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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-01-14 · 2 (14.1.1910) · page 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
2 (14.1.1910)
Date
1910-01-14
Page
– (sequence 17)
Language
German
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«i. 2 Dr. Blochs Wochenschrift. L. .. 37 211 aus der Türkei, 185 aus Rumänien, 65 aus Deutschland, 18 aus Afrika, 8 aus Südamerika, 6 aus Dänemark, je 4 aus Belgien und Holland, 5 aus der Schweiz, 2 aus Schweden und je 1 aus Bulgarien, Indien und Norwegen. Im November 19!. 8 betrug die Zahl der eingewanderten Juden 3426. Feuilleton. Innglingsjahre. Roman von Hermann Blumenthal. VI. Dmvid arbeitet an sich. Als Dawid eines Tages in der Vereinsbibliothek fein Buch Umtauschen wollte, fragte ihn der Bibliothekar: „Wünschen Sie vielleicht ein Buch, das seelische Konflikte behandelt?" Dawid war über diese Frage erstaunt. „Datz es so etwas gibt?" Er nahm das Buch, das ihm gereicht wurde. Es war Dostojewskis „Schuld und Sühne". Der Roman übte auf ihn eine starke Wirkung aus und er nahm sich vor, von jetzt ab nur ernste Bücher zu kesen. Bald darauf lernte er Ibsens „John Gabriel Borkmann" kennen. Dieses Stück wirkte auf Dawid wie eine Offenbarung und er begann, über sein Wesen nachzudenk.n. Nun hatte er den Beweis, datz auch andere in ihrem Innern Kämpfe zu bestehen haben. Dawid war froh über diese Entdeckung, denn er hatte sich bis nun für ein Ausnahmswesen gehalten, das zum Leiden verurteilt war! Es bemächtigte sich seiner ein Eifer zum Lernen und er verschlang jedes Buch, das er erreichen konnte. Drei verlorene Jahre lagen hinter ihm, die wieder eingeholt werden mutzten. Doch eines Tages schob er alle Bücher beiseite und besorgte sich eine deutsche Grammatik. Seine Orthographie liefe noch viel zu wünschen übrig und dieser Mangel mutzte erst gut gemacht werden, bevor er daran gehen konnte, sich ernstlich schriftstellerisch zu betätigen. Wenn Dawid jetzt am Abend nach Hause kam, sperrte er sich in seinem Zimmer ein und lernte fleitzig. Es war ein strenger Winter und er hatte viel unter der Kälte zu leiden. Er fror und langweilte sich und aus der Küche drangen die Stimmen seiner Wirtsleute zu ihm. Das ging so Nacht für Nacht — bis er seiner selbst sicher war. . . . Nun sollte es mit Sturmschritt vorwärts gehen.... Und Dawid arbeitete unermüdlich: denn jetzt hietz es, das Theaterstück wieder von vorn beginnen. Oft graute der Morgen schon, wenn er sich zu Bett begab. Sein Interesse fürs Geschäft schwand dadurch immer mehr. Nicht daß ihm die Arbeit keine Freude mehr machte, aber er war oft müde und verträumt und so suchte er sich eine Beschäftigung, die weniger Aufmerksamkeit erforderte. Er registrierte das Kopierbuch und ordnete die eingelaufenen Briese. Dabei konnte er auch an andere Dinge denken. „Was hat diese Arbeit für einen Zweck?" fragte er sich oft. Was lernte er dabei und wem nütze er damit? Er schleppte Warenstücke aus einem Zimmer ins andere und schrieb Zahlen auf Papier. . . . Wie viele Stunden und Tage mutzte er so für sich ungenützt Vorbeigehen lassen? Doch das konnte nicht sein Lebensziel sein! Wie wenig patzte er zu den anderen Angestellten! Für sie hatte dieses Leben einen Sinn. In der freien Zeit sprachen sie von Unterhaltungen, während er still und in sich gekehrt war. Sie grübelten nicht und das Leben gab ihnen keine Rätsel auf. Es gab sechs Werktage und am siebenten Tage konnten sie ihren Passionen nachgehen. — Warum war er so anders, jo andecs? Soweit es ging, machte Dawid sich jetzt autzerhalb des Geschäftes