Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 3 (21.1.1910)
- Date
- 1910-01-21
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 48 Nr. 3 Dr. Blochs Wochenschrift. 8. Die Halswunde an der Leiche konnte auch mit einem Taschenmesser postmortal beigebracht sein. Auf diesem armseligen Untergrund zweier kleiner Flecke von kaum der Größe eines Kronenstückes, pon denen nicht ganz sicher feststeht, ob sie von Blut herrühren, die sich außerdem an einer Stelle des Beinkleides befinden, welche sie mit dem Attentate schwer in Verbindung bringen läßt, — auf einem Beinkleide, von dem nicht bewiesen ist, daß der Angeklagte dasselbe zur Zeit des Mordes getragen hat, ebenso auf einer willkürlichen Behauptung des Erkennens aus einer großen Entfernung, welche sachlich leicht zu entkräften ist — baute sich nun die furchtbare Anklage auf. Da aber die Verurteilung zum Tode dennoch abermals erfolgte, so ergibt sich als notwendige Annahme, daß sich die ganze Schlußverhandlung nur im Geiste des Religions- und zugleich Klassenhasses, der bis zur Siedehitze aufgestachelt war und dem sich auch der Vorsitzende in Luttenberg nicht entzog, abgewickelt habe. Ganz unemgedenk seiner Aufgabe, die vollste Objektivität %u wahren, apostrophierte er den Angeklagten: „Ob jSie ihr die Wunde versetzten, wissen wir nicht, aber daß Sie mitgewirkt haben, ist eine sichere Sache." Von welcher suggerierenden Wirkung solche von der höchsten Stelle im Gerichtssaale gesprochenen Worte auf die Geschworenen sein mußten, läßt sich unschwer ermessen. Auch sonst wurde genug gesündigt: Die Belastungszeugen wurden bezüglich ihrer Vorbestrafungen geschont, die Entlastungszeugen preisgegeben, sogar die Gerichtsärzte hatten sich, wie bereits angedeutet, ebenfalls in den Dienst des Ritualmordaberglaubens gestellt und veröffentlichten im Wiener Hetzblatt ihre Ansichten. Die Vorerhebungen wurden höchst mangelhaft und einseitig geführt, die erste Tatbestandsaufnahme vom 1. April mußte durch eine neuerliche am 23. April ergänzt werden, bei welcher selbstverständlich nicht mehr die ursprüngliche Situation vorhanden war. (Fortsetzung folgt.) Korrespondenzen Aus der Plenarsitzung des israelitischen Kultus- Vorstandes vom LS. Jänner ISIS unter dem Borsitze des Präsidenten Dr. Alfred Stern. Präsident Dr. Alfred Stern eröffnet die Sitzung mit nachfolgender Ansprache: Bevor wir in die Tagesordnung eingehen, geziemt es sich, eines lieben und treuen Kollegen zu gedenken, den wir vor wenigen Tagen zu Grabe geleitet haben, des allzufrüh dahingeschiedenen Herrn Emil Horner. Seit dem Jahre 1899 gehörte der Verewigte dem Vorstande der Kultusgemeinde an, aber schon viel früher war er wohlbekannt und hochgeschätzt in unserer Gemeinde als ein Mann, dem die llebung wohltätiger Werke über Alles ging. So einfach Wohltaten zu üben für jene ist, die das Glück haben, dies aus eigenen Mitteln tun zu können> so schwierig und veranwortungsvoll ist diese immer dankenswerte Aufgabe mit anvertrautem Gute, und nur einem Manne mit dem feinen Taktgefühle, dem großen Wohlwollen, der persönlichen Liebenswürdigkeit und nicht zuletzt dem ausgezeichneten Herzen eines Emil Homer konnte es gelingen, dieser schwierigen Aufgabe in solcher Weise gerecht zu werden, wie es der Verewigte war. „Freude am Wohltun", dieses herrliche Wort, welches vor Jahresfrist aus Allerhöchstem Munde als die Anerkennung einer besonderen Eigenschaft der 'Juden erklang, fand in dem Verewigten ihre lebendige Verkörperung, der die „Freude am Wohltun" betätigte, gegenüber dem Einzelnen, in Vereinen und Korporationen, nicht bloß für Juden, in reichstem Maße auch für Andersgläubige. So konnte es nicht verfehlen, daß die Wahl des nunmehr Dahingeschiedenen in den Kultusvorstand von uns allen herzlichst begrüßt wurde und auch in diesem Kreise bewährten sich seine ausgezeichneten Eigenschaften. Wenn er auch hauptsächlich den zahlreichen Wohltätigkeitsagenden der