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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-01-21 · 3 (21.1.1910) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
3 (21.1.1910)
Date
1910-01-21
Page
– (sequence 11)
Language
German
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III I llUI Md Nr. 3 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite si Vom Archivbeamten der Kultusgemeinde. Herrn Sigmund Hufs er l erhalten wir folgende Zuschrift: Sehr geehrte Redaktion! Bezugnehmend auf den in der letzten Nummer Ihres igesch.. Blattes enthaltenen Bericht über die von Herrn S. B r o d gelegentlich eines Vortrages zur Bekämpfung der Abfallbewegung gemachten Vorschläge — an erster Stelle die Errichtung jüdischer Volksschulen — dürfte es vielleicht von Interesse sein, einer Episode in der Geschichte unserer Gemeinde zu gedenken, durch welche in bewegter Zeit die ehemaligen Führer unserer Gemeinde in die Zwangslage gerieten, zu dieser Frage in entschieden ablehnender Weise Stellung nehmen zu müssen. Ueber eine von dem Kultusministerium gelegentlich einer Rekursentscheidung gegebene Anregung forderte die Statthaltern mit Erlaß vom 2. Mai 1854, Z. 2002 den Kultusvorstand zu einer gutachtlichen Aeußerung über die Ersprießlichkeit einer in Wien zu errichtenden jüd. 'Volksschule auf. Obwohl gerade zu dieser Zeit die Errichtung solcher Schulen in manchen Kreisen der Gemeinde lebhaft gewünscht und diese Angelegenheit im Kultusvorstand wiederholt erörtert wurde, mußten die Vertreter bei der herrschenden, judenfeindlichen Strömung — war doch kaum ein halbes Jahr vorher die Besitzfähigkeil der Juden wieder aufgehoben worden — und bei den bekannten Gesinnungen des Kultusministers Grafen Thun, welcher es ausdrücklich billigte, daß in einer Volksschule eigene Iudenbänke errichtet wurden, befürchten, daß man eine Separierung der jüdischen Jugend und damit ein neuartiges, selbst in finsterster Zeit nicht gekanntes Ghetto . Milane. Bei dieser Sachlage war der Kultusvorstand einmütig der Anschauung, daß er diesem Projekte energisch entgegentreten müsse. In der in diesem Sinne unter dem 16. Juni 1854 erstatteten Aeußerung wiesen die Vertreter unter anderem darauf hin, daß sie den Einfluß der ersten Iugendbildung und Erziehung auf den ganzen inneren Menschen und somit auch auf seine religiöse Haltung und Richtung nicht verkennen: daß durch diese konfessionellen Schulen aber zunächst der Entfremdung, dem Vorurteile und der Abneigung Vorschub geleistet werden würde. Diese Erklärung wurde als nicht genügend stichhältig erachtet und die Statthalterei vom Grafen Thun mit Erlaß vom 19. November 1855, Z. 17.677 beauftragt, „der unbegründeten Weigerung der isr Kultusgemeinde ganz entschieden entgegen zu treten und erforderlichenfalls imperativ vorzugehen." Eine gegen diesen Erlaß erhobene Vorstellung der Vertreter wurde vom Grafen Thun unter dem 3. Juni 1856 dahin erledigt, „daß ohne alle Zögerung nicht eine, sondern mindestens zwei jüdische Volksschulen und zwar in der Stadt und Leopoldstadt zu eröffnen sind." Nunmehr erbaten sich die.Vertreter eine Audienz bei Sr. Majestät. Diese fand am 13. November 1856 statt. Der Führer der Deputation, Josef Wertheimer, wies in einer längeren Ansprache an den Monarchen darauf hin. „daß bei Beseitigung des bisherigen Zustandes die Scheidewand zwischen den christlichen Mitbürgern und seinen Glaubensgenossen verstärkt und der Gemeinde eine unerschwingliche Last aufgebürdet würde": gleichzeitig nahm er diese Gelegenheit auch wahr, die baldige Regelung der allgemeinen Verhältnisse der Juden zu erbitten. Der Kaiser richtete hieraus folgende Worte an die Deputation: „Ich werde Ihre Eingabe gewiß sorgfältig untersuchen und das Möglichste