der verfassungsmäßig zuständigen obersten preußischen Militärbehörde ersucht wird. (Die Eingabe ist vor der zweiten Lesung des Militäretats im Reichstage dem Kriegsminister eingereicht worden.) — Ferner wurde beschlossen, geeignete Maßnahmen zu treffen, um bei Gelegenheit des zu erwartenden neuen Reichsgesetzes über Erwerb und Verlust der Reichs¬ und Staatsangehörigkeit auf eine Beseitigung der durch zuverlässiges Material belegten und bereits auf den Hauptversammlungen des Verbandes erörterten Ausnahmebehandlung der Juden bei Naturalisationen und Ausweisungen durch gesetzliche Bestimmungen hinzuwirken. Siebente Tagung -er Deutschen Konferenz-Gemeinschaft der Alliance Jsraelite Universelle. Am Dienstag, 8. Februar, hat die Deutsche Konferenz-Gemeinschaft der Alliance Jsraelite Universelle, die aus den deutschen Mitgliedern des Zentralkomitees der Alliance besteht, ihre siebente Jahrestagung in Berlin im großen Sitzungssaale im Verwaltungsgebäude der Jüdischen Gemeinde gehalten. Aus allen Teilen Deutschlands waren die zur Teilnahme Berechtigten mit den Mitgliedern des Berliner Lokalkomitees erschienen oder hatten legitimierte Vertreter entsandt. Das Zentralkomitee hatte feinen Geschäftsführer delegiert. Den Vorsitz führte der Präsident der Deutschen Konferenz-Ge meinschaft. Geheimer Kommerzienrat Goldberger, der den ausführlichen Rechenschafts- und Arbeitsbericht für 1909 erstattete und den Arbeitsplan für 1910 darlegte. Nicht weniger als 27 neue Lokalkomitees sind 1909 geschaffen worden. Die Mitgliedschaft der Alliance in Deutschland hat sich seit der Reorganisation der Deutschen Konferenz-Gemeinschaft, d. i. seit vier Jahren, um 46 Prozent, die Beitragsleistungen haben sich um 73 Prozent gesteigert. Wie im vergangenen Jahr, hat auch 1909 die Alliance Jsraelite Universelle in mehr als 140 Schulen etwa 45.000 Zöglinge unterrichtet, zum Teil gekleidet und gespeist. Die Alliance hat dafür im vorigen Jahr IV2 Millionen Francs im ordentlichen Etat ausgegeben, sie hat etwas mehr für das laufende Jahr ausgeworfen. Für Schul-Neubauten sind außerdem 380.000 .Francs bewilligt, nämlich 80.000 Francs für Neubauten in Tripolis, 60.000 Francs in Tiberias. 100.000 Francs in Haskeuy-Konstantinopel, 60.000 Francs in Haskeuy-Konstantinopel, 60.000 Francs <m Teheran, 50.000 Francs in Jspahan und 30.000 Francs in Senneh (Persien). Die landwirtschaftlichen und die Handwerkerschulen, sowie die Institute für Lehrlinge aller Art haben an Umfang gewonnen, die glücklichen Ergebnisse der Erziehung zeigen sich allerorten. Beliebtheit und Ansehen der Allianceschulen werden nicht zum wenigsten dadurch offensichtlich, daß namentlich die vornehmen und wohlhabenden Mohammedaner, die Höchsten Beamten voran, ihre Kinder den Unterrichtsanstalten der Alliance anvertrauen. Erst jüngst hat sogar die türkische Regierung die Zulassung von sechs muselmanischen Zöglingen in die Ecole Normale Orientale, die Lehrerschule der Alliance in Auteui! bei Paris, beantragt, und das Zentralkomitee hat die Aufnahme bewilligt. Der Bericht konstatierte ferner zur allgemeinen Befriedigung, daß es der Alliance Jsraelite Universelle in Marokko gelungen ist, den Versuchen ein Ende zu machen, die früheren landesüblichen Bedrückungen der jüdischen Bevölkerung