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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-02-18 · 7 (18.2.1910) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
7 (18.2.1910)
Date
1910-02-18
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 7 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 123 dieses Meisterwerk eine Reihe von Aussprüchen enthält, die gleich geflügelten Worten oft von Mund zu Mund gehen. Aus ihm stammen beispielsweise die Worte, die in ihrer schlichten Erhabenheit noch heute bei jedem schmerzlichen Heimgang gesprochen werden (1. 21): „Der Herr hat gegeben, der Herr hat genommen, der Name Gottes sei gepriesen". Sätze, wie z. B.: „Hat nicht der Mensch einen Frondienst auf Erden" (7, 1), oder: „Denn von gestern sind wir und wissen nichts, weil ein Schatten unsere Tage auf Erden" (8, 9), Aussprüche, wie: „Ich weih, daß mein Erlöser lebt" (19, 25), „Der Frieden schafft in seinen Höhen" (25, 2), Wendungen, wie: „Das himmlische Teil von Oben" (^-» n pbn 31,2), „welches der Weg sei dorthin, wo das Licht wohnt" 0=®'V»“ ,-t *k 38,19) usw. gehören dem Zitatenschahe der jüdischen Lehre und des jüdischen Lebens an: daher sollte vornehmlich unsere jüdische Jugend ihre Kenntnis aus e r st e r Quelle zu schöpfen Gelegenheit finden. — Aber auch zur Würdigung des dichterischen Wertes der Bibel ist d'.e Lektüre und planmäßige Besprechung des Buches Hiob vorzüglich geeignet. Bekanntlich hat ja schon Herder die biblische Poesie in mancher Hinsicht über die griechische und römische gestellt. „Weisheit, Macht, Majestät" — so meint er (Fragmente, Wäldchen 2, S. 65) — „alles Hohe und gleichsam Unbegreifliche in der Gottheit — darin sind die Dichter des Morgenlandes und die ersten derselben, die Dichter des alten Bundes eine weit reichere, »unerschöpfliche Quelle. In solchen Bildern sind ein Silius Italikus, Ovid, Virgil und Klaudian gegen einen Hiob, Moses, Jesaias und David wie ein Tropfen gegen einen Ozean, und Schande ist es. an einem Tropfen zu lecken, wenn ein Abgrund von Größe, Hoheit, Majestät vor uns ist". Eine Sünde und Schande aber — so sagen wir — wäre es, wenn im jüdischen Gymnasiasten, an den sich solch vierteiliger Bildungsstoff herandrängt, das Interesse für die unvergleichlichen Schönheiten der Psalmen- und Prophetenliteratur — dieser ruhenden Pole in dem bunten Wechsel geistiger und materieller Werte — nicht geweckt würde. Durch Vergleichung dieser Perlen hebräischer Poesie mit den aus Hellas und Rom stammenden Dichterwerken wird der reifere Schüler die Ueberzqugung gewinnen, daß die Bibel — abgesehen von ihrer religiös-ethischen Bedeutung — auch in bezug auf Klassizität einen gleich hohen Rang unter den Denkmälern des antiken Schrifttums einnimmt. Kein biblisches Buch aber zeigt uns dies in so vollendeter Weise wie das Buch Hiob, dessen Verfasser ein gewaltiger Dichter und wahrhafter Prophet zugleich war. Die große Charakterisierungskunst desselben geht aus der fein abgetönten Durchführung des reich gegliederten Dialoges hervor. Der einsame Dulder, der einer ziffernmäßigen Uebermacht von Gegnern preisgegeben ist, erweckt unsere warme Teilnahme, die sich allmählich zu erwartungsvoller Spannung steigert. Tiefes Mitgefühl ergreift uns. wenn wir den in seiner Dulderkraft bewundernswerten Helden seine leidigen Tröster mit der flehentlichen (19, 21—22) Bitte bestürmen hören: „Habt Erbarmen mit mir, habt Erbarmen, ihr, meine Freunde, denn Gottes Hand hat mich ungerührt. Weshalb verfolgt ihr mich wie Gott und bekommt nicht satt an meinem Fleische". Bei solch bitteren Verzweiflungsausbrüchen zittern wir für sein Leben, während wir erleichtert aufatmen, ja innerlich frohlocken, sobald ihn die Hoffnung belebt, daß er „Gott noch schauen" werde (19, 26). Mit großem Geschick hat der Dichter die schwache Position der Gegner durch die Art ihrer Reden zart angedeutet: diese entbehren bisweilen des logischen Aufbaues und sind selten in leidenschaftlich erregtem Tone