Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 7 (18.2.1910)
- Date
- 1910-02-18
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 130 Dr. Vlochs Wochenschrift. Nr. 7 nicht zu ersticken, und auch heute noch zeichnen sich die Juden durch ihren geordneten Wohlstand vor der übrigen Bevölkerung aus. Die.bucharischen Juden beschäftigen sich vornehmlich mit Seidenhandel und Seidenfärberei. Ihre Produkte müssen sie hauptsächlich nach Rußland und anderen Ländern exportieren, da die mohammedanische Bevölkerung im allgemeinen sich gesellschaftlich von den Juden fernhält und überhaupt ein sehr abgeschlossenes Leben führt. Die Juden treiben auch liberale Berufe und die meisten Aerzte und Apotheker sind Juden. Auffallend ist jöte Reinlichkeit und Charakterfestigkeit der bucharischen Juden, die unbestrittenermaßen den sympathischesten Teil der bucharischen Bevölkerung bilden. Bekanntlich wird als Vorwand für die geplante Austreibung der Juden aus Buchara angegeben, daß sie ein schädliches Element bildeten. Hierüber äußert sich Golowatschew wie folgt: Von einem schädlichen Einfluß der Juden auf die eingeborene Bevölkerung kann überhaupt keine Rede sein. Die Mohammedaner können schon deshalb von den Juden nicht ausgebeutet werden, weil die Zahl der dortigen Juden verhältnismäßig sehr gering ist, mit der Ortsbevölkerung. auf keinem einzigen Gebiete konkurrieren und sich hauptsächlich mit Fabrikation zum Export befassen. Golowatschew weist schließlich nach, daß Buchara in bezug auf Rußland als „Auswärtiger Staat" und die Turkestaner Juden daher auch nicht als „Ausländer" aufgefaßt werden können und spricht die Hoffnung aus. daß der Ministerrat die „Vertreibung dieses nützlichsten Elementes des turkestanischen Teiles des russischen Reiches" nicht zur Ausführung gelangen lassen werde. Ein jüdischer Feuerwchrkommandant in London. Aus London wird uns berichtet: Ende Februar tritt der populäre Feuerwehrkommandant W. F. Emanuel nach 31 jähriger Dienstzeit in den Ruhestand. Mit 18 Jahren trat Emanuel in den Dienst der Londoner städtischen Feuerwehr und ist Besitzer mehrerer Tapferkeitsmedaillen. Unter anderen Auszeichnungen wurde ihm auch erst jüngst vom König die sogenannte königliche Polizeimedaille verliehen, die außer ihm nur noch ein Offizier der Londoner Feuerwehrbrigade besitzt. Vis zu seinem 14. Lebensjahre besuchte Emanuel die Talmud- Thora-Schule in Hüll, ließ sich dann in die Handelsflotte einreihen und wurde einem Handelsschiffe, das nach dem Kap der guten Hoffnung verkehrte, zugeieilt. Als der jetzige Prinz von Wales im Jahre 1901 die Reise um die Welt antrat, überreichte der damalige Distriktsoffizier Emanuel dem Prinzen in Portsmouth die zwei Fahnen der Feuerwehrbrigade, die im königlichen Museum aufbewahrt werden. Die Forderung einer galirischen Familie an die amerikanische Regierung. lleber einen interessanten Prozeß berichten die „Newyorker Times": Die Nachkommen des im 18. Jahrhundert aus Rzeszow in Galizien nach Amerika cmsgewanderten jüdischen Bankiers Ehajim Salomon führen gegen die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika schon seit langem einen Prozeß wegen jener Summen, die Salamon dem Staate zur Unterdrückung der Revolution zur Verfügung gestellt und nicht zurückerhalten hat. Chajim Salomon, der als reicher Bankier 1785 in Phildelphia starb, hat seine Forderung, die heute mit Zinsen und Zinseszinsen 50 Millionen Dollars jausmacht, noch selbst geltend gemacht und zieht sich diese seit seinem Tode ununterbrochen