Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 6 (11.2.1910)
- Date
- 1910-02-11
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 106 Dr. Blochs Wochenschrift, Nr. 6 an der in der Kaserne stattfindenden militärischen Feier teilzunehmen. Hierauf entsendete das Festkomitee, an dessen Spitze Herr Oberst Fistel stand, den Hauptmann Mergel zu Herrn Rabbiner Dr. Funk mit der Einladung, am Festbankett teilzunehmen, da das Festkomitee mit Rücksicht auf die religiöse Stellung Sr. Ehrwürden auch für ein streng rituelles Diner sorgen werde. Dr. Funk dankte für dieses vornehme Entgegenkommen, betonte aber, darum nicht ,-eilnehmen zu können, weil ein Rabbiner nur an einer solchen Tafel teilnehmen könne, an welcher die anderen Teilnehmer israelitischen Glaubens ebenfalls rituell speisen. Das Festkomitee nahm diese Aeutzerung mit dem liebenswürdigsten Entgegenkommen zur Kenntnis, und es wurde auch für die anderen jüdischen Teilnehmer ein rituelles Diner bestellt. Hierauf begab sich Herr Hauptmann Mergel auch zu Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner Schreiber, der nach dieser Darlegung, im Verein mit Herrn Rabbiner Dr. Funk, am Bankette teilnahm. Vor Beginn desselben wurden die beiden Rabbiner von den Herren Oberst Fistel und Oberst Strasser, dem Regimentskommandanten, auf die vornehmste Weise begrüßt und zu ihren Plätzen geführt. Während des Festbankettes, an welchem nur offizielle Reden gehalten wurden, waren die beiden Rabbiner der Gegenstand auszeichnender Aufmerksamkeit. Während des Bankettes bemerkte Rabbiner Dr. Funk zu Herrn Oberst Fistel, daß nach mehrfachen Artikeln der „Oesterreichischen Wochenschrift" das 72. Regiment, als auch das 6. Regiment Coronini aus der Kriegsgeschichte des Jahres 1866 hervorragende Juden aufzuweisen vermag, welche für die Rettung der Regimentsfahnen ihr Leben einsetzten und heldenmütig für König und Vaterland starben, und es wäre sehr erwünscht, in der Form eines Militärgottesdienstes der jüdischen Mannschaft dies zu Gemüte zu führen. Auf Ansuchen des Herrn Regimentskommandanten Oberst Strasser veranstalteten die beiden Gemeinden am letzten Sabbath einen Militärfestgottesdienst, anläßlich welchem die beiden Rabbiner durch formvollendete begeisterte Reden, gestützt auf die einschlägigen Artikel der „Oesterreichischen Wochenschrift", auf die in den Synagogen versammelten zahlreichen Offiziere einen tiefen und nachhaltigen Eindruck machten. Hilferuf der Rabbiner und Vorsteher der sephardischen Gemeinde Tiberias (Palästina). G eliebte Brüder! Die jüdische Gemeinde Tiberias in Palästina hat bisher stets ein bescheidenes Leben gefristet and ist niemals mit klagender Stimme in die Oeffentlichkeit getreten. Aon aber dringt uns das Wasser schier in den Mund und stehen hilflos da, so dass wir gezwungen sind, aus unserer Bescheidenheit herauszutreten und unsere bittende Stimme laut zu erheben, uin uns auf diese Weise vielleicht zu helfen. Abgesehen von den vielen Auslagen, die uns seit Langem bedrücken, wie die Abgaben an die Regierung, die Heilung und Unterstützung der Kranken, Erhaltung von Schulen, monatliche Unterstützung von Gelehrten, Armen und Witwen etc, kommen zu uns täglich scharenweise Familien aus dem Osten und Westen (Kurdistan, Persien, Marokko), die ihre ganze Hoffnung auf unsere armselige Gemeindekasse setzen. Trotzdem würden wir auch weiter geschwiegen und unser Los in Demut getragen haben, wenn unsere Gemeinde nicht neue Not, frische Lasten mit frischen Sorgen heimgesucht hätten, die die alten vergessen machen: Verschiedene böse Krankheiten, unerschwingliche Teuerung aller Nahrungsmittel und überdies die Notwendigkeit und die moralische Pflicht, unseren mittellosen jüdischen Rekruten, die nach dem neuen Wehrgesetze zum Militärdienst einrücken müssen, mit Zehrgeld auszuhelfen und ihre ohne Erwerber zurückbleibenden Familien während der ganzen Dienstzeit ihres Ernährers, wenn auch in bescheidenem Masse, zu unterstützen. Die Notwendigkeit dieser unumgänglich notwendigen und unaufschiebbaren, grossen Hilfsaktion hat uns in