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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-01-14 · 2 (14.1.1910) · page 19

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
2 (14.1.1910)
Date
1910-01-14
Page
– (sequence 19)
Language
German
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" Nr. 2 Dr. Blochs Wochenschrift. Teile 39 Kircheneifrigen zeigen sich am wenigsten hiefür disponiert. Allein nicht die ethischen Prinzipien, sondern die dogmatischenGrundsätze, die Dreieinigkeit, die Menschwerdung Gottes, die Erbsünde, der Sühnetod Jesu bilden Wesen und Inhalt, Charakter und Merkmal des Christentums jeder Konfession, und derjenige, dem diese Lehrsätze als Wahrheiten nicht einleuchten und der sie desienungeachtet feierlich bei dem Uebertritt und durch den Uebertritt vor dem Priester bekennt begeht einen Meineid. Sie schreiben: „Ueber die entsetzliche Rede des Abgeordneten Myslivec und die fast unglaubliche Tatsache, daß Dr. Pattai dazu applaudiert, will ich nicht viel sagen, denn mit der Dummheit kämpfen Götter selbst vergebens, wieviel mehr, wenn dieselbe mit Bosheit gepaart ist. Sie mögen wohl entrüstet sein, wenn so ekelhafte Seifenblasen von Zeit zu Zeit aufsteigen, aber glauben Sie mir, wenn Sie wüßten, wie tief der Antisemitismus in den allermeisten Christen wurzelt, wenn Sie wüßten, welcher Haß, welche verächtliche Gesinnungen in den Gemütern der meisten Christen wohnen, so würden sie niemals in Verwunderung geraten, wenn plötzlich derartige Dinge zum Vorschein kommen, wie in der Rede dieses albernen Myslivec." Ist das eine Unterstützung Ihrer Gedankengänge? Der Jude, welcher den Uebertritt vollzieht, muß damit auch rechnen, daß seine Kinder und Enkel einst die Schar der sittlich verwilderten und verkommenen Judenhetzer vermehren werden; ich aber wünsche nach den Lehren der Rabbinen, meine Enkel und Urenkel lieber im Kreise der Verfolgten als in dem der Verfolger zu sehen, lieber als Märtyrer, denn als Würger und Mörder. „Die wahre Erlösung vom Antisemitismus" durch den Uebertritt zum Protestantismus hat vor 25 Jahren ein Täufling, Benno Kerry, der später in Straßburg als junger Professor einen frühzeitigen Tod fand, in einer vielgelesenen Flugschrift eindringlich gepredigt. Seitdem hat ein österreichischer Erzbischof das geistliche Oberhirtenamt zurücklegen müssen, weil er „Kohn" hieß und in den Straßen Berlins wurde der gelehrte protestantische Prediger Dr. Paulus (Selig) Cassel vom antisemitischen Janhagel verhöhnt. Gnädige Frau! Der messianische Gedanke des Judentums verkündet die Idee des ewigen Fortschrittes der Menschheit. Wir glauben an diesen Fortschritt und schon durch unsere Existenz dienen wir ihm. Seit dem Anfang der Geschichte bis auf den heutigen Tag waren es vor allem die gedrückten Volksgruppen und verfolgten Raffen, aus deren Schooße die Ideen des Fortschrittes geboren wurden und Apostel und Vorkämpfer des Fortschritts hervorgingen. Wenn unsere Väter zur Zeit des Antiochus Epiphanes uach Ihren Ratschlägen, gnädige Frau — so klug und praktisch diese scheinen mögen — gehandelt hätten, und wären die alten Juden zur Zeit der Makkabäer ähnlichen Erwägungen zugänglich gewesen, so hätte das Judentum bald ein Ende gefunden und Sie, gnädige Frau, wären heute keine Christin, keine Protestantin, denn es hätte dann ein Christentum überhaupt nicht gegeben. Worüber Sie sich verwundern mögen, das hat schon das Staunen und die Verwunderung der alten Völker erregt, daß die Jude» Haß und Hohn, Schimpf und Demütigung, Druck und Verfolgung mit granitener Seele ertragen, ja daß sie sich zur Schlachtbank und zum Scheiterhaufen schleifen lassen — um einer Idee willen! Den Römern und den. Griechen war das alles unverständlich. Bei dem Philosophen Lotze findet sich das treffende Wort: „Dem Altertum schienen die Hebräer die Träumer zu sein unter Wachenden und sie waren die einzig Nüchtern unter Trunkenen." L. in F. Dem Bürgermeister von Rom. Nathan, dem die nicht gerade leichte Aufgabe zugefallen ist, an der Spitze eines radikalsozialistischen Gemeinderais die Interessen der „ewigen Stadt" sowohl dem weltlichen wie dem geistlichen Souverän gegenüber mit Takt und politischer Ueberzeugungstreue zu wahren, hat der. verflossene Ministerpräsident Giolitti noch am Vorabende seines Ausscheidens aus dem Amte das Großkreuz des allerchristlichsten Ordens der Heiligen Mauritius und Lazarus verliehen. — Die Weltgeschichte ist, wie man seht, zuweilen nicht ohne Humor. I W—r. Daß das „Deutsche Volksblatt" die Mikwah für einen Schulbau hält, kann uns nicht besonders entrüsten. Es dürfte manchem modernen Juden nicht anders ergehen. Josef Eisinger, Zistersdorf. Ueber jüdische Generäle und Oberste der österr.