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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-01-28 · 4 (28.1.1910) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
4 (28.1.1910)
Date
1910-01-28
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Sir. 4 eettc 62 Dr. Blochs Wochenschrift. Dazu Will man die Juden Habens sie einfach als Stimmvieh an die Wahlurne kommandieren. Aber man wird sehen, daß auch das gezähmteste Stimmvieh einmal, IoTd werden und durchgehen kann. Ja, wenn nur dieses Nutznießer! nicht wäre, wenndasMalheur der / Juden nicht den Vorteil der Lhristlch-Sozialen bedeuten würde. 'Da liehe man Herrn Hock, seine Täuflinge und seme'Greise einfach im Kaffeehaus , weiter thronen. Aber ' der guten Sache wegen mutz man doch trachten, dah bei den. Gemeindewahlen doch noch etwas Gescheites herauskommü' Sie sind viel wichtiger, 'als man zu. glauben scheint. Vom WieneL Rathaus aus haben die Christlich-Sozialen das Parlament und Oesterreich erobert. Mit gewissen . Geistes-' uM Warakterhelden wird man allerdings nur Blamagen erobern können. Aber sind denn die um Hock herum wirklich allmächtig, ist gar niemand da, der ihnen das Mundwerk legen kann,- müssen wir Juden uns'von ihnen wirklich alles gefallen -lassen? So weit, ich mich erinnere, haben wir ja auch eine politische und weitgreifende Organisation, die „Oesterreichisch- Jsraelitische Union". Dieser Verein hat erst kürzlich einen Vortragsabend gegen die Abfallbewegung veranstaltet, nun kann er das Erempel auf seine Theorien machen, kann als Anwalt des Judentums bei den Gemeindewahlen auftreten und verhindern, dah gerade diejenigen durch die JÄden zü Gemeinderätsehren kommen, welche uns Juden..schnöde verlassen Haben. Nichts kann den Abfall nich die Fahnenflucht schlimmer fördern als die Wechrnehmung, daß der feige Verrat mit Vertranens- und Ehrenämtern honoriert wird. Die Union könnte auch dafür sorgen, dah nicht wieder der Freisinn in erbärmlicher, Schwäche, auftritt und seine ältesten Leute in die erste Reihe stellt. Aber schnell muh das geschehen, denn jeder.versäumte Augenblick kann an die Antisemiten verlorene Jahre bedeuten. Genehmigen Sie. . . usw. K«dmig August Frankl. (Zum hundertsten., Geburtslag des Dichters.) . L. A. Frankl, der als Schriftsteller und Dichter in der deutschen Literatur eine geachtete Stelle einnimmt, als Freiheitskämpfer des Jahres 1848 bekannt und wegen seines verdienstlichen Wirkens in künstlerischer, sozialer und humanitärer Beziehung allgemein Anerkennung sich errungen hat, wurde am 3. Februar 1810 zu Chrast in Böhmen geboren. Der 3. Febmar war vor 100 Jahren Samstag, der 29. Schebat. Frankl entstammt einer geachteten Familie, die, wie urkundlich nachweisbar, schon im; Jahre 1671 in Wien ansässig war, spater nach Fürth in Bayern übersiedelte und dann wieder nach Oesterreich Zurückkehrte. Die Mutter des Dichters war eine geborene Hermann aus Lifsitz in Mähren. Vater und Großvater waren kaiserliche Tabaksdistriktsverleger in Chrudim und Chrast. Von sechs Geschwistern war Ludwig August der älteste und allen , wurde eine sorgfältige Erziehung zuteil, so dah die meisten von ihnen geachtete und angesehene Stellungen einnahmen. Der leider nur zü früh verstorbene Bernhard war Stadtrat in Prcrg. Der zweite, Eduard, fungierte mehrere Jahre als Stadtverordneter in Chrast und der dritte, Wilhelm, war seinerzeit als Mitglied des Wiener Gemeinderates bekannt. Den ersten Unterricht iy der hebräischen, deutschen und böhmisch«! Sprache erhielt F. im elterlichen Hause: später wurde, er von einem katholischen Geistlichen auch im Lateinischen unterrichtet. Aber schon frühzeitig war bei dem wißbegierigen Knaben eine grobe Leselust erwacht, und mehr als an Jugendspielen