Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 4 (28.1.1910)
- Date
- 1910-01-28
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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Rr. 4 Dr. Blochs Wochenschrift. Sette 7S Adolf lächelte bitter: „Sie sind ein Schwärmer, Segenreich," sagte er. „Ihre Begeisterung tann Einen fortreitzen. Was soll mir die Zukunft bringen? Ich kenne mich und will mich keiner Täuschung hingeben." Dawid widersprach ihm. Doch da wurde Adolf traurig und lieh den Kopf hängen. O, er war sehr unglücklich! Er ging an dem Geschäft zu Grunde. Dawid war der erste, dem er es sagte. Er muhte von der Gnade seines Onkels leben und sah keinen Ausweg vor sich. — Wozu sollte ihm noch dieses Leben? Jetzt wurde auch Dawid ernst. „Sie dürfen nicht verzweifeln," sagte er. „Die Hauptsache ist, datz Sie an sich glauben. Warum suchen Sie denn nicht, bei einem Blatte anzukommen?" „Das ist es ja eben! Wenn Sie wüßten, wie schwer es einem jungen Menschen bei der Presse gemacht wird!" Aber Dawid erwiderte: „Wir müssen Geduld haben, Adolf. Es wird auch für uns Platz gemacht werden müssen..." — Die Freunde trafen sich jetzt jeden zweiten Tag. Wie rasch verflogen ihnen im Gespräche die Stunden. Wenn fie Geld halten, nachtmahlten sie in einem Restaurant und besuchten noch cm Cafe in der Inneren Stadt. Oft graute der Morgen schon, wenn sie nach Hause kamen. Dawid wollte, datz auch Markus an diesen Zusammenkünften teilnehme, aber Markus und Adolf patzten nicht gut zu einander. Adolf war ein Feind aller nationalen Bestrebungen. Den Zionismus tat er mit einigen Worten ab und fürs Judentum hatte er schon gar nichts übrig. „Schauen Sie, wie weit es unser Oesterreich mit seinen nationalen Kämpfen gebracht hat," sagte er zu Markus. „In diesem unglücklichen Staate wollen Sie die Judenfrage aufrollen?" Und in spöttischem Tone fügte er hinzu: „Doch Sie haben ganz Recht: Ietzt fehlen nur noch die Juden in diesem Affenkäfig. . ." „Solche Juden wie Sie, schaden dem Volke mehr, als der Hatz der anderen Nationen," sagte Markus, und seine Stimme zitierte. „Die Juden werden überall verfolgt und getreten. Man verschließt ihnen ein Amt nach dem anderen. Es ist schon soweit gekommen, datz man manchen Bittgesuchen den Taufschein beilegen mutz. . . Aber Sie geniert das nicht! Wenn man erst Ihnen die Schlinge um den Hals legt, werden Sie sich schon wehren." „O, ich weiß den Weg, den die Juden einschlagen müssen," rief Adolf. „Assimilieren wir uns! Seien wir Kinder unseres Jahrhunderts und lassen wir die alten Zeiten ruhen. — Der Nationalismus hat abgewirtschaftet. Helfen Sie uns die soziale Frage lösen! Wenn erst die Schranke zwischen Arm und Reich gefallen ist, wird es auch keine Iudenfrage mehr geben. Unterstützen Sie uns im politischen Kampf, denn die Sozialdemokratie ist der einzige Damm gegen den Antisemitismus." Die Beiden gerieten oft hart aneinander. Markus sprach Adolf jedes nationale Empfinden ab. „Sie täten am besten, wenn Sie sich taufen ließen, Herr Schatz," rief er ihm eines Tages zu. „Das Judentum hat nichts von Ihnen, aber so können Sie wenigstens ihre Karriere machen." Darüber lachte Adolf. „Das hieße, den Religionen zu viel Ehre antun," meinte er. „Wir haben wichtigere Fragen, die der Lösung harren.". . . -i- Dawid schickte das Blatt, in dem seine Gedichte erschienen waren, den Eltern ein und legte einen großen Brief bei. Sie sollten sich mit ihm seines Erfolges freuen und er versprach ihnen, weiterzuarbeiten und keine Mühe zu scheuen. Als Antwort kam eine offene Postkarte des Vaters, die folgendermaßen lautete: „Ich will Dich bitten, mein Sohn, mir nur rein deutsche Briefe zu schicken, ohne poetische Ausdrücke. Ich habe Dich nicht nach Wien geschickt, damit Du Dich dort mit Poesie befassen sollst. Ich schäme mich, wenn man mich fragt, wieviel Du verdienst? Andere junge Leute in Deinem Alter verdienen achtzig und hundert Gulden monatlich... Es wäre schon Zeit, datz Du uns Freude machst. . ." Dawid war über