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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-01-14 · 2 (14.1.1910) · page 18

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
2 (14.1.1910)
Date
1910-01-14
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Sette 38 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 2 gerufen wurde, führten dort einige reiche Bürger das Wort und Wieseltier war nicht einmal in den Ausschuß gewählt worden. Gekränkt zog er sich vom Verein zurück. Wieseltier war überzeugt, daß kein Herz im Städtchen so warm für's Judentum schlug, wie das seine. Im Stillen hatte er sich schon mit dem Gedanken getragen, eine Rolle jn der Bewegung zu spielen, denn der Beruf eines jüdischen Volksmannes schien ihm für sein Temperament und seine Begabung sehr geeignet und nun sah er sich in seinen Erwartungen bitter getäuscht.. Doch er hatte keine Lust mehr, für ein Bettelgeld fremde Menschen zu unterrichten und jeden Tag an einem anderen Tische zu essen — und so faßte er den Entschluß, dem Städtchen den Rücken zu kehren. Er wollte nach Wien und sich in den Dienst der Partei stellen. Wer wußte mehr von jüdischen Schmerzen zu erzählen als er, der verwaist und elend in den schmutzigen Ghettogassen ausgewachsen war? Die Bewegung konnte nicht genug tüchtige Männer haben! Als Wieseltier das Reisegeld zusammengespart hatte, blieb er keinen Tag länger in dieser Stadt. In Wien verkehrte er in den Kaffeehäusern, die von Zionisten besucht wurden. Er ging in alle Versammlungen und ergriff als Vertreter der galizischen Judenschaft das Wort. Als ihm jedoch sein Geld ausging, war kr in dieser großen, fremden Stadt der bittersten Not preisgegeben. Vergebens rief er die Hilfe der Partei an: kein Mensch kümmerte sich um seine Angelegenheiten. Diese zweite Enttäuschung konnte Wieseltier dem Zionismus nicht verzeihen. Er liebte sein Volk, aber wie ein strenger Vater sein Kind liebt! — Wenn er es sich nicht verdrießen ließ, für die Interessen der Juden zu arbeiten, so hielt er es für die Pflicht seiner Parteigenossen, von ihm alle Sorgen fernzuhalten. Doch auch eine zweite Erkenntnis war in ihm jn diesen schweren Tagen, da er hungernd durch die Großstadtgassen irrte, erwacht. Er lernte es, eine scharfe Grenze zwischen östlichen und westlichen Juden zu ziehen. Während .ihn diese durch kleine Gaben abzuschütteln suchten, hatten ihm die Galizianer willig ihr Ohr geliehen. So kam es, daß Wieseltier nur mit Landsleuten zu verkehren begann. Er fühlte sich in den Gassen, die sie bewohnten, heimisch und ging in Lokale, wo sie zu treffen waren. (Fortsetzung folg!.) Neue Bücher. Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde. Herausgegeben von Dr. Max G r u n w a l d, 13. Jahrgang, 1. Heft 1910. 40 Seiten. — Ad. L,öwinger, Der Schatten in Literatur und Folklore der Juden. — B. Wach stein. Die Gründung der Wiener Chewra- Kadischa im Jahre 1763 (Schluß). — A. M a r m o r st e i n, Zur Geschichte der Juden in Jamnitz. — Sch. Ochser, Der Pinkas der Gemeinde Kuttenplan. — S. S e e l i g m a n n, Das Machsor Moguntia 5344. — B e i l i n-M a r m o r st e i n, Jüdische Sprichwörter und Redensarten aus Rußland. — Notizen. — Bücherschau. Adresse des Herausgebers: Wien, XV., Mariahilferstraße 167. Der Preis für den Jahrgang (14 Hefte, 10 Bogen) beträft 5 Kronen. Ost und West. Illustrierte Monatsschrift für modernes Judentum. Herausgegeben von Leo Winz. Verlag Ost und West. Berlin W 8. Organ der Deutschen Konferenzgemeinschaft der „Alliance Jsraelite Universelle". Heft 1. Jänner '1910. X. Jahrg. Inhalt: M. A. K l a u s n e r, Das Jahr 1909. Karl S ch w a r tz, Alfred Grätzer (mit 8 Illustrationen). Erich Cohn, Schachkoryphäen. Vicki Baum, Im alten Haus. Lina Morgenstern (mit Porträt). Dr. Emanuel Laster, Schach. Hermann Senator (mit Porträt). Literarische Rundschau (mit 3 Illustrationen). Revue der Revuen. Mitteilungen aus dem Deutschen Bureau der „Alliance Jsraelite Universelle": Bekanntmachung. Die Alliance-Schulen in Beirut (mit 11 Illustrationen). Griechische Umtriebe. Das Laubhüttenfest in Mossul. Notizen: Frankfurt a. M. Die Juden in Jemen. Die Intervention in Marokko. Zeitschrift für Demographie und Statistik der Inden. Herausgegeben vom Bureau für Statistik der Juden. Berlin 6 2. An der Spandauerbrücke 15. Begründet von Dr. Arthur R u p p i n. Redigiert von Dr. Bruno Blau. VI. Jahrgang. Jänner 1910. Heft Nr. 1. Inhalt: I. Abhandlungen. 