Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 2 (14.1.1910)
- Date
- 1910-01-14
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3020846-3021873-3021876--18960-3043916- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Dr. Vlochs Wochenschrift. Nr. S f - i i-' v -v SeUe 32 wir die Fahne hissen, die mit goldenen Lettern die Inschrift trage: „Heilig ist der Herr der Heerscharen, erfüllt die ganze Welt von seiner Herrlichkeit." Den Ausführungen des Vortragenden folgte stürmischer, langanhaltender Beifall. An den Vortrag knüpfte sich eine sehr anregende Diskussion, an welcher sich die Herren: Prof.Dr.Weih, Rabbiner Dr. Rosenmann, Redakteur Jäger, Dr. Lifczics, Dr. Löhner, Gottlieb Vettelheim, Rabbiner Dr. Feuchtwang, und Dr. Schönwald beteiligten. Mit herzlichen Dankesworten an den Vortragenden und die Redner schloß der Vorsitzende, kaiserlicher Rat Anninger, in vorgerückter Stunde die Versammlung. Zur Taufbewegung (E i n g e s e n d e t) hat Herr S. Brod, Präsident des jüdischen Gewerbevereines, im Verein Oesterr^-Jsr. Union, am 8. M. drei Zaubermittel angegeben, die imstande wären, den Taufen einen Damm zu setzen. Seine rhetorische Begabung und volkstümliche Art hat es vermocht, einen enthuasiastischen Beifall hervorzurufen, allein, diese drei Zaubermittel, bei Licht besehen, versagten ihre Kraft. Ich gestatte mir, kurz diese Mittel zu nennen und dieselben ebenso kurz im Anschlüsse zu beleuchten: a) Konfessionelle Schulen in Wien. b) Virilstimme in den gesetzgebenden Körperschaften und c) Einberufung von Synoden, die die Reformierung der Religionsbücher usw. zu beschließen hätten. a) Konfessionelle Schulen! Woher das Geld nehmen? — Wohl liegt in dieser Idee ein idealer Kern: es ist nicht zu leugnen, daß in einer solchen Schule die jüdischen Kinder ihre Geistesheroen besser kennen lernen werden, in das kindliche Gemüt drücken sich mit unauslöschlicher Farbe die mit Wärme erzählten Heldentaten der Vorfahren ab, wodurch sie dann später gegen widrige Schicksale gleichfalls zu kämpfen vermögen. Allein, die Schattenseiten der konfessionellen Schulen sind derart, daß sie diese hervorgehobenen Lichtseiten decken. Wozu die Gegensätze verschärfen? — Soll nicht das Bestreben aller Erzieher dahin gerichtet sein, daß dem Kinde das zukünftige Zusammenleben schon bei Zeiten gelehrt wird — auch das „Saujud" mit der Antwort der schallenden Ohrfeige muß und soll seine erziehende Kraft ausüben. b) Virilstimme! Insolange wir in Oesterreich keine politisch-nationale Partei bilden, hat ein solcher Schlag in die Luft keinen praktischen Wert. — Zur Abwehr von Ausfällen geistesperverser Individuen genügt eine mutige Feder in einem weit verbreiteten Tagblatte. c) Synode! Diese Idee ist die einzige, die mich und so viele Gleichgesinnte seit Jahren beschäftigt, allein Mi womi haliolcliim. wer ist in der Jetztzeit diese große starke Persönlichkeit, die von allen Juden, ohne Unterschied der Kultschattierungen, anerkannt wird, die Einberufungen von Synoden mit beschließender Kraft zu veranlassen und zu leiten imstande wäre, und mit welchen Zugmitteln könnte sie das Beschlossene zur Geltung bringen? Ich gestatte mir, zum gegebenen Beispiele des Herrn Brod zu greifen, zum alten Familienschmuck, der pietätvoll bewahrt werden soll, selbst das Etui! Ich sage, daß diese Gattung von Menschen, die auch das Etui achten, nicht einmal den Staub des Etuis wollen wegwischen lassen. Ich gehe daher weiter und sage: basMekadeiscli Israel wekasmanim zeigt uns, dich auch unsere Zeit, in der wir leben, geheiligt ist und daß wir verpflichtet sind, nicht nur den Staub vom alten Familienschmucke zu wischen, sondern auch, wenn es sein muß, den ganzen Schmuck umzufassen, damit die Brillanten plastisch zum Vorschein kommen. Damit seine