dieses Schreiben sehr unglücklich. „Was wird das Ende sein," fragte er sich. Ein guter Kaufmann wird er doch nie. (Fortsetzung folgt.) Literat«». Defsauer A, Großstadtjuden. Roman. Zweite Auflage. Wien und Leipzig 1910. Wilhelm Branmüller. Die Typen in diesem Roman sind so meisterhaft getroffei-. die Taufjuden so zum Brechen ähnlich, daß sich dem Leser euch bei nur einiger Kenntnis der Wiener Verhältnisse jedes Mal ans seiner Bekanntschaft unwillkürlich ein Name auf die Lippen drängt. Mit anerkennenswerter Unparteilichkeit sind auf Jud und Christ Licht und Schatten verteilt. Warm wird der Verfasier, wenn er vom jüdischen Herzan, wenn er von dem echten Adel der Wiener Toleriertenfamilien spricht. Wie fern ist die Herleitung der jüdischen Ordens- und TUelsucht aus der alten Reverenz des Pinkeljuden vor dem Herrn Amtsdiener oder die Definierung des Schmccktums! Wie berechtigt der Hinweis auf die rein materialistische Bildung unserer jüdischen Töchter im Gegensätze zu dem religiösen Einschlag der christlichen Erziehung! Aber das Ganze, wie trist, wie hoffnungslos! Nicht eine Spur von jüdischem Leben. Die Besten zehren nur von der Erbschaft früherer Geschlechter, deren Brauch und Sitte und Sein und Wesen als endgiltig abgetan in die stillschweigende Vorfabel der Handlung verbannt ist. Das Verfehlteste an dem Buche ist seine Idee, Christen und Juden durch Mischehen der Besten auf beiden Seiten auszusöhnen, verfehlt so lange zum Mindesten, als dem jüdischen Assimilanten für Geld und Taufe meist nur die arische Region der Küchenfeen, wenn nicht noch eine populärere „behufs Heirat" erschlossen bleibt und die Söhne Teuts ihre Vorurteils losigkeit gegen Judenmädel nicht auch auf bräutliche Mittel losigkeit ausdehnen, x. Neue Bücher. Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums. 53. Jahrgang, Heft 11. Begründet von Z. Fränkel. Organ der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums. Herausgegeben von Dr. M. Brann. Neue Folge, siebzehnter Jahrgang. November-Dezember 1909. Breslau, Koebnersche Verlagsbuchhandlung. — Inhalt: S. Jampel. Die neuesten Aufstellungen über Moses und sein Werk. — S. H o r o w i tz. Der Sifre sutta nach dem Jalkut und änderen Quellen (Fortsetzung). Vorarbeiten zur „Germania Judaica" II., die Artikel „Deutschkrone" von M. Brann. — Leitmeritz, von H. Thkocinski. — „Rosenberg" von M. Brann. — „Kl. Tinz" von M. Brann. — „Wyschehrad" von H. Thkocinski. — Isert Röfel. Die Reichssteuern der deutschen Judengemeinden von ihren Anfängen bis zur Mitte des XIV. Jahrhunderts. — D. Herzog. Die „Wortvertauschungen" im XitLbal-Imrna' des Abulwälid Merwän Ibn Ganäh und in den Schriften Abraham Ibn Esras. — Salomon Hugo Lieben. Die von Maria Theresia projektierte Esrogimsteuer. — L. Horwitz. Neue Beiträge zur Geschichte und Tätigkeit des Königlich westfälischen Konsistoriums der Israeliten zu Cassel 1807—1815 (Schluß». — Adolf Fraenkel. Eine Formel zur Verwandlung jüdischer Daten in mohammedanische. — Notizen. Zum Kalam der Araber und zur christlichen Scholastik. Von S. Horwitz. „An Götzen vorbei" von Samuel Kraus. — Notiz zu Seite 634. Von I. Guttmann. — Besprechungen. L. Blau. Leo Modenas Schriftstücke und Briefe. Bon F. Aptowitzer. — S. Klein. Beiträge zur Geographie und Geschichte Galiläas. Von M. N. Nathan. — Blbliographpche Ueberficht von M. B r a n n. fritfluftR, Regimentsarzt Dr. Hugo T. in Agram. Im Kalender der Oesterr.-Jsrael. Union finden Sie das Verzeichnis sämtlicher israelitischer Kultusgemeinden Oesterreich-UngarnS und auch die Vermerkung über die Mitgliederzahl jeder einzelnen Gemeinde. Rabb. Dr. <S. Ohne Unterschrift können wir ein solches ..Eingesendet" nicht publizieren. M. F., Gabelsbergergasse. Der 17. Februar 1897 war am 15. Adar. Der 1. März 1897 war der 27. Adar. Der 1. März 1910 fällt auf den 20. Adar. Dr. H. Wir bitten um Geduld. Wilhelm Adler in Schw. Leider können wir Ihnen die gewünschte Auskunft nicht erteilen. A. G. Ihre Zuschrift sandten wir der zuständigen Stelle.