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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-02-18 · 7 (18.2.1910) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
7 (18.2.1910)
Date
1910-02-18
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 126 Nr 7 Dr. Blochs Wochenschrift. aus, einwandfreie Beziehungen zur christlichen Creme herzustellen, nun soll es das bitzchen Taufwasser bewirken. Der Mann wird an Christlichkeit gewiß nichts zu wünschen übrig lassen und schwingt sich vielleicht in kurzer Zeit schon zum enragierten Antisemiten auf, ganz wie Herr Ballagi, der intolerant ist, damit man i h n toleriere." Man sieht, das ebenso lächerliche als verächtliche Renegatentum in allen Ländern und Zonen ist einander geistes- und blutsverwandt. Die Jca-Erpedition nach Mesopotamien. (Aus einem Briefe des Agronoms Akiba Ettinger.) Vor kurzem hat die von der Ica ausgeführte Expedition zum Studium der Kolonisationsmöglichkeiten in Mesopotamien ihre Reise angetreten. Zu den Mitgliedern der Expedition gehört auch der Lodzer Agronom Akiba Ettinger, der seit Jahren in Diensten der Ica steht und sich besonders um die jüdischen Kolonisten des Chersoner und Podolier Gouvernements in Rußland sehr verdient gemacht hat. Herr Ettinger sandte nun dem „Lodzer Tagblatt" seinen ersten Bericht über seine Reise: „Nach langen Fahrten sind wir endlich in Bagdad angelangt, woselbst wir während 2—3 Monaten unser ständiges Zentralquartier haben werden. Von hier werde ich öfters Reisen ins Innere des Landes unternehmen, um die geographische Lage, die landwirtschaftlichen Verhältnisse und die Sitten und Gebräuche des Landes kennen zu lernen. Meine Reise hieher ging zu Meer über Egypten und Indien. Von Bassora, der ersten Stadt Mesopotamiens, fuhr ich teils per Schiff, teils zu Pferde ungefähr 800 russische Meilen bis Bagdad. Das Land ist durchwegs unbebaut, man kann sagen, eine Wüste, aber der Boden ist sehr fruchtbar, genau so, wie in uralten Zeiten. Die Engländer sind hier schon fleißig an der Arbeit und beginnen mit der Gründung großer Unternehmungen. Die Kultur von Baumwolle, Reis und Rohrzucker können hier die Quelle immenser Reichtümer werden. Ob cs den russischen Juden lohnt, hierher zu emigrieren, ist eine Frage, auf die ich jetzt noch keine entschiedene Antwort geben kann. Unsere Expeditionskommission wird ihr Urteil erst nach Abschluß der genauen Erforschung, der ökonomischen und wirtschaftlichen Verhältnisse des Landes abgeben. In Bagdad sind von 200.000 Einwohnern ungefähr 50.000 Juden, die zum Teile zur Zeit des babylonischen Exils hieherkamen. Ein anderer Teil kam später, als die Kreuzfahrer Tausende von Juden aus Palästina und anderen Ländern des Orients vertrieben. Die Juden von Bagdad bedienen sich selbst ausschließlich der arabischen Sprache. Selbst das Hebräische sprechen sie nach den Regeln der arabischen Sprache aus, auch ihre Gerichtseide leisten sie in arabischer Sprache. Ihre Schulen, Talmud-Thora, unterscheiden sich in nichts von dem Typus ähnlicher Schulen des Orients. Die jüdischen Frauen kleiden sich so wie die Mohammedanerinnen. Auf der Straße sieht man sie nur dicht verschleiert und auch zuhause unterscheidet sich das Familienleben der Juden nur wenig von demjenigen der Araber. Die Frauen nehmen ihre Mahlzeiten niemals zusammen mit den Männern ein, selbst die Ehegatten nicht. Ich habe noch viele andere interessante Sitten und Gebräuche der Bagdader Juden beobachtet, worüber ich nächstens berichte. Wie lange wir noch in Mesopotamien bleiben, ist unbestimmt, doch hoffen wir anfangs Sommer wieder in Rußland zu sein. 2n den Wintermonaten ist das Leben hier sehr gesund. Wir sind im Jänner und hier ist es sehr warm. Des Morgens haben wir 10—12 Grad Wärme und am Tage ist es recht heiß. In einem Monate beginnt der Frühling und im März—April schon Sommer. Im Sommer erreicht die Hitze mitunter 50 Grad Celsius im Schalten. Ich weiß nicht, ob die Hitze zu ertragen sein wird. Tatsache ist, daß die Europäer sie ganz gut vertragen, da das Klima in Mittel-Mesopotamien