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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-01-14 · 2 (14.1.1910) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
2 (14.1.1910)
Date
1910-01-14
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Sette 28 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 2 ganda zu machen. Und das Elternhaus sträubt sich nicht dagegen. Erstens, weil Eltern nur ungern ihren Bindern eine Freude versagen und dann auch, weil in manchem Vater und in mancher Mutter durch solch uralte Bräuche Erinnerungen aus der eigenen Kindheit wachgerufen werden, Erinnerungen, in denen jeder, mögen ihn die Umstände noch so verhärtet haben, eines wohligen Gefühles sich bewußt wird. Doch solche Erinnerungen genügen nicht — man muß sie auch haben. Und wo sie nicht vorhanden sind, wo die Gleichgiltigkeit oder die Unwissenheit des Hauses nichts Positives zu leisten vermag, da muß eben in der Person des Religionslehrers ein Gegengewicht geschaffen werden. Der Religionsunterricht muß dem Kinde in der Religion Vater und Mutter ersetzen: er muß ihm deshalb auch die Religion Vorleben, und das kann er natürlich nur. wenn er selbst als überzeugter religiöser Jude lebt, dem die Religion nicht eine Wissenschaft ist, die als Disziplin pedantisch gelehrt werden muß, sondern ein Teil dessen, was man Gefühls- oder Innenleben nennt. Der unerschütterliche Glaube an Gott, Familiensinn, Eharaktersestigkeit, Zusammengehörigkeitsgefühl und die unversiegbare Hoffnung auf den endlichen Sieg der Gerechtigkeit sind die Grundelemente des Religionsunterrichtes und müssen konsequent, in allen Phasen seiner Entwicklung, der Jugend eingeprägt werden, bis sie deren Eigentum werden. Korrespondenzen Konstituierung des Kultusvorstaudes. In der am Donnerstag den 6. d. M. stattgehabten öffentlichen Plenarsttzung des Wiener Kultusvorstandes fand die Wahl des Prästdiums, des Vertreterkollegiums, sowie der ständigen und Spezialkommissionen statt. Der Präsident Herr Dr. Alfred Stern eröffnete die Sitzung und begrüßte zunächst den nach einer längeren Krankhett zum ersten Male in der Sitzung erschienenen Vertreter Herrn Salo Cohn, welcher für die freundliche Begrüßung in herzlichen Worten dankte. Der Präsident beglückwünscht sodann den Vorsteher Herrn Profeffor E h r m a n n aus Anlaß seiner Ernennung zum wirklichen Professor der Dermatologie. Er habe ein lang erstrebtes Ziel erreicht, durch welches auch alle seine Kollegen im Vorstand sich geehrt fühlen. (Lebhafter Beifall.) Einlauf: An Spenden: Von Herrn Leon Wiener, uos. der Verlaffenfchaft der Frau Regina Cohen für das israel. Spital.K 2000. — Von Freifrau Martin von Mayer in Frankfurt a. M. für das israel. Versorgungshaus.„ 300.— Von Frau Rosa Bloch als Legat des Herrn Prof. Emil Sattler fei And. für das israel. Mädchenwaisenhaus, XIX., Ruthgaffe.K 50.— für das israel. Knabenwaisenhaus. . . . . „ 50.— „ 100.— Von Herrn F. Ernst für arme Kranke . . . . . X 10.— „ die Zsr. Allianz. . - . „ 5.— „ arme Schulkinder . . . „ 3.— „ den Verein Ferienheim. „ 2.— „ 20.— Von Herrn N. Wiener für eine arme kranke Witwe . . „ 10.— Von Herrn Josef Powodra für russische Juden.„ 4.— Von „Jsch Jehudi" für die armen Kinder der Brigittenau „ 4.— Wetters befindet sich im Einlaufe: Dankschreiben des Ehepaares Benedikt Sonnenfeld für die Gratulation des Kultusvorstandes anläßlich ihrer goldenen Hochzeit. Von Frau Fanny Tauber s. A. für die Abhallung ihrer Jabrzcit in der Versorgungsanstalt.K 203.40 Von Frau Hermine Raubitjchek in Prag für das Asyl für arme kranke Israeliten in Meran.. 200.