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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-02-11 · 6 (11.2.1910) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
6 (11.2.1910)
Date
1910-02-11
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 6 Dt. Bloch^ Wychrrychüft." Seite 107 all den Huldigungen, die ihr dargebracht werden, nichts wissen, will frei sein, kein Verhältnis, kein neues Ehebündnis eingehen. Sie hat den Marquis nie geliebt, litt jahrelang unter dem Zwang, einem ungeliebten Manne Treue bewahren zu müssen!" Als sie hernach ihr sehr beträchtliches Vermögen vertan, entschloß sie sich, dem Fürsten Henkel von Donnersmark, der zu ihren treuesten Anbetern gehörte, die Hand zu reichen. Sie folgte ihm auf sein Schloß Neudek in Schlesien, das der Fürst nach dem Muster des Palais, das sie in Paris bewohnte, einrichten ließ. Fürstin Donnersmark wurde natürlich in Deutschland vielfach angefeindet. Die Damen des Feudal-Adels sahen in ihr die russische Jüdin und wollten sie boykottieren; aber die schöne Frau verstand alle Vorurteile zu beseitigen, sich sogar ihre Feindinnen zu Freundinnen umzuwandeln.. Dr. Koreff blieb nach wie vor ihr Almosenier. Als sie von Judenverfolgungen in Rußland hörte, schrieb sie ihm: „Geben Sie, was Sie für gut finden; reichen die Titres nicht aus, die Sie von mir im Depot haben, so verkaufe ich meinen Smaragdschmuck, der mir ohnehin zu bunt ist. Ich mag dem Fürsten jetzt nicht mit einer Anleihe kommen; Sie wissen, er will nicht daran erinnert werden, daß Fürstin Donnersmark eine arme Jüdin war". Von all den Frauen, die durch die Gunst des Schicksals zum Vollgenuß des Lebens emporgehoben wurden, ist vielleicht Fürstin Henkel-Donnersmark die Einzige, die sich ihrer dunklen Herkunft und ihrer armen Glaubensgenossen stets erinnerte, wenn es galt, wohlzutun und mit ihrem Einflüsse zu nützen. I. B. Das katholische Meßkleid jüdischen Ursprunges. Geehrter Herr Redakteur! Zu dem Artikel in der vorigen Nummer: „Das katholische Meßkleid jüdischen Ursprungs?" mache ich auf Güdemanns Geschichte des Erziehungswesens, II 48 2 aufmerksam. Nam reverendae memoriae Nicolaus pontifex Arsenium, quondam Hortanae civitatis (Orta im ehemaligen Kirchenstaate) episcopum, Judaicas tune primum pelucias intro ducere molientem, adeo adversatus est, ut ei palatinam processionem vellet adimere, nisi super stitiosae gentis vestes abjurando, cum sacerdotalibus infulis consuetudinaliterprocedere sta t u i s s e t. Papst Nikolaus I. regierte von 854 bis 867. Welcher Art die „Judaicae peluciae“ waren, die der Bischof Arsenius einführen wollte, habe ich nie ermitteln können. Trotzdem kann es keinem Zweifel unterliegen, daß die kirchliche Amtstracht der alttestamentarischen Priesterkleidung nachgebildet ist. Ebenso beruht die Messe auf dem Ritual des Pessachabends, wie schon das Neue Testament bezeugt, worüber das Nähere in G ü d e m a n n's „Jüdischer Apologetik". Die Anlegung des Totenhemdes am Sederabend ist eine neuere Einrichtung. Uebrigens besaßen die Juden im Mittelalter keine eigene Tracht, sonst wäre die Einführung der Judenabzeichen überflüssig gewesen. Alle jüdischen Kleidernamen des Mittelalters sind deutsch oder französisch. ,, Wien, 4. Februar 1910. Gr. Ein Geburtstag. „Der 75. Geburtstag einer Jüdin.- In wenigen Tagen, am 23. d. M., begeht eine Dame die 75. Wiederkehr ihres Geburtstages, deren Alter der Schönheit derselben keinen Eintrag tun konnte und die trotz ihrer Jahre keine Runzeln und keine Alters- Erscheinungen besitzt, vielmehr in vollster Rüstigkeit und Frische einherschreitet, ohne Gebrechen und überall ein gern gesehener und liebkoster Gast ist. Das herrliche Meisterwerk „Die Jüdin", große Oper in fünf Akten nach dem Französischen des Scribe, Musik von Jaques Francois Halevy! Die Melodienfülle, die Solostellen, dle vielen Duette und Terzette, die großangelegten Ensemblebesätze, bte imponierenden Finali, besonders aber die treffliche Orchesterverwert«ug sichern dem Werke einen der hervormeendjrerr Platze in der Opernlrtercüur aller Zeilcu ’<ul> selb': Kichard Wagner, ließ H a l e v.y ehre besondere Ehrung dadurchwerden, m/; er die „Jüdrn^ r.i denjenigen Kompositionen zählte, die er zr. lode» vermochte. Hub tQiächlich üomtte dir- „Jüdin" allein sich auf dem Repertoire behaupten, während cnu.'veecrr Odern H l e v y L. wie *unt Bei'piet r „L'Artmn", „niari“. ..Le Diiaccaated: Avignon", „Manen Loseau**, „Les Mos'inetairss de!-•'• Reine". „Le Val d;Aü<IomV oder .