Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 4 (28.1.1910)
- Date
- 1910-01-28
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 4 Seite 63 Dr. Blocks Wochenschrift. zensurfreie Gedicht m Oesterreich ist aus Frantl's Feder geflossen und hat dem Verfasser allgemeine Popularität verschafft: es ist betitelt „Die Universität" und wurde von vielen in- und ausländischen Journalen wieder abgedruckt. Nach längerer Pause ließ F. eine Uebersetzung serbischer Gesänge „Gusle", ferner „Beiträge zur Geschichte der Juden in Wien" und mehrere biographische Skizzen erscheinen, hierauf die Satyren „Hippokrates und die modeme Medizin". „Hippokrates und die Charlatane", „Hippokrates und die Cholera", welche in einem Iahre dreizehn Auflagen erlebten. Den ärztlichen Beruf hat F. nie praktisch äusgeübt. Im Herbst 1856 unternahm F. eine Reise nach Palästina, ,um daselbst im Aufträge der Frau Herz, geb. Edle v. Lämel, Humanitäts- und Bildungsanstalten zu gründen. Während seiner Anwesenheit in Jerusalem lieh er auf dem Tempelberge einen Stein aushauen, der dann bei dem neuen Leopoldstädtertempel der Wiener Kultusgemeinde als Schlußstein verwendet wurde. Seine .Beobachtungen und Wahrnehmungen auf dieser Reise sind in den Werken „Nach Jerusalem" und „Aus Aegypten" Wiedergegeben. Beide Werke enthalten recht interessante Aufschlüsse über orientalische Zustände, insbesondere der unserer Glaubensgenossen. Den literarischen Wert dieser Werke bezeugt der Umstand, daß sie in mehrere fremde Sprachen übertragen wurden. Auch sein „Primator" wurde wiederholt aufgelegt und sein ..Helden- und Liederbuch" hat zwei Auflagen zu verzeichnen. Sein poetisches Familienbuch „Libanon", alle auf das Judentum bezügliche Dichtungen aller Kultursprachen enthaltend, ist in drei Auflagen erschienen. 1865 gab er die „Ahnenbilder. Szenen und Gestalten aus dem Morgenlande" ent-, haltend, heraus. Seine zeitgeschichtlichen Skizzen, die er zeitweise für die „N. Fr. Pr." und andere Journale schrieb, haben stets große Beachtung und lebhaftes Interesse" gefunden. Bei dieser umfassenden literarischen Tätigkeit hat F. auch in künstlerischer, sozialer und humanitärer Richtung gewirkt. Seiner Initiative verdanken mehrere plastische Denkmale ihr Entstehen, so das Denkmal Schillers, Glucks, Bethovens. Als Anerkennung seiner Verdienste und Leistungen wurde er in den Vorstand der „Gesellschaft der Musikfreunde und des Konservatoriums" gewählt und bald darauf zum unentgeltlichen Professor der Aesthetik an diesem Institut ernannt. Schließlich ist noch das rühmlichst bekannte isr. Blindeninstitut auf der Hohen Warte zu erwähnen, das seine Entstehung seiner Anregung und seinem energischen Eingreifen verdankt und das seit seinem Bestände so segensreich wirkt. So verdienstliches Wirken fand denn auch ihre Anerkennung, und F. erhielt Orden und Auszeichnungen. Er war Ritter des Franz Josefs-Ordens und Nassi von Jerusalem. 1871 wählte ihn der Wiener Gemeinderat einstimmig zum Schulrat. Seine schulfreundliche Gesinnung hatte er schon früher betätigt, indem er in seiner Vaterstadt und in drei Ortschaften der Umgebung Schulbibliotheken gründete. So stand er während seines tatenreichen Lebens im Dienste der edelsten Humanität: darum wird er in seinen Werken fortleben und spätere Generationen noch werden in Liebe und Dankbarkeit gedenken des vaterländischen Dichters und edelgesinnten Menschenfreundes. F. hat ein Alter von 84 Jahren erreicht und am 14. März 1894 fand unter der Teilnahme von vielen Hunderten seine Beerdigung auf dem Zentralfriedhof statt. Möge er sanft ruhen und gesegneten Angedenkens sein und bleiben. Adolf Sternfeld. Wilhelm Kacher. Zu seinem sechzigsten Geburtstage. Bon Profeffor Dr. Ludwig Blau. Budape st, im Jänner 1S1Ü. Es ist ein stilles Gelehrtenleben, wie eS gewöhnlich nur auf deutschem Boden gedeiht, das am heutigen Tage durch eine solenne Feier in das Licht der Oeffentlichkeit gerückt wird. Wilhelm Bacher, der feit 33 Jahren an der ungarischen Landesrabbinenschule als Lehrer wirkt und sie seit drei Jahren als Vorsitzender des Lehrkörpers leitet, lebt in stiller Zurückgezogenheit und hat es stets meisterhaft verstanden, allen Ehrungen aus dem Wege zu gehen. Ein Mann, der sich lediglich im Lehrsaal und in der Studierstube behaglich fühlt. Er nennt in seiner bescheidenen Art beide seine „Werkstätten", was auch insofern seine Nichtigkeit hat, als er an beiden Stätten stets am Werke ist Mit einem Feuereifer, den nur innere Begeisterung und ewiger Schaffensdrang zu erzeugen vermögen, betätigt er sich in feinem