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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-02-11 · 6 (11.2.1910) · page 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
6 (11.2.1910)
Date
1910-02-11
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Nr. 6 Dr. Blochr Wochenschrift. Seite 117 politische Gesinnungen haben. Willst Du wissen, was teutonische Aufrichtigkeit ist, so geh' in die Kollegs deutscher Professoren vnd notiere Dir, was sie über ihre Kollegen von derselben Fakultät äußern.... Reichtum ist die einzige oder zunächst liegende Quelle zur Macht für Juden. Zu diesem zielbrwußten Streben wird aber bei uns die jüdische Gesellschaft angetrieben, weil auf ihr ein besonderer Druck der Verachtung und Zurücksetzung ruht. In Ländern, wo in allen Kreisen der Trieb „Vorwärts und Aufwärts" genährt wird, wie in England und Amerika, heben sich die Juden durch Strebsamkeit und geschäftliche Tüchtigkeit von den Christen nicht ab. Besser nach Reichtum streben, als ohne alles Streben dahinleben". P. A. Engel Ed, Goethe. Der Mann und das Werk. Berlin, 1910. „Concordia", Deutsche Verlagsanstalt (Hermann Ehbock). Aus der Flut moderner Goethe-Biographien hebt sich diese auf den ersten Blick durch den glänzenden, flüssigen Stil hervor. Ohne die Hemmeisen überlastender Wissenschaftlichkeit geht es vorwärts. Wie gründlich aber jedes von der Goethe-Forschung aufgeworfene Problem seine Würdigung und wie glücklich es oft eine Lösung findet, läßt ein Blick auf die Behandlung des Verhältnisses — hier wäre der „Verhältnisse" angebracht — Goethes zu Friederike, der Stein und der Vulpius erkennen. Die geschmackvolle Illustrierung und reiche, glückliche Auswahl von Schriftproben Goethes bei einem sehr mäßigen Preise werden dem Buche in viele Häuser den Eingang öffnen, sein gediegener Inhalt wird es zum Hausfreund werden lasten. x. Einhorn Dav, Jnaugural-Sermon. 1855. Zum Centenarium des Geburtstages David Einhorns hat seine dankbare Gemeinde in Baltimore seine Antrittspredigt nebst Biographie des bekannten Predigers herausgegeben. Amerika. Du hast es besser . . .! F. Fulda Ludwig. „Das Exempel". Lustspiel in drei Aufzügen. Zweite Auflage. I. H. Cotta. Stuttgart und Berlin. Ein junges Mädchen aus guter Familie, von tadellosem Ruf und wirtschaftlich gesicherter Existenz lernt die Qualen des Ehezwanges im Hause eines von ihr verehrten Architekten kennen. Sie gründet voller Entrüstung darüber eine Zeitschrift, die den Gedanken der freien Verbindung verficht. In Konsequenz dieses Grundsatzes bezieht sie mit jenem Architekten, der auf Scheidung von seiner Frau geklagt hat, aber sie noch nicht hat durchführen können, gemeinsamen Haushalt. Als ihr Geliebter nach glücklich erfolgter Scheidung auf Trauung dringt, opfert sie ihrer Freiheit, ihrem Prinzip ihr Glück. Er gibt sie zum Scheine auf. Nach allerlei Zwischenfällen finden sie. sich jedoch wieder zu einander. Die alte Moral triumphiert. Der D ialog ist flott, einige Situationen von ungezwungener Komik, in allem Geist, wie bei Fulda natürlich. . A. S. Seneea, vom glückseligen Leben. Herausg. von Dr. H. Schmidt (Jena). Alfr. Kröner, Leipzig 1909. In Leinwand gebunden Preis 1 Mark. Mit Epiktet und Mark Aurel gehört der Erzieher Neros, Lucius Annäus Seneea, zu den hervorragendsten Vertretern und Darstellern der stoischen Philosophie in der römischen Kaiserzeit. Die Großartigkeit seiner Weltanschauung, die Erhabenheit seiner sittlichen Forderungen, machen den Stoizismus schon an und für sich anziehend genug: in Senecas Darstellung wird sein Studium aber auch m einem ästhetischen Genuß. Eine Fülle von Kenntnissen aus den