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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-02-11 · 6 (11.2.1910) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
6 (11.2.1910)
Date
1910-02-11
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Sette 110 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 6 allen Gönnern und Förderern, wie insbesondere Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. Feuchtwang!, für die Unterstützung, die sie dem Verein angedeihen ließen. In Ergänzung dieses Berichtes weist die Kassierin, Frau Dr. Grünberger, auf den Kassenbericht hin und bemerkt, daß für Unterstützungen nahezu 1600 Kronen, für Bekleidung über 900 Kronen verausgabt wurden, trotzdem weist der Verein ein um Über 1000 Kronen höheres Saldo als im Vorjahre aus (6734 Kronen 84 Heller gegen 5704 Kronen 52 Heller im Vorjahre). Herr Dr. Feuchtwang preist in zu Herzen gehenden Worten die Tätigkeit der Damen und sagt ihnen in warnren Worten Dank; Herr Emanuel Hofmann dankt im Namen des Kultusvorstandes dem Vereine für sein humanes Wirken. Der Kassierin Frau Dr. Grünberger wird hierauf einstimmig das Absolutorium erteilt. Bei den hierauf folgenden Wahlen wurden gewählt: Frau Ottilie H o f m a n n als Präsidentin; Frau Dr. Jeanette Feuchtwang, 1. Vizepräsidentin; Frau Pauline Hirsch, 2. Vizepräsidentin; Frau Dr. Johanna Grünberger. Frau Pauline Wessel. Kassierinnen: Frau Amalie Weiner, Frau Berta Stern, Schriftführerinnen : Frau Dr. Gisela Winter, Frau Regine K o h n, Kontrollorinnen. Nachdem noch von Herrn Dr. Winter die Anregnug gemacht worden, alljährlich einen Betrag für Heiratsausstattung armer Mädchen zu verwenden, und von Frau Dr. Grünberger, an besonders würdige, erwerbslose Arme monatlich regelmäßige Unterstützungen zu gewähren, schließt der Vorsitzende mit Dank an die Anwesenden und der Bitte, den Verein auch weiterhin kräftigst zu fördern, die Versammlung. Ein Boykottkomitee in Rumänien. Wie wir von eingeweihter Seite erfahren, hat sich in Rumänien ein über das ganze Land verbreitetes Komitee gebildet, das sich zur Aufgabe gestellt hat, im Wege ihrer geheimen Vertrauensmänner festzustellen, welche industrielle, landwirtschaftliche und andere Betriebe „fremde" Angestellte haben. Sobald die Liste zusammengestellt sein wird, werden die betreffenden Betriebe unter Androhung des Boykotts aufgefordert, diese „fremden" Angestellten sofort zu entlassen. In den Jnstrukttionen der Vertrauensmänner wird besonders darauf aufmerksam gemacht, daß hauptsächlich die jüdischen und ungarischen Angestellten und Arbeiter konskribiert werden sollen. Das Komitee steht auf dem Standpunkte, daß das neue Industriegesetz noch zu milde sei, indem es einräumt, daß die Jndustrieunternehmungen einen gewissen Prozentsatz „fremder" Angestellter und Arbeiter halten dürfen. Das Komitee hat es sich zur Aufgabe gemacht, alle großen Unternehmungen von den fremden Elementen zu säubern. An der Spitze des Komitees steht der bekannte Antisemit Jorga. Wie wir erfahren, beabsichtigt man ungarischerseits, das Ministerium des Aeußern zu veranlassen, gegen diese Verfolgung ungarischer Staatsbürger bei der rumänischen Regierung zu protestieren. Wer wird sich aber der rumänischen Juden annehmen? Ludwig August Frankl-Feier in Prag. Der Zentralverein zur Pflege jüdischer Angelegenheiten in Prag veranstaltete zu Ehren des 100. Geburtstages