darin tun. Was Ihre allgemeinen Angelegenheiten betrifft, so hat sich die Erledigung nun freilich sehr verzögert: allein ich glaube, daß es nun bald dazu kommen wird. Haben Sie denn bisher keine besonderen Schulen gehabt?" Josef Wertcheimer entgegnete: „Wir halten eine Religionsschule, welche den religiösen Bedürfnissen vollkommen genügt,!wenigstens hat keine Klage über Erkaltung der Religiosität unter uns verlautet und wir wagen demnach zu hoffen, daß es dabei sein Bewenden haben möge. Seine Majestät entließ die Deputation mit den Worten: „Nun, ich werde hierin das Möglichste tun". Die Erledigung dieser Angelegenheit verzögerte sich bis zum Jahre 1863. Am 15. September d. I. entschied der Kaiser über Vortrag Schmerlings, „in der bisherigen Gepflogenheit keine Aenderung eintreten zu lassen". Professor Dr. Wilhelm Bacher. Am 12. Jänner feierte der bekannte jüdische Gelehrte Professor Dr. Wilhelm Bacher in Budapest seinen 60. Geburtstag. In Lipto-Szentmiklos in Ungarn im Jahre 1850 geboren, studierte er in Preßburg, Budapest, Breslau «und Leipzig, wo er 1870 zum Doktor der Philosophie promoviert wurde. 1876 erhielt er das Rabbinerdiplom und war kurze Zeit in Szegedin als Rabbiner in das Budapester Rabbinerseminar berufen. Seit 1907 ist Dr. Bacher Rektor des genannten Seminars. Die wissenschaftliche Tätigkeit Dr. Bachers erstreckt sich auf nahezu alle Gebiete der jüdischen Wissenschaft. Zahllos sind seine grundlegenden Werke über die Agada, die wissenschaftliche Beleuchtung der hebräischen Grammatik usw. Ebenso wertvoll sind seine hebräischen persischen Studien. Anläßlich seines 61. Geburtstages wurden dem Jubilar von Seite seiner sämtlicher Schüler und jüdischer Gelehrter des In- und Auslandes eine Reihe von Ehrungen zuteil. Die Juden im türkischen Heere. Aus Salonichi wird uns berichtet: Die vornehme „Association des anciens eleves de l'Alliance Israelite Universelle“ sah dieser Tage eine hervorragende Gesellschafr bei sich zu Gaste. Anlaß hiezu bot die Vorlesung des Oberstleutnants der Kavallerie Galib Bey über den Militärdienst der Nichtmohammedaner. Unter den Gästen befanden sich zahlreiche hohe Militärs unter der Führung des Kommandanten des dritten Armeekorps, Exzellenz Hadi Pascha. Nach den Ausführungen des Vortragenden. der den bekannten Standpunkt vertrat, daß der Militärdienst den Anhängern aller Nationalitäten und jeder Konfession die gleiche Möglichkeit biete, zur Geltung zu gelangen, hielt Kommandant Hadi Pascha eine kurze Ansprache, in welcher er ausführte: „Die Juden waren stets treue Bürger des Landes, in welchem sie lebten. Das jüdische Element hat sich von den religiösen und Rassenkämpfen stets ferngehalten. Es gab den Behörden niemals Anlaß zum Einschreiten und hat unserer Regierung niemals Verlegenheiten bereitet. Als fleißiger und intelligenter Arbeiter verdient der Jude unsere ganze Anerkennung und unseren vollen Dank. Ich hoffe und bin überzeugt, daß der Jude in dieser Aera der Freiheit, die allen Bürgern in gleichem Maße die freie Entwicklung ermöglicht, eine für die Zukunft unseres gemeinsamen Vaterlandes sehr nützliche Rolle svielen werde. Er wird sich in der Armee auszeichnen, eben'o wie auf den Gebieten der sozialen Tätigkeit." Ansiedlung rumänischer Juden in der Türkei. Der Redakteur des „Journal de Salonique" hatte mit dem Führer des jungtürkischen Komitees. Mazim Bev eine Unterredung, die sich hauptsächlich um die geplante Aktion der türkischen Regierung. Mazedonien mit Einwanderern zu kolonisieren, drehte. Nazim Bey erzählte, daß die türkische Regierung es sehr gerne sehen würde, wenn aus Bosnien. Rumänien und Rußland ein größerer Emigrantenstrom sich nach Mazedonien wenden würde.

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