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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-01-28 · 4 (28.1.1910) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
4 (28.1.1910)
Date
1910-01-28
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Sette 68 Mr. 4 - Dr. Glochs Wochenschrift. «if Welche sich der gesetzliche Schutz des Artikels 19 des Staatsgrundgesetzes vom 21. Dezember.1867, Rgbl. Nr. 142, nicht erstreckt. Aus diesen Erwägungen war dccher zu erkennen, daß durch den eingangs bezogenen Erlaß des k. k. Ministeriums des Innern vom 3. April 1909 Z. 10 065 eine Verletzung eines dem Veschwerde- Mhrer durch die Verfassung (Artikel 19 des Staatsgrunbgesetzes vom 21. Dezember 1867 Rgbl. Nr. 142) gewährleisteten politischen Rechtes nicht stattgefunden habe. * .5 Das k. k. Reichsgericht. Unger m. p. Dr. R. Hugelmann m. p. Seltsame Manuskripte in Jerusalemer Klöstern. Aus Jerusalem wird berichtet: Im Laufe der vergangenen Woche besuchte der bekannte Orientalist Professor Dr. Gottheil aus Newyork, gegenwärtig Direktor des Amerikanischen archäologischen Instituts in Jerusalem, den griechischen Patriarchen Daminos in der Begleitung des Herrn Philipp Kieferndorf. Herr Professor Gottheil wurde sowohl von seiten des Patriarchen als auch seines Gefolges,mit viel Ehrbezeigungen und großer Liebenswürdigkeit empfangen. Seinen Besuch in dem griechischen. Kloster und Patriarchat benützte Herr Professor Gottheil, um gleichzeitig die Bibliothek des Klosters einer Besichtigung zu unterziehen, und war derselbe nicht wenig erstaunt über die reiche Zahl und den hohen Wert der in dieser einzigartigen Sammlung aufbewahrten griechischen, arabischen und syrischen alten Handschriften, welche in das spezielle Arbeitsgebiet des Herrn Professors Gottheil einschlagen und deren Zahl über 2000 beträgt. Es dürfte in der Tat schwer fallen, anderswo, nicht in Palästina sondern selbst in Europa, eine ähnliche Kollektion solch alter und wichtiger literarischer Schätze vereinigt zu finden. Um sich von dem ungeheuren Wert dieser Sammlung eine annähernde Vorstellung zu machen, genügt es hier nur zu anzuführen, daß der Bibliothekar und Reaktor der griechischen Monatsschrift Herr Pythag, Themelis den Besuchern mitteilte, daß ein amerikanischer Liebhaber für ein einziges Manuskript von einigen Blättern die ungeheure Summe von 10,000 türkischen Pfund zu bezahlen wünschte, ohne indessen damit .in dessen Besitz zu gelangen. Dieses Stück bildet denn auch ohne Zweifel sowohl nach seinem Alter als nach seiner literarischen und wissenschaftlichen Bedeutung den Hauptschatz der ganzen umfangreichen Sammlung. Es ist nämlich eine aus dem 9. Jahrhunderte .stammende Kopie des verloren gegangenen Originals der Lehre der 12 Apostel aus der ersten Hälfte des 2. Jahrhundertes. welche im Jahre 1885 von dem Metropolit iBryennios in . einem griechischen Kloster in Konstantinopel entdeckt und publiziert worden ist. Sieht, man allein auf den Reichtum, welcher in der Bibliothek des Klosters angehäuft^ ist, so begreift man, schon die hartnäckigen ^Bemühungen der Araber, das griechische Kloster in Besitz zu nehmen und die griechischen Mönche herauszutreiben. Wenige Tage nach seinem Besuch in dem Patriarchat und dem griechischen Kloster besuchte Herr Professor Dr. Gottheil in der Begleitung von Herrn Phil. Kieferndorf und Herrn Themelis auch die Bibliothek in der griechisch-theologischen Schule im Kreuzkloster, etwa eine Stunde westlich von Jerusalem, welche einen ansehnlichen Bestand an modernen Büchern aufweist. Die Schule ist jedoch infolge der Unruhen der griechisch-orthodoren Araber auf Beschluß der Patriarchen und der Synode zurzeit geschlossen imd Haben jnis^lsgedessen nicht nur die Zöglinge, sondern auch der deutsch gebildete Direktor, Archimandrit Ehrysost Papadoponlos, Jerusalem verlassen müssen. Eine kleine Sammlung von Handschriften soll sich auch noch in dem etwa vier Stunden , von Jerusalem entfernten, ick der Nähe des toten. Meeres gelegenen griechischen Kloster Mar Saba befinden und gedenkt Herr Prof. Gottheil, .einer Einladung des Patriarchen folgend, sich demnächst auch nach diesem Orte zu begeben. Groß dürfte aber die literarische Ausbeute auf diesem Ausfluge nicht werden, da man vor Jahren schon so z iemlich alles, was sich in den verschiedenen kleineren Klöstern an Manuskripten vorfänd, in dem Jerusalemer Zentralkloster vereinigt hat. Fimk's: „Die Entstehung des Talmuds." Bon Dr. D. Ferrchtwang. In der großen und allgemein bekannten Sammlung populärwissenschaftlicher Werke,. ' die bei Göschen in