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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-01-21 · 3 (21.1.1910) · page 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
3 (21.1.1910)
Date
1910-01-21
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Mr. 3 Dr. Blochs Wochenschrift. Sette 57 und Großen Recht geben. Aus der Vereinsgründung wurde aber heute noch nichts. Man beschloß vorläufig einen Diskussionsklub zu bilden und an zwei bestimmten Tagen in der Woche bei Nachtigall zusammenzukommen. Wieseltier mußte sich damit zufrieden geben. Mit Nachtigalls „Frühstückszimmer" ging jetzt eine große Veränderung vor. So manche Redeschlacht wurde in dem kleinen Hofzimmer ausgesuchten. Es kamen viele junge Leute und sie saßen bis spät in die Nacht beisammen. Man sprach über Nationale Erziehung und über die Zukunft des jüdischen Volkes. Es wurden Vorträge über hebräische Literatur und über die Kolonisation Palästinas gehalten. Wo es sich um den Glauben handelte, war man verschiedener Meinung: aber alle fühlten national und es gab fürste nur ein Mittel zur Linderung der Judennot: „Die Juden müssen ihre gesetzlich gesicherte Heimstätte haben!" An manchen Abenden brachte Machus Grünbaum, Dawid und einige jüdisch-nationale Studenten mit. Nach den Vorträgen wurden zionistische Lieder gesungen und die Wogen der Begeisterung gingen hoch. . . . „Nun hatte die Jugend das Wort und es hieß, seine Stimme recht laut erheben, denn dieses Volk war sich seines Elends noch nicht ganz bewußt. Lange genug hatten die Juden den Rücken gebeugt und wie Fremdlinge unter den andern Völkern gelebt. Die Einen hatten aus alten vergilbten Büchern ihre Ideale und Hoffnungen geschöpft und auf ein Wunder, auf den kommenden Messias gewartet: die Anderen dagegen erhofften von fremder Seite Hilfe und Erlösung. . . . Aber das Heil kann nur von den Juden selbst kommen, die Zeit des Bittens und Bettelns ist vorüber!" — Das war die Sprache der jungen Juden, die nur sich und ihrer eigenen Kraft vertrauten. . . . In der ersten Zeit freute sich Wieseltier über dieses Treiben, denn er konnte sich mit Stolz sagen, daß er es war, der diese Diskussionsabende ins Leben gerufen hatte. Die Studenten wurden ihm aber mit der Zeit sehr lästig. Sie sprachen von Zionismus mehr als ihm lieb war, und wenn er ernst war, lachten sie. Sie waren viel schlagfertiger als er, so daß er gegen sie gar nicht aufkommen konnte. Aber auch den Anderen genügten diese Zusammenkünfte und als Wieseltier eines Abends die Vereinsgründung durchgeführt wissen wollte, sprach sich Markus in scharfen Worten dagegen aus. „Wir brauchen keinen Unterstützungsverein für galizische Schnorrer," rief er Mter dem Beifall Aller. „Was nützt es dem Judentum, wenn Einzelnen geholfen wird? Wir wollen die Juden zu freien, selbstbewußten Männern erziehen! Wir werden keinen Glaubensgenossen daran hindern, Wohltätigkeit zu üben, aber der Sache des Volkes dient er damit nicht! . . . Wir haben ein Zentrum gebraucht. Das haben wir hier geschaffen. Früher haben wir uns für fremde Ideale begeistert und jetzt sprechen wir nur von unseren Angelegenheiten. Was wollen Sie mehr?" Das Schicksal des Vereins war hiermit besiegelt. Als Wieseltier sah, daß ihm keiner zu Hilfe kommen wollte, begann er gegen seine eigenen Landsleute loszuziehen. „Die polnischen Juden sind nicht wert, daß sie leben," rief er aufbrausend, verließ das Lokal und schlug die Tür hinter sich zu. Von diesem Tage an mied er den Diskussionsklub. (Fortsetzung folgt.) Literatur. Dr. Markus Landau. Hölle und Fegfeuer im Volksglauben, Dichtung und Kirchenlehre. Heidelberg 1909. Karl Winter. 296 Seiten. Der Führung Markus Landaus darf man sich, zumal auf dem Gebiet der vergleichenden Sagenkunde, das er souverän beherrscht, getrost anvertrauen. Diesmal erscheint er als Vergil, der dem Wanderer durch das Reich der Schatten die Wege weist. Mit bekannter Vielseitigkeit des Wissens und in geistvoller Darstellung behandelt der Verfasser die Quellen unseres Wissens vom Jenseits, die Entstehung von Hölle und Paradies, Wege und Führer zur Unterwelt, Urteilsbrücke, Unterweltstore und Pförtner, Topographie und Regierung der Unterwelt, Gericht und Buchführung im Jenseits, die Verdammten und ihre Strafen, die Ewigkeit der Höllenpein, Ferien und Unterbrechung der Höllenqualen, die Verdammten und die Seligen, Fegfeuer und Limbus, der Verkehr zwischen Toten und Lebenden, gewerbsmäßige Erlösung und Versicherung gegen Uuterweltspein. Schon wenn man diese Kapitelüberschriften liest, muß einem, auch bei nur flüchtiger Kenntnis der Agada, eine Unmenge von einschlägigem Stoffe einfallen. Nun wird man erst durch diese systematische Behandlung des Gegenstandes gewahr, wie reich und mannigfaltig die jüdische Literatur sich in dieser Hinsicht