wieder aufleben zu lassen. Sobald sich die Ordnung der inneren Verhältnisse in Marokko gefestigt haben wird, soll auch die Einführung des deutschen Unterrichtes in den marokkanischen Allianceschulen erfolgen. Die besondere Tätigkeit der Deutschen Konferenz-Gemeinschaft gehörte unverändert auch im abgelaufenen Jahr der Fürsorge für die durchwandernden russischen Israeliten, sowie für diejenigen unter ihnen, die von der Behörde ausgewiesen werden und demgemäß anderwärts eine Zuflucht suchen müssen. Daß die Deutsche Konferenz-Gemeinschaft der Alliance an allen jüdischen Hilfswerken in Deutschland hervorragend mitgewirkt hat, ist selbstverständlich. — Die Feier des fünfzigjährigen Bestehens der Alliance wird Anfang Mai vom Zentralkomitee festlich begangen werden. Das Programm, das die Beteiligung aller Länder, in denen die Alliance vertreten ist. vorsieht, wird rechtzeitig veröffentlich werden. — Am Schluß der Tagung gab Geheimrat Goldberger unter herzlichstem Bedauern der Versammlungsteilnehmer bekannt. daß er einen längst gefaßten Entschluß jetzt verwirkliche, indem er aus dem Zentralkomitee ausscheide und damit nach ungefähr fünfjähriger Amtierung das Präsidium der Deutschen Konferenz-Gemeinschaft niederlege. Auf dringendes und wiederholtes Ersuchen der Versammlung erklärte äch Geheimrat Goldberger bereit, die Geschäfte bis längttens nach der Jubiläumsfeier weiterzuführen. Das Zentralkomitee wird inzwischen eine Anzahl deutscher Mitglieder kooptieren. Alsdann soll die Neukonstituierung des Vorstandes der Deutschen Konferenz-Gemeinschaft erfolgen, in den Herr Justizrat Mar Fuchs-Berlin als einer der beiden stellvertretenden Präsidneten in der gestrigen Versammlung gewählt worden ist. Die Juden in Buchara. _ In der letzten Zeit wurde aus Anlaß des Ausweisungsbefehles gegen die bucharischen Juden wieder das Interesse der Oeffentlichkeit auf das Leben der Juden in der Bucharei gelenkt. Vorläufig hat der Ministerrat beschlossen, die endgiltige Lösung der Rechtsfrage der bucharischen Juden zu vertagen und die Ausführung des Ausweisungsbefehles bis dahin zu suspendieren. Der russische Privatdozent P. Golowatschew, der selbst in Buchara gelebt und dort das Leben der Juden genau studiert hat, veröffentlicht hierüber im „Rußkoje Slowo" einen interessanten Aufsatz, dem wir die folgenden wichtigen Stellen entnehmen: Die Bucharer Juden unterscheiden sich von den europäischen hauptsächlich darin, daß sie, trotzdem sie seit Jahrhunderten in Buchara leben, sich ihrer mohammedanischen Umgebung noch nicht ,assimiliert haben. Allerdings haben sie ihre Ursprache aufgegeben, und sprechen heute persisch, kleiden sich und wohnen wie die Mohammedaner, von denen sie auch einige Sitten übernommen haben. Polygamie treiben die bucharischen Juden nicht. Wohl waren die bucharischen Juden niemals religiösen Verfolgungen ausgesetzt, doch waren ihnen früher verschiedene Rechtseinschränkungen auferlegt. So mußten sie in einem besonderen Stadtteil wohnen, durften kein unbewegliches Vermögen erwerben, genossen keine Gleichberechtigung vor dem Gesetze, durften sich nicht so kleiden wie die Eingeborenen usw. Aber alle diese Begrenzungen vermochten, den Unternehmungsgeist der Juden

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