die trostloseste Lage versetzt, aus welcher wir keinen anderen Ausweg sehen, als uns an Euch und an Eure brüderliche Hilfe in der Not zu wenden! Auf Euch setzen wir unsere Hoffnung, dass die Worte, die aus der Tiefe unserer Seele kommen, zu Eurem Herzen dringen werden, um dort Eure Mildtätigkeit und Euren Edelmut wachzurufen! Möchtet Ihr doch selbst unserer Bitte Euer Herz öffnen und auch Euere Freunde und Bekannten bewegen, unserer ungefähr 8000 Seelen zählende Gemeinde zu gedenken und ihren Beitrag so rasch als möglich an die unten angegebene Adresse zu senden und der Allmächtige wird Euch sicherlich seinen Segen spenden bis in Euer spätestes Alter. Jakob Hakohen Skilli, Grand-Rabbin der sephardischen Gemeinde; Juda Toledano; Masod A d h a n; . Mauasse Ch emwi; Nissima Manon; Josef Gigi; Abraham Abichäzira; Adresse für Geldsendungen: Mssrs. Grand Rabbin Jakob Skilli in Tiberiade (Palästina) oder The Anglo Palestina Ltd. in Beyruth (Sirie) pur Grand Rabbin Sk i 11 i et Juda Toledano in Tiberiade. Diesem Aufrufe ist auch ein BefürwortUDgsschreiben des gewesenen Chacham Baschi von Damaskus Jsaac Moses Abulafia beigefügt, der gegenwärtig in Tiberias lebt und, die' Angaben des obigen Aufrufes vollinhaltlich bestätigend, die Unterstützung der Gemeinde zu dem angegebenen Zwecke aufs Wärmste befürwortet. La belle Juive. Gelegentlich der Konferenz, die Mme. Gramer jüngst in Neudek im Schlosse des Fürsten Henkel von Donnersmark gehalten, lebt das Andenken an die verstorbene Gemahlin des Fürsten, die eine geborene Therese Lachmann aus Russisch-Polen gewesen, wieder auf. Wie heut, so wurde auch damals, als Fürst Henkel von Donnersmark, die Ehe mit der bildschönen, geistreichen, aber übelbeleumdeten Therese einging, viel über den Fürsten, der sich über alle Standesvorurteile hinwegsetzte, gesprochen. Mme. Therese hatte, als der Fürst sie zu seiner Gemahlin machte, bereits eine Vergangenheit; aus dem armen Judenmädchen, das mit einer Verwandten, der sie Stütze sein sollte, nach Paris gekommen, war eine vielumworbene Lebedame geworden, der die ersten Kavaliere des Kaiserreichs huldigten. Ihre Schönheit wurde der der Ninott de PEnclös vW glichen; ihr Geist fesselte selbst die Männer der Wissenschaft, die sich eine Ehre daraus machten, von ihr empfangen zu werden. Sie hieß, 1a belle Juive, und Kaiserin Eugenie, die damals im Zenith ihrer Macht stand, soll neiderfüllt gesagt haben: «Diese Jüdin macht mir alle Triumpfe streitig!" Im Theater, bei den Rennen, im Longchamps wurde es oft bemerkt, daß man der Therese, die damals schon Marquise de Paiva war, mehr Aufmerksamkeit schenkte, als der in voller Jugendschönheit strahlenden Kaiserin. Die „Therese" trug die kostbarsten Toiletten, den herrlichsten Schmuck; alle Augen waren auf sie gerichtet, wenn sie in ihrer Loge im Theater erschien. Marquis Paiva opferte ein Vermögen, um alle Launen seiner Gattin, die einen wahren Schönheitskultus trieb, zu befriedigen. Ihr Heim glich einem Tempel der Kunst. Man sprach in Paris von dem Feenpalast, den sie sich dann, als sie bereits Witwe geworden, in den Champs-Elysees erbauen ließ; erste Künstler waren berufen worden, Plafonds, Fresken, Wandgemälde herzustellen. Zu ihren Vertrauten gehörte der damals berühmte Arzt Dr. Koreff. Er war der Almosenier der schönen Frau, die Unsummen nicht nur für ihre Person verschwendete, sondern auch Unsummen zur Verfügung hatte, wenn es galt, Not zu lindern. Und wen unterstützte sie am ausgiebigsten? Die armen Juden. An hohen Feiertagen sah man die Marquise oft im Temple; fie war zwar zum Katholizismus übergetreten, blieb aber in ihrem Herzen Jüdin. Dr. Koreff erzählte oft, daß er an jüdischen Feiertagen namhafte Summen von der Marquise erhalten, um armen ruffischen Juden,, deren es sehr viele in Paris, gab, ein Feiertagsmahl bereiten zu lassen. Einem vergilbten Brief, den Dr. Koreff damals an eine Freundin schrieb, entnehme, ich nachfolgende charakteristische Stellen: „Sie glauben nicht, meine Liebe, yiie weh es mir tut, wenn man die Paiva eine Lebedame nennt. Sie will von