Lehramte, auf dem Lehrstuhl sämtlicher biblischen Wissenschaften, den er seit dem Bestände der Anstalt inne hat. Die Anstalt wurde im Jahre 1877 auf Grund einer allerhöchsten Entschließung Sr. Majestät, der sie noch im selben Jahre mit seinem Besuch auszeichnete und sie seines allerhöchsten Schutzes versicherte, von der ungarischen Regierung ins Leben gerufen und am 4. Oktober in Anwesenheit des damaligen Ministerpräsidenten Koloman Tißa, des Kultusministers August Trefort, des Oberhauspräsidenten Georg Mailäth, im Beisein des Rektors und der Dekane der Universität, der Vertreter protestantischer Hochschulen und Gemeinden, sowie anderer Korporationen und Behörden, mit großem Pomp ihrer Bestimmung übergeben. Profeffor Wilhelm Bacher hielt, die Weiherede und er ist das einzige überlebende Mitglied des damaligen Profefforenkörpers. Das begeisterte Ideal, das er in seiner Rede Jugendlehrern aufstellte, hat er seither selber in die Tat umgesetzt. Er unterrichtet mit gleichem Eifer die Anfänger im Obergymnafium der Anstalt, wie die Doktoren der Philosophie in der theologischen Abteilung. An tausend Schüler saßen in dem verflossenen Menschenalter zu seinen Füßen. Infolge seines festen Charakters und seiner von Menschenliebe durchträntten Persönlichkeit gehört er zu den populärsten und gefeiertsten Lehrern, den seine Schüler mit einer Liebe und Verehrung umgeben, wie sie in unserer Zeit sehr selten geworden ist. Etwa der zehnte Teil seiner ehemaligen Schüler bekleidet das rabbinische Lehramt, zumeist in großen und größten Gemeinden des In- und Auslandes, mehrere, sämtlich Ungarn von Geburt, wirken als Lehrer an theologischen Hochschulen in Budapest. Wien, Berlin und London. Der weitaus überwiegende Teil der Schüler Bachers hat sich weltlichen Berufen zugewendet; sie wirken als Aerzte, Advokaten, Mittelschnlprofefforen und in anderen Sphären des bürgerlichen Lebens. Alle bewahren dem gütigen Lehrer ein liebevolles Andenken, das an seinem Ehrentage sich in rührender Weise äußert. Wilhelm Bachers umfaffende und tiefe Gelehrsamkeit, gepaart mit einem ungewöhnlichen Maß allgemeiner Bildung, erhebt ihn in die Reihe der ersten Gelehrten der Gegenwart. Sein Ruf ist längst über das große Wasser gedrungen. Er ist von bewunderungswürdiger Vielseitigkeit, gleich ausgezeichnet als Bibelausleger wie als Sprachforscher, als Talmudkenner, wie Literarhistoriker, Orientalist wie als Lexikograph. Er beherrscht die meisten orientalischen Sprachen, ganz besonders die persische Sprache und ihre Literatur; Profeffor VLmböry war da sein erster Lehrer. Bachers Erstlingswerk, mit welchem er im Jahre 1870 in Leipzig den Doktorgrad erworben, „Nizamis Leben und Werke", bildet einen bedeutsamen Beitrag zur persischen Literatur und der Alexander-Sage. In diesem Buche, das S. Robinson im Jahre 1883 ins Englische übersetzt hat, sowie in feinem Werke „Muslicheddin SadiS Aphorismen und Sinngedichte", die er als Erster herausgegeben und verdeutscht hat und denen noch viele ähnliche gefolgt sind, hat er auch seine Meisterschaft in der Handhabung der deutschen Verskunst bewiesen. Seine poetische Begabung ist übrigens auch in zahlreichen hebräischen und deutschen Gelegenheitsgedichten zam Ausdruck gelaugt. Von unermüdlichem Fleiß, der von einem eisernen Gedächtnis unterstützt wird, entfaltet er eine Produktivität, die geradezu erstaunlich ist. Bloß die Titel seiner Werke und die Ueberschriften seiner Aufsätze füllen 38 Druckseiten und erreichen die enorme $ Zahl von 811 Nummern. In 45 Jahren, seitdem der Fünfzehnjährige Schillers „Der Jüngling am Bache" ins Hebräische übertrug,, hat Wilhelm Bacher 45 selbständige Schriften veröffentlicht. Die Zahl der ungarischen, deutschen, hebräischen, französischen, englischen und italienischen Zeitschriften ur.d Tageblätter in der alten und neuen Welt, denen er Beiträge geliefert, beläuft sich auf nicht weniger als 46, wobei Jahrbücher und enzyklopädische Werke, wie z. B. Eneyclopadia Britannica und andere nicht mitgezählt sind. Um nur einige zu nennen: Bacher ist ständiger Mitarbeiter der „Deutschen Literaturzeitung" in Berlin, der „Theologischen Literaturzeitung in Göttingen, der vornehmsten Vertreterin der liberalen Theologe des deutschen Protestantismus, der „Zeitschrift der deutschen morgenländischen Gesellschaft" in Leipzig, der „Revue des Etudes Juives" in Paris, der „Jewifh Quarterly Review" in London und mehrerer ungarischer Zeitschriften^ Bacher vermag auch das schwere Rüstzeug der Wissenschaft abzulegen; und sich leichtbeschwingt in Tageszeitungen zu be-