Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 5 (4.2.1910)
- Date
- 1910-02-04
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 90 Dr. Blochs Wochenschrift. *M druck und möchte ein ständiges Gedränge von Zuschauern. In ihrem eigenen Interesse und in dem der Ausstellung, denn das ist die prosaische Pointe aller Poesie und Kunst: Sie gehen nach Brot. Deswegen schreiben wir denn auch zuguterletzt die Geschäftsbemerkung des Preiskurantes her: Bestellungen auf Erzeugnisse, Anfragen wegen Vertaufsniederlagen, sowie Geldsendungen sind zu richten an den Schatzmeister des „Bezalel", Herrn Gertraud Hamburg. Berlin W. 15. Bleibtreustraße 34/35. Deutsches Postscheck-Conto Nr. 4060. Österreichisches Poftscheck-Eonto Nr. 59.318. Bankocnto: Direktion der Disconto-Gesellschaft, Depositen-Kasse, Unter den Linden 11 (vormals Meyer Cohn), Berlin W. 64. Israelitischer Tempelverein für die Bezirke Wiede» und Margarethen in Wien. Sonntag den 30. Jänner 1910 fand im Srtzungssaale des neuerbauten Tempelgebäudes, V., Siebenbrunnengaffe 1, die 36. ordentliche Generalversammlung des Vereines bei zahlreicher Beteiligung feiner Mitglieder statt. Der Versammlung wohnten als Ehrengäste bei: Herr Kultusvorsteher kaij. Rat Siegmund Kauders, in Vettretung der israelischen KuttuSgemeinde Herr Kultusvorsteher kais. Rat Wilhelm Pollak, Se. Ehrwürden Herr Rabbiner H. 8. Rttch, der Obmann des israelitischen Tempelvereines für den X. Bezirk Herr Jakob Straßberg, der Obmann des israelitüchen Humanttätsvereines für den X. Bezirk Herr Emanuel Schidrowitz, das Vorstandsmitglied deS israelitischen Tempelvereines für die Bezirke Mariahilf und Neubau Herr Ignaz Klein, das Präsidium des Exekutivkomitees für den Tcmpelbau der Bezirke Wieden und Margarethen, und zwar die Herren Friedrich Wiener, Gustav Marburg, nud Josef Sonnenschein; ferner in Vertretung des Frauenwoyttatigkeitsvereines für den IV. und V, Bezirk und des Damenattionskomitees für den Tempelbau die Damen: Karoliue Hofmann. Alice Fischer, Sophie Herlinger, Julie Lichtenstei«, Paula Schlesinger, Antoinette Sonnenschein u. m. A. Nach Begrüßung der Anwesenden durch den Obmann Herrn Adolf Hofmann erstattet der Schriftführer Herr Franz Frankl den Jahresbericht über das abgelaufene Vereinsjahr. Der Bericht gedentt zunächst in warmen Worten der schweren Verluste, welche der Verein durch das Hinscheiden einer Anzahl Vereinsmitglieder und Förderer erlitten hat: Des verewigten Vizepräsidenten der israelitischen KuttuSgemeinde Herrn Theodor Ritter von G o l d s ch m i d t, des Vorstandsmitgliedes der israelitischen Kultusgemeinde Herrn Emil Horner, des gewesenen langjährigen früheren Obmannes und Ehrenmitgliedes des Vereines Herrn Adolf O st e r s e tz e r, der Vereins- Mitglieder Moritz Hirschderger und Adolf Münzer, sowie des gewesenen Obmannes der Bezirkskommission für den IV., V. und X. Bezirk Herrn Carl Seligmann, der zu den bewährtesten und besten Freunden des Vereines zählte. Nach 10 jährigen Bemühungen ist es im Vorjahre gelungen, endlich mit dem unaufschiebbar gewordenen Baue des neuen Vereinstempels zu beginnen. Derzett ist der Bau im großen und .ganzen fettiggestellt, und wenn es gelingen wird, den zur inneren Einrichtung noch fehlenden Restbetrag von zirka 20.000 Kronen aufzubringen, so kann das Gotteshaus zum diesjährigen Paffahfeste seiner heiligen Bestimmung übergeben werden. Um dieses Ziel zu erreichen, müffe nochmals an die Munifizenz jener wohlhabenden Kreise, namentlich des IV. und V. Bezirkes, welche sich der bisherigen Aktion für den Tempelbau fernhietten, appelliert werden. Zur Zeit werden noch Probevotträge von Bewerbern um die erste Kantorenstelle im neuen Tempel abgehalten; gleichzeitig wird für die Heranbildung eines tüchtigen Knabenchores unter der Leitung eines bewähtten Chordirigenten gesorgt. / Mit besonderer Genugtuung verzeichnet der Bericht die Errichtung von Maskirstiftungen der Familie Blaßkopf im Betrage von 4000 Kr. und der Frau Julie Liechtenstein im Betrage von 500 Kr. Der Obmann Herr Adolf Hofmann führt aus, daß es nur der werttätigen Mitwirkung der Kultusgemeinde, der tatkräftigen Unterstützung des Exekutivkomitees und namentlich auch der nicht genug anzuerkennenden, hervorragenden Tätigkett des Damen-Aktionsbomitees zu verdanken ist, wenn der Tempelbäu schon so weit gediehen ist. Er müffe jedoch noch weiter au die Mithilfe dieser Faktoren appellieren und namentlich betrachte er es als Pflicht des Vorstandes der KuttuSgemeinde, den Bereinsvorstand bei seinen Bemühungen um Fettigstellung und Erhaltung des