Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 6 (11.2.1910)
- Date
- 1910-02-11
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Ar. 6 Dr. Blochs Wochenschrift. Teile 111 Auch das herzliche und von Frankls Bescheidenheit zeugende Poem an seinen Sohn Bruno Dagobert, mit dem Herr Onno als Reverenz für diesen anwesenden Sohn seinen Vortrag einleitete, fand die beabsichtigte, äußerst sympathische Akklamation. Auf diese Weise gestaltete sich der Abend, wie vielfach anerkennend hervorgehoben wurde, nicht nur zu einer .würdigen Feier des verewigten Dichters und Philanthropen, sondern auch zu einem Ehrenabende des Zentralvereines "zur Pflege jüdischer Angelegenheiten, der in so hervorragender Weise eine Dankespflicht an den berühmten deutschböhmischen Dichter und inenschenfreundlichen Glaubensgenossen abgetragen hat. Gelegentlich des Festabend es, zu dem auch von auswärts von Korporationen und Privaten Begrüßungsschreiben eingelangt waren, wurde von mehreren Seiten auch die Frage angeregt, in welcher 'Weise, unter Teilnahme aller Verehrer des Dichters, vielleicht der 'Weg gefunden werden könnte, daß auch Ludwig August Frankl, der für die Verewigung der Zeitgenössischen Dichter so Hervorragendes geleistet, an der Stätte seines vieljährigen Wirkens, in Wien, an geeigneter Stelle ein Denkmal errichtet würde. Juden im französischen Stastsräie. Aus Paris wird berichtet: M. Samt-Paul wurde zum Mitglieds des Staatsrates ernannt. Mit ihm gehören jetzt drei Juden dieser wichtigen Körperschaft der französischen Republik an. Es sind dies: Camille Lyon, der gleichzeitig Mitglied einer Sektion des Konseils ist, und Camille See. Eine österreichische Auszeichnung an einen Juden in Salonichi. Dem über die Grenzen seines Heimatlandes hinaus berühmten Rechtsanwalt Maitre Emanuel Salem in Sa- - lonichi wurde vom Kaiser von Oesterreich das Ritterkreuz bes Franz Joseph-Ordens verliehen. Maitre Salem hat diese Auszeichnung für die zahlreichen selbstlosen Dienste, die er den in Salonichi anwesenden Angehörigen der österreichisch-ungarischen Monarchie erwiesen, erhallen. Die ottomanische Kriegsflotte und die Juden. Aus Konstantinopel wird uns berichtet: Auf Anregung des jüdischen Journals „Aurore" haben sämtliche jüdischen Blätter des Ottomanischen Reiches beschlossen, sich an der Sammlung zu Gunsten der ottomauischen Kriegsflotte zu beteiligen. Abwechselnd werden die jüdischen Blätter Spezialfestnummern herausgeben, deren gesamter Erlös der Kriegsflotte gewidmet sein wird. Diese Festnummern sollen gleichzeitig auch in türkischer und französischer Sprache erscheinen und durch die Beiträge der hervorragendsten jüdischen Publizisten auch historischen Wert besitzen. Zuflucht König Eduards bei einem Juden. Unter dieser Spitzmarke schreibt ein englisches Blatt: König. Eduard war während der ganzen Wahlzeit von London abwesend. Erst als der Ausfall der Wahlen bezw. das Kräfteverhältnis der einzelnen Parteien unverrückbar feststand, kehrte der König Eduard von England in seine Residenz zurück. Damit wollte der König auch den Schein einer Beeinflussung des Wahlganges vermeiden. Als Ort dieser freiwilligen Verbannung wählte König Eduard, wie schon oft, die herrliche Villa seines Freundes Arthur Sassoon in Brighton. Interessant ist übrigens, daß ein Mitglied der Familie Sassoon, 'Eduard Sassoon, während des Aufenthaltes König Eduards in Brighton auf unionistischem Programm ins Parlament wiedergewählt.wurde. Rußland „Ein Paradies für Juden". Vor einigen Tagen befand sich die russische schwimmende Ausstellung im Hafen von Salonichi. Anfangs war die Ausstellung hauptsächlich von Juden sehr gut besucht. Am zweiten Tage ließ jedoch der Besuch der Juden^nach, bis er schließlich am dritten Tage ganz aufhörte. Die Ursache dieser Erscheinung war ein Ausruf, die Ausstellung zu boykottieren. In diesem Aufrufe, wurde auf die tyrannische Unterdrückung der Juden in Rußland , und besonders darauf hingewiesen, daß Juden schon deshalb keine ^Handelsbeziehungen mit Rußland anknüpfen dürften, weil ihnen ja nicht einmal gestattet ist, russischen Boden zu betreten und in Rußland zu reisen. Da leistete sich nun der Leiter der russischen