1. Dr. L. Cheinisse, Paris. Die Rassenpathologie und der Alkoholismus bei den Juden. 2. Emil Hollack, kgl. Baugewerksschullehrer in Königsberg. Zur Vorgeschichte der Juden in Ost- und Westpreußen. II. Statistisches Archiv. Die Konfession im höheren Lehrfach in Preußen. Eheschließungen, Geburten und Sterbefälle in Großherzogtum Hessen in den Jahren 1906 und 1907. Schüler in Elsaß-Lothringen. Kirchensteuern im Großherzogtum Baden. Die israelitischen Gemeinden in Galizien im Jahre 1908. Die Konfession der Eheschließenden in Budapest 1907. Die Juden in Kurdistan. Zahl der Juden im Oranje-Freistaat im Jahre 1890. III. Literatur. Philipps o n, Neueste Geschichte des jüdischen Volkes, Bd. II. L e w i n, Die Geschichte der badischen Juden seit der Regierung Karl Friedrichs. IV. Zeitschriftenübersicht. Palästina Monatsschrift für die wirtschaftliche Erschließung Palästinas. 7. Jahrgang, 1910. Heft 1. Redaktion: München, Petlenkofenstraße 25. Ausgabe A. Inhalt: Zum VII. Jahrgang. — Dr. David Strauß, Zürich: Zum VII. Jahrgang, ein Rück- und Ausblick. — Pastor O. Eberhard, Greiz: Ein Land, darinnen Milch und Honig fließt. — Dr. A. Labuschin: Die kulturelle Neuentwicklung Palästinas. — Dr. Emil Levy. Berlin: Palästina-Aphorismen. - Dr. S. Weißenberg, Elisabethgrad: Die jemenitischen Juden. — D. Friedrich Naumann: Aus Asia. — Davis Triet sch: Gartenstadtbewegung. — Bericht des deutschen Konsuls in Jerusalem. — Genossenschaftliche Darlehenskassen in Palästina. — Dr. Felix Teil-Haber: Zu unseren Bildern. Aus den Hauptstädten. — Literatur. — Notiz. §ritfknfkm< I W., geb. D., Prag, Weinberges „Das Christentum", — so heißt es in der Schrift „Kirche und Sozialdemokratie" von Pastor Liebster in Leipzig — „soweit es nicht zu einer modernen Religion verfälscht ist, hat nur im Jenseits den Endpunkt seines Strebens. Es gibt kein Lebens- und Kulturgut, das in den Sprüchen Jesu nicht geringschätzig behandelt würde. Die Grundlage aller Kultur ist der Besitz. Bei Jesus finden wir ein hochgradiges Mißtraum gegen ihn. Auch das Recht hat in seinen Augen keinen Wert; darum hält er sich für zu gut, Erbschichter zu sein. Neben Besitz und Recht gehören zur Kultur geordnete Herrschaftsverhältnisse. Aber Jesus verbietet seinen Jüngern jedes Herrschen und Herrschenwollen. Daraus ergibt sich zugleich, daß Jesu Ethik auch im schroffsten Gegensatz steht zu dem, was man heutzutage mit Kultur und Persönlichkeit bezeichnet. Indem er verlangt, daß man, wenn man auf die eine Backe geschlagen wird, auch die andere hinhalte, will er Verzicht auf jede persönliche Ehre. Auch das Kulturgut der Familie wird von Jesus nicht so betont, wie es manche Ethiker wünschen. Nicht einmal die Arbeit hat Jesus in ihrem Werte erkannt. Nie hat er jemand angetrieben, daß er fleißig zu irdischen Geschäften sein solle. Die Arbeit, die heute von vielen mit fast religiösem Nimbus umgeben wird, ist kein christliches Heilsgut. Die christliche Ethik ist für das Leben auf Erden unbrauchbar. Nicht nur, daß sie in ihren äußersten Konsequenzen Unmögliches von uns verlangt; sie würde, als Ganzes in der Praxis angewendet, das religiöse Leben ersticken. Die christliche Sittenlehre ist und bleibt ein Ideal, das auch für den vom christlichen Geiste am tiefsten Durchdrungenen nicht zur Grundlage seines irdischen Lebens werden kann." Bei einer patriotischen oder Familienfeier wählen darum protestantische Prediger, wenn sie eine Ansprache zu halten haben, die Texte dazu gewöhnlich aus dem Alten Testament. In Ihrem Briefe lesen wir eine Stelle: „Wir sehen es ja alle Tage, wie hochherzige Juden ihre Wohltaten ausstreuen über Juden und ihre erbarmungslosen Feinde, die Christen. In der Tat: das Heilandswort: „Liebet Eure Feinde, segnet, die Euch fluchen, tut wohl denen, die Euch beleidigen und verfolgen", stellt den Grundsatz auf, welcher allein uns eine Besserung unserer Zustände verbürgt." Christen, welche nach diesen Grundsätzen gehandelt hätten, begegnen uns weder in der Geschichte noch im Leben; die Frommen und

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