Leipzig erscheint, ist soeben von dem in wissenschaftlichen Kreisen allgemein anerkannten Verfasser der „Geschichte der Juden in Babylonien", Landesrabbiner- Stellvertreter in Boskowitz Dr. Salomon Funk eine Schrift unter dem anaeführten Titel erschienen. Schon in der Tatsache, daß Göschen gerade Funk mit der Ausarbeitung dieses Themas betraut hat. liegt eine hohe Würdigung seiner Autorität und damit eine gewisse Bürgschaft für die Tüchtigkeit seiner Leistung. Der Eingeweihte wird zugeben, daß ein Berufener und Spruchbefugter hier zur Feder gegriffen, uns eine ausgereifte Frucht vierjähriger Forscherarbeit, R-sultate tiefgängigen Pslügens auf dem uralten und ewigjungen Ackerselbe talmudischer Weisheit, vorlegt. Die Natur des populär-wissenschaftlichen Charakter« der Schrift bringt es mit sich, daß von einem Apparate gelehrten Beweismateriales abgesehen werden mußte. Der Gelehrte wird e8 zwischen den Zeilen allenthalben finden und aus den gemessenen Sätzen und fast gezählten Worten Ergebnisse weit ausschauender historischer Kombination, scharfer Kritik, pragmatischer Uebersicht, den lebendigen Organismus der Tradition durchleuchtender Sehkraft erkennen. Es ist nicht leicht und auch nicht gefahrlos, auf kaum' 120 Oftavseiten die Ueberlieferung von zweieinhalb Jahrtausenden darzustellen; das Gegebene ordnend zu sichten und souverän-selbständiges Urteil, originelle Gesichtspunkte überzeugend sestzulegen, festgewurzelte, von Heroen, der Wissenschaft hingestellte Thesen und Hypothesen unauffällig, nur für den vollkommen Bewanderten fühlbar, zu erschüttern. Der gebildete Laie empfängt ein vollkommen einheitliches, abgerundetes Bild, ohne zu ahnen, daß hinter dem kunstvollen Bilde in dem bescheidenen Rahmen das dornige Gestrüppe vielverschlungener Meinungsverschiedenheiten, literarischer Fehde und ernstester Gelehrtei arbeit liegt. An bedeutenden Vorarbeiten hat es Funk nicht gefehlt. Es genügt der Hinweis auf dre noch immer unübertroffenen Werke Frankl's Darke hamischna und Meboh Jeruschalmi, Brüll's Meboh hamischnah, auf die Arbeiten von Weiß, Dünner. Geiger, Hoffmann, Rosenthal, auf Blochs vortreffliches Buch ..Einblicke in die Geschichte der Entstehung der talmudischen Literatur; Halevy's vielgerühmtes und vielge'chmähtes Doroth horischonim, Strack's und Mielziner's Einleituugswerke. Das Buch enthält sieben Kapitel, deren erstes einleitend ist. Aber schon das zweite, „Die mündliche Ueberlieferung der v o r m o s a i s ch e n Zeit" führt uns »in rneäias rs8« und behandelt die Sitten und Gesetze der altorientalischen Völker; als rabbmisch geltende Gesetze, welche von den Patriarchen als Sitte geübt wurden; .kulturelle, Rechts- und Ebegesetze. Dieser Abschnitt des Buches ist von ganz besonderem Interesse. Man hat sich auch in jüdischen Gelehrtenkreisen seit dem tiefen Eingriff Wellhausens und seiner großen Schule, seit Schürer's und seiner Gesinnungsgenossen, weitumfassenden Forschungen daran gewöhnen zu müssen geglaubt, daß die als mündliche Ueberlieferungen geltenden Berichte der Talmude über Verhältnisse und Vorgänge der ältesten Antike, der geschichtlichen Treue ferne stehen; ja, daß die Darstellung der uns als uralt geltenden Heiligen Schrift, besonders des Pentateuch, nur Vorschriften, Sitten, Gesetze, Gebräuche, Verhältnisse einer jungen Kulturepoche de» Judentums überliefern. Man kann sagen, daß diese Anschauung als unveräußerliches und unantastbares Gemeingut der modernen Wissenschaft gegolten bat und vielfach noch gilt. Man kann aber auch sagen, daß diese kritischen Resultate, welche von einem großen und gewichtigen Teile der protestantischen, modernsten Forscher nicht mehr als unbedingt richtig angesehen werden und in deren scheinbar unüberwindliche Phalanx mutige Streiter erfolgreich eingebrochen find, gerade von jüdischen Forschern und insbesondere auch - von derjüdischem Laievintelligenz ■■. mit Zähigkeit, festgehalten werden. Man betrachtet sogar die berufenen und wohlunterrichteten, jüdischen Gelehrten, deren Stimme im Rate der außerjüdichen Gelehrtenwelt vollwichtig ist, > mißtrauisch. Die Talmudische Tradilion aber geht trotz, des Widerspruches von hüben und drüben auf uralte Zeit zurück. Die altbabylonischen Dokumente zum Beispiel zeigen, daß die in den Vätergeschichten vorausgesetzten Rechtsverhältnisse und Rechtsanschaungen wirklich und lebendig waren; zeigen wie das von der Bibel gezeichnete Bild in Wirklichkeit unverfälscht die Uransänge des israelitischem Volkes schildert,. in denen die ersten Keime des un-

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