Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 2 (14.1.1910)
- Date
- 1910-01-14
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2 Dr. Blochs Wochenschrift. Tetti. 29 Aus dem jährlich erscheinenden Rechnungsabschlüsse ist zu entnehmen, daß. alljährlich ein Betrag von über K 600.000 seitens der Gemeinde wohltätigen Zwecken zugeführt wird. Rechnet man hiezu die Erträgnisse der Stiftungen, so ergibt sich, was für wohltätige Zwecke geschieht, und es ist angesichts der großen Notlage unter unseren Glaubensgenossen unbedingt notwendig, daß nach dieser Richtung hin das Möglichste geleistet werde. Und es soll auch in Zukunft unser Bestreben sein, nach dieser Richtung hin das Möglichste zu leisten. Dies darf aber nicht veranlassen, jene allerwichtigsten Agenden, welche einer Kultusgemeinde obliegen, zu veruachlässigen oder zu beeinträchtigen; es muß vielmehr mit allem Nachdruck darauf gesehen werden, daß zu allererst die religiösen Institutionen der Gemeinde, Gottesdienst und Schule, gestärkt und aufrecht krhalten werden und daß auch den rituellen Anforderungen Genüge geleistet Werve. In diesem Sinne sind wir gerade in der letzten Zeit in größerem Maße tätig gewesen, in diesem Sinne werden wir auch in Hinkunft zur Stärkung und Aufrechterhaltung der Einheit der Gemeinde uns betätigen und wird es Aufgabe des Präsidenten sein, dem Vorstand die entsprechenden Vorlagen zu unterbreiten. — Der Präsident schließt seine Ausführungen mit dem erneuerten herzlichen Danke für das ihm entgegengebrachte Vertrauen. (Lebh. Beifall.) Zum ersten Vizepräsidenten wird mit gleicher, an Einstimmigkeit grenzender Majorität Herr Dr. Gustav K o h n gewählt. Derselbe dankt für den erneuerten Beweis des Vertrauens. Er erachtet es nicht für notwendig, irn Hinblick auf seine 25jährige Wirksamkeit im Vorstandskollegium erst eine Programmrede zu halten; er werde sich bemühen, dem verehrten Präsidenten, wenn es erforderlich sein sollte, nach Kräften zu unterstützen. (Lebh. Beifall.) Zum zweiten Vizepräsidenten wurde mit 14 Stimmen Majorität Herr Hofrat Dr. Benjamin Rapaport gewählt. In der Minorität blieb mit 9 Stimmen Kultusvertreter Max Frank. Hofrat Rapaport: Ich danke Ihnen, meine geehrten Herren, für die durch Ihre Wahl mir gewordene Auszeichnung. Diese Auszeichnung weiß ich umso mehr zu schätzen, als ich mich nicht in die weiße Toga gehüllt habe, und als ich mir bewußt bin, nicht im glücklichen Besitze des echten Ringes zu sein, von dem Nathan dem Salatin sagt, daß dem Besitzer desselben die Macht innewohne, sich bei Jedermann beliebt zu machen. Ein besonderes Programm zu entwickeln, kann ich mir wohl erlassen, da Sie meine Ansichten und meine bisherige Tätigkeit zu kennen in der Lage find und ich in der Zukunft im gleichen Sinne zu wirken bestrebt sein werde. Wenn Ihre Wahl trotz meiner Fehler auf mich gefallen ist, so erblicke ich darin ein Zeugnis, daß ich auch über manche Eigenschaften verfüge, von denen Sie sich eine ersprießliche Tätigkeit in der Gemeinde erhoffen, und diese Hoffnung zu erfüllen, soll mein stetes Bestreben sein. (Lebhafter Beifall.) Ins Vertreterkollegium wurden gewählt: Salo Cohn, Max Frank, Dr. Leopold K o h n, Wilhelm K u f f n e r. Professor Dr. Josef P o l l a k, kais. Rat Sachs, Dr. Markus Spitzer, Dr. Maximilian Steiner. Dr. Markus Spitzer spricht im eigenen Namen und im Namen der Kollegen Professor Dr. Josef P o l l a k und kais. Rat Sachs den Dank für die Wahl aus und versichert, daß es sein und seiner Kollegen Bemühen sein wird, innerhalb des Vertreterkollegiums in echt jüdischem Geiste zu wirken, entsprechend dem Ansehen und der Würde der Wiener jüdischen Großgemeinde. Nachdem sodann noch die Wahlen in die