Gotteshauses auf das Tatkräftigste zu fördern. Der Obmann bespttcht sodann die Frage der beabsichtigten Gründung eines Verbandes der Tempelvereine, dessen Entstehen zu seinem Bedauern vom Präsidium der Kultusgemeinde keine Unterstützung findtt, mit der Motivierung, daß durch die Schaffung dieses Verbandes ,Ein Staat im Staate gebildet werden würde". Er glaubt, daß gerade dieser Verband berufen wäre, die gemeinsamen Interessen der Tempelvereine zu wahren, die Konkurrenz der einzelnen Tempelvereine bei Trauungen zu beseitigen und dabei doch. in steter Fühlung mit der Kultusgemeinde bleiben würde. * Herr Kultusvorsteher, kais. Rad Kauders, führt aus, daß er die Bildung eines Verbandes der Tempelvereine mtt regstem Interesse verfolge und alles in seiner Macht Stehende tun wolle, um die Gründung desselben zu fördern. Er wolle auch ein getreuer Dolmetsch der übrigen vorgebrachten Wünsche beim Kültusbörstände sein. Im gleichen Sinne äußert sich Herr Kultusvorsteher kais. Rat Wilhelm Pollak. Herr Rabbiner Reich beschwert sich darüber, daß die Funktionen bei Leichenbegängnissen mtt wenigen Ausnahmen anstatt von dem zuständigen Seelsorger von Funktionären versehen werden, denen der Verstorbene im Leben gänzlich fremd blieb. - Nach Erteilung des Absolutoriums an die Kassaverwaltnng und die Vereinsleitung wurden die Neuwahlen vorgenommen und die ausscheidenden Vorstandsmitglieder, die Herren Ignaz Fischer, Jäkoll Herlinger, Arnold Selka, Dr. Bernhard Singer und Ignaz Tauffik. elnstrmmrg wiedt-rgewählt. Mit einer Dankeskundgebung an den Delegierten des Kultusvorstandes, Herrn kais. Rat Kauders, wurde die Generalversammlung geschlossen. Vor Beginn der Generalversammlung fand eine vom VereinSvorstande zu Ehren des Obmannes Herrn Adolf Hofmann und deS Schriftführers Herrn Franz Frankl veranstaltete intime Feier statt. Die Genannten wurden in ven festlich geschmückten Sitzungssaal deS neuen Tempelgebäudes geleitet und dortselbst wurden nach einer schwungvollen Ansprache des Herrn Rabbiners Reich sowie nach Begrüßungsreden der Obmannstellvertreter Herren Ignaz Tauffik und Josef Sonnenschein dre in Oel gemalten Bildnisse der Herren Hofmann und Frankl enthüllt. In bewegten Worten dankten bei Letzteren für die ihnen bereitete große Ehrung. Emigrantenfürsorge. In jüngster Zeit gelangten an die „Israelitische Allianz zu Wien" von den an der russischen Grenze eingesetzten Schutztomitees Nachrichten, wonach armen Emigranten beim Uebertritt auf österreichisches Gebiet ähnliche Schwierigkeiten gemacht wurden, wie sie seit vielen Jahren an der preußisch-russischen Grenze hauptsächlich im Interesse der norddeutschen Schiffahrtsgesellschaften eingesührt sind. Aus Nowosielitza wurde gemeldet, daß solche Emigranten, die Schiffskarten der Aüstro-Ameritana via Triest besitzen, anstandslos, auch wenn sie keine regelrechten Reisepässe besitzen, hereingelassen werden, während Personen, welche Schiffskarten der Hamburg-Amerika- Linie oder Prepaids der anderen ausländischen Schiffslinien besitzen, zurückgewiesen wurden. Aus Podwoloczyska wurden verschiedene politische Maßregeln gemeldet, durch welche besonders arme Juden, die nicht imstande waren, sich den kostspieligen Gouvernementspaß zu erwerben und ohne offizielle Dokumente die Grenze passierten, mit Strafen belegt und sonstigen Unannehmlichkeiten ausgesetzt wurden. Die Leitung der „Allianz" intervenierte im Ministerium des Innern. Der Referent im Ministerium erklärte, daß, wenn auch in der Theorie ein Unterschied in der Behandlung ausländischer Emigranten in der Weise denkbgr wäre, man hinsichtlich der Durchreise durch österreichisches Gebiet, sowie in sanitätspolizeilicher Beziehung bei der Uebernahme der Emigranten durch eine österreichische Schiffsgesellschaft die erforderlichen Kautelen in höherem Maße als gegeben erachten könnte und gegenüber Personen, die nicht von inländischen Gesellschaften unter ihrer Verantwortung dirigiert werden, strenger Vorgehen würde, so seien doch die österreichischen Behörden weit davon entfernt, Reziprozität durch eine praktische Unterscheidung Zwischen den Besitzern in- und ausländischer Karten zu üben: etwaigen lokalen Maßnahmen, die an einzelnen Grenzpunkten zum Schaden der von der „Israelitischen Allianz" protegierten mittellosen Durchreisenden von polizeilichen Organen getroffen sein sollten, würde nachgeforscht werden. Daß überhaupt' in jüngster Zeit häufig russische Emigranten Schiffskarten der Hamburg-Amerika-Linie besaßen, hängt damit zusammen, daß die Preise der Austro-Ämerikana wesentlich teurer waren.