verschiedensten Gebieten, Reife der Erfahrung, in allen Höhen und Tiefen bewanderte Menschenkenntnis, Freiheit des Urteils und geläuterter Geschmack verleihen den Schriften Senecas einen ungewöhnlich festelnden Reiz. Die vorliegende Taschenausgabe enthält außer den Abhandlungen vom glückseligen Leben, von der Kürze des Lebens, von der Gemüts uhe, sowie den Trostschriften an Marcia und Helvia, eine Reihe der besten Stücke aus den berühmten Briefen an Lueilius. Die Bücher der Bibel. Herausgegeben von F. Rahlwes, Zeichnungen von E. M. Lilien. Verlqg von George Westermann. Braunschweig, Bd. VI. M. 10.—. Von dieser prächtigen Bibelübersetzung liegen jetzt die Psalmen, die Klagelieder und das Hohelied in einem überaus geschmackvoll äusgestatteten Bande vor. Die Zeichnungen LilienS, der hier wieder ganz neue Motive in die Ornamentik einführt, schmeicheln sich so in unser Herz, daß ihre Pracht fast den Text zu überwuchern droht. Einheitlich vom Titelblatt bis auf die letzte Seite ist die Ausstattung des Bandes als ein stilgerechtes Kunstwerk ersten Ranges zu bewerten. Der Text der Psalmen, der nach der meisterhaften Reuß'schen Uebersetzung geboten wird, ist vom Herausgeber nur den modernsten Forschungen über die hebräische Metrik angepaßt worden. Die Einleitung in das Hohelied nimmt als die zutreffende unter all den zahllosen Vermutungen über dessen Charakter die an, die eS als Textbuch einer palästinisch-israelitischen Hochzeitsfeier auffaßt. Alle diese Vorzüge gestalten das Werk, zu dem sich ein Uebersetzungskünstler und ein Meister der Illustration die Hände gereicht haben, zu einer Quelle erlesenen Genusses. DemVerlag, der sich durch diese Bibelausgabe um die Würdigung unseres heiligsten Schrifttums in fernerstehenden Kreisen unleugbar ein großes Verdienst erwirbt, würde auf unsere Dankbarkeit das größte Anrecht gebühren, wenn er das Werk auch zu einem Geschenkbuch für die jüdische Jugend umarbeiten ließe. Wie dringend notwendig wir eine illustrierte Bibel für unsere Kinder brauchen, das empfindet jeder jüdische Vater, der seinem Kinde die Welt der Bibel so erschließen möchte, wie das klastische Altertum und die altgermanische Dichtung uns längst erschlossen find. Bei jedem festlichen Anlässe empfindet man diese Lücke in unserer ohnehin so kläglich kargen Geschenkliteratur auf das Schmerzlichste. Soll nun dieses herrliche Bibelwerk hier in die Bresche treten, so wäre zweierlei zu berücksichtigen. Für ein populäres Buch, zumal für die Jugend, ließe sich der kritische Apparat entbehren. Er würde nur verwirren. Die Schreibung des spezifisch jüdischen Gottesnamens nach dem Herkommen der modernen christlichen Theologie müßte unbedingt dem alten „der Ewige" den Platz räumen. Was gerade in den Psalmen jeden jüdischen Leser zu stören geeignet ist, wäre für die Jugend ganz unzulässig. Auf diese wäre auch in der Auswahl der Illustrationen insofern Rücksicht zu nehmen, als die erotischen Darstellungen, wie zum Beispiel auf dem Titelblatt des vorliegenden Bandes, ausgeschaltet werden müßten. Daß auch im Text eine entsprechende Auswahl zu treffen wäre, versteht sich von selbst. Zdziechowski M. Die Grundprobleme Rußlands. Uebersetzt von A. Slylo. Akadem. Verlag. Wien, 1907. An Heine und Lnffalle wird hier der Haß der Juden gegen das Christentum und die bestehende Gesellschaftsordnung exemplifiziert. Auch die jüdischen Saint-Simonisten müssen dazu herhatten; ein N-tcil, das von keiner Sachkenntnis getrübt wird. R. 8. Im Zeichen der Türme. Almanach für jeden Tag des Jahres. Briefe aus vergangener Zeit. Bericht des Verlages von Karl ' Curtius, Berlin, IV 35 Derfflingerstraße 20. Ein