Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 3 (21.1.1910)
- Date
- 1910-01-21
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 3 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 45 dabei ijt eine Menge von Arbeit von einer ganzen Anzahl von jungen Theologen in nutzloser Wiederholung gemacht, nutzlos, weil die allerwenigsten dieser Herren später Gelegenheit gehabt haben, die gewonnenen Kenntnisse zu verwenden. So sieht es also mit unseren Größten aus. Man wird mir also Recht geben, daß wir einen Verein nötig haben, der in planmäßiger Arbeit nach und nach wenigstens das Bedeutendste zur Herausgabe fördern kann. Der neuentstandene Verein darf mit Recht an Alle appellieren, die ein Bewußtsein von unseren literarischen Verpflichtungen haben. Wenn nur jeder jüdische Literaturverein, jeder Zionistenverein, jede Gemeindebibliothek innerhalb der Kulturstaaten ein Exemplar subskribieren würde, wenn die vermögenden Glaubensgenossen, die Logen, die großen Vereine, die Großgemeinden eine feste Unterstützung gewähren würden, dann würden wir in wenigen Dezennien ganz anders dastehen auf dem besprochenen Gebiet, als es jetzt der Fall ist. Wie schon oben gesagt, werden in kurzer Zeit die ersten Lieferungen des neuentstandenen Vereines den Abonnenten zugehen. Darunter sind zwei in sich abgeschlossene Werke: ein aus dem so wenig bekannten Süditalien herrührender, in einer einzigen Handschrift bewahrter, höchst interessanter Kommentar zu dem Talmudtraktate Mo'ed Qatan, mit Anmerkungen herausgegeben durch Dr. H. P. Chajes, dann das wie jene Schrift bisher unbekannte Ritualwerk M a'a s e h H a g e o n i m, das uns die mittelalterlichen Verhandlungen über Leben und Lehre in Frankreich, Deutschland und Italien vor Augen führt. Die Ausgabe war von dem wohl Kundigsten auf diesem Gebiete, A. Epstein, vorbereitet, schließlich übernahm Dr. I. Freimann den endlichen Abschluß und die Druckleitung. Wichtig für den Nachweis des Gedankenganges der heiligen Schrift ist der Bibelkommentar von Elieser von Beaugency, von dem uns Dr. S. Poznanski eine erste Lieferung dieses Jahr gibt; die zweite Lieferung im nächsten Jahre wird den Kommentar zu Ezekiel und den zwölf kleinen Propheten zu Ende führen und in einer großen Einleitung weitere Beiträge zur Geschichie der mittelalterlichen Schrifterklärung liefern. Und last not least setzt der schon genannte Dr. Brody sein Diwan-Werk fort, indem in genauem Anschluß an die Veröffentlichungen der alten „Mekize Nirdamim", der Kommentar zum zweiten Band vom Diwan Jehuda Halevys zu Ende geführt wird, i) Einen Arbeitsplan für die folgenden Jahre werde ich aus verschiedenen Gründen vorläufig nicht geben; ich beschränke mich auf die Bemerkungen, daß äußerst wichtige Werke und sehr tüchtige Herausgeber schon zur Verfügung stehen und daß die Absicht besteht, die Einzelwerke vorläufig nicht in den gewöhnlichen Buchhandel zu bringen, so daß Derjenige, der die Werke zu erwerben wünscht, als Mitglied dem Vereine beitreten muß. 1 2) Der Religionsunterricht und die Gemeinde. Von I. Oehler. Welche Aufgaben hat eine isr. Kultusgemeinde gu erfüllen? Was ist der Zweck ihres Bestandes? Das Statut beantwortet diese Frage mit folgender Feststellung: 1. Die Obsorge für die Abhaltung des Gottesdienstes. 2. Die Erteilung des Religionsunterrichtes. 3. Die Erhaltung einer Mikwa. 4. Die Beschaffung von Koscherfleisch und 5. Die Uebung von Wohltätigkeit, soweit die vorhandenen Mittel reichen. Kultus und Unterricht erscheinen hier an erster Stelle: nicht nur als zufällig in der Reihenfolge. Auch ohne statutarische Fixierung sind diese beiden Aufgaben die ersten und wichtigsten, abgesehen von dem bedauerlichen Umstand, daß die Fürsorge bezüglich Mikwa und Koscherfleisch kaum auf ein Zehntel der Wiener Iudenschaft sich erstreckt. 1) Da dieser Kommentar hauptsächlich für diejenigen von Interesse ist, welche schon die Textausgabe Brodys besitzen, ist er nur in ganz geringer Zahl gedruckt und wird deshalb nur den ersten 400 Abonnenten geliefert werden können. Diejenigen Abonnenten, die es vorziehen, statt dieses Heftes zwei kleinere Hefte von Texten (Matmone Mistarim), die Dr. Brody herausgegeben hat, zu besitzen, werden gegen Rücksendung des Diwan-Heftes diese erhalten, so lange der Vorrat reicht. 