Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 6 (11.2.1910)
- Date
- 1910-02-11
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 114 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 6 Helene Fock, Frl. Hilda Kirchhofer, Frl. Mizzi Löwit und Frl. Helene Fischbem. Ein prächtiger Lorbeerkranz mit sinniger Widmung war die Dankesgabe der jungen Künstlerinnen an die verehrte Meisterin. H- St. Wie«. (Akademie und Ball des humanitären Vereines der Eisen st ä d t e r.) Die am 29. Jänner, im Ballsaale des Hotel Post abgehaltene VeranstaUung, die vierte des Vereins, schloß wie alle vorausgehenden Abende mit einem vollen gesellschaftlichen Erfolge ab. Mit besonderer Auszeichnung wurden die Herren kaiserlichen Räte Siegmud Kauders und Wilhelm Pollak, Herr Ernst Wolf und Herr Dr. Heinrich T r i t sich begrüßt. Leichenbegängnis des köu. Rates Adolf Hübsch. Unter außergewöhnlichen Ehren wurde am 4. d. M. der verstorbene königliche Notar, königl. Rat Adolf Hübsch, Ritter des Franz Joseph-Ordens, Präsident der früheren liberalen Partei im Wahlbezirke Csacza, zu Grabe getragen. Die Esaczaer Ki ltusgemeinde beschloß in einer eigens hiezu eiuberufenen Sitzung den Verstorbenen in besonderer Weise zu ehren und den Hinterbliebenen in corpore ihr Beileid auszudrücken. Ferner wurde beschlossen, den Hinterbliebenem eine Adresse zu überreichen, in welcher die Verdienste des Verstorbenen um die Gemeinde verzeichnet werden und in welcher darauf hingewiesen wird, daß in dankbarer Anerkennung derselben zum erstenmale seit dem Bestehen der Kultusgemeinde die sterbliche Hülle des Verblichenen in den Tempel gebracht und daselbst eingesegnet werde, ferner, doß zu seinem ewigen Gedächtnisse eine Erinnerungstafel errichtet wird. Der hervorragende Kanzelredner Se. Ehrwürden Rabbiner Dr. Wellesz von Nagy-Bittse hielt im Tempel die ergreifende Gedächtnisrede, in welcher er darauf hinwies, daß der Verstorbene ein treuer und erfolgreicher Führer und Wächter des Judentums an der^Grenze war, wie ihn einen besseren die Gemeinde niemals hatte. Im Tempel waren die Spitzen der Behörden von Csacza, Sillein, Nagy-Bittse, Trencsen rc. erschienen und eine unabsehbare Menschenmenge aller Konfessionen folgte dem Sarge, der von einem in Parade ausgerückten Gendarmerie- und Feuerwehr-Spalier begleitet wurde. Die Sonne neigte sich zum Untergange, als die ersten Schollen auf den Sarg eines selten begabten und geistvollen Mannes fielen, der eine Zierde des Judentums war. Die tiefgebeugten Hinterbliebenen erhielten zahllose Trauerkundgebungen aus allen Teilen des Landes, unter Anderen vom Minister Lmrg, Generaldirektor Hofrat Rath rc. Austritte aus dem Judentum Vom bO. Jänner bis 5. Februar 1910. Brandeis Gisela, Lehrerin, geb. 2. April 1876 in Prag, IX., Pramergasse 29. Dangiavits Golde, Private, geb. 20.November 1875, Krakau, HI., Trubelgasse 5. Donath Hedwig, Private, geb 17. Jänner 1888 in Neutitscbein, III., Custozzagasse 6. Eisenstädter de Buzias Oskar, Privat, geb. 21. Juli 1871 in Temesvar, XIII., Speising 14.; Feder Markus, Gummiarbeiter, geb, 20/August 1876 in Wien, VI., Bienengasse 6. Fersten, geb. Hirsch Ruchei, geb. 25. Oktober, 1866 in Stanislau, ilL, Göschlgasse 2. Kraus Dr. Siegfried, Assistent, geb. 10. Juli 1880 in Wien, II., Glockengasse 15. Tramer Ludwig, Ingenieur, geb. 23. Juni 1880 in Nieder-Olesch, Schlesien, IX, Sobieskigasse 14. Vogel Walter, Handelsakademiker, geb. 31. Jänner 1891 in Wien, IX., Liechtensteinstrasse 49. Ziffer Paula, Privat, geb. 12. Dezember 1880 in Brünn, IX.. Porzellangasse 22. * * Die Sängerin Klara Finkeistein, VIII., Lerchenfelderstrasse 122, welche ihren Austritt aus dem Judentum amtlich angemeldet hat, wünscht konstatiert zu haben, dass sie nicht am 12. Oktober 1985, sondern am 12. Oktober 1885 geboren würde. St. Pötte«. (Tempelbauverein.) Am 30. Jänner 1910 fand dieGeneralversammlung des Tempelvereines statt. Nachdem der Präsident Herr Sigmund Alliua die Erschienenen begrüßt und über die Lage des Veremes Bericht erstattet hatte, verlas der Kassier Herr Rudolf Frank den Rechnungsabschluß und die Bilanz pro 1909. Nach dem Anträge des Herrn Saume! Mandl wurde dem Kasiier das Absolutorium erteilt. Bei der Neuwahl wurden per acclamationem gewählt die Herren: Sigmund Alliua, Präsident; Albert Leicht, Präsidentstellvertreter; Siegfried Schwarz, Simon Platzet. Bernhard Kohu, Adolf Reis, Moritz Reis, Heinrich Gelb, Bernhard