Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 5 (4.2.1910)
- Date
- 1910-02-04
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 3 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 87 Damit wäre eine historische Tatsache, bester als durch alles Schriftwerk, gesichert, zugleich aber auch ein sichtbarer Anschluß an unsere unglücklichen Ahnen hergestellt; und die Steine, die durch ein halbes Jahrtausend dem Betriebe profaner Wissenschaften gedient haben, würden ihrer ursprünglichen Bestimmung, einem Hause unserer heiligen Gotteslehre zu dienen, wieder zugeführt werden. Mit vorzüglicher Hochachtung R. E. Wahl jüdischer Kandidaten in England. Das neue englische Unterhaus dürfte genau dieselbe Zahl jüdischer Parlamentsmitglieder auftveisen, wie das verflossene. Gewählt wurden mit liberalem Programm: Minister Herbert Samuel in Cleveland, E. S. Montagu (Sohn des Lord Swaythling) in Chestertown; Stuart Montagu Samuel in Whitechapel; Alfred M. Mond in Swansea, Morris Levy in Leicester; CH. S. Henry in Wellington: R. Isaacs in Reading. Mit konservativem Programm: Sir Harry Samuel in St. Pancras; Arthur Straus in Paddington; Sir Philipp Magnus, Londoner Universität. Falls die Liberalen auch im neuen Parlament die Macht behalten, dürfte der wiedergewälte Rechtsanwalt, Rufus Isaacs, königlicher Rat ins Ministerium berufen werden, so daß dann in England zu gleicher Zeit zwei jüdische Minister wären. Rufus Isaacs steht heute im 50. Lebensjahre und ist der Sohn eines gewesenen Großkaufmannes der Londoner City und ein Neffe des gewesenen Londoner Lordmayors Sir Henry Isaacs. Rufus Isaacs spielt auch im öffentlichen Leben der Londoner Juden eine aktive Rolle. Ein jüdisches Herrenhausmitglied in Dänemark. Wie aus Kopenhagen berichtet wird, hat der König von Dänemark Herrn Hermann Trier zum Mitglieds des Oberhauses ernannt. Herr Hermann Trier hat eine glänzende politische Karriere gemacht. Er war lange Jahre hindurch Mitglied des Kopenhagener Gemeinderates und des dänischen Parlaments und zu einer Zeit auch abwechselnd Präsident dieser beiden Körperschaften. Die „Oesterreichische Rundschau" gegen reichsdeutsche und galizische Juden. Die „Oesterreichische Rundschau", das Blatt des Baron Felir von Oppenheimer, des getauften Sohnes des jüngst verstorbenen Herrenhausmitgliedes Baron M. von Oppenheimer, segelt allmählich ganz ins antisemitische Fahrwasser hinüber. Seine Mitarbeiter lassen auch keine Gelegenheit vorübergehen, wo sie glauben, den Juden einen derben Hieb versetzen zu können. Diese politische Haltung des getauften Barons zeigt uns nur wieder, daß die Iudentaufen nicht nur eine Schwächung des Judentums, sondern in den meisten Fällen früher oder später eine moralische und numerische Stärkung der Antisemiten bedeuten. Die letzte Nummer der „Oesterreichischen Rundschau" vom 15. Jänner verleumdet: die Juden gleich an zwei Stellen. In dem Artikel von Karl Scheffer „Zur Psychologie der deutschen Parteien" kritisiert der Autor die politischen Parteien Deutschlands und sagt dann : „In der gerade umgekehrten Lage sind die Liberalen. Die bringen es nicht zu einer festen Parieibildung und vegetieren politisch im schwächlichen FraktionspartikularismuS dahin, weil sie eines beherrschenden Parteiideals durchaus entbehren. An Stelle eines solchen haben sie an sich edle, aber nicht gleichnishaft zu bezeichnende Ideen von Fortschritt, Freiheit und Aufgeklärtheit, haben sie Doktrinen von Menschenrechten und Individualismus gesetzt, womit politisch gar nichts zu beginnen ist. Die' Liberalen vertreten im Reichstag die wirtschaftlich fast unumschränkt herrschende Unternehmungskraft, sie