geschmackvolles und anregendes Buch. Sein Inhalt wird jeden interessieren und fesseln. Wertvoll find namentlich eine Anzahl Briefe von Schiller. Geibel u. a., die bisher noch nicht veröffentlicht wurden. Ganz besonders der Almanach, der für jeden Tag des Jahres in sorgfältiger Auswahl eine Sentenz, eine Lebenswahrheit bringt, darf wohl Anspruch machen auf eine anerkennende Würdigung, ist in bestem Sinne eine vollkommene Gabe. Lehmann P. Akabjah. Halle a. S. 1909. Otto Hendel. Uns zu Ewigkeitsmenschen zu erziehen, ist dieses edel gedachten und schön geschriebenen Buches Zweck. „Von wannen Du kommst und wohin Du gehst." Darauf stets achten, führt zu jenem Ziel. Die Form, die an Nietzsche erinnert, beherrscht der Verfasser virtuos. R. S. Professor Dr. M. Weissberg, Wölwel Zbarazer, der fahrende Sänger des zailzisch-jüdischen Humanismus. Sonderabdruck aus den „Mitteilungen der jüdischen Volkskunde". 1910. Selbstverlag des Verfassers in Stanislau. Preis 1 Kr. Weißberg, von dem wir eine Geschichte der neuhebräischen Aufklärungsliteratur in Galizien besitzen, hat in einem gelungenen Essai Ehrenkranz, genannt Wölwel Zbarazer, einen Kranz hoher Ehren gewunden, die diesem originellen Volksdichter wohl anstehen. Die Biographie dieses Verfassers so beliebter, allgemein verbreiteter Volksweisen füllt eine Lücke in der jüdischen Ltteraturgeschichte aus, die von Vielen merklich empfunden wurde und die so mancher zu schließen plante, ohne jedoch das Material dazu so reichlich zur Stelle schaffen zu können, wie es dem Verfasser durch glückliche Beziehungen gelungen ist. In der Satire insbesondere erweist sich Ehrenkranz als unübertrefflich. Wer kennt nicht die bewegliche Klage über die Sittenverderbnis in Wien, die er einem Chosid in den Mund legt: „Lomir weinen, lomir klagen", und in der jede Strophe endet mit der bitteren Anklage : „In dem is nischt schüldig Keiner, nor das wüste Wien." Ehrenkranz war der westdeutschen Leserwelt bisher hauptsächlich aus Dalmans „Jüdisch-deutschen Volksliedern" und dessen „Jüdischen Melodien" bekannt. Peter Smolenskh hat ihn im „Haschachar" gewürdigt und Iwan Franko einige von Wölwels Dichtungen ins Ruthenische übertragen. Ein abgerundetes Bild dieser originellen Erscheinung gibt uns aber erst Weibberg, dem wir für diese Leistung aufrichtigen Dank wiffen. R. M. Albr. Alt. Israel und Egypten. Leipzig, 1909. I. C. Hinrichs. (Beiträge zur Wiffenschaft vom Alten Testament. Heft 6.) M. 3.40, geh. M. 3.40. Mit eindringender Kritik behandelt diese Untersuchung zunächst die Quellen, aus denen wir unsere Kenntnis der Beziehungen beider Staaten seit Salomo bis zur Auflösung des jüdischen Staatswesens schöpfen und die gerade für diesen Zeitraum in Egypten äußerst spärlich fließen. Der Winkler'schen Musri- und Kusch-Hypothese wird mit gewichtigen Gründe» hie und da eine Schranke gezogen, der Zuverlässigkeit und Wichtigkeit der biblischen Berichte widerfährt volle Gerechtigkeit. Der Mangel an egyptischen Berichten und die Politik des Nillandes in Westafien wird aus seiner inneren Schwäche überzeugend erklärt. All die zahlreichen chronologischen und literarischen Schwierigkeiten, die in den Erzählungen von Scheschouk, Tirhaka, So und Necho austauchen, werden eingehend gewürdigt und nach dem neuesten Stand der Spezialforschungen einer Lösung zugeführt. R. Arth Bonus, Religion als Schöpfung. Jena, 1909. Eugen Diederichs. M. 1. Wie ein Hobn klingt es, wenn man mit einer Mark den Preis für ein Buch bemeffen findet, das für Alle, die seinen Gedankenreichtum sich innerlichst anzueignen vermögen, unbezahlbaren Wert besitzt.

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