Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 5 (4.2.1910)
- Date
- 1910-02-04
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 92 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 5 vorgeschriebene Kost entzogen werden könnte. Die Entziehung jener Kost möge daher nur ein Supplement seiner Strafe sein. Herr Liebers unterstützt den Antrag des Herrn Kahler und weist insbesondere auf die Transportkosten hin, welche die Osterbeköstigung der weiblichen Sträflinge in Repy verursacht. Nun erhob sich Dr. Bendiener, um in entschiedener Weise die Anträge iLiebers und Kahlers zu bekämpfen. Er habe leider gerade um die Osterzeit beruflich wiederholt Strafanstalten zu besuchen und dabei die unsägliche Freude wahrzunehmen Gelegenheit gehabt, welche jüdische Sträflinge empfunden haben, daß man ihrer im Kerker während der Festtage nicht vergessen, die für sie eine Erinnerung an ihr Familienleben und ihre Jugend bilden. Es hieße das ohnehin furchtbare Geschick dieser Menschen noch trüben, wenn man sie von der Wohltat, die bereits durch Generationen in Prag geübt wird, ausschließen wollte. Redner zitiert einzelne spezielle Fälle aus seiner langjährigen Praxis, um darzutun, daß es selbst möglich ist, unschuldig Verurteilte oder doch solche, deren Schuld nicht vollkommen erwiesen ist, von der Ausübung eines der wichtigsten Gebote auszuschließen. Die Ausführungen Dr. Bendiener übten sichtlich die tiefste Wirkung auf die Anwesenden, die ihnen mit gespannter Aufmerksamkeit gefolgt waren. — Herr Dr. Ro sen buch er stellt an die Herren der liberalen Richtung die Bitte, immer erst wenn sie derartige Anträge Vorbringen, sich aufklären zu lassen, was das Religionsgesetz anordnet. Abgesehen davon, daß es absolut unzulässig wäre, auf der einen Seite im Strafhause Gottesdienste zu veranstalten und Religionsunterricht zu erteilen, auf der anderen Seite aber den Sträflingen die Gelegenheit zu entziehen, gerade in der Zeit ihrer Einkehr eines der wichtigsten religiösen Gebote «uszuüben. Hierauf wird die Post einhellig genehmigt, jedoch betreffs der Beteiligung der Idioten- und Irrenanstalt beschlossen, das Gutachten der kompetenten Religionsbehörden einzuholen. — Der Synagoge der Israeliten slavischer Zunge wird eine Subvention von 1500 K einhellig bewilligt, die Subvention für das neu errichtete jüdische Museum auf den doppelten Betrag erhöht. Nachdem noch die übrigen Anträge des Referenten unverändert angenommen worden, erfolgt der Schluß der Sitzung um l1/4 Uhr nachmittags. Wien. (Generalversammlung des Tempels ereines für den 13. Bezirk.) Sie fand am 31. Jänner d. I. unter Vorsitz des Präsidenten Direktors Dr. Salomon Krenberger und in Anwesenheit einer großen Zahl von Mitgliedern, sowie von Vertretern des Hietzinger Frauenwohltätigkeitsvereines, des Herrn Samuel Mohr, des Obmanns der Gezirkskommission für den 12. bis 15. Bezirk, der im Namen des Kultusvorstandes erschienen war, des Herrn Börsenrates Salomon Beer und anderer illustrer Persönlichkeiten statt. Der Vorsitzende erstattete den Tätigkeitsbericht, Herr Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Isidor Spielmann jun. im Namen der Revisoren den Kassenbericht; beide wurden zur Kenntnis genommen. In der sehr anregenden und lebhaften Wechselrede, an der sich insbesondere die Herren Obmann Mohr, Börsenrat Beer, Franz Josef Klein, Fritz Blüh, Isidor Bernfeld und Dr. Ernst Karman beteiligten, kam der allgemeine Wunsch zum Ausdruck, im 13. Bezirk, dessen jüdische Bewohnerschaft von Tag zu Tag wächst bald ein eigenes Gotteshaus entstehen zu lassen, weil der jetzige Betsaal keinesfalls den Bedürfnissen der schon hier ansässigen 500 Familien entspricht, weil im Bezirke keine rituellen Funktionen und Zeremonien ausgeführt werden können und aus