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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-02-04 · 5 (4.2.1910) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
5 (4.2.1910)
Date
1910-02-04
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Dt. Blochs Wochenschrift. Sette 89 Nr. 5 geschlossen von allen unseren Verhandlungen und 'selbstverständlich auch von der Verwaltung unserer Gemeinde: und dennoch ist es der Oenins loci, der mir mancherlei aus vergangenen Zeiten, die auch ich erlebt, zuflüstert: Hier in diesem Hause waltete Jahrzehnte hindurch der Mann, dessen Werk „Die Geschichte der Juden in ^Oesterreich" all den Jammer unserer Glaubensbrüder, eine laute Anllage gegen die österreichische Gesetzgebung und Regierung hinaus in die Oeffentlichkeit trug. In diesem Hause waltete, wohnte und wirkte der ehrwürdige Mann, der den Ruf nach Recht für unsere Glaubensbrüder in dem ersten österreichischen Parlamente in Kremsier erhob. In. diesem Hause lebte der Mann, der an dem Morgen des erwachten Völkerfrühlings sich todesmutig in die Bresche stellte und zu dem in späten Jahren, als dem Weisen von Emmersdorf, unsere Staatsmänner pilgerten. Aus diesem Hause drang hinaus die Herruche Freiheitsode unseres L. A. Frankls, das Lied an die Universität, welches brausenden begeisterten Jubel der gesamten studierenden Jugend der Wiener Universität erweckte. Wohl! Alt und verfallen ist dieses Haus, nicht auf Säulen ruht sein Dach, nicht glänzt der Saal, nicht schimmert das..Gemach: aber es ist geheiligter Boden auf dem wir stehen, wenn die erhabenen, edlen, herrlichen Erinnerungen, von denen die Steine dieses Hauses sprechen, in uns lebendig werden. Zu diesen Erinnerungen zählen wir das Gedenken an unseren edlen Glaubensbruder, den Sekretär und Vorsteher unserer Gemeinde, den lorbeergekrönten Dichter, den Patrioten, den Freiheitshelden, den Menschenfreund Ludwig August Frankl! (Lebhafter Beifall.) Die Wiener Ausstellung des Bezalel. (Veranstaltet vom Hochschülerverein »Bar-Kochba".) Die Kunstgewerbeschule „Bezalel" in Jerusalem ist längst schon lieb Kind bei der ganzen Judenheit. Die Energie ihres Leiters Boris Schatz hat diese glänzende Schule geschaffen. Eine eigene Abteilung in dieser Schule wird vom jüdischen Kolonisations-Verein in Wien subventioniert. Schatz ist einer der wenigen, die den Zionismus des eigenen Lebens haben, nicht den der Theorie. Ein Meister des Reliefs und bulgarischer Hofbildhauer, wäre er in Europa sicher auf einem grünen Zweig gesessen. Aber er sah die vielen Juden Jerusalems in der Bettelei der Chalukkah ersticken, und er beschloß, sie durch Arbeit einem höheren Dasein zurückzugewinnen. Mit einer unglaublichen Zähigkeit schuf er die Anfänge, hat jetzt in den beiden Häusern des Bezalel eine Reihe von Ateliers eingerichtet, die zusammen eine Hochschule der praktisch angewendeten Kunst sind. Wenn die Schüler von heute einmal in den einzelnen jüdischen Kolonien Lehrer sein werden und man ihnen gleich den Teppichwebern Persiens einen genug großen Markt schaffen wird, so wird eine Fülle von Segen über die palästinensischen Juden niedergehen und sie werden das Recht auf ihr .althistorisches Land mit demselben einfachen Mittel gewinnen und festigen, das den Buren das Recht auf Südafrika gegeben hat: mit Arbeit. Der „Bezalel" schickt nun eine Sammlung seiner Erzeugnisse in die europäischen Hauptstädte als Agitationsmittel und Befähigungsnachweis. Bravo, Schatz! Den einen Beweis hat er uns sicher erbracht, daß wir überhaupt eine jüdische Kunst haben. Jüdische Kunst als Tatsache und nicht als Phrase. Der Deutsche Dürer machte seine Figuren streng und nüchtern, die Südländer malten voll glühender Romantik für das heißeste Gefühl, die Griechen schwelgten in Schönheit, die Römer arbeiteten auf Größe des Eindrucks hin — die