2) Anmeldung von Abonnements bei den früher bekanntgegebenen Komiteemitgliedern (darunter Ehrenvorstand: Professor A. Berliner (Berlin); Vorsitzender: Professor D. Simonsen (Kopenhagen); stellvertretender Vor sitzender : Dr. A. Freimann (Frankfurt a. M.); Sekretär: Dr. S. Poznanski (Warschau) und bei dem Schatzmeister des Vereines, Bankier Leo Mnnz, Frankfurt a. M, Uhlandstraße 46). Der Jahresbeitrag ist 10 Rmk. (Minimum). Mitgliedschaft für Lebenszeit wird durch einmalige Zahlung von mindestens aOO Rmk. erworben Die Erwägung der Frage, wie weit die Gemeinde in der Uebung von Wohltätigkeilsakten gehen sollte und inwiefern eine Entlastung des Budgets bei diesen Posten eintreten könnte und ebenso der Komplex der Kultusfragen sei diesmal ausgeschaltet. Einzig und allein der Religionsunterricht und dessen Förderung durch die Gemeinde bilde den Gegenstand der vorliegenden Erörterung. Das Problem des Religionsunterrichtes mutz eigentlich von der Gemeinde nach zwei Richtungen gelöst werden. Zunächst, wie schaffen wir den bestmöglichen Religionsunterricht und dann, wie decken wir die Kosten eines solchen? Diese beiden Fragen stehen indes miteinander in einem so engen Zusammenhang, datz die Antworten auf dieselben nicht streng von einander geschieden werden können: sie berühren sich immer wieder und verschmelzen oft zu einem ein-igen. Wie schaffen wir den bestmöglichen Religionsunterricht? Die grötzte Schwierigkeit bei der Regelung des Religionsunterrichtes in Wien besteht eigentlich in dem zu großen Personalstand - ein Uebel. das übrigens auch auf anderen Gebieten unserer religiösen Institutionen die Kosten derselben ungebührlich erhöbt. Wir dürften sicherlich die einzige Konfession sein, die die Einrichtung separater Sabbat- und Wochentagsvorbeter, oder gar besonderer Morgen- und Abendkantoren kennt. Eine solche Spezialisierung von Funktionen dürfte kaum selbst die moderne medizinische Wissenschaft kennen. Während jedoch diese Spezialisierung und die infolgedessen bedingte Vermehrung des Status den betreffenden Funktionäen höchstens eine größere Beguemlichkeit schafft und niemals einen materiellen Schaden zufüat, ist die Ueberfüllung eines Personalstandes der Reliaionsbchrer von ganz anderen Folgen bealeitet. Der Reliaionslehrer erhält nur die wirklich erteilten Stunden bezahlt, leine Bezüge entsprechen genau den zugewiesencn Wochenstunden. Daher stehen — infolge des Mangels an verfügbaren Stunden die Bezüge eines Religionsl»hrers in den ersten Dienstiahren auf einer so niedrigen Stufe, wie sie hier — mit Rücksicht auf die Reputation des Standes — gar nicht bezeichnet werden kann. Ist es unter solchen Umständen ein Wunder, datz sich Bewerber, wie sie uns not täten, einem Berufe fernhalten, der sic materiell unter den Rang eines Svnagogendieners stellt? Es fehlt nicht an tüchtigen, intelligenten, auf der Höbe der Zeit stehenden Kandidaten: nur kann man nicht erwarten, datz Männer mit entlvrechender Vorbildung, datz re'fe Männer. — und als Religionslehrer kann nur ein reifer Mann ersprießlich wirken sich um eine Stelle bewerben, bei deren Antritt lie kaum eine Kabinettmiete als Gehalt belieben. Täe Akquirierung tüchtiger Lehrkräfte — troff alledem — unter dem Regime des derzeitigen Ressortchefs. ist doch sicherlich nur in dessen Persönlichkeit und nicht in den tristen Verhältnissen begründet. Nein, allen Ernstes, unter den obwaltenden Umständen ist es ganz unmöglich, ein Relmionslehrerkorps zu schaffen, das erfolgreich gegen die Strömungen der Zeit ankämvfen kann. Die Ueberfüllung des Personalstandes belastet aber das Budget auch mit Ausgaben, die wohl nicht an den Stunden, aber an den Personen hängen. Ausgaben, die vorher wobl nickt stipuliert und zugesichert werden, aber doch ziemliche Kosten verursachen. Hätten wir die im Verhältnis?u den erteilenden Unterrichtsstunden stehenden, mit entivreckenden Bezügen ausaestattefen. snstennsi^tsn Religionslebrerstellen. die keine Dependance der Verforgunasanstalt enthalten, dann bekämen wir nicht nur die tüchtigsten Leute, — man versuche es doch einmal mit einem Konkurs auf eine Reliqionslehrerstelle. die mit einem Bezüge von nur 3000 Kronen verbunden ist — und es würde, trotz der materiellen Besserstellung der L"hrpersonen, eine nur sehr geringe Erhöhung des Unterrichts-