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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-02-04 · 5 (4.2.1910) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
5 (4.2.1910)
Date
1910-02-04
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Sette 88 Dr. Blochs Hanf zu verkaufen halle. In diesem Hanf befand sich ein kleines Tuch, in dem die Gattin des Bauern. 50 Kronen in Gold, die Ersparnisse die sie machte, aufbewahrt hatte. Ein jüdischer Handelsmann kaufte den Hanf, bezahlte den vereinbarten Kaufpreis und ging mit der Ware und ihrem goldenen Inhalt fort. Eine Weile später erinnerte M die Bäuerin, daß sie mit dem Hanf ihren Goldschatz verkaufte. Sie eilte zu dem Juden, der von dem Goldschatz nichts zu wissen behauptete. Der Bauer machte hierauf den Vorschlag, zum Rabbiner des Ortes zu gehen und ihm den Streitfall vorzutragen, damit er sein Urteil fälle. Nachdem der Rabbiner die beiden Parteien vernommen hatte, ließ er eine Thora bringen, forderte den Juden auf, einen Eid zu leisten und drohte ihm mit dem Banne, im Falle er nicht die Wahrheit sagen sollte. Der Handelsmann zog darauf die 50 Rubel hervor und übergab sie dem Bauern, indem er sich dahin rechtfertigte, daß er das Geld als einen Fund betrachtete, den vielleicht auch ein anderer hätte dort versteckt haben können. Die Parteien gingen sodann zufrieden fort und dankten dem Rabbiner für die rasche Lösung des Konfliktes. Das genannte Blatt, dem wir dieses Geschichtchen entnehmen, bemerkt dazu: Wie leicht wurde dieser Rechtsfall von dem Rabbiner geschlichtet und welche Mühe hätte es hingegen bedurft, wenn man die Affäre vor Gerichte hätte austragen müssen. Für die Hausierer. Für die Hausierer hat im bayerischen Landtage sogar ein Zentrumsabgeordneter ein warmes Wort eingelegt. Der Abgeordnete S i b e n erklärte nämlich in der Sitzung vom 22. v. M.: „Obwohl ich weiß, daß ich bei einem großen Teil meiner Freunde auf Widerspruch stoßen werde, muß ich die Angelegenheit eines Teiles der pfälzischen Bevölkerung hier vertreten. Wir haben in der Pfalz eine Anzahl von Gemeinden, die teils ausschließlich, teils zum überwiegenden Teile vom Hausierhandel leben. Die Unmöglichkeit eines anderen Lebensunterhaltes weist sie auf diesen Erwerbszweig hin. Es kommen in der Pfalz für den Hausierhandel mehr als 1000 Familien in Betracht, und diese sind zum allergrößten Teile selbständige Gewerbetreibende, und gewiffe Gewerbszweige können ihre Erzeugnisse nur im Umherziehen losbringen. Es handelt sich bei diesen Hausierern nicht um vagierendes Volk, sondern um anständige, ehrliche und sparsame Leute. Ich verlange für sie Schutz, aber nicht aus Gründen einer mißverstandenen Gewerbefreiheit. Wo eine andere Erwerdsmöglichkeit gegeben ist, bin ich ebenfalls gegen die Verleihung des Wandergewerbescheines. Niemand kann eine Beschneidung der Auswüchse des Hausierhandels mehr wünschen als der anständige Hausierer selbst." Nach antisemitischer Behauptung find natürlich alle Hausierer Juden und als solche a priori betrügerischer Neigungen höchst verdächtig. Korrespondenzen^ Eine Hundertjahrfeier zum Andenken an Ludwig August Frankl. > In der öffentlichen Plenarsitzung des israelitischen Kultusvorstandes vom 3. Feber hielt der Präsident, Herr Dr. Alfred Stern, folgende feierliche Ansprache: Nicht zu einer Totenklage, zu einer Geburtstagsfeier haben wir uns hier versammelt; allerdings zu einer hundertjährigen Geburtstagsfeier für einen, der nicht mehr unter den Lebenden weilt, für Ludwig August Frankl, _ den Sekretär, den Vorsteher unserer Gemeinde, den lorbeerumkränzten Dichter, den Mann, dessen noch heute blühende Schöpfungen uns zu unauslöschlichem