zu tun, indem er das Einkassieren von Wechseln und Schecks bei Kunden und Bankhäusern besorgte. In der Postsparkasse hatte er mehr als eine halbe Stunde auf das Auszahlen des Geldes zu warten und diese Zeit mutzte mit Leben ausgefüllt werden. Um ihn herrschte ein reges Treiben. Bankdiener und Praktikanten gingen aus und ein. Geldsäcke und Banknotenpäckchen wurden gebracht und fortgeschafft und von den Schaltern hörte man den Hellen Klang der Silbermünzen. Doch Dawid satz in einem Winkel und hatte nur Sinn für die Lektüre — bis seine Nummer gerufen wurde. Wenn das Geschäft geschlossen wurde, ging Dawid in die Universitätsbibliothek, wo er noch einige Stunden bei den Büchern sitzen konnte. Zuweilen besuchte er das Cafe Börse in der Wipplingerstratze. Dort verkehrten Studenten und Handlungsgehilfen und Dawid konnte sicher sein. Bekannte aus dem Verein zu treffen. Mitunter leistete ihm Markus Gesellschaft. Im Kaffeehaus fühlte sich Dawid am wohlsten. Die Zeitungen und die Menschen zerstreuten jhn. Markus behauptete, datz Dawid im Cafe einen ganz eigenen Gesichtsausdruck hatte. Dawid las die Tageszeitungen und Revuen. Hatte er bisnun die Leitartikel und politischen Glossen verfolgt, so widmete er sich jetzt mit demselben Eifer der Lektüre von Kunstnotizen und literarischen Artikeln, die er im Feuilletonteil der grotzen Blätter fand. An manchen Abenden ging er zu Taubeles hin. Sein Besuch galt eigentlich Fanni, denn die Alten kümmerten sich gar nicht um ihn. Oft setzte sich Fanni mit einer Näharbeit zu ihm und sie plauderten. Da konnte Dawid alle Sorgen vergessen. Aber wenn sie allein blieben, machte sich Fanni immer etwas im Zimmer zu schaffen, um ihn nicht ansehen zu müssen. Es war. als fürchtete sie sich mit ihm allein zu sein. Endlich hatte Dawid sein Theaterstück vollendet. Er reichte es dem Volkstheater ein und die erste Zeit wartete er mit Ungeduld. Doch als Tag um Tag verging und Wochen zu Monaten wurden, ohne datz er einen Bescheid erhielt, gewöhnte er sich daran, es kühler zu betrachten. Und so kam er zur traurigen Erkenntnis, datz es noch aller Kräfte seines Lebens bedürfen wird, um den erträumten und heitz ersehnten Erfolg zu erringen. VII. Nathan Wiejettier und der Diskussionsklub in Nachtigatts ..Frühstückszimmer". Nathan Wieseltier war aus einer kleinen galizischen Stadt nach Wien gekommen. In seiner Heimat zählte man ihn zu den „Aufgeklärten", denn er konnte eine Zeitung lesen und wußte, was draußen in der Welt vorging. Er hatte vorzeitig die Ieschiva verlassen und ernährte sich durch Erteilung hebräischer Unterrichtsstunden — bis er in sich d as Talent zum Politiker entdeckte. i Es war um die Zeit, als der Zionismus die Herzen der jungen Juden für sich eroberte. ... Es war wie ein Schrei, der lange in der Luft gelegen und der nun allrn in den Ohren gellte. Die Tradition war tot - aber Israel lebte noch! - Zeitungsnachrichten über die jüdischnationale Bewegung waren bis ins Städtchen gedrungen und die jungen Leute waren voll Begeisterung für den neuen Gedanken. Die Sehnsucht füllte ihre Herzen und sw warteten auf Erfüllung. . . . Und es war wie ein Erwachen und Aufsichselbstbesinnen. Man sprach von de. Heimat des alten Volkes! Wieseltier war im Städtchen einer der Ersten, die an die Gründung eines zionistischen Vereines dachten. Ec agitierte im Bethause und auf der Straße und setzte sich dem Hatz der Chassidim aus, für die das Ende des Golus auf einen bestimmten Termin festgesetzt ist, den man nicht beschleunigen dürfe. Als der Verein endlich ins Leben

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