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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-02-04 · 5 (4.2.1910) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
5 (4.2.1910)
Date
1910-02-04
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite Ö4 Dr. Blochs zinger in seiner Archäologie auf eine schon sehr komplizierte Form des palästinensischen Webstuhles in nacherilischer Zeit schließt. Wieso soll aber dieser Reise- und Werkmantel, der in talmudischer Zeit so identisch mit der Pänula der übrigen hellenisierten Welt war, daß sich der Talmud nicht die geringste Mühe gibt, ihm einen anderen als den griechischen Namen zu geben, der Ursprung des Metzkleides sein? Hier seht nun Swobodas Vermutung ein, die wir jüdischen Archäologen zur näheren Untersuchung überlassen. Er geht nämlich von der Voraussetzung aus, daß, wie der Metztisch, Becher und nach den Ergebnissen Vikell'scher Forschung sogar die meisten Worte der Messe von den Zeremonien des jüdischen Familienfestes am Pessachabend stammen, so auch die Kleidung mit diesem schönsten Abend im Jahre der palästinensischen Juden in Verbindung zu bringen sei. Nun wissen wir, datz die Juden an diesem Abend zurückgelehnt saßen, „mit gegürteten Lenden, Schuhe an den Füßen und Stäbe in den Händen", in Reisetracht zur Erinnerung an den Auszug aus Aegypten, in jener Tracht, in der ein Rabbi noch im 4. Jahrhundert begraben sein wollte, um zur grotzen Reise für die Auferstehung gerüstet zu sein, wobei er allerdings von einem „weitzen Kleid mit Aermeln" spricht. Wir haben keine sichere Kunde von der Kleidung der palästinensischen Juden an diesem Abend, als datz sie gewitz äutzerst kostbar war. Sehen wir aber die luxuriösen Formen, welche das Beduinenurkleid seit zwei Jahren als Abendmaniel unserer Damen angenommen hat, dürfen wir vielleicht schlietzen, datz in jenem Klein-Paris, Jerusalem, das ja zwischen den Modeländern Aegypten, Syrien, Babylonien lag, auch die Pänula als Art traditionellen Reisekleides getragen, und bei Reichen und Vornehmen trotz der unschönen, an praktische Zwecke erinnernden Urform durch die Ausführung in kostbarsten Stoffen, von deren Pracht ja moderne Gewandung keine Vorstellung geben kann, alle jene Koketterie und Prunkentfaltung zulietz, welche unsern Vorfahren in glücklichen Zeiten natürlich war. Wobei noch immer die Form an jene düstere Vergangenheit in Aegypten erinnern mutzte, die wir noch heute beim Seder heraufbeschwören. Wenn es damals noch Sitte war, sich in jenen kostbarsten Kleidern, die weniger zu wirklichem Gebrauch dienten, wie als Festkleider, und als wertvolle Staatsgeschenke, gleich unsern Orden, verteilt wurden, begraben zu lassen, hat die weise Reform des Rabbi Gamaliel im Lauf der Jahrhunderte zu der Sitte geführt, die eine gerade Umkehrung war, datz man nämlich die Sterbekleider auch an Festtagen trug, auch an jenem Pessach-Frühlings- und Vefreiungsfest, an dem in düsteren, mittelalterlichen Tagen so viel unschuldiges, jüdisches Blut geflossen ist. Ja, liest man z. B. die Rede, die der berühmte französische Historiker Thiers als Premier anläßlich der Damascener Unruhen in der Kammer noch im Jahre 1840 gehalten, so mutz es uns mit äußerstem Befremden erfüllen, datz selbst in diesem Kopfe so etwas wie ein Glaube an das Blutmärchen herumgespukt haben mutz. Schon von diesem Standpunkt aus müßten wir es freudig begrüßen, wenn die Erkenntnis von den zahlreichen Zusammenhängen der feierlichsten Handlung der katholischen Kirche mit unserem größten Nationalfest in immer weitere Kreise unserer Mitbevölkerung dringen und schon dadurch Prozesse, wie sie sich in den letzten dreißig Jahren abgespielt haben, zur Unmöglichkeit würden. Vom rein ästhetisch-historischen Standpunkt aber waren Swobodas Ausführungen so anziehend, daß wir hoffen, der seit mehreren Jahren endlich von der Gelehrtenschaufel so erfolgreich durchwühlte Boden Palästinas möge uns neue Bestätigung aus Gräber- oder Denkmalfunden geben. Literarische Quellen über jüdische Trachtenkunde fließen ja nicht allzureichlich, noch Wochenschrift. Nr. 5 allzu deutlich, trotzdem unsere Weisen den Satz geprägt haben: „Der Mensch ist die Verherrlichung Gottes, die Verherrlichung des Menschen aber ist die Kleidung." Clotilde Benedikt. Schädlinge der Gesellschaft.