Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 7 (18.2.1910)
- Date
- 1910-02-18
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 128 Nr. 7 Dr. Blochs Wochenschrift. die Wichtigkeit und Notwendigkeit des Zeichnens im praktischen Leben hervor und findet es sonderbar, daß Väter an die Lehrer ihrer Kinder die Frage richten, ob diese auch „Talent,MM Zeichnen" besähen, während dieselben Väter noch niemals die gleiche Frage in bezug auf Lesen. Schreiben und Rechnen gestellt haben. Der Grund darin liege in der bisher zur Anwendung gelangten verfehlten Behandlung dieses Unterrichtszweiges, doch sei gegenwärtig in dieser Hinsicht eine Besserung zu konstatieren. Auf das Zeichnen beim Religionsunterrichte übergehend, hält es der Vortragende für unerläßlich, dah sich auch der Religionslehrer — schon nach dem alten Erfahrungssatze: Tempora mutantur“ — eine gewisse Fertigkeit im Zeichnen aneignen müsse, da er häufig gezwungen sei. zur Kreide zu greifen, um das eine oder das andere Objekt graphisch den Schülern vorzuführen. Sei es. dah er hebräische Buchstaben an die Tafel zeichnen muh, die sich dadurch dem Gedächtnisse der Kinder weit besser einprägen werden, da sie vor ihren Augen gleichsam entstehen. sei es eins Menorah zu zeichnen, eine Rolle oder ein Tevhillingehäuse, wozu auch ein wenig Perspektive notwendig sei, was der Vortragende an der Tafel demonstrierte. In der darauf folgenden Diskussion sprachen sich die Herren Professor Dr. A. Weih, Religionslehrer Herr M. Antscherl, Herr Kultusvorsteher Dr. Samuely im Sinne des Vortragenden aus. Se. Ehrwürden Herr Dr. Abeles konstatierte mit Befriedigung, dah sich gegenüber der Indolenz auf der einen Seite eine religiöse Vertiefung auf der anderen bemerkbar mache. Ls sei notwendig, den Zeitverhaltnissen Rechnung zu tragen und religiöse Stimmung im Volke hervorzurufen, wozu die Kunst das geeignetst» Mittel sei. Herr Religionslehrer Wiesner regt di» Schaffung eines jüdischen Bilderbuches an und Schriftführer Religionslehrer Rindskopf lenkt die Auflnerksamkeit der jüdischen Künstler auf die höchst mangelhaften, jeder Aesthetik hohnsprechenden Bilder in der Hagadah hin. die geeignet seien, den Spott der Jugend wachzurufen und jede Begeisterung, jede religiöse Stimmung, besonders der Kinder gebildeter Stände, für immer zu untergraben und betont die Notwendigkeit, dies» Bilder dem Geschmack» unserer Zeit entsprechend zu verbessern. Herr Obmann Dreier dankt hierauf dem Herrn Vortragenden für die gebotenen Anregungen sowie jenen Herren für die rege Beteiligung an der Diskussion und schlieht unter lebhaftem Beifall der Anwesenden die Sitzung. In Anbetracht des schönen Zweckes hatte, der löbliche Vorstand den Sitzungssaal in freundlicher Weise zur Verfügung gestellt, wofür ihm an dieser Stelle der Dank des Vereines ausgesprochen wird. R—f. Israelitischer Bethausverein „Am Volkert". Die 33. Generalversammlung des Bethausvereines „Am Volkert", die am Dienstag, den 25. Jänner, abends 8 Uhr. unter dem Vorsitze des Vereinspräsidenten und Kultusvorstehers, Herrn Adolf Schramek, stattfand, erfreute sich eines zahlreichen Besuches und wurde vornehmlich durch die im letzten Vereinsjahre ins Leben gerufene Sprach- und Bibelschule, worin ein Barmizwahkurs ebenfalls geschaffen wurde, beeinflußt. Nachdem der Vereinspräsident die erschienenen Gäste und in erster Reihe den Repräsentanten der Kultusgemeinde, das Mitglied des Vertreterkollegiums Herrn Dr. Markus Spitzer, der seit Jahren auch Ehrenmitglied des Bethausvereines ist, und sodann die beiden Vertreter des Tempelvereines im XX. Bezirke. Herrn Josef Wünsch und Herrn Joses K o h n, letzteren als Obmann der Sprach- und Bibelschule des XX. Bezirkes, sowie die zahlreich erschienenen Mitglieder begrüßt hatte, gedachte er der im heurigen Jahre aus ihrem ausgezeichneten Wirkungskreise abberufenen Herren und widmete vorerst dem verstorbenen Vizepräsidenten der Kultusgemeinde. Herrn Theodor Ritter v. Goldschmidt, sodann dem Kultusvorsteher Herrn- Larl Selig mann, und weiters dem kürzlich verstorbenen Kultusvorsteher Herrn Emil Horner einen Nachruf. Gleichzeitig erbat er sich, da die ganze Versammlung sich behufs Ehrung des Andenkens von den Sitzen erhoben