dem Bezirke eine große Steuersumme einflietzt. Unter allgemeiner Begeisterung wurde der Antrag des Dr. Karman angenommendiese Synagoge aus Anlaß des 80. Geburtstages Seiner Majestät als „Kaiser Franz Josef I. Huldigungssyniv-r go g e" zu errichten und die Agitation für diesen Zweck detailliert .besprochen. Gemeinderat Klebinder gestorben. Am 28. v. M. früh ist in seiner Wohnung, Kaiser Iosefsstraße 11, der um die Stadt vielverdiente 0<ß meinderat und Schriftsteller Ferdinand Klebinder im 63. Lebensjahre nach längerem, schwerem Leiden gestölbM Klebinder war zu Teschen am 30. Dezember 1847 gehören. In jungen Iahren wendete er sich der journalistischen. Laufbahn zu, wurde 1869 Redakteur des „Neuen Fremdenblattes" und gründete 1875 die /.Wiener Bürgerzeitung, trat bei Gründung des „Wiener Tagblaties" in die Redaktion dieses Blattes und führte das komtztunale Referat mit sachlicher Kritik und tiefer Kenntnis aller Agenden der kommunalen Sphäre. Seine seltene Vertrautheit mit dem kommunalen Leben machte ihn zu einem Machtfaktor im zweiten Bezirke. Er wurde in den Ortsschulrat gewählt, trat später an die Spitze dieser Institution und hatte diese Stelle durch Jahre inne. Bei allen kommunalen und politischen Wahlen int zweiten Bezirke war sein Einfluß sehr groß. Im Iahte 1902 wurde er selbst in den Gemeinderat gewählt und gehörte seither dieser Korporation an. Er hat im Geüreinderat, in dem er als schneidiger und temperamentvoller Redner bekannt war, zahlreiche nützliche Anregüitgen ge? geben und namentlich auf dem Gebiete der Apjirovisionierung Ersprießliches geleistet. Sowohl im Ortsschulrat als auch im Gemeinderat wirkte er durch sein konziliantes Wesen, das ihm auch bei politischen Gegnern- Freunde gewann, im Sinne des konfessionellen Friedens. Die Achtung und Beliebtheit, deren sich Klebinder hei allen Mitgliedern des Gemeinderates zu erfreuen hätte, war ungemein groß, und sein Fehlen in der kommunalen Ratsstube wird von Freund und Gegner schwer empfunden werden. Unter überaus zahlreicher Teilnahme fand Sonntag vormittags das Leichenbegängnis statt. Die Schriftstellerwelt, das Bürgertum, die politischen Vereine, die Lehrerschaft und zahllose Freunde hatten sich vereint, um den Verblichenen die letzte Ehre zu erweisen. Der Zweite Bezirk hat seit Jahren ein so großartiges Begräbnis nicht gesehen. Die Lehrkörper der Volks- und Bürgerschulen des 2. Bezirkes, die Schuljugend mit schwarzümflortenj Fahnen hatte vor 10 Uhr vor dem Trauerhause Aufstellung genommen. Um diese Zeit begann auch schon das! Zuströmen der Leidtragenden. Es waren u. a. erschienen: der Präsident der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften Professor Doktor Eduard Suetz, der Präsident der israelitischen Kultusgemeinde Dr. Alfted Stern mit dem Vizepräsidenten Dr. Gustav Kohn und mehreren Vorstandsmitgliedern, der Präsident des Journalisten- und' Schriftstellervereins „Concordia" Doktor Ehrlich mit dem Vizepräsidenten Lipschütz und den Mitgliedern der Verwaltung, zahlreiche Schriftsteller und Journalisten, Advokaten und Beamte, der Vorsteher des zweiten Gemeindebezirkes Iägersberger, die Gemeinderäte SchuldireftM Karl Bichler, Dr. Ritter v. Dorn, Dr. v. Fürth, Dr. Hein, Herold, Hübl, Jordan, Luksch, Dr. Mittler Mb Seiler, Bezirksschulinspektor kaiserlicher Rat Hofer, die B.ürgerschuldirektoren Quir und Planer, der Obmannstellverüeter des Ortsschulrates Helbig mit den Vorstandsmitgliedern dieser Körperschaft, viele Bezirksräte, die Vorstandsmitglieder des „Donauklub" unter Führung des Obmannes Baurat Wilhelm Stiaßny usw. Um 10 Uhr begann die Trauerfeier mit dem Vortrag eines Psalmes durch Oberkantor Guttmann, dann wurde der Sarg gehoben und der Kondukt setzte sich durch die Kaiser Joses- und Taborstraße zum Gemeinde-