leuchtende Kraft und herrlichen Strahlen in das erkaltete Herz der Juden dringen, so daß ein Meer von Taufwasser nicht imstande sein soll, die Liebe zum Judentum ßü verlöschen. I. S. Stbg. Kultusvorsteher Emil Horner gestorben. Eine Persönlichkeit, die in der Organisation der Wiener Humanitätsfürsorge und im Wiener jüdischen Gemeindeleben eine. bedeutende Rolle spielte, der Prokurist des Bankhauses S. M. v. Rothschild, Emil Horner, der dessen Wohltätigkeitsagenden führte, ist Dienstag um halb 10 Uhr abends im 55. Jahre an Herzschlag plötzlich gestorben. Emil Horner, ein Mann von außerordentlicher Liebenswürdigkeit, ein geborner Wiener, war der Sohn eines Kaufmannes, der reichen Kindersegen hatte. Schon als Schulknabe zeichnete sich Horner durch besonderen Fleiß und glänzenden Studienfortgang aus. Nach Absolvierung der Handelsakademie trat er im Alter von 18 Jahren als Volontär in das Bankhaus Rothschild ein, dem er seit dieser Zeit, also seit 37 Jahren, angehörte. Infolge seiner verdienstlichen Wirksamkeit und seiner Vertrauenswürdigkeit erregte er die Aufmerksamkeit des Chefs des Hanfes Rothschild und wurde Prokurist. Neben seinen dienstlichen Funktionen bekleidete er seit einer Reihe von Jahren den Posten eines Almoseniers des Bankhauses Rothschild. Emil Horner war Vorsteher der Kultusgemeinde, Vorsteher der Chewra'Kadischa, Präsident des Israel. Handwerkervereines, einer der Gründer des Kolonisationsvereines für Palästina. Vor allem war er der Vorstand des von Baron Albert Rothschild ins Leben gerufenen Philanthropischen Vereines und er ging in der menschenfreundlichen Tätigkeit, die ihm Beruf' geworden war, völlig auf. Täglich waren ihm Hunderte von Bittgesuchen Vorgelegen, und man kann sagen, daß er auch nicht eines ohne eingehende gewissenhafte Prüfung erledigt und, was berücksichtigenswert war, auch berücksichtigt hätte. In den meisten' Fällen war es Horner überlassen, zu bestimmen,' welche Spenden und in welcher Höhe sie erteilt werden sollten. Für seine Verdienste auf humanitärem Gebiete wurde er vor einigen Jahren vom Kaiser durch Verleihung des Franz Joseph-Ordens ausgezeichnet. In den letzten Jahren, nach dem Tode des Baron Nathaniel Rothschild, leitete er mit Umsicht und Eifer die Vorarbeiten der Stiftung für Nervenkranke, für welche der verstorbene Baron Nathaniel Rothschild bekanntlich einen Betrag von zwanzig Millionen Kronen testierte. Emil Horner hinterläßt eine Witwe und mehrere Kinder. Generalversammlung des „Oesterr. Seehospiz". Im Sitzungssaale der israelitischen Kultusgemeinde Wien, fand Montag den 3. Jänner d. I. die II. ordentliche Generalversammlung des Vereines „Oesterr. Seehospiz" statt. Nebst zahlreichen Gönnern und Mitgliedern des Vereines hatten sich zu derselben eingefunden: In Vertretung der Wiener israel. Kultusgemeinde Vorsteher Max Frank mit dem ersten Sekretär kais. Rat Dr. Theodor Lieben, der Delegierte der k. k. Polizeidirektion Oberkommissär Pichler, Gemeinderabbiner Dr. M. Rose nm a n n, Religionsschulinspektor Professor K a n i tz, die Präsidenten des Ausspeisungsvereines für den Xll.—XV. Bezirk, Frau Regine L a n d e i s, der Leiter des Wohltätigkeitsamtes der israel. Kultusgemeinde Rudolf Kraus, Klaviervirtuose R o d e r i ch Baß u. v. a. Die Vorsitzende, I. Vizepräsidentin Frau Sofie G r ü uf e l d, begrüßt die Erschienenen, konstatiert die Beschlußfähigkeit der Versammlung und läßt die an den Verein gelangte Mitteilung Sr. Exzellenz des Herrn Ministers des Innern zur Kenntnis der Versammlung bringen, wonach auf Grund Allerhöchster Ermächtigung Seiner k. u. k. apost. Majestät die Bewilligung erteilt wurde, daß das aus Anlaß des 60-jährigen Regierungsjubiläums zur Errichtung gelangende Seehospiz die Bezeichnung „Oesterr. Kaiser Franz Joseph-Jubiläums-See- :j