Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 6 (11.2.1910)
- Date
- 1910-02-11
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 6 De. Bkochs Wochenschrift. Settr > 15 Enthüllung! vollzogen wurde, verlief unter Beteiligung fast sämtlicher Mitglieder der Gemeinderepräsentanz Und zahlreicher Gäste in weihevoller Festesstimmung>. Dieselbe wurde durch eine meisterhafte Gedenkrede des Oberrabbiners Dr. Perls wesentlich gehoben. Dem Festakte folgte ein Bankett, bei welchem der gegenwärtige Eemeindepräses Josef Engel de Jänosi, ein Sohn des Verstorbenen, die Gemeinderepräsentanz bei sich zu Gaste sah. Der Feier wohnten auch die nicht mehr in Fünfkirchen ansässigen Familienmitglieder bei. darunter kaiserl. Rat und Kommerzialrat Moritz von Engel aus Wien, der königl.- ung. Hofrat Julius von Engel aus Budapest, die Söhne des Gefeierten. Die abwesenden Familienangehörigen, darunter kais. Rat Alexander Engel de ILnosi aus Wien, Frau Börsenrat Moritz Stern und Frau Marianne May von Mayenau in Wien, Töchter des Gefeierten, sprachen der Kultusgemeinde ihren Dank und ihre Anteilnahme auf telegraphischem Wege aus. In der festlichen Veranstaltung drückte sich die Huldigung der Gemeindeangehörigen für den hervorragenden, dahingegangenen Präses, gleichzeitig aber auch die Sympathie für ihren gegenwärtigen Vorsteher aus. Verbo. Der Frauenverein der israelitischen Kultusgemeinde versendet seinen Rechnungsausweis für das letzte Verwaltungsjahr. Als Einnahmen sind verzeichnet: An Jahresbeiträge pro 1909 X 501.80, an Büchersammlungen bei Trauungen X 44.04, an Tempelspenden K 154.94, an außerordentlichen Spenden X 95.—, an Zinsen der Legate, Werpapiere und Pacht der Tempelsitze X 60.—, zusammen X 967.32. Ausgegeben hat der Verein: Für Unterstützungen X 780.—, für Holzverteilung X 160.—. An der Spitze der Vereinsleitung stehen als Präsidentin Frau Kugel Regine, Kassierin Frau Körper Betty, Revisorin Frau Foti Rosa. Frau Betty Körper, eine wohltätige Dame und die Seele dieses Vereines, ist nach Wien übersiedelt. Feuilleton Jünglingsjahre. Roman von Hermann Blnmenthal. X. Hedwig. Nun kamen ein paar schlimme Wochen ohne jede Hoffnung. Dawid hatte keine Wahl, er mutzte den Eltern die Wahrheit schreiben und um etwas Geld bitten. Das Geld kam und auf dem Anweisungskoupon standen die lakonischen Worte des Vaters: „Ich bitte Dich, mit Geld sollst Du mich verschonen." Als Dawid jedoch nach kurzer Zeit wieder die Hilfe der Ellern anrufen mutzte, traf ein Jammerbrief ein, der ihm trostlose Stunden bereitete. Der Vater machte ihm bittere Vorwürfe. Es wäre gewitz seine Schuld, datz er sich jetzt ohne Stelle in der grotzen Stadt umhertrieb. „Ich' schicke Dir noch fünf Gulden. Es sind fünf Tropfen Bluts aus meinem Herzen," hietz es an einer Stelle. „Ich war noch nie in einer so bedrängten Lage, wie jetzt. Auf uns kannst Du nicht rechnen. Du bist nun alt genug. Dir Dein Brot selbst zu verdienen. . . Trachte, Dich sofort zu versorgen, damit wir Dir nichts mehr schicken müssen. . ." Es hätte dieses Briefes nicht bedurft, um Dawid anzuspornen. Tag für Tag war er auf der Suche und scheute keinen Weg, wenn ihm nur eine kleine Hoffnung winkte. Es gelang ihm aber nicht, eine ordentliche Stelle zu bekommen und so mutzte er froh sein, vorübergehend als Adressenschreiber und Jnseratensammler Beschäftigung zu finden. Diese ewigen Geldsorgen waren nicht mehr zu ertragen. Wenn er sich am Abend zu Bett begab, wutzte er oft nicht, wie er am nächsten Tag die notwendigsten Ausgaben bestniten sollte. Er hatte keine Aussicht, erwas zu