— Von Frau Philippine Samson für Arme.. K 100.— Von Herrn Dr. Hermann Bardach für die Max Bardach- St'ttung.. 100.— Von T. W. XX., Jägerstraße für die Jeiteles-Pfründnerinnen-St'ftung.„ 10.— Von Herrn Wilhelm Kuffner anläßlich der Verheiratung seiner Tockter: für die Armenanstalt.K 500.— „ die Kinderbewohranstalt.„ HOO.— „ den Tberesttn-K euzerverein.„ 300.— „ den Lehrmädchendo t.„ 300.— „ den H mdiungskraukenverein.. 2(>0.— „ den Taubltummenverein.„ 100.— „ das Blindenmstitut.. loOO.—. „ den Frauenverein.„ 400.— „ den Mäochenuntersiützungsverein . . . „ 400.— „ den Wöchnerinnenverband.„ HOO.— „ b is F rienheim.„ 200.— , den Handwe'kerverein.„ :0".— „ den Frauenhort IX.„ 2<>0.— „ den Aussp isuugsverein XVI—XVII . . 20<>.— K 4600.— Von Herren Heinrich und Fr-tz Mendl . ..„ 3000.— mit der Bestimmung, daN dieselben zur Beit^agsleistung für Aktiv en, die zur Herstellung von Existenzen von solchen Vereinen eingeleitet werden, welche der Zentralstelle für das Jüdische Armenwcsen anpeschlcffen sind, verwendet werden. Von Jostf Barber anläßlich deS Ablebens seiner Gattin Leonore Barber für jüdische Aime der Stadt Wien . . „ 1000.— Vor Uebergang zur Tagesordnung gibt der Präsident eine statistische Uebersicht über die Zahl der im letzten Verwaltungsjahre abgehaltenen Sitzungen des Plenums, des Vertreterkollegiums, der Ausschüsse und des Komitees. Auf der Tagesordnung steht die Neuwahl des Präsidiums. Vor der Wahl des Präsidenten überläßt Herr Dr. Alfred Stern den Vorsitz Herrn Dr. Gustav Kohn. Bei der hierauf erfolgten Abstimmung im schriftlichen Wege wird Herr Dr. Alfred Stern mit einer nahezu an Einstimmigkeit grenzenden Majorität zum Präsidenten wiedergewählt. (Lebhafter Beifall.) Der Vorsitzende Herr Dr. Gustav Kohn enunziert das Wahlresultat mit dem Bemerken, daß er das Plenum zu diesem Resultate aufrichtig beglückwünscht. Dr. Alfred Stern dankt in herzlichen Worten für die neuerlich auf ihn gefallene Wahl, welche er als eine Ehre und Auszeichnung betrachte und gerne annehme. Auf den Tag seien es heute 20 Jahre seit seinem Eintritte in den Kultusvorstand und zum drittenmale werde ihm die Ehre zuteil, zum Präsidenten gewählt zu werden. Als ein Beweis, wie sehr er diese Auszeichnung zu schätzen wissen, möge sein unausgesetztes Bestreben dienen, mit aller Kraft im Interesse der Gemeinde zu wirken und an deren großen Aufgaben mitzuarbeiten. Ein Rückblick auf die Zeit, in welcher er unmittelbar im Dienste der Gemeinde tätig war, läßt die ungewöhnliche Entwicklung erkennen, welche die Gemeinde gerade in der letzten Zeit durchgemacht hat. Aus einer verhältnismäßig kleinen Gemeinde ist die Wiener Kultusgemeinde zu einer größten Gemeinde Mitteleuropas mit einer Seelenanzahl von nahezu 200.000 emporgeblüht und aus einem Budget von wenigen 100.000 Gulden ist heute ein Budget mit nahezu 3 Millionen Einnahmen und Ausgaben geworden. Am deutlichsten aber zeigt sich der außerordentliche Aufschwung der Gemeinde in dem rapiden. Anwachsen der der Kultusgemeinde zur Verwaltung und Verfügung übertragenen Stiftungen, welche derzeit ein Gesamtkapital von über 141/2 Millionen Kronen repräsentieren. Nicht allein die Höhe dieses Betrages beweist das Vertrauen, das man der Kultusgemeinde bezw. ihrem dermaligen Vorstande entgegenbringt, sondern vielmehr die Tatsache, daß gerade in der letzten Zeit Beträge von ansehnlicher Höhe dem Vorstande oder dem Präsidium zur Verwendung nach freiem Ermessen überlassen werden und daß auch interkonfessionelle, Stiftungen in ansehnlichen Summen der Kultusgemeinde zur Verwaltung übertragen werden.

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