^) (Eingesendet vom Verein zur Abwehr des Antisemitismus.) (Schluß.) b. Betreffs des Falles Klima. Wie bereits angedeutet, ist dieser noch viel unwahrscheinlicher Hilsner aufs Kerbholz zu schreiben: vor allem ist die „Aehnlichkeit" von der Hand zu weisen, da man bei einem Skelett überhaupt fast gar keine Schlüsse ziehen kann. Auch hier wäre, falls das Beisammensein Hilsner's mit der 23jährigen Dienstmagd Marie Klima am ominösen Tage (dem 17. Juli 1899) des Verschwindens tatsächlich bewiesen werden könnte — was nicht möglich war — keineswegs ein Attentat des Angeklagten festgestellt. Ebenso wie im Falle Hruza fehlt dem Erhebungsverfahren die erforderliche Genauigkeit. Die Leiche oder vielmehr das Skelett wurde erst am 27. Okt. 1898 und die Kleiderreste wurden am 1. Dez. 1899 gefunden, das richterliche Augenscheinprotokoll über diese Kleiderreste aber fand erst am 3 0. April 1900, d. i. fast nach fünf Monaten, statt, „weil jinzwischen Schnee gefallen war"!! Für die Identität der Leiche, bezw. des Skelettes sprachen nur die Kleiderreste. Ueber die Kieferstellung, das einzige halbwegs greifbare Beweismittel, ergaben sich Zweifel und sogar Widersprüche. Genau wie im Falle Hruza wurden auch hier keine anderen Zeugen einvernommen, obgleich auch hier ursprünglich Verdachtsmomente gegen ganz Andere als Hilsner aufgetreten waren. Welchen Wert die Zeugenaussagen in diesem merkwürdigen Prozesse verdienen, geht daraus hervor, datz im Falle Hruza von einer -Seite der Belastungszeugen angegeben wurde, es habe zur kritischen Zeit geregnet und die in Betracht kommende Frau, jene des Gemeindevorstehers von Wieznitz, hätte den Rock über den Kopf geschlagen gehabt, was diese selbst verneinte, da es nicht regnete. Ebenso liegen im Falle Klima seitens der Freundinnen der Verschwundenen zweierlei Angaben über den sehr wichtigen Am st and vor, wer der Begleiter der Klima am letzten Tage, also am 17. Juli, bei dem Wallfahrtsausfluge (Kirchweih) nach Zhor war. Bei der Einvernahme wegen eines anderen, dieserhalb in Betracht kommenden Mannes, gab die Eine an, von der Zweiten in Kenntnis gesetzt worden zu sein, daß die Klima ihr anvertraut hatte, sie werde von ihrem Geliebten (Eumpl) auf die Wallfahrt begleitet werden, welche Aussage auch bei der Schlutzverhandlung wiederholt wurde, wogegen. diese zweite Person, seit mittlerweile Hilsner in den Verdacht gekommen war, nun diesen als von der Klima erwarteten Begleiter angab! Auch mehrfache übrige Zeugenaussagen erwiesen sich recht fragwürdig. Es ist auch ganz unwahrscheinlich, datz Hilsner, der zu jener Zeit auf der Wanderschaft war und sich am Sonntag, den 17. Juli um 8 Uhr früh jedenfalls noch in Jglau befand, um dort eine Unterstützung zu empfangen, nachmittags schon bei der Wallfahrt fn Zhor gewesen wäre, welche von Polna sieben Kilometer entfernt ist. Polna liegt 14,5 Kilometer von Jglau entfernt und er konnte diese Strecke nur zu Fuß zurücklegen. Tatsächlich, wie durchaus festgestellt ist, war er am 17. Juli noch nachmittags in Jglau, während ihn Zeugen in Zhor, im Brezina-Walde und in Polna gesehen haben wollen. Allein auch die ganze Teilnahme der Klima an *) Siehe „Oesterr. Wochenschrift",'Nr. 1, 2, 3, 4.

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