gebasten, höchstens da, wo die persönliche Eitelkeit der Freunde verletzt wurde. Eliphas' glänzende Rhetorik ermangelt der warmen Sprache: es sind leuchtende Raketen, die wohl blenden, aber nicht erwärmen. Bildads Selbstgefälligkeit und Zophars leidenschaftliches Pathos lassen den notwendigen Gedankenfortschritt in ihren Reden vermissen, während die Reden Hiobs durch lebhaften Wechsel der Bilder und der Satzformen, durch reiche Mannigfaltigkeit der Stimmungen und Leidenschaften sich auszeichnen. Gerade in diesen mit hoher Meisterschaft disponierten Reden bewundern wir die vollendete Kunst des Dichters in der Behandlung des Problems, das seinem erhabenen Geiste sphinrhaft vorschwebte. Der Fortschritt in dem großen heiligen Kampfe Hiobs mit dem eigenen Zweifel und mit seinen Freunden wird durch die oft unberechtigten Einwendungen der letzteren verlangsamt. Von der Schürzung des Knotens (im Prolog) bis zur Peripetie, d. h. bis zu seiner Auflösung durch die Gotteserscheinung (Theophanie) ist ein weiter Weg, der durch heftige Tadelworte von der einen, durch Anwandlungen von Mutlosigkeit oder Trotz von der anderen Seite (Hiob) verlegt wird, bis endlich Gott selbst mit olympischer Ruhe das dem Menschen Ersprießliche zusammenfaßt, durch die erdrückende Menge der Fragen, vor denen die 4 Kämpfer ihre Ohnmacht bekennen müssen, seine gewaltige, unerforschliche Herrschaft im Kosmos ahnen läßt und dadurch die Katharsis oder Re'nigung seines Helden herbeiführt. — Bei der Auswahl der zur Lektüre geeigneten Stücke wird in erster Linie das Moment der fortschreitenden Gedankenentwicklung zu berücksichtigen sein, so daß bei dem großen Umfang der Dichtung belanglose Abschweifungen und Wiederholungen ausgelassen werden müssen. Keineswegs aber dürfen die besonders in den letzten Kapiteln (26.. 36., 37.. 38—41) vorkommenden prachtvollen Naturschilderungen unberücksichtigt bleiben. Neben der Offenbarung galt die Natur seit jeher in Israel als Verkünderin der Herrlichkeit Gottes (Ps. 19. V. 2—7). doch werden beide Erkenntnisquellen der Gotteslehre in den Psalmen (z. B. 19, 93, 136) häufig miteinander verknüpft. Da aber das Buch Hiob von der Offenbarungsgeschichte Israels keine Notiz nimmt, kommt in demselben die Natur allein als die große Erkenntnisquelle der göttlichen Majestät in Betracht. Kein Geringerer als Alexander von Humboldt hat in seinen noch nicht veralteten Ausführungen über die Naturansichten der Völker (Kosmos, Tl. II..— Volksausgabe Bd. II. p. 33) als charakteristisches Kennzeichen der hebräischen Naturpoesie die Erfassung des ganzen Weltalls «als Einheit erkannt. Nicht als ein für sich Bestehendes, durch eigene Schönheit Verherrlichtes wird die Natur geschildert, sondern sie erscheint immer „in Beziehung auf eine höher waltende geistige Macht". Dem Hebräer ist die Natur „der lebendige Ausdruck der Allgegenwart Gottes in den Werken der Sinnenwelt." Dieses tiefe Naturgefühl äußert sich jedoch in zweifacher Art: Die Erscheinungen der Sinnenwelt werden entweder in ihrer Beziehung zum Menschenleben oder als selbständige Objekte der Betrachtung gedacht. Im ersteren Falle haben wir es mit einer volkstümlichen Naturanschauung zu tun; die Natur erscheint da bald als Schauplatz, bald als Begleiterin und abspiegelnder Refler des bewegten Menschheitslebens. Als Beispiel diene der 2. Schöpfungsbericht (Gen. 2, 4 ff.), in welchem Pflanzen und Tiere nicht als selbständige Schöpfungswerte dem Menschen zur Seite treten, sondern ihm zugesellt erscheinen, damit er „an ihnen seiner Bestimmung zur Arbeit und zur Gemeinschaft und seines Verhältnisses zu Gott sich bewußt werde." Beim Psalmisten hüpfen die Berge wie die Widder, die Hügel wie Lämmer, da Israel sein ägyptisches Gefängnis verläßt, (Ps. 114, 4). Dieser Auffassungstypus ist namentlich, von den älteren Propheten reichlich übernommen und ausgebaut worden. Die zweite Art biblischer Naturanschauung wurde im Gegensätze zur

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