und anderen Zerstreuungen. fand er Gefallen, an den Reisebeschreibungen und an den Werken unserer großen Dichter. Im Herbst 1623 kam Frankl nach Prag, um das Piaristen - Gymnasium zu frequentieren. Durch seinen Fleiß,- seine Vorliebe für Geschichte und durch seine stilistische Begabung lenkte er bald die Aufmerksamkeit seines Professors .auf sich, der ihn vielfach, förderte und seine schriftlichen Arbeiten den Mitschülern als Muster aufstÜlte. Aber auch das Studium der heiligen Sprache betrieb er emsig weiter unter der Leitung seines Verwandten Dr. Zacharias Fr a nkl, der.damals in der Moldaustadt lebte und wirkte und nach Jahren die Leitung des Breslauer Rabbiner-Seminars übernahm, um dem- < selben« im Vereine gediegener und kenntnisreicher Männer, die chit Eifer und Hingebung mit ihm wirkten, einen wohlverdienten Weltruf zu verschaffen. Im Herbst 1825 verlor F. seinen Vater. Run mußte er tselbst für sich sorgen und durch Unterrichterteilung, seine Bedürfnisse decken. Ein. Jahr später ist das Gymnasium absolviert. Run begibt er sich nach Leitomischl, wo er das Lyceum besucht, um Philosophie zu hören. Der fesselnde Vortrag des Geschichtsprofessors weckt neuerdings seine Vorliebe für historische Wissen schäften und ein ausführliches Geschichtswerk über Böhmen macht ihn mit der Geschichte seines Vaterlandes bekannt. In diese Zeit fallen seine ersten schriftstellerischen und dichterischen Versuche, die indes nicht veröffentlicht wurden. Eine wandernde Schauspielertruppe brachte seinen ersten dramatischen Versuch „Die Brautnacht" zur Aufführung. Die Tendenz des Stückes, welches vermutlich nach dem Muster der sogenannten Müllnerschen Schicksalstragödien gearbeitet war, erregte das Mißfallen der Professoren und er bekam eine scharfe Rüge. 1827 überreichte Frankl dem Freiherrn von Hormay er ein episches Gedicht „Jan Pancil": dieser ließ es im „Archiv" abdrucken und bahnte somit dem jungen.. Dichter den. Weg in die Literatur. F. hatte nun den endgiltigen Entschluß gefaßt, Heilkunde zu studieren. Er begab sich daher (1828) nach Wien und suchte auch hier durch Unterrichtserteilung sein Auskommen zu finden. Zu seinem Glücke machte, er hier bald die Bekanntschaft ausgezeichneter Männer und geistreicher Frauen, und der vertraute Umgang mit diesen „Rittern des Geistes" war von großem Einfluß auf die Gestaltung seines ganzen Lebens, Wirkens und Schaffens. Auf einer mit einem Schüler unternommenen Reise nach dem herrlichen Salzkammergut entstanden mehrere Gedichte, von welchen die meisten veröffentlicht wurden. Das 1832 erschienene „Habsburgerlied" machte den jungen Poeten bekannt und brachte ihn mit hervorragenden Schriftstellern des In- und Auslandes in Verbindung. Diesen Balladen folgten „Epische und lyrische Dichtungen", „Morgenländische Sagen" und die epische Dichtung „Christophoro Colombo", welche dem Autor viele Anerkennung und von der Geburtsstadt Colombo's ein Ehrendiplom verschafften. Nach seiner Promotion zum Doktor der Medizin unternahm F. eine Reise nach Italienwo er mit berühmten Zeitgenossen,-wie dem „Sprachenkrösus" Mezzofanti u. a. in anregenden Verkehr trat. 1838 übernahm er die Sekretärstelle der Wiener Kultusgemeinde und widmete sich von nun an der Literatur und seinem Amte. Er übernahm die Redaktion des „Oesterreichischen Morgenblattes" und veranstaltete die Herausgabe seiner gesammelten Gedichts. Von 1846 bis 1848 redigierte er mit Takt und Geschicklichkeit das „Sonntagsblatt", das sich anfänglich nur mit Kunst und Literatur befaßte, in dem ereignisreichen Jahre 1343 aber eine Chronik der denkwürdigen Tagesereignisse wurde — um fchließlich von der Militärbehörde unterdrückt zu werden. — Das erste

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