fort, ohne zu einem formellen Abschluß zu gelangen. Da auch einige andere Familien ähnliche Forderungen an den amerikanischen Staat haben, sind jetzt Verhandlungen im Zuge, die ein gemeinsames Vorgehen aller Gläubiger der Regierung aus der Revolutionszeit zum. Zwecke haben. EmwanderungÄontmiffiir! Williams in einer jüdischen Versammlung. Der gefürchtete Einwanderungskommissär Williams war vorige Woche als Gast in der Jahresversammlung der „Jewish Immigrant Society" anwesend. Unter den Rednern befand sich auch Jacob H. Schiff, der unter anderem -sagte, Amerika brauche die russischen Einwanderer, die große Ideale ins Land importiert haben. Daß Newyork heute die größte Handelsstadt ^on Amerika ist, habe man den russischen Einwanderren zu danken. Die russischen Juden mit ihrem Idealismus haben das amerikanische Bürgertum auf eine sichere Stufe erhoben. Trotz alledem sei es nicht ratsam, daß alle einwandernden Juden sich in den großen Städten von Nordamerika ansiedeln, da diese bereits überfüllt sind. Im Staate Texas gibt es Platz genug und sehr gute Aussichten für Einwanderer. Dahin sollte der Strom der jüdischen Auswanderer gelenkt werden, weil nur auf diese Weise die Einwanderungsfrage gelöst werden kann. Hierauf erhob sich Einwanderungskommissär Williams und führte aus: Es gibt in Amerika hinsichtlich der Emigration zwei Parteien: Die einen verlangen, daß alle hereingelassen werden, und die änderen, daß alle zurückgewiesen werden^ Redner gehöre zu keiner der beiden Parteien: der ihm imputierte Antisemitismus sei eine Verleumdung. Man vergesse immer, daß er Beamter ist, von der Regierung entsendet, die Einwanderungsgesetze strenge zu handhaben. Diese Gesetze seien aber in vielen wichtigen Punkten unklar, und daraus ergeben sich die Schwierigkeiten. Mit den Vertretern der jüdischen Organisationen auf Ellis Island hat et die besten Erfahrungen gemacht, wenn er auch oft gezwungen sei, ihre Wünsche unberücksichtigt zu lassen, da sie Utt? mögliches von ihm verlangen. Großen Eindruck machte die folgende Bemerkung des nächsten Redners, Judgs Leon Sanders: Er sagte, zu Williams gewendet: „Mögen Sie, Mr. Williams, in Ihrem schweren Amte stets Folgendes vor Augen haben: Wenn Emigranten anderer Völker zurückgeschickt werden, so haben sie eine Heimat, in welche sie zurückkehren können. die jüdischen Emigranten aus dem Osten Europas aber sind heimlos, und wenn sie zurückgeschickt werden, sind sie verurteilt, heim- und ruhelos umherzuwandern und zu verkommen..." Rabbiner Maslianski machte auf die berüchtigte Willi amssche Verordnung über dir „Untersuchung der Muskeln der Einwanderer" die witzige Bemerkung: „Es gibt Menschen mit starken Muskeln, die ihre Kraft dazu benützen, ihren Mitmenschen die Gurgel abzuschneiden, und es gibt Menschen ganz ohne Muskeln, die eine neue Welt erbauen." Williams versprach schließlich, sich die ihm gewordenen Lehren in seinem Amte zunutze machen zu wollen. Zum btiiienmak Senator. Die Legislatur des Staates Maryland hat den Rechtsanwalt Isidor Rayner zum dritten Male als Senator der Vereinigten Staaten nach Washington entsendet. Rayner gehört zu den bedeutendsten Kennern der auswärtigen Politik und wurde wiederholt als Ministerkandidat genannt. Vermischtes. Wien. (Verleihung des Elisabethordens an die Präsidentin des Frauenhortes.) Frau Rosa Z i f f e r e r wurde von Sr. Majestät durch den Elisabethorden 2. Klasse ausgezeichnet. In dieser Verleihung an eine mit allen Gaben des guten Herzens ausgezeichnete Frau er-