Kultusgemeinde sein Augenmerk zuwandte, so brachte er doch auch den anderen Zweigen der Gemeindeverwaltung reges und verständnisvolles Interesse enttzegen. Noch will ich seine Liebenswürdigkeit im persönlichen Verkehre hervorheben, die mit dazu beitragen wird, das Andenken des Verewigten in unserem Kreise und bei allen, die ihn kannten, in herzlicher Erinnerung zu halten. Die Versammlung, welche sich zum Zeichen der Trauer von den Sitzen erhoben hat, beschloß die Einverleibung dieser Trauerkundgebung in das Protokoll. Einlauf: Spenden: Legate des sel. Herrn Theodor Ritter von Taussig, u. zw.: für das israel. Blindeninstitut a. d. Hohen Warte K 20.000 für die Jsrael.-theolog..Lehranstall für den Fond zur Erbauung eines eigenen Hauses . . .. . „ 20.000 für die israelitische Armenanstalt.. 10.000 für die Chewra-Kadischa.. „ 10.000 K 60.000 Ferner für denselben eine Kadisch-Widmung im Betrage von „ 2.000 Legat des sel. Herrn Maximilian Jelinek für verschiedene Wohltätigkeitsinstitutionen.„ 30.500 Bon Herrn kaiserl. Rat Leopold Sachs zum Andenken an seine sel. Eltern Jakob und Anna Sachs und seine verstorbene Schwester Sofie Prager für die Altersversorgung und Siechenhaus .................. 2.000 Von Frau Emilie Schnabl, anläßlich des Hinscheidens ihres Gatten Herrn Jakob Schnabl für Hilfsbedürftige . . . „ 200 Von Herrn Dr. Jakob Engel für das Altersversorgungshaus ...K 150 für den Studentenverein ... 50 „ 200 Anonymus für drei bedürftige jüdische Familien.„ 109 Von Herrn A. Messinger für die Armenkasse.. 4 Von Herrn M. Haas, Welka, für die Brigittenauer Schulküche .... 2 Von Herrn Moritz Edlen von Kuffner, anläßlich des Jahrzeittages seiner sel. Mutter, für Arme des XVI. und XVII. Bezirkes ... 160 Von Frau Marie Stern, anläßlich des Sterbegedächtnistages ihres sel. Mannes Herrn Siegmund Stern, für die Chewra Kadischa I „ 20 Dankschreiben des Herrn Dr. Arthur Goldmann für die Gratulation des Kultusvorstandes anläßlich seiner Ernennung zum Haus-, Hof- und Staatsarchivar. Dankschreiben des Herrn kais. Rat Johann Lichtenstadt für die Glückwünsche des Kultusvorstandes anläßlich seines 70. Geburtstages. Dankschreiben des Herrn^käis. Rat Leopold Sachs für die Kondolenz des Kultusvorstandes anläßlich des Hinscheidens seiner Schwester Frau Regine Pollak Edle von Parnau. Zuschriften der Herren kais. Rat Sachs und Dr. Elias Münz, mit welchen dieselben die Berufung als Bethausvorsteher für die Gemeinde-Bethäuser Stadt und Leopoldstadt anzunehmen erklären. Ferner befinden sich im Einlaufe: Eine Mitteilung des k. k. Bezirksgerichtes Innere Stadt betreffend das Testament der am 20. Dezember 1909 verstorbenen Frau Rosalie Goldschmidt, wonach ein derzeit noch mit einem Fruchtgenusse belasteter Betrag von L 100.000.— zur Errichtung einer „Karl und Rosalie Goldschmidt- Wohltätigkeitsstiftung" bestimmt wurde. Die Erträgnisse des Stistungskapitales sind nach Erlöschen des Fruchtgenusses in Beträgen von L 20.— bis K 100.— an Arme jüdischer Konfession zu verteilen. Eine Abschrift des Testamentes des am 22. Dezember 1909 verstorbenen Herrn Bela Haas. Der Verstorbene verfügt unter anderem die Errichtung einer „Jonas, Nanette und Bela Haas Wiener Stiftung" zu Händen der Wiener israel. Kultusgemeinde mit dem Kapitalsbetrage von K 206.000.—« Dieses Stiftungskapital soll nachstehenden Zwecken dienen: L 170.000.— zur Erhaltung eines israel. Kinderspitales; L 20.000.— für das israel. Blindeninstitut auf der hohen Warte; L 6000.— für den Rekonvaleszentenfond des Spitales der Wiener israel« Kultusgemeinde und für die israel. Kinderbewahranstalt, Wien, II., Schiffamtsgaffe; K 6000.— für die Grufterhaltung. Der Testamentsvollstrecker ist, nachdem der testamentarisch nominierte Testamentsvollstrecker Theodor Ritter von Taüssig gestorben ist, im Sinne der testamentarischen Bestimmungen vom Abhandlungsgerichte gemäß dem einzuholenden Vorschläge der Wiener israel. Kultusgemeinde zu ernennen.