Ausstellung, ein Herr Bereckdjian, in einem Salonicher Blatte den Ausspruch, Rußland sei allen Fremden zugänglich und bloß „Ungewünschten" und Vagabunden geschlossen. Was aber die Juden betrifft, so sei Rußland ein wahres Paradies für Juden, da fie dort ihre religiösen Gebräuche ungeschmälert kultivieren könnten. Hierauf erschien nun im „Progrös de Salonique" ein trefflicher Artikel als Abfuhr an die Adresse des Herrn Bereckdjian, in welchem es unter Anderem heißt: »Auf die Behauptung, daß den Juden aller Kategorien der Eintritt und das Reisen in Rußland genau so gestattet fei, wie der Nichtjuden und daß Restriktionen bloß gegenüber Unerwünschten unn Vagabunden bestehen, sei es mir gestattet, hier einige klassische Fälle aufzuzählen, welche die unerträgliche Lage meiner Glaubensgenossen in Rußland so grell beleuchten. Vor einigen Jahren war's. Einer der herrorragendsten Söhne des freien Italien, weltberühmt durch Dienste, die er seinem Vaterlande geleistet, der Vater der finanziellen Gesundung Italiens» Luigi Luzatti, der wiederholt Abgeordneter und Minister war, hatte die Absicht, nach Rußland zu fahren, um die russische Agrarfrage, die damals einen b.drchlicheu Charakter änzumhmen drohte, an Ort und Stelle zu studieren. Es scheint jedoch, daß Luzzatti zu jenen „Ungewünschten und Vagabunden" gezählt wurde, gegen welche die russischen Restriktionen bestehen; denn es hat mouatelanger, diplomatischer Unterhandlungen bedurft, nur den Einlaß Luzzatis durchzusetzen. Oder nehmen wir einen anderen Fall. Als der König von Italien dem Petersburger Hofe einen Besuch abstattete, befand sich in feiner Suite auch der Lekretär des italienischen Ministeriums des Aeußeru, M a l v a n o, ein Jude. Malvano war auch so ein „Unerwünschter" und der Zar aller Reußen hat sich offen gegen Malvanos Begleitung ausgesprochen. Erst nach dem energischen Protest Italiens durch den Hosinarschall General Ponzio Baglia konnte Malvano seinen König nach Rußland begleiten." Nach dieser Abfuhr hielt es M. Bereckdjian für ratsam, mit seiner Ausstellung von Salonichi abzufahren. Konfiskation wegen eines judenfrenndlichen Artikels. Das letzte finnländische Wochenblatt „Reime" wurde wegen eines Artikels, in welchem die Lage der Juden in Aegypten mit derjenigen der Juden in Rußland verglichen und konstatiert wurde, daß es den Juden in Aegypten besser g'.ng, als den Juden in Rußland, konfisziert und die Redaktion unter Anklage gestellt. Verschärfung der amerikanischen Emwanderungsgesetze. Dem amerikanischen Kongresse liegt eine ganze Anzahl von Emigrations-Bills zur Beschlußfassung vor. Sowohl die Gegner der freien Einwanderung, wie auch die Freunde derselben haben Anträge eingebracht und es wird ein heißer Kampf um das Wohl und Wehe des Einwanderers ausgefochten, dessen Ausgang für die ganze Welt, in erster Reihe wohl für die Juden, von großer Bedeutung ist.- Einer der schärfsten Gegner der freien Einwanderung ist der Senator Overman von North- Carolina, der gleichfalls eine Gesetzesoorlage einbrachte, die an reaktionären Bestimmungen nichts zu wünschen übrig läßt. Diese Vorlage enthält die Bestimmung, daß die Kopfsteuer, die jetzt jeder Einwohner zu zahlen hat, von vier auf zehn Dollars erhöht werde. Weit fremdenfeindlicher ist jedoch der P aragraph, der bestimmt, daß jeder Eingewänderte, der noch nicht Bürger der Vereinigten Staaten ist, sich alljährlich bei der Einwanderungsbehörde zu melden und gegen Entrichtung von jährlich 10 Dollars einen Erlaubnisschein zu lösen hat. der ihm den Aufenthalt in den als gastfrei gepriesenen Vereinigten Staaten gestattet. Aehnlich wie das jetzt mit Chinesen geschieht, soll er dann photographiert und nach dem Bertillon-System ein Abdruck seines Daumens gemacht werden. Wer es jedoch unterläßt, die Gebühr zu entrichten und die schimpfliche Prozedur über sich ergehen zu lassen, soll unverzüglich deportiert werden. Ausgeschlossen von diesen Bestimmungen sollen immerhin Studenten, Kaufleute, Bankiers, Redakteure, Angehörige gelehrter Berufsarten und diplomatische Vertreter fremder Mächte sein, schließlich auch noch wirkliche Touristen, die nur zu ihrem Vergnügen die Vereinigten Staaten bereisen.