Danke verpflichten, den Mann, der noch die alten Zeiten hat gesehen, die im verklärenden Schimmer der Vergan- Wochenschrist. Nr. 5 genheit zu uns herüberleuchten, aber für uns keineswegs die .guten Zeitenwaren. ' ■- „Nichts als die Gruft.;• so - klagt der Dichter in seinem Poem „Der alte und der-neue Friedhof der Juden": „Nichts als die Gruft war unfern Vätern eigen. Auf steter Flucht gejagt zu allen Zeiten, Wie konnten Mausoleen sie bereiten, Mit heit'rem Blumenschmuck die Gruft umzweigen? Nur ein Erbarmen wurde menschlich ihnen, Wenn die Geächteten zu Sterben lagen, Mit ihnen still zu beten und zu sagen Ist fromm die „heil'ge Bruderschaft" erschienen." Hier in diesem Hause, in den Räumen nebenan, welche heute Präsidialbureau genannt werden, war die Stätte seiner Wirksamkeit, die nicht allein das damals so engbegrenzte Gebiet der Verwaltung der kleinen Iudengemeinde umfaßte, sondern weit hinaus über diesen Kreis, über diese Stadt, über unser Vaterland helleuchtend erglänzte. Es ist hier nicht der Ort, und es kann auch nicht meine Aufgabe sein, über Ludwig August Frankls literarische Bedeutung zu sprechen: die Würdigung seiner Bedeutung nach dieser Richtung gehört der Publizistik, der Literaturgeschichte an. In seinen poetischen Schöpfungen, insoweit sie Bilder aus unserer Geschichte, aus unserer Vergangenheit oder Gegenwart bringen, weht der Hauch warmer Liebe zu den Glaubensbrüdern: ebenso in der. schönen, von ihm herausgegebenen, auch mit eigenen Dichtungen geschmückten Autologie: der Libanon. Gern und willig folgt er dem an ihn ergangenen Rufe nach dem heiligen Lande unserer Väter und dort war es, wo über seine Initiative von einer edlen Frau, Elise Herz geb. von Lämel, eine Volksschule, die Lämelschule, geschaffen wurde, eine Schule, welche noch heute als eine Musteranstalt. blüht,., der Patronanz, der österreichischen Negierung sich erfreut, und wohl die einzige derartige österreichische Schöpfung im heiligen Lande ist. Alljährlich erhalten wir befriedigende Berichte über diese Anstalt, welche nicht selten durch deren Direktor, der persönlich hier erscheint, ergänzt werden. Diese Schule, aus welcher seit ihrem Halbjahrhund erllangen Bestände Tausende unserer Glaubensbrüder, herangebildet zu tüchtigen Menschen, hervorgegangen sind, sichert unserem Ludwig August Frankl gleichwie der Stifterin ein dauerndes Gedenken. Vielleicht waren es die bekanntlich im Orient so häufig vorkommenden Augenkrankheiten, der Anblick dieser Leiden, der ihn dazu veranlagte, bei einem unserer reichen und wohltätigen Glaubensbrüder, dem dahingeschiedenen Jonas Freiherrn von Königswarter, die Errichtung eines israelitischen Blindeninstitutes anzuregen, auf daß den armen lichtberaubten Kindern, wenn auch nicht die Nacht des Auges, so doch die Nacht des Geistes erhellt, sie aus dem dumpfen Dahinbrüten, zu welchem sie verurteilt waren, herausgerettet. Zu nützlichen Gliedern der menschlichen Gesellschaft emporgehoben werden. Und wieder ist dies eine Schöpfung, welche uns dem Initiator, unserem Ludwig August^Frankl, dem edlen Glaubensbruder, dem Menschenfreunde zu unauslöschlichem Danke verpflichtet? Muß ich auch so vieles, was ich noch zum Ruhme des Gefeierten zu sagen hätte, seine Initiative zur Errichtung des Schillermonumentes, der Hermen Lenaus und Anastiasius Grüns, seine Tätigkeit als Präsident des Wiener Zweigvereines der Schillerstiftung usw., mit Stillschweigen übergehen, so würde ich doch meinen Betrachtungen eine zu enge Grenze setzen, wenn ich mich auch von dem Gebiete der Politik völlig fernhielte: Wohl blieb dieses Gebiet immer und bleibt auch heute aus-

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