vertreten den kühnsten materiellen Zukunftswillen und die lebendigste Arbeitszuversicht der Nation und bringen es als Partei doch nicht zu einer geschlossen auftretenden Macht. Es beherrscht die Industriepartei im Lande in gewisser Weise das geistige Leben des modernen Deutschland; aber staatsmännisch kann sie nicht werden. Sie kann es nicht, weil ihr das organisierende Parteiideal fehlt; weil sie an die mehr oder weniger überlebten oder unwirklichen Ideale der anderen Parteien nicht mehr glaubt und etwas Neues, Höheres doch nicht zu formulieren vermag. Die profane wirtschaftliche Macht kann dem Volke nicht sittlich und ideal erscheinen, sie weist in keinem Punkte klar und deutlich aufs Göttliche; das ist es. Sie wirktnicht symbolisch. Diese mächtige Industriepartei, diese Großstadtpartei steht bis jetzt nur da als Vertreterin des überfleißigen internationalen Materialismus. trotzdem in ihr im Grunde eben so viel wahres Ideales ist, wie in den anderen Parteien und sicher mehr lebendiger Zeitsinn. Ihre parlamentarischen Vertreter sind durchwegs untüchtig, ja. dilettantisch. Die weltbürgerlich-sentimentalischen, humanistisch gefärbten Parieigrundsätze, die sie unklar verkünden, wenn sie die realen Interessen der international gerichteten Industrie und des Welthandels vertreten sollen, bringen in den deutschen Liberalismus einen fast charakterlos wirkenden Zug. Nicht ohne Grund ist der Liberalismus recht eigentlich die Partei des national weniger gefestigten Judentums geworden." Die reichsdeutschen Juden werden hier als „national weniger gefestigt" verleumdet, kommen aber immer noch besser weg. als die galizischen Juden in dem Artikel „Landwirtschaftliche Bilder aus Galizien" von Dr. Wilhelm Benesch, der sich mit der Frage der Verbesserung der Lage des galizischen Bauernstandes befaßt. Das Mittel hierzu sieht Dr. Benesch in folgendem: „Es würde sich vor allem darum handeln, den Leuten im eigenen Lande genügend bezahlte, dauernde Beschäftigung zu geben und sie auf ein höheres Bildungsniveau zu bringen. Das Volksschulwesen müßte gehoben, die Schnapspest eingedämmt und schließlich der galizische Bauer aus den Händen der Juden, denen er fast schutzlos ausgeliefert ist, befreit werden. Dies setzt aber die Lösung einer anderen, ebenso wichtigen Frage voraus: die Lösung der Iudenfrage, die ebenfalls für Galizien die höchste Bedeutung besitzt. So lange es nicht gelingt, den polnischen Juden zu intensiverer Arbeit zu erziehen, wird und kann es niemals besser werden. Die Hebung des Bauernstandes müßte daher auch mit der Lösung der Iudenfrage parallel gehen. Man darf nie vergessen, daß sich auch die Mehrzahl der galizischen Juden in höchst traurigen Verhältnissen befindet, befangen von Aberglauben, in drückender Not und Elend dahinlebt und häufig ein Dasein führt, das ebensowenig als menschenwürdig bezeichnet werden kann, wie jenes des Häuslers im Flachlands oder des blutarmen Goralen im Gebirge." Wie die Lösung der galizischen Iudenfrage in Galizien beschaffen sein soll, darüber spricht sich der Verfasser in seinem sonst umfangreichen Artikel nicht aus, ebenso, wie er die Aufklärung des Widerspruches schuldig bleibt, wodurch die galizischen Bauern den Juden fast schutzlos ausgeliefert sind, wenn letztere selbst — wie der Autor ja zugibt — in Elend und Not ihr trauriges Leben fristen. Der Rabbi als Richter. Das Organ der Bukowinaer ruthenischen Bauernpartei „Narodni Holos" berichtet über ein interessantes Urteil eines Rabbiners in einem Streite zwischen einem Juden und einem Bauer. An einem Markttage in einen: kleinen Städtchen in Galizien erschien ein Bauer, der