verdienen und konnte auch auf keine Hilfe rechnen. Mutlosigkeit ergriff ihn, und er war der Verzweiflung nahe. Doch er wollte nicht daran denken! Roch hatte er einige Nickelstücke in der Tasche, die ihm ein paar ruhige Stunden sicherten! Und so schüttelte er die Sorge von sich - — bis der letzte Heller ausgegeben war. . . Dann war er ratlos und unglücklich. Was sollte nun werden? Jetzt war das Ende da, das Ende! Er sah keinen Weg vor sich, rang die Hände und verfluchte sich und die Anderen, die ihm nicht helfen wollten. Wenn er doch etwas erleben könnte, das ihn die traurigen Gedanken vergessen lietze! Er würde daran denken und es in seiner Phantasie ausspinnen. Aber in-seinem Leben geschah so furchtbar wenig. Ein Tag war wie der andere. Zur selben Stunde ging er täglich in die Schülerstratze, durchquerte immer d'e gleichen Gassen, ohne datz ihn jemand beachtete. Ab und zu begegnete er einem Freund, meistenteils jedoch zu einer Zeit, in der ihm jede Lust zu einer Aussprache fehlte. . . .-Eines Abends ging David durch die Augartenstratze nach Hause. Der Himmel war klar und ein Frühlingsduft erfüllte die Gassen. Die Baume standen im hellgrünen Schmuck und aus dem Augarten hörte man die wiegenden Töne eines Walzers durch die abendliche Stille. David war in guter Stimmung und beeilte sich nicht sehr. Plötzlich blieb er stehen und sagte: „Nein, mein Fräulein, Sie sind zu gut zu mir." „Wie können Sie nur so sprechen, Herr 'Segenreich." kam als Antwort zurück. „Ich weitz, datz Sie viel Leid ertragen haben." ,Oh, Sie würden mich verstehen, das weitz ich," sagte er leise. Dawid kam zur Besinnung. Es stand niemand neben ihm und er hatte ganz allein das Zwiegespräch geführt. Doch was schadete es! Es machte ihm Vergnügen, sich jetzt auszusprechen ... Er konnte sich ja denken, datz jenes Fräulein wirklich existierte. Und Dawid stellte sich das Mädchen vor: Sie war grotz, vielleicht so grotz wie er. Es lag etwas Rührendes in ihren Bewegungen und wenn sie sich im Gespräche zu ihm neigte, war es, als wenn sie sich in einer Umarmung an ihn schmiegen würde . . . Und dann ihr Gesicht, das ihr Inneres wiederspiegelte! Gleich beim ersten Anblicke fühlte er sich ergriffen. Doch das Schönste waren die wunderbar sanften Augen. Sie konnten ihn so lieb anblicken, datz er Herzklopfen bekam und sich vor Freude kaum zu fassen vermochte. Wenn sie den Blick senkte, war es ihm, als wenn die Sonne plötzlich von Wolken bedeckt würde und er in der Dämmerung sehnsüchtig aus den ersten Lichtstrahl wartete. Er wollte sie Hedwig nennen. Sie konnte ja irgendwo leben, ganz so, wie er sich sie dachte, so lieb und gut und mit jenem zitternden Klang in der Stimme, der ihn gufhorchen liefe, als er sie zum ersten Male sprechen hörte. Er konnte sie ja in einer Gesellschaft kennen gelernt haben! Er fühlte gleich, wieviel sie ihm war - und als er sie.spät abends heim geleitete, ging er noch lange wie trunken durch die stillen Vorstadtstratzen. . . Wenn Dawid an diesen Abend zurück dachte, sah er stets Hedwig vor sich. So hatte sie ihn angesehen, als sie zu ihm sprach .... Sie hatte gelächelt, als er ihre Hand ergriff. Nie würde er das vergessen! Dawid hatte jetzt kein Auge für die Gassen, die er im stillen Sinnen durchwanderte. Er stellte sich vor, datz er Hedwig eines Tages wiedersah: Es war an einem mondhellen Frühlingsabend. Die Luft war still und lind und am Himmel hingen ein paar Silberwolken . . . Als er über die Ringstraße ging, sah er Hedwig aus sich zukommen. Sie trug ein weitzes Kleid, das durch die Baumreihen schimmerte. ,Mch, Herr