sehr trocken ist. Der Erfinder der Cellulose. Aus Newyork wird berichtet: In Utica, Staat Newyork starb der Erfinder der Cellulose, Friedrich Marx, im 80. Lebensjahre. Marx, ein aus Deutschland eingewanderter Jude, ging erst nach Kalifornien, um dort mit den übrigen Goldsuchern sein Glück zu versuchen. Dann kehrte er nach Europa zurück, wo er die Herstellung der Cellulose erfand. Die große Wichtigkeit seiner Erfindung erkennend, ging er abermals nach Amerika, wo er sich mit der fabriksmäßigen Erzeugung von Cellulose und Cellulosepapier beschäftigte und sich ein großes Vermögen erwarb. In vorgerücktem Alter verkaufte er seine Fabriken an eine amerikanische Gesellschaft, zog sich vom Geschäftsleben zurück, um sich ausschließlich großzügiger philanthropischer Arbeit zu widmen. Die Weltmeistjeriu auf dem Eise. Aus Budapest wird geschrieben: In hiesigen Sportkreisen herrscht große Freude über die großen Erfolge, welche Frl. E. Kronberger, die Tochter eines hiesigen jüdischen Industriellen, in Berlin errungen hat. Hierüber wird nämlich berichtet: Eine Sensation war das Lausen der anmutigen jungen Budapester Läuferin Fräulein Kronberger, die ihr schwieriges Programm mit großer Sicherheit und Eleganz absolvierte und zum dritten Male den Weltmeistertitel errungen hat. Nach Schluß der Konkurrenz erzählte uns Fräulein Kronberger manches Interessante aus ihrem Schlittschuhleben. Seit ihrem vierten Lebensjahre beherrscht Fräulein Kronberger den Schlittschuh und seit ihrem siebenten steht sie unter Leitung des berühmten Wiener Trainers S e i b e r 1, des offiziellen Trainers des Budapester Eislausvereines. Zum erstenmale startete Fräulein Kronberger in Berlin als zwölfjähriges Mädchen aufder bekannten alten Westeisbahn in einer Herrenkonkurrenz, in der sie allerdings von dem jetzigen Berliner Meister Rends ch m i d t geschlagen wurde. Aber schon damals fiel ihr Laufen allgemein auf und auf Wunsch des anwesenden Kronprinzen mußte sie noch zweimal ihre Kunst zeigen. Ihren ersten größeren Erfolg errang sie im Jahre 1905 in Stockholm, wo sie in einem internationalen Damenkunstlaufen den zweiten Preis besetzte. Im folgenden Jahre startete sie zum ersten Male in der Weltmeisterschaft in Davos, wurde aber von der Enländerin Mrs. S y e r s geschlagen; ebenso erging es ihr 1907 in Wien. 1908 errang Fräulein Kronberger zum ersten Male den Weltmeisterschaststitel und 1909 abermals in Budapest. Außerdem hat sie bereits zweimal die ungarische — Herrenmeisterschaft gewonnen, da man eine Damenmeisterschaft in Ungarn nicht kennt. Im Vorjahre konnte sie ihren Landsmann S z e n d e schlagen, der erst kürzlich in der Weltmeisterschaft den dritten Platz besetzte.' Hauptsächlich trainiert Fräulein Kronberger in der hohen Tätra, doch auch Budapest und München werden als Trainingsorte gewählt. Zu der diesjährigen Weltmeisterschaft hatte sie drei Monate lang auf dem Nisser See in Bayern trainiert, und sie geht nun zurück nach Ungarn, um vom neuen die ungarische Meisterschaft zu verteidigen. Fräulein Kronberger — nebenbei auch eine gute Tennisspielerin. Reiterin und Florettfechterin — ist eine hübsche Erscheinung und steht gegenwärtig im 19. Lebensjahre. Sie ist in der glücklichen Lage, über ihre Zeit immer verfügen zu können, da ihr verstorbener Vater, ein bekannter ungarischer Großindustrieller, ein bedeutendes Vermögen hinterlassen hat. Fräulein Kronberger ist zum dritten Male Weltmeisterin geworden, eine Frauenwürde, die auch der Neid ihr gönnen muß. Eine jüdische Soldatenfamilie. Dieser Tage ist Oberstleutnant Severin Ullrich vom 51. Infanterieregiment in den Ruhestand getreten. Oberstleutnant Ullrich gehört einer Familie an, die mehrere Mitglieder in hohen Militärchargen aufzuweisen hat. Schon sein Großvater war Militärwundarzt in Lemberg, während sein Vater Oberstabsarzt daselbst war. Der Bruder des Oberstleutnants Severin Ullrich, Heinrich Ullrich, Edler von Trenckheim, ging vor ungefähr fünf Monaten als Generalmajor in Pension. Anläßlich der

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