Kommiffionen und Komitees vollzogen waren, gelangt folgende Zuschrift zur Verlesung: Der Bethausvorstand für die Bezirke I und II ersucht um-Zustimmung zu seinem in der Sitzung vom 27. November 1909 einstimmig gefaßten Beschlüsse, demzufolge die Herren Freund Karl, II., Praterstraße 54; K o h n Theodor, IX., Seegaffe 8; Lemberger Karl, II., Stephaniestraße 1; Münz Elias, Dr., IV., Belvederegaffe 5; Sab orsky Albert, kais. Rat, II., Kaiser Josefsstraße 40; Sachs Leopold, kais. Rat, I., Augustinerstraße 4; Winterberz Albert, I., Biberstraße 14, zu Mitgliedern des Belhausvorstandes in Vorschlag gebracht werden. Da sich Niemand zum Worte meldet, bringt der Präsident den Antrag zur Abstimmung. Die genannten Herren wurden gemäß dem Vorschläge einstimmig zu Bethausvorstehern gewählt. Der Präsident erklärt hierauf die öffentliche Sitzung für geschlossen. _ Aus der Plenarsitzung des israelitischen Kultus Vorstandes vom 9. Jänner 1910 unter dem Borsitze des Präsidenten Dr. Alsred Stern. Das Vertreterkollegium beantragt, für das Jahr 1910 die Post für periodische Unterstützungen iMonats- und Quartalsgaben) gegen das Präliminare per 64.000 Kronen um 1788 Kronen zu erhöhen. Der Gesamtbetrag per 65.788 Kronen ist auf 519 Parteien in Einzelbeträgen von 6 Kronen bis 30 Kronen aufzuteilen. Von den eingelangten 117 Gesuchen um Neubewilligung von periodischen Unterstützungen mutzten trotz der soeben beantragten Erhöhung des Gesamtbetrages mit Rücksicht auf die Unzulänglichkeit der vorhandenen Mittel eine grötzere Anzahl Parteien abgewiesen werden. Der Antrag des Vertreterkollegiums wird angenommen. Kaiserin Elisabeth Krankenpflegerinnen-Institut. Vertreter Hofrat Dr. Rappaport referiert über diese Angelegenheit und beantragt namens des Verireterkollegiums, dem Ansuchen des Vereines zur Gründung und Erhaltung des Kaiserin Elisabeth-Institutes für israelitische Krankenpflegerinnen um Subventionierung des Institutes für das Jahr 1910 dahin zu entsprechen, datz dem Vereine eine Subvention nach Matzgabe des tatsächlichen Erfordernisses jedoch nur bis zum Höchstbetrage von 10.000 Kronen bewilligt werde. Nach einem früher gefatzten Plenarbeschlüsse sind zu dieser Subventionierung die Interessen per zirka 5000 Kronen der bei der Kultusgemeinde für Zwecke des Pflegerinneninstitutes erliegenden Spenden heranzuziehen. Aus einem Berichte des Institutes geht hervor, datz die Zahl der Anfragen und Anmeldungen um Aufnahme in die Pflegerinnenschule eine erfreuliche ist und datz die Anfragen namentlich aus Kreisen kommen, die in der Lage sind, ein genügend intelligentes und geeignetes Schülermaterial zu liefern. Derzeit verfügt das Institut bereits über fünf vollständig ausgebildete und geprüfte Schwestern, von denen drei selbständig den Dienst in einem Krankensaale der gynäkologischen Abteilung des Spitales der israelitischen Kultusgemeinde zur vollsten Zufriedenheit des Abteilungsvorstandes versehen. Andererseits hat die Möglichkeit, intelligente, gut ausgebildete jüdische Krankenpflegerinnen zu erhalten, namentlich in Wien soviel Anklang gefunden, ^datz eine immer steigende Anfrage nach Uebergabe von Schwestern in die Privatpflege sich gellend macht. Diese Ansuchen mutzten aber bisher abgelehnt werden und erst in diesem Jahre wird dieser Frage näher getreten werden können. Der Antrag des Vertreterkollegiums wird sohin nach eingehender Debatte genehmigt. Nach Erledigung von Stiftungs- und Personal-Angelegenheiten wird die Sitzung um 1 Uhr mittags geschlossen. _ Zur Krisis in der zionistische» Parteileitung. (Russen gegen Deutsche.) Unter der Ueberschrift: „Nach dem Kongretz" schreibt das führende Organ der russischen Zionisten, „Heed Hasman." «. A.: