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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-02-11 · 6 (11.2.1910) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
6 (11.2.1910)
Date
1910-02-11
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 108 Dr. Blochs Wochenschrift. irr. 6 Maher-Kaufbeuren wünscht, der Ziffer 13 des § 860 beizufügen: „der Erlaß eines SchächtverboteS iß unzulässig". Abg. Groeber (Z.) schlägt folgende Fpffung vor: „Die Behandlung von Tieren nach rituellen Borschristen gilt nicht als Tierquälerei." Von Seiten der Regierung wird betont, daß dieser Antrag sachlich zu § 145b gHöre, dort aber überflüssig sei. Der Antrag Mayer sei an sich berechtigt, gehöre aber nicht in das Strafgesetzbuch. Nachdem die Antragsteller ihre Anträge nochmals erläutert, bittet der Staatssekretär des Reichsjustizamtes, alle Fragen religiöser Natur außer Betracht zu lassen. Der Antrag Groeber wird mit 10 Stimmen gegen 9 abgelehnt, der Antrag Mayer ebenso und die Fassung der Vorlage vorgenommen. — Mit der Erklärung der Regierung, daß die Ausnahme des Schächtens von den Strafbestimmungen der Tierquälerei überflüssig sei, hat sie den eigentlich selbstverständlichen Standpunkt eingenommen, daß das Schächten keine Tierquälerei ist und damit den gegen das Schächten agitatorisch betnebeneu antisemitischen Tierschutz als unberechtigt gekennzeichnet. Man wird diese Regierungserklärung bei der Plenarberatnng dieses Gegenstandes nochmals provozieren müssen. Kündigungsfrist der Privatdozenten. Dem preußischen Kultusminister liegt ein Antrag vor, der nach den Mitteilungen der Tagespresse Aussicht auf baldige Genehmigung haben soll und welcher eine Regelung der Habilitation dahingehend bezweckt, daß die Privatdozentur in Zukunft nur noch auf fünfjährige Kündigung verliehen wird. Verabsäumt es der Dozent, sich rechtzeitig eine Berufung nach außerhalb zu verschaffen, so soll die Fakultät zur Entziehung der venia legenäi berechtigt sein. Bisher hat man diesen Antrag nur als einen rein reaktionären kritisiert, der die akademische Lehrfreiheit im allgemeinen stark zu beeinträchtigen geeignet ist. Aber er muß auch, wenn nicht eine antisemitische Tendenz, so doch tatsächlich eine starke antisemitische Wirkung haben. Nach der jetzigen Praxis wird es den jüdischen Privatdozenren viel schwieriger, innerhalb von fünf Jahren eine Berufung als Professor an einer Universität zu erhalten, als ihren christlichen Standesgenossen. Und daß die Fakultäten den jüdischen Privatdozenten gegenüber von der ihnen durch den Antrag zugedachten Befugnis, dann die Dozentur zu entziehen, nachsichtiger Gebrauch machen werden, ist nach ihrer bisherigen Haltung nicht zu erwarten. Die Leichenvekbrenmlngen und die Konfessionen. Die Gesamtzahl der Feuerbestattungen in deutschen Krematorien beläuft sich bis Ende 1909 auf 23.000: Im Jahre 1909 wurden in deutschen Feuerbestattungsöfen 4779 Leichen eingeäschert; 729 mehr als im Vorjahre. An den gesamten 4779 Einäscherungen war das männliche Geschlecht mit 2977, das weibliche mit 1802 Fällen beteiligt. Sehr bemerkenswerte Einblicke gewähren auch die Angaben über das Bekenntnis der Eingeäscherten. Danach waren es 3727 Evangelische, 401 Katholiken, 38 Altkatholiken, 220 Israeliten, 65 Freireligiöse, 68 Dissidenten: 11 gehörten anderen Bekenntnissen an (Buddhisten usw.) und von 349 war kein Bekenntnis angegeben. Halbasiatisches aus Galizien. Die galizische Landesregierung versendet an die Gewerbetreibenden in Galizien ein Musterstatut zur Reform der alten Zechen. Das Musterstatut enthält 40 Paragraphen, von welchen zwei gegen die Juden gerichtet sind. § 23 des Statuts, das von her Wahl des Vorstandes handelt, lautet gber: „Mit Rücksicht auf die Vergangenheit der Zeche und in Berücksichtigung des Umstandes, daß sie auch die Pflicht hat, für die ethische Erziehung der Lehrlinge zu sorgen, wurde beschlossen, .für den Fall, daß der Obmann der Zeche nicht aus dem Kreise der Angehörigen des Christentums erwählt wurde, der Obmannstellvertreter unbedingt ein Christ sein müsse, so daß stets entweder der Obmann oder dessen Stellvertreter ein Christ sein müsse." Wir überlassen es den jüdischen Mitgliedern des Parlamentes, diese Bestimmung zu würdigen. Aber noch unerhörter ist § 40. Dieser lautet: „Das Vermögen der auf Grund der . früheren Statuten bestandenen Zeche gehört ausschließlich den Mitgliedern christlicher Konfession. . . ." Gegen solche Vergewaltigung muß mit allem Nachdruck protestiert werden._ Die jüdischen Bettler in New Aork. In New-Aork hat sich eine Gesellschaft zur Bekämpfung der überhandnehmenden Professionsbettelei gegründet. Angeregt wurde diese Gründung durch ein interessantes statistisches Material, das der Präsident der „New-Dork Charity Organisation Society", Mr. James F o r b e s, vor einiger Zeit herausgegeben hat. Mr. F o r b e s hat mit Hilfe der Polizei nicht weniger als 9000 Fälle von Bettelei untersucht und da ist es wohl interessant, zu hören, was F o r b e s über die jüdischen Bettler mitteilt. „Geradezu bewunderungsvoll war die Beobachtung, daß die Juden in dieser Zahl den allerkleinsten Perzentsatz ausmachen und die geringste Zahl Professionsbettler oder Bettelschwindler aufweisen. Rechnet man alle jüdischen Bettler, auch die Krüppel und die blutarmen hungernden Juden dazu, so ergibt sich, daß von den untersuchten neuntausend Fällen im Ganzen dreihundert Juden betrafen. Das macht ihm Ganzen 3^ %. Hierbei muß jedoch hervorgehoben werden, daß in die Zahl der jüdischen Bettler auch jene Büchsensammler, die für verschiedene Jeschiboth, Vereine rc. sammeln und dafür Provision erhalten. Die jüdischen Bettler unterscheiden sich auch dadurch von den Uebrigen, daß sie sich leichter „biegen lassen" und in den meisten Fällen — soweit es keine krüppelhaften, gebrechlichen Menschen sind — auch freudig ihren Bettlererwerb mit einem noch so bescheidenen ehrlichen Berufe vertauschen. Ein dreizehnjähriger jüdischer Komponist. Aus London wird berichtet: Eine ungewöhnliche Vorgeschichte hat die Pantomime „Ciaderello", die vorige Woche im Londoner Strand'Theater zum ersten Male in Szene ging. Denn der Komponist des Werkes ist ein dreizehnjähriger Knabe, der kleine Moritz-Lutzen, der die Musik eigens für die Londoner Kindertänzerin die kleine Mary Glynne, geschrieben hat. Der jugliche Komponist bat eines Tages mit dem Verfasser einer anderen Pantomime im Theater die kleine Mary Glynne tanzen sehen, und der jugendliche Musiker war so begeistert, daß er seinem Begleiter sofort sagte, für diese reizende, kleine Tänzerin müsse er Musik schreiben. Mr. Austin FryerS erklärte sich sofort lächelnd bereit, ein Libretto zu verfassen. > So ging ich nach Hause und komponierte. Dann brachte ich die Musik dem Direktor des Strand-Theaters und sagte ihm. Miß Mary Glynne würde das alles sehr schön und gut machen. Er lächelte; aber als er die Musik hörte, willigte er doch ein. Ich bin sehr stolz, für meine kleine Freundin komponiert zu haben. Das ist alles, was zu erzählen ist," meinte der kindliche Komponist einfach. „Seit meinem fünften Jahre komponiere ich und es macht mir viel Spaß." Die Pantomime, die von einem Kinde für ein Kind geschrieben ist und nur von Kindern dargestellt wurde, hat der junge Tondichter selbst dirigiert. Der kleine Lutzen ist ein Sohn ungarischer, jüdischer Eltern, iu England geboren, und sein musikalisches Talent hat bereits lebhaftes Aufsehen erregt. Der Knabe hat auf Wunsch des Präsidenten Loubet hin einmal die Kapelle der französischen Nationalgarde dirigiert Korrespondenzen Der neue ungarische Ministerpräsident über die Juden. Nach langer Zeit hat Ungarn wieder einen Ministerpräsidenten, der durch gar keine Rücksichten gebunden ist, sich freimütig über die Juden auszusprechen und seinem Kabinett den Stempel des unzweideutigen Liberalismus aufzudrücken. Der erste Schritt des Kabinetts Khuen- Hedervary war die Entfernung des Judenfressers Barkoczy aus,dem Ministerium für Kultus und Unterricht, während dessen Amtstätigkeit kein jüdischer Lehrer oder Professor eine Staatsanstellung erhielt. Ministerpräsident Graf Khuen-Hedervary hat einem ungarischen Journalisten gegenüber seine Ansicht über Juden und Antisemitismus geäußert. Auf die Frage des Redakteurs, wie er über die Juden denke, antwortete Graf Khuen zunächst mit einem Ausdrucke der Ueberrgschung. Dann verweigerte er die Beantwortung der Frage, indem er sagte: Es gibt antisemitische Personen und antisemitische Richtungen, aber an einen Mann in meiner Stellung darf

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