erweist. Es wird darum auch kerne zweite von Landau so oft herangezogen, wobei ihm zugute kommt, daß er hier die Quellen aus eigener Anschauung kennt. So wird uns, während über die biblische Eschatologie in jüngster Zeit eine Flut ernster und gründlicher Monographien uns zu orientieren sich müht, in Landaus Buch zum erstenmale ein wiffenschastlicher Ueberblick über die nachbiblische Auffassung der letzten Dinge geboten. Mit Recht fragt Landau S. 30: „Sprach das Alte Testament so wenig vom Jenseits, weil die Egypter sich gar so viel mit ihm beschäftigten?" S. 34 hätte der Gegensatz zur griechischen Anschauung von der Erblichkeit der Strafen noch schärfer sich marki:ren lassen, wenn das zweite Gebot vollständig mit den so entscheidenden Worten: „bei denen, die mich hassen" zitiert worden wäre, die in der christlichen Fassung des Dekalogs weggelaffen worden sind. Zum Wachsenlassen, bezw. Schneiden der Haare (IV. Mose 6, 5 uiw.) werden ethnographische Parallelen angeführt; S. 46 auf eine jüdische Entlehnung des Avesta hingewiesen; S. 47 von hühnerfüßigen Dämonen gehandelt, wie sie auch der jüdische Volksglaube kennt. Die Urteilsbrücke, die in letzter Zeit ausführliche Befprechnungen erfahren hat und auch dem Midrasch bekannt ist, spielt besonders, wie Hahn berichtet, im Glauben der kaukasischen Bergjuden eine Rolle. (Vergl. 59.) R. Jlai steht mit seiner Leugnung einer Hölle (179) nicht allein. Johannes Scotus Erigena kommt der Auffassung Maimunis merkwürdig nahe. Neben Obermeyers fleißiger Zusammenstellung über das Kaddischgebet und verwandte Gebiete sowie- Aug. Wunsches Uebersetzung der kleinen Midraschim in seinen „Lesehallen" besitzen wir nun in dem Werke Landaus eine weitere wertvolle Quelle über einen Stoff, len man bisher ernst zu nehmen und wiffenschaftlich zu bearbeiten' nicht gewohnt war. M. Rud. Kittel. Geschichte des Volkes Israel. 2. Bd. Das ^.^Volk in Kanaan. Quellenkunde und Geschichte der Zeit bis zum z ibabylonischen Exil. 2. Auflage, Gotha 1909, Fr. Andr. Perthes, XVI und 589 S. M. 12.— Unter den modernen Bibelkritikern darf Kittel als einer der besonnensten gelten. Als solchen kennt man ihn aus seiner „Geschichte der Hebräer" und lernt man ihn in dem vorliegenden 2. Bande der zweiten, vollständig umgearbeiteten Auflage, dem die Ergänzung durch den ersten in Jahresfrist verheißen wird, von neuem schätzen. Das stärkere Herausarbeiten der einzelnen biblischen Schriftsteller, die er sich zum Ziele gesetzt, ist ihm gelungen. In den religionsgeschichtlichen Fragen kennzeichnet er seinen Standpunkt mit den Worten (S. VIII): „Es geht nicht mehr an, die niedere Volksreligion kurzweg für d i e Religion Israels auszugeben — so wenig als die bäuerliche Religion und Dogmatik Deutschlands oder Italiens kurzweg das Christentum ist." Dieser Mäßigung entspricht es, wenn er, Wellhausen gegenüber, (S. v) Spuren nicht entdecken kann, die an das Graswachsen-Hören erinnern oder wenn er aus literarischen Erwägungen über die kleinen Richter gerade zu einem Wellhausen entgegengesetzten Ergebnis gelangt. Mit Cornill findet er (55), daß bei aller Grausamkeit der altisraelitische Blutbann in seiner religiös begründeten Rücksichtslosigkeit und in seiner Selbstlosigkeit gegenüber dem gemeinen Raubzug etwas Achtunggebietendes besitzt. Nirgends fehlen ethnographische Parallelen (vgl. beim Nasiräertum 101 usw.) Auch für Simson wird (das.) ein historischer Kern angenommen. Die Bedeutung der, wie Partsch, Guenther u. a. annehmen, du.'ch Verwitterung entstandenen beckenförmigen Löcher auf Felsplatten für die Entstehung des Höhenkultes wird gestreift (114). Die Hypothese ssranim (Philisterfürsten)- tyrannoi entbehrt nicht der Wahrscheinlichkert (126). Davids Politik wird (208) „in allen Stücken die eines Genius ersten Ranges" genannt. „David ragt um Haupteslänge über das Mittelmaß menschlicher Herrscher hervor" (210]. Bei der Tarschisch-Frage hätte an HüsingS Elam- Vermutung erinnert werden können (227). Ueber den altorientalischen Erlöserglauben ist (277) die Literatur zusammengestellt. Die Baalspriester zur Zeit Elias werden auch in phönikischen Quellen wie in der Bibel geschildert (354). Für die Propheten nimmt Kittel mit gutem Grund eine eigene psychologische Erscheinungsform in Anspruch. „In Israels Propheten ist der Genius des israelitischen Geistes am reinsten und großartigsten erfaßt. In unvergleichlicher Weise haben die religiösen Heroen Israels, denen kein Volk Aehnliches an die Seite zu setzen hat, ihrem Volk in die Tiefe der Seele geschaut" (436). Nicht erst die Propheten, sondern schon Moses hat die sittliche Heiligkeit in Gott erkannt. „Es ist erfreulich," bemerkt K., „daß sich auch diese lange von vielen verkannte Tatsache allmählich in weiteren

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