Ludwig August Frankls am 2. d. M. eine solenne Gedenkfeier, für die die Prager israelitische Kultus gemeinderepräsentanz den großen und vornehmen neuen Festsaal im jüdischen Rathause zur Verfügung gestellt hatte. Viel zu klein erwies sich aber derselbe, um die, trotz einer gleichzeitigen, hochinteresianten Musikaufführung im Rudolfiuum, aus allen Schichten der Prager Gesellschaft Herbeistromenden aufzunehmen, so daß den zahlreichen verspätet Einlangenden leider kein Einlaß mehr gewahrt werden konnte. Saal und Galerien waren in geradezu beängstigender Weise überfüllt und mit Mühe nur konnte für einlangende Ehrengäste, die sich zum Teile schon mit Stehplätzen begnügen mußten. Bahn geschaffen werden. Soweit es bei dem herrschenden Gedränge überhaupt möglich war, festzustellen, sei bemerkt. daß sich aus den besten Kreisen der Prager Gesellschaft unter anderen eingefunden hatten: Die Präsidenten der Kultusrepräsentanz Doktor Rosenbacher und Dr. B e n d i e n e r, fast sämtliche Rabbiner Prags und der Vororte. Regierungsrat Prof. Bayer als Obmann des Schriftsteller- und Künstlervereines „Concordia", die Universitätsprofessoren Frankl, Spiegel und Münzer, Herr Direktor Strach und Prof. Strohschneider als Vertreter des Prager Neustädter Gymnasiums, an dem Frankl studierte, Oberlandesgerichtsrat Dr. U n g e r, der Direktor des Klarschen Blindeninstitutes Herr Emil Wagner mit dem Vorstandsmitgliede Dr. Gold b erg, die Präsidentin des Vereines „Frauenfortschritt" Frau W i ch o v s k y, die Repräsentanzmitglieder kaiserl. Rat Moritz Hahn und Dr. Julius Popper, der Obmann des Tempelvorstandes Moritz Austerlitz, Redakteur Paul W i e g l e r, Dozent Dr. P o l l a k, Dr. B r o d y in Vertretung der Berliner Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums und viele andere. Auch die Vorstände aller israelitischen sozialen und humanitären Vereine und die Studentenschaft entsandten Vertreter, sowie auch von auswärtigen Korporationen Abordnungen erschienen waren. Auch der in Wien lebende Sohn des verewigten Dichters, Herr Dr. Bruno von Frankl-Hochwart war, trotz mehrfacher Schwierigkeiten, eigens nach Prag gekommen, um der Feier an der Seite mehrerer entfernter Verwandten Frankls beizuwohnen. Die Estrade war mit den von Prof. Lothar von Frankl-Hochwart zur Verfügung gestellten Porträts des Gefeierten, von denen eines ihn als jugendlichen Legionär aus dem Jahre 48 darstellt, während das andere seine charakteristischen Züge aus den letzten Lebensjahren zeigt, geziert. In der Mitte prangte die von befreundeter Prager Seite zur Verfügung gestellte, lorbeergeschmückte Büste mit Frankls Adelsdiplom. Auch waren von Herrn Direktor Wagner des Klarschen Blindeninstitutes für die Feier mehrere Stahlstiche mit Frankls Bildnis und ein großes Gruppenbild zur Verfügung gestellt worden, auf welchem Frankl mitten unter illustren Persönlichkeiten des Auslandes als Präsident des ersten österreichischen Blindenkongresses in Wien im Jahre 1873 erblickt wird. Dle Feier begann mit einer Begrüßungsansprache des Vereinsobmannes Herrn L i e b e r s, worauf der bekannte heimische Dichter Dr. Friedrich Adler das Wort zu einer Festrede ergriff, die in breiten Zügen den Lebenslauf Frankls und sein Wirken als Dichter, Philanthropen und bewußten Juden entrollte. Ausgehend von dessen Beziehungen zu dem deutsch-böhmischen Dichterkreise, voran Karl