„La i'.aHi* de Vique" keinen feitest Fuß s-isi-'n konnten. Jacgats FraneoiZ Fcarremhol EUe H 2 l r v y, gedo-en Pariant 27. Mat *79», gestüröerr am 17. März 1862 in Nizza, euere bis ErstausiP.rang her. „Jüdin" am 23: Februar 1835 in der Pariser Oper, von wo aus deren Siegeszug über die gesamte musikalische Welt angetreten wurde; in Wien erfolgte die Premiere am 3. März 1856 am k. k. H 0 ftheater nächst dem Kärntnertore mit Clara Heinefetter in der Titelrolle und den Herren Breiting als Eleazar und S t a u d i g l als Komthur Dieses Werk erlebte in dem genannten Kunstinstitute bis 15. August 1868 118 Aufführungen. Im neuen k. k Hofoperntheater wurde die „Jüdin" am 12. November 1870 zum erstenmale zur Aufführung gebracht. Dirigent dieser Vorstellung war Otto Des 0 ff. Personen: Recha : Frau Ehnn, Eleazar: Herr L a b a t t. Komthur: Dr. Schmidt. In den folgenden Vorstellungen dieser Oper sangen die Rollen des Eleazar: Labatt, Ellinger, Stege r, Sonntheim (der erst dieser Tage den 90. Geburtstag feierte), Riese, Winkelmann, Weitling e r, B r 0 u l i k, S i g e l l i, Müller, Vogel, Heizinger, Mierzwinsky, Schlaffenberg, Kalisch, Slezak, Pennarini, Wallnöfer. Brozel, Gröbke. Recha: Ehnn, Wilt, Du st mann, Materna, Löwe, Luc ca» Schmied-Zimmermann, Brandt, Schläger, Turolla, Papier, Jäger, Beeth, Mora. Sedlmayr, Förster- Lauterer, Schubert, Elsa Bland und Selma Kurz und in der Partie des Komthur: Dr. Schmidt, Rokitansky. Draxler, Scaria. Fischer, Ney. Reichenberg, Seidemann, Wiesand, Behrens, Grengg, Hesch, Hillmann, Wissi ak, Zottmayr, Corvinus. Am 14. Oktober 1909 fand die 151. Vorstellung dieser Oper im k. k. Hofoperntheater in Wien statt: Dirigent Kapellmeister Walter, Recha: Frau Förster-Lauterer, Eleazar: Gröbke, Komthur: C 0 rv i n u s. (Diese authentischen Daten verdanken wir der Liebenswürdigkeit des Herrn Felix v. W e i n g a r t n e r.) In jüngster Zeit bringt auch die „Volksoper" Halevys Meisterwerk zur Aufführung, die durch Fräulein W e n g e r in der Rolle der Recha sich glanzvoll gestaltet. Das schöne Jubiläum dieser ebenso mit einem hochinteressanten Sujet ausgestatteten, als durch die Melodien immer gerne gehörten Oper wird hoffentlich nicht sang- und klanglos vorübergehen, wenngleich auch leider seitens der Direktion unserer hervorragendsten Kunststätte keine Festvorstellung veranstaltet wird. Generationen auf dem ganzen Erdenrunde haben sich bereits an dieser „Jüdin" erfreut, sie haben immer dem reichen Melodienborn gelauscht, der so verschwenderisch in diesem Werke verausgabt wird, und weiteren Geschlechtern bleibt es Vorbehalten, das Gedenken an den so feinfühligen und hochsinnigen Komponisten stets hochzuhalten, welch ehrender Pietät sie sich wohl jederzeit würdig erweisen werden. Mögen diese Zeilen emen Teil der Dankesschuld begleichen, die wir und mit uns Tausende und Abertausende dem dahingeschiedenen Tondichter gegenüber hegen und hiedurch zum Ausdrucke bringen! Hoffentlich wird die Feier des 160. Geburtsfestes der Matrone im vollsten Glanze vor sich gehen! Emil Jelinek. Suspension eines Oberrabbiners. Schon vor einigen Jahren war ein Konflikt in der Kopenhagener jüdischen Gemeinde entstanden zwischen dem damals neuernannten Oberradbiner Dr. L ö w e n st e i n und der nicht orthodoxen Mehrzahl der Gemeinde. Der Gemeindevorstand versuchte damals, den Oberrabbiner zu veranlassen, um seinen Abschied einzukommen, und bot ihm einen größeren Betrag als Entge't, was er jedoch ausschlug, indem er mit vollem Recht darauf hinwies, der Vorstand habe ihn auf Lebenszeit ernannt. Damals wurde der Konflikt indes einigermaßen beigelegt, ist aber jetzt mit erneuter Schärfe entbrannt, und der Vorstand hat sich zu dem ganz außergewöhnlichen Schritt veranlaßt gesehen, den Oberrabbiner zu verabschieden und an seiner Stelle Herrn Rabbiner Doktor Sch0rnstein als Oberrabbiner zu bestellen. Der amovierte Oberrabbiner hat nun in allen Zeitungen, eine Erklärung veröffentlicht, in welcher er sagt, die Suspendierung vom Amte sei rechts- und vertragswidrig und deshalb werde sie von ihm als null und nichtig angesehen. Ohne Prozeß dürfte der Streit nicht deizulegen sein. Die Sch ächtfrage in der Justizkommission des deutschen Reichstages. Die Justizkommiffion des Reichstages trat in die Beratung der ihr überwiesenen Justizgesetze ein. Die Frage der Vivisektion und des Schächtens rief eine eingehende Debatte hervor. Dabei stützten sich die Redner auf die dem Hause zugegangenen Petitionen. Ein Antrag Dr.

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