Wulka«, Julius Kohu, 1. Schriftführer; Herrmau« Kraus, II. Schriftführer; Rudolf Frank, Kasiier; Samuel Mandl. I. Kasiekontrollor; Samuel Gelb, II. Kassekontrollor. Mit Worten des Dankes an die Erschienenen wurde die Generalversammlung geschlossen. Hiemit sei auch öffentlich allen unseren Glaubens¬ und Stammesgenosien nochmals gedankt, die ihr Scherflein beigetragen zu dem schönen Werke und .appelliert der Verein, dessen Missioy noch nicht beendigt, an alle jüdischen Kreise, sich nach Möglichkeit an unserer Arbeit zu beteiligen, so daß es der israelitischen Kultusgemeinde ermöglicht wird, eine würdige Stätte der Andacht, zu Ehren Gottes, zur Zierde unserer Gemeinde zu erbauen. J. K. Butschowitz. Freitag den 4. d. M. verschied hier Frau Katharina Rosenfeld geb. Drucker, . Mutter unserer verehrten Frauenvereins-Präsidentin Frau Direktor Selma Bondy, in ihrem 87. Lebensjahre. Die Verblichene, eine edle Frau in des Wortes edelster Bedeutung, wurde zufolge ihrer Klugheit, Herzensgute und Gottesfurcht allgemein verehrt. Ihre Hinterbliebenen spendeten anläßlich dieses Trauerfalles sowohl an hiesige Wohltätigkeitsvereine, als auch an die einzelnen Ortsarmen namhafte Beträge. Das Leichenbegängnis — Sonntag Vormittags halb 10 Uhr — gestaltete sich zu einer imposanten Trauerkundgebung. Nach vollzogener Trauerzeremonie wurde die Verstorbene ihrem lrtztwilligen Wunsche gemäß nach Koritschau überführt, um an der Seite ihres viel früher in den Tod vorangegangenen Gatten zur ewigen Ruhe bestattet zu werden, woselbst ihr Sohn, Herr Dr. Sigmund Rosenfeld, Advokat in Znaim, beim offenen Grabe in erschütternden Worten im Namen der ganzen Familie von der teueren Mutter Abschied nahm. Biliu. Der Kaiser ernannte zum k. u. k. Feldrabbiner in der Reserve den israelitischen Seelsorger Ignaz Löwy in Bilin in der Ersatzreserve des Infanterie-Regimentes Nr. 72 __ Dr. Salomon Rubin. In Krakau verschied der bekannte jüdische Gelehrte Dr. Salomon Rubin im 88. Lebensjahre. Der Verblichene, eine der markantesten Gestalten der älteren Generation, wurde am 3. April 1823 in Dolina, einem kleinen galizischen Städtchen, geboren. Sein Vater, ein strenggläubiger Chassid, weihte ihn frühzeitig in das rabbinisch-tälmudische Schrifttum ein, für dessen Studium der junge Rubin außergewöhnliche Begabung zeigte. Später wandte er sich modernen Bildungsfächern und Sprachstudien zu, was ihm die Gegnerschaft seiner orthodoren Umgebung einbrachte. Er mußte sich deshalb auf hie Wanderschaft begeben, die ihn nach Rumänien, Rußland und Italien führte. 1878 ließ er sich mit seiner Familie in Wien nieder, wo er seine größeren Werke über die Kabbalah verfaßte. Die letzten.14 Jahre lebte er in Krakau und war auf literarisch-wissenschaftlichem Gebiete bis zu seinem Lebensende rastlos tätig!. Von seinen zahlreichen Werken seien besonders erwähnt die hebräische Uebersetzung der „Philosophischen Schriften" von Schiller und sein hebräisches Buch über Spinoza mit dem Titel „More Nebuchim hachadosch" („der neue Lehrer der Irrenden"). Rubin gehörte auch zu den Mitarbeitern der von Perez Smolensky in Wien herausgegebenen hebräischen Monatsschrift „Haschachar", die der neuhebräischen Literatur und modern-jüdischen Renaissancebewegung die Bahn ebnen sollte. Pakrae. Unsere Gemeinde hatte sich mit einer schönen Institution bereichert. Dank den Bemühungen unseres Herrn Rabbiners Lazar Schönfeld ist es gelungen, eine würdige, schöne, öffentliche jüdische Bibliothek zu errichten, welche hauptsächlich für die jüdische Jugend von unschätzbarem Werte zu sein verspricht und die zur Aufgabe habe, das Interesse für jüdische Geschichte und Literatur, in den weitesten jüdischen Kreisen wachzurufen. Der jüdische, humanitäre Frauenverein und unsere Chewra-Kadischa haben bedeutende Summen der Bibliothek gewidmet. Porträt-Enthüllung. Die israelitische Kultusgemeinde in Fünfkirchen, Ungarn, veranstaltete am 6. Februar zur Ehrung des Andenkens ihres einstmaligen Präses, des als Großindustrieller, Grund- und Kohlenwerksbesitzer rühmlich bekannten, in Wien verstorbenen Adolph Engel de Iänosi, eine schöne Feier. Es wurde an diesem Tage, als an welchem die Geburt des Gefeierten sich zum 90. male jährte, dessen wohlgelungenes, lebensgroßes Porträt, in Oel gemalt, im Sitzungssaale der Kultusgemeinde enthüllt. Die außerordentliche Generalversammlung, in deren Verlaufe und als deren ausschließliche Tagesordnung die