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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-01-14 · 2 (14.1.1910) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
2 (14.1.1910)
Date
1910-01-14
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 2 Dr. Vlochs Wochenschrift. Seite 33 Hospiz" führen dürfe. Hierauf widmet die Vorsitzende den im abgelaufenen Jahre dahingeschiedenen Kuratoriumsmitgliedern Herrn Wilhelm Freyberg und Herrn Redakteur Friedrich Herrnfeld tiefempfundene Worte des Gedenkens, welche von der Versammlung stehend angehört wurden. Herr Wilhelm Freyberg hat dieser Institution sein regstes Interesse gewidmet und sein sehnlichster Wunsch w^r es, die Errichtung eines eigenen Heimes für das Seehospiz zu erleben. Dieser Herzenswunsch ging ihm nicht in Erfüllung. Kurz vor seinem Hinscheiden hat er jedoch in seiner letzten Willensäußerung verfügt, daß für das zu errichtende Seehospiz aus dem Nachlasse ein Betrag von 5000 Kronen flüssig gemacht werde. Redakteur Friedrich Herrnfeld war für die Institution von edler Begeisterung erfüllt und hat keine Mühe gescheut, der guten Sache zu nützen. Aus dem Spendenverzeichnisse, das in den nächsten Tagen mit dem Tätigkeitsberichte an die Mitglieder versendet wird, brachte die Vorsitzende die großherzige Schenkung des Herrn Albert Freiherrn von Rothschild zur Kenntnis der Versammlung, die in einem Betrage von 30.0f 0 Kronen dem Vereine zugesprochen wurde. Mit lebhaftem Inter, sse nahm die Versammlung die Mitteilung entgegen, daß die Delegierten der Staatsbehörden im Kuratorium und zwar die Herren Hofrat Dr. Sigismund Pilatals Vertreter des Ministerium für Kultus und Unterricht, Statthaltereirat Dr. A u g u st N e t o l i tz k y für die niederösterr. Statthalterei und Oberkommissär Viktor Pichler für die k. k. Polizeidirektion an den Sitzungen und Beratungen des Kuratoriums eifrigen Anteil genommen und nach besten Kräften die Institution gefördert haben, daß des ferneren der Herr Regierungskommissär für Grado Graf D a n d i n i, der Präses der Kurkommission daselbst, Statthaltereisekretär von Gasser und Badedirektor Pflanzer die Kolonie, welche seitens des Vereines in Grado erhalten wird, in wohlwollendster Weise förderten. So wurden im abgelaufenen Jahre von den letztgenannten Herren am Badestrande in Grado zwei eigene Zelte und die unentgeltliche Badebenützung den Schützlingen zur Verfügung gestellt. Dankbarst gedachte die Vorsitzende der Tätigkeit des Damenkomitees, welches durch die Veranstaltung von Damenjours dem Vereine ein Erträgnis von 5000 Kronen zugeführt hat. Mit lebhafter Befriedigung und in dankbarer Anerkennung wurde die Mitteilung ausgenommen, daß in Trieft ein Komitee dank der Bemühungen der Herren Komm, von R i ch e t t i i, Sekretär Dr. Julius Graf und Rabbiner Professor Dr. Brettholz durch wirksame Aktionen dem Vereine 12.000 Kronen in der Berichtsperiode zugeführt hat. Ebenso findet die Bereitwilligkeit, mit welcher die Zeitungsredaktionen die V^reinsbestrebungen fördern, den Dank der Versammlung. Die Vorsitzende wies nun darauf hin, daß vor eineinhalb Jahren aus dem Schoße des Vereines „Ferienheim" der Verein „Oesterr. Seehospiz" erstanden sei. Die vorbereitenden Schritte, die das Ferienheim zur Vereinsgründung unternommen hatte, waren von solchem Erfolge, daß der neugegründeten Institution ein Betrag von 100.000 Kronen zur Verfügung stand. Seither hat sich das Vereinsvermögen auf 168.000 Kronen erhöht, wobei die Ausgaben für die Kolonie Grado, welche im Jahre 1908 mit 30 Schützlingen und im Jahre 1909 mit 50 Schützlingen belegt war, bereits in Abrechnung gebracht find. Das Kuratoriumsmitglied Frau Adele Zins hatte es übernommen, für die 80 entsendeten Schützlinge vollständige und zweckentsprechende Bekleidung durch Naturalspenden von Gönnern aufzubringen, so daß sich die Schützlinge in dem fashionablen Kurorte auch nett adjustiert zeigen konnten. Hieraus ergriff drr Vertreter der israel. Kultusgemeinde Herr Max Frank das Wort, um namens des