hatte, die Ermächtigung, diese Trauerkundgebung dem Protokolle der Generalversammlung einverleiben zu dürfen. Nach Verlesung des Protokolles der letzten Generalversammlung durch den Schriftführer, Herrn Simon Wessely, und nach debatteloser Genehmigung des durch den Vereinsrevisor, Herrn Moritz Fürth, erstatteten Gebarungsausweises, wird dem Vorstand unter lauter Beifallsbezeugung das Absolutorium erteilt. In der hierauf folgenden Debatte sprachen Herr Josef Kohn und Herr Samuel Adler über die Wichtigkeit des Unterrichtes im Urtert, während Herr Dr. Moritz Kohn hervorhob, daß der Vereinspräsident im heurigen Jahre das 30jährige Jubiläum seiner Obmannschaft in diesem Verein feiern könnte und regte den Bau eines Schramektempels an. Kultusvertreter Dr. Marcus Spitzer beglückwünschte den Verein zu seinen Erfolgen. Nachdem noch Herr Vereinsrabbiner Abeles und Oberrevident Adolf I u h n gesprochen hatten und die Wahlen vorgenommen worden waren (neugewählt wurde Herr Samuel Adler), zeichnete der Vereinspräsident Schramek die hohen Verdienste des Präsidenten und I. Vizepräsidenten der israelitischen Kultusgemeinde und beantragte, sie zu Ehrenmitgliedern des Vereines zu ernennen. Der Antrag wurde mit Akklamation zum Beschlüsse erhoben, ebenso der Antrag, den Herren Solomon Beck und Hermann Kaiser die Ehrenmitgliedschaft zu verleihen, worauf die Versammlung geschlossen wurde. — Bei der am 10. Februar 1910 stattgehabten konstituierenden Vorstandssitzung wurde Herr Adolf Schramek als Obmann, Herr Elkan Bauer als Obmannstellvertreter, Herr Dr. Moritz Kohn als Schriftführer, Herr Julius Beck als Schriftführerstellvertreter und Herr Josef Fischer als Kassier gewählt. Auch die Bethausvorstände. Herr Wilhelm Bandler, Herr David Kohn und Herr Joses Werner, wurden wiedergewählt. Karl Goldmarls Neffe preisgekrönter Tondichter. Wie „Newyork Herald" aus Boston meldet, hat die Bostoner Jury des Paderewsky-Preises für das Jahr 1909 den Preis für ein Quartett im Werte von 1000 Dollar dem Newyorker Komponisten Rubin Goldmark zugeurteilt. Der Vater Rubin Goldmarks, Leo Goldmark, ist ein Bruder des berühmten österreichischen Tondichters, Karl Goldmark, dessen 80. Geburtstag! jetzt gefeiert werden soll. Leo Goldmark, der nach der Niederschlagung der Revolution in Ungarn, wo er ein angesehener Kantor war, nach Amerika floh, wohnt in Patterson, N. I.. als wohlhabender Kaufmann. Alle seine Kinder haben sich auf musikalischem Gebiete ausgezeichnet und besonders sein Sohn Rubin gehört zu den beliebtesten Musikern des Staates Newyork. .. . . Erzwungene Demission eines jüdischen Bürgermeisters. Vor kurzem berichteten wir über die Wahl des Doktor Salamon Reicher zum Bürgermeister der ungarischen Stadt Satoralja-Ujhely, die trotz der Gegenagitation der Klerikalen und Antisemiten erfolgt ist. Aber auch nach erfolgter Wahl hörte von dieser Seite die Hetze gegen den jüdischen Bürgermeister nicht auf. Die Antisemiten waren entschlossen, Dr. Reicher aus dem Amte hinauszuekeln. Schließlich gelang es ihnen auch, ihm das Ehrenamt so zu verleiden, daß er sich entschloß, des lieben Friedens willen seine Demission zu geben. Ein Duell wegen Bekämpfung des Zionismus. Dem „Hed Hazman" wird aus Jaffa gemeldet: Der bekannte Zionist Michael Heilperin hat den Redakteur des Konstantinopler antizionistischen Blattes „El Tiempo", David Fresco, wegen dessen unausgesetzten heftigen Angriffen auf den Zionismus zum Zweikampfe herausgefordert. Zu diesem Zwecke ist Herr Heilperin nach Konstantinopel gereist. Berlin. Der Verband der deutschen Juden hat am 23. Januar d. I. eine Sitzung seines Gesamtausschusses abgehalten, an der 40 Mitglieder aus allen Teilen des Reiches teilnahmen, unter ihnen zum erstenmal eine Dame, die Vertreterin des Jüdischen Frauenbundes. Aus der Tagesordnung sei folgendes hervorgehoben: In der Angelegenheit der Sonntagsruhe ist durch Eingaben des Verbandes und anderer jüdischer Körperschaften erreicht worden, daß in den Entwurf eines Reichsgesetzes über diesen Gegenstand den am Sonnabend und an den jüdischen Feiertagen geschlossenen Geschäftsbetrieben eine Sonntagsarbeit in beschränktem Umfange ermöglicht wird. Es wurde die Einreichung einer erneuten Eingabe an das