jüdischen Künstler von jüdischer Rasse erfüllen eine Forderung, die Goethe ausstellte: Dem Beschauer etwas zu erraten, selbst zu komponieren, selbst zu fühlen überlassen. Das sehen wir bei den jüdischen Malern der jüngsten Neuzeit, sehen wir beispielsweise bei Liebermann, Israels, sehen wir in der Ausstellung des Bezalel bei Struck und seinen Schülern. Die Juden sind in ihren Werken zum großen Teil Impressionisten. In der Mitte v-in starker, mächtiger Eindruck, ringsherum verklingende Motive oder verschnörkelte Ornamente. Findet man darin nicht eine Beziehung zu den Heiligen Büchern und den Kommentaren? Es gibt jüdische Kunst, sagt die Ausstellung auch den Blasierten, die von den Theaterkulissen nur den Pappendeckel sehen. Wenn irgendwo ein Jude ist, der Mittel und Lust hat, sich eine wirllich stilvolle Wohnung auszustatten, Lber nicht mit pseudonationalem Gerümpel und Getümmel, sondern mit > ass eechten Werken, der mag ruhig vom Bezalel die Ausstattung für diesen und jenen Wohnraum beziehen. Er bekommt Aesthetik und eine stolze Bodenständigkeit, nationale Kunstwerte, nicht sentimentale, wie sie lange und lächerlich in Mode waren, sondern kraftvoll tüchtige. Und wenn eine jüdische Frau für den Aufputz ihrer Toilette und ihren Schmuckschrank sorgen will, so mag sie rasch die Spitzen- und Filigranschätze der Bezalelausstellung ansehen. Das Arrangement der Ausstellung ist ausgezeichnet. Der Diktator des Ganzen, unser Herr Hochst e t t e r, fyrt sich mit den Räumen des Kunstvereins in der Weihburgigasse ausgezeichnet abgefunden, hat alles dem Auge sehr gut nahegelegt, wobei ihn der Präses Wald mann sehr gut unterstützte. Ein junges Damenkomitee hilft bei der guten Sache, verkauft pikante und süße Sachen beim Buffet und erhöht den Wert der Verkaufsobjekte durch liebenswürdige Aufklärung und Bedienung. Den ersten Saal nehmen Massen eines Merkantilobjektes ein. Massen von Rahmen in allen Formen und Größen, aus diskret gefärbtem Olivenholz stilvoll geschnitzt, mit matt glänzendem Perlmutter eingelegt, eine sicher sehr wirkungsvolle Farbenfolie für lebhaft gefärbte Bilder. Hoffentlich werden die internationalen Maler diese Spezialität bald alle zu würdigen wissen, da die Preise auch weit unter dem Werte bleiben. Der nächste Raum ist etwas für Frauenherzen. Mit der Hand genähte Spitzen in den prächtigsten Mustern und für die verschiedensten Zwecke. Diese Spitzen sollen einen Verdienst geben für viele jüdische Frauen in Palästina. Kauft, jüdische Frauen in Europa! Schmückt euch mit Spitzen in dem Bewußtsein, der ärmeren Schwester geholfen zu haben. Kaufet Spitzen, kaufet Teppiche, schickt euere Freundinnen kaufen! Diese Teppiche — einen halben Meter lang und schließlich einer, der zweiunddreißig Quadratmeter groß ist — sind ganz merkwürdig und wunderbar. Die Motive darauf sind die Menorah, die Tempellanrpe, Gebäude, Bäume in einer ganz neuartigen, bildmäßigen Deutlichkeit und Farbenglut. Der Orient ist darauf und das jüdische Motiv und der Beschauer lenkt immer wieder den Blick auf sie. Nun kommen Metallarbeiten aus Messing, eingelegt mit Kupfer und Silber, Blumenständer und Vasen und Schalen, welche die Kunsttraditionen der berühmten jüdischen Schmiede in Deinen zeigen. Daneben dicht gefüllte Vitrinen mit Silberfiligran voll Duft und Schmelz. Megillarollen, Büchsen, Federhalter, Armbänder, Bonbonnieren, mit unsäglichem Fleiß für eine Kleinigkeit hergestellt und weit feiner als die gleichen Gegenstände aus den Ladinertälern der südlichen Dolomiten. Den Beschluß machen Albums und die herrlichen Radierungen palästinensischer Landschaften von Struck, der sich immer glänzender entwickelt. Sicherlich haben wir von den Objekten vieles vergesien, von ihrem Reichtum betäubt. Man ist gefangen .durch den Ein-

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