-ungar. Armee hat de „Oesterreichische Wochenschrift" wiederholt berichtet. K. F. Die rabbinische Parabel hat Leo Tolstoi von dem Rabbiner Gordon in Smargon. In seinem letzten, an den genan.iten Rabbiner gerichteten Brief vom 21. November schreibt Tolstoi: „Ich wäre Ihnen sehr verbunden, wenn Sie mir eine Auswahl von Talmudsprüchm übermitteln wollten. Nicht nur ich allein werde Ihnen dafür dankbar sein, sondern — was viel wichtiger ist — auch jene Millionen Leser, die durch eine billige Ausgabe in die Lage versetzt würden, die religiöse Weisheit der altjüdischen Volkslehrer kennen zu lernen". Auf verschiedene Anfragen. Es ist selbstverständlich, daß keine Redaktiou der Welt in der Lage ist, für den Inhalt der Inserate und Anzeigen eine Verantwortlichkeit zn übernehmen. Nur unsittliche Inserate, deren Lesen geeignet ist, Aergernis zu erregen, sind ausgeschlossen. _ Notiz Indisches Theater, „Hotel Stefanie", II., Taborstratze 12. Ab Freitag den 14. Jänner 1910: „D er Satan im Paradies', von I. Lateiner. Sonntag den 16. Jänner 1910. nachmittags halb 4 Uhr zu halben Preisen: „Der Deserteur" von I. Lateiner. Ab Montag den 17. Jänner 1910: „Der Skandal im Theater" von Rakow. Musik von Friedzel. Die Herren Studenten zahlen an Wochentagen die Hälfte. In Vorbereitung: „D a S lustige Werbt". Israelitische Kultusgemeinde Wien. Kundmaehung. In der Versorgungsanstalt der israelitischen Kultusgemeinde Wien. IX., Seegasse 9, ist an einen armen oder gebrechlichen und den im Organisationsstatute dieser Anstalt festgesetzten Bestimmungen entsprechenden Verwandten des am 18. Oktober 190/ in Wien verstorbenen Herrn Donat Tauszig ein Freiplatz, event. an Stelle des Freiplatzes ein Jahresbetrag per K 320 bis auf weiteres zu verleihen. Als Verwandte des Herrn Donat Tauszig sind in Hinsicht auf diesen Freiplatz diejenigen Personen anzusehen, welche nicht über den 6. Grad hinaus mit dem genannten Erblasser verwandt sind. Bewerber um diesen Freiplatz, bezw. um den ausgeschriebenen Jahresbetrag haben ihre mit den erforderlichen Beilagen belegten Gesuche bis ,z. 1910 im Einreichungsprotokolle der israelitischen Kultusgemeinde Wien, I., Seitenstettengasse 4, II. Stock, während der Amtsstunden zwischen 9 und 12 Uhr vormittags zu überreichen. Sachdienliche Auskünfte werden im Stiftungsamte der Israel. Kultusgemeinde Wien, I, Seitenstettengasse 2, II. Stock, während der Amtsstunden erteilt. Wien, 15. Jänner 1910. Der Vorstand der isr. Kultusgemeinde Wien. Israelitische Kultusgemeinde Wien. Kundmaehung- Im Sinne der Bestimmungen betreffend den von Herrn Donat Tauszig s. A. im Spitale der israelitischen Kultusgemeinde in Wien begründeten Bettplatzes hat auf diesen, beziehungsweise im Falle des Platzmangels auf den Betrag von täglich einer Krone in erster Linie ein um die Aufnahme daselbst ansuchender armer, mit dem obgenannten Stifter verwandter Kranker ohne Unterschied der Konfession Anspruch, vorausgesetzt, dass er den für dieses Spital geltenden Anordnungen entspricht. Als Verwandte des Herrn Donat Tauszig sind in Hinsicht auf diesen Bettplatz Personen anzusehen, welche mit demselben nicht über den 6. Grad der Seitenverwandtschaft hinaus — von dem Erblassar an gerechnet — verwandt sind. Unter mehreren Verwandten entscheidet der nähere Grad, unter gleich nahen Verwandten die Abstammung von väterlicher Seite des Erblassers. Bewerber um diesen Freiplatz, beziehungsweise um den angegebenen Geldbezug haben ihre mit den erforderlichen Beilagen versehenen Gesuche bis inm 15. Marz 1910 im Einreichungsprotokolle der israelitischen Kultusgemeinde Wien, I. , Seitenstettengasse 4, II. Stock, während der Amtsstunden zwischen 9 und 12 Uhr vormittags zu überreichen. Sachdienliche Auskünfte werden im Stiftungsamte der israel. Kultusgemeinde Wien, I., Seitenstettengasse 2, II. Stock, während der Amtsstunden erteilt. Wien. 15. Jänner 19 0. Der Vorstand der isr. Kultusgemeinde Wien. Sofie Barasch Wltwenstiftung. Anzahl der Plätze: Unbestimmt in dem Mindestbetrage von K 100.—, zusammen K 995.—. — Bewerbungsberechtigt sind in Wien wohnhafte unierstüczungswürdige Witwen israelitischer Konfession. — Gesuchsbeilagen: Geburtsschein, Trauungszeugnis, Totenschein des Gatten, Armutszeugnis. — Letzter Tag der Einreichungsfrist: 31. Jänner 1910. — Einreichstelle: I., Seitenstettengasse4, II. Stock (Einreichungsprotokoll). — Auszahluifgstag: 17. April 1910. — Näheres in den von der Einreichstelle unentgeltlich erhältlichen Gesuchsbögen. Wien, 1. Jänner 1910. Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Wien. IliHiCPhor ßolQhrtor erteilt Unterr. in Bibel, Talmud und UUUItfullul Uvlullliul hehr. Grammatik. Derselbe empfiehlt sich auch, gestützt auf Referenzen von hervorragenden Autoritäten, jenen p. t. Vereinen, in denen Wissenschaft des Judentums gepflegt wird, als Vortragender. Abraham Landmann, II., Grosse Schiftgasse la.

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