Kultusvorstandes der Bewunderung und Anerkennung, für die imposanten Leistungen Ausdruck zu geben, auf welche dieser Verein bei seinem kurzen Bestände Hinweisen kann. Es sei dies insbesondere der unermüdlichen Schaffenskraft und Tüchtigkeit der Frau Sofie Grünfeld zu danken. Das Judentum könne mit Stolz auf jene Persönlichkeiten blicken, die mit so regem Eifer und so schönen Resultaten edle Bestrebungen erdenken und verwirklichen können. Redner versichert die Vereinsleitung und insbesondere die Vorsitzende, daß dem Vereine die Anerkennung und das Wohlwollen des Kultusvorstandes in hohem Maße zuteil werden. Den Vorsitz übernimmt nun der II. Vizepräsident Herr Generaldirektor Philipp Porges, der daraus hinweist, daß die Männer im Kuratorium der guten Sache wohl mit gutem Rate beistehen können, daß aber die eigentliche werbende und ausführende Tätigkeit den Frauen und insbesondere aber der Vizepräfidentin Frau Sofie Grünfeld zufällt. Der Schriftführer Herr kais. Rat Lichtenstadt bringt einen ausfiihrbchen und interessanten Tätigkeitsbericht zum Vortrage, dessen Drucklegung und Versendung an die Mitglieder beschloffen wurde. Den Kassebericht erstattet der Kassler Herr Benno Kahane und der Revisor Herr Karl Freund berichtet namens des Revisionskomitees über die ordnungsmäßige Führung der Bücher und die Gebarung. Nach Erteilung des Absolutoriums wurden Ergänzungswah'en in den Zentralausschuß vorgenommen. Wiederberufen erscheinen die Revisoren Karl Freund, Ingenieur Adolf Schwadron und Hof- und Gerichisadvokat Dr. Ludwig Sachs, ferner als Ersatzrevisoren die Herren kais. Rat N. Schefflet, Baumeister Edmund Melcher und Moriz Graf. Als Mitglieder des Zentralausschuft ses die Herren Dr Sigmund Ehrlich, Ernst Simon und Dr. I. Lamberger. Vizepräfidentin Frau Sofie Grünfeld widmete dem Sekretär der Institution Herrn Guido Fuchsgelb für die uneigennützige Versetzung der administrativen Agenden den Dank der Vereinsleitung. Mit herzlichen Dankesworten an alle Anwesenden, die mit reger Teilnahme den Verhandlungen gefolgt find, schloß der II. Vizepräsident Herr Generaldirektor Porges die überaus würdig verlaufene Versammlung. Installierung eines jüdischen Bürgermeisters. Aus Satoraljaujhely (Ungarn) schreibt man uns vom 5. d. M.: Wie gemeldet, wurde hier vor kurzem -er hiesige angesehene Advokat Dr. Salomon Reichard nach heftigem Wahlkampfe mit einer Majorität von fünf Stimmen zum Bürgermeister gewählt. In der heute nachmittag stattgehabien Sitzung der Stadtrepräsentanz fand nun in feierlicher Weise die Eidesablrgung >des neugewählten Bürgermeisters statt: von den 62 christlichen Mitgliedern der Repräsentanz waren nicht mehr als elf erschienen, während die 70 jüdischen Repräsentanten sich beinahe vollzählig eingefunden hatten. Nach der Eröffnungsrede des Vizegespans Julius Dokus legte der Bürgermeister den Eid ab und entwickelte in schöner Rede sein Programm. Nun begrüßte Reichslagsabgeordneter Dr. Barnabas Buza in längerer Rede namens der Repräsentanz den neuen Bürgermeister, worauf schließlich Vizegespan Dokus noch einige herzliche Worte sprach, wobei er betonte, daß er Dr. Reichard, den er hochschätze. schon in seinem Knabenalter liebgewonnen habe. Berlin. (Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums). Unter dem Vorsitz des Professors Dr. Philippson fand in der vergangenen Woche die Generalversammulng der Gesellschaft zur Förderung des Judentums statt. Nach dem Jahresbericht ist dir Mitgliederzahl von 1105 auf 1209, also um 104 Mitglieder gewachsen, außerdem stieg die Zahl der immerwährenden Mitglieder von 27 auf 31. Die Einnahmen betrugen 28,626 Mk.. die Ausgaben 30,295 Mk., was ein Defizit von 1669 Mark ergibt. Außer der „Monatsschrift für die Geschichte und Wissenschaft des Judentums", sowie dem „Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur" hat die Gesellschaft eine R-al" anderer wertvoller Schriften herausgegeben. Auch find wiederum eine Anzahl Subventionen bewilligt worden.

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