Egon Ebert, und zu seiner Geburtsstadt Chrast in Böhmen, entwickelte Redner ein übersichtliches Bild des Studienganges des G. feierten, insbesondere am Prager Piarist ngymnasium und am Leitomischler Lyzeum. Er schilderte dann die Tätigkeit, die Frankl, nach dem in Padua erlangten medizinischen Doktorat, in Wien insbesondere auch als Publizist und Politiker entfaltete, seine mutige Teilnahme an den Ereignissen des Jahres 43 und sein späteres ersprießliches Wirken als Sekretär der Wiener israelitischen Kultusgemeinde. In Wien führte ihn sein Weg mit den hervorragendsten Zeitgenossen, insbesondere Anastasius Grün, Lenau und Hebbel zusammen, auf die er vielfach einen nachweisbaren Einfluß nahm. Ter Festredner verweilt auch liebevoll bei der intensiven Wirksamkeit, die Fraukl im Interesse des Judentums entwickelte, erwähnt seine Studienreise nach Jerusalem und des von ihm mit Unterstützung hervorragender Wiener Menschenfreunde, insbesondere des Freiberrn Jonas von Königswarter geschaffenen Blindeninstitutes auf der Hohen Warte und der unausgesetzten Fürsorge für die bedauernswerten Blinden, denen er, selbst von einer Augenkrankheit bedroht, sein Interesse in erster Reihe zuwandte. Das Hauptgewicht seiner Ausführungen legte Adler jedoch in die eingehende Würdigung der literarischen Bedeutung Frankls. Ohne in den Fehler kritikloser Lobeshymnen zu verfalle zeigt er die Bedeutung Frankls als eines des hervorragendsten Vertreters deutschböhmischer Dichter, zählt seine bedeutendsten epischen Dichtungen auf, weist aber auch auf die Schätze seiner lyrischen Poesien hin, die zu seinen Lebzeiten viel zu wenig gewürdigt und verbreitet wurden. Adler zitiert in schlichter, aber umso eindrucksvollerer Weise Frankls bekanntes 48 er Gedicht „Die Universität", die von wundervoller Poesie umflossene Elegie an seine Heimatstadt Chrast, einige Stellen aus „Rachel" und dem in Prüg spielenden „Primawr" und endlich ein von Prof. Münzer in Prag aus dem Besitze Wölflers, des Direktors des Rotschildipitals in Wien, zur Verfügung gestelltes ungedrucktes Gedicht von besonders intimem Reize. Mit dem Hinweise auf den Ausspruch, den Frankl vou einem Beduinen: empfangen, daß die Unsterblichkeit durch einen Sohn, ein Buch und eitwn guten Namen verbürgt sei und daß sich dieser Ausspruch an Frankl buchstäblich erfüllt hat, schließt Adler seine groß angelegte, gedankenreiche Und formell meisterhafte Rede, die auf die im gespanntester Aufmerksamkeit lauschende, überaus große Zuhörerschaft einen gewaltig nachwirkenden Eindruck ausübte, und braucht wohl nicht erst bemerkt zu werden, daß diese von Kennern und Laien gleich hoch gewürdigte Leistung einen kaum zu beruhigenden Beifallssturm entfesselte. An die Gedenkrede schloß sich nach kurzer Pause der Vortrag mehrerer zum großen Teile noch unbekannter Gedichte Frankls durch den hiesigen, auch als Rezitator bereits rühmlichst bekannten Bühnenkünstler Herrn Ferdinand O n n o. Hiebei fand sich Gelegenheit, wahre Perlen Franklischer Lyrik zu bewundern und einzelne seiner epischen Gedichte von mitreißender Kraft aufs Unmittelbarste kennen zu lernen. Nach sämtlichen Vorträgen erscholl spontaner, überaus lebhafter Beifallder sich insbesondere nach der schwungvollen und zündenden Rezitation des balladenhaften „Jochanan den Sakkai" lange nicht legen wollte.

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