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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-01-14 · 2 (14.1.1910) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
2 (14.1.1910)
Date
1910-01-14
Page
– (sequence 7)
Language
German
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'jir. 2 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 37 Juden seit Beginn des zweiten Jahrtausends verübt wurden, ertöteten in diesen jede Hoffnung und jeden Glauben auf menschliche Gerechtigkeit und riefen eine Mystik hervor, die in dem sonst so nüchternen Judentum den Boden für allerlei messianische Gaukelkünste vorbereitete. Und was durch die Unterdrückungen im Hittelalter nicht gelang — die Entwurzelung des Judentums — versuchte man in der späteren Neuzeit, seit der Emanzipation der Juden durch einen Talmiliberalismus. Die Fortschritte der Jahrhunderte gingen allerdings nicht spurlos an den Operateuren vorüber. Nicht mit Feuer und Eisen, in wachem Zustande, sollte der Jude, der hartnäckige Patient, von seinem Judentum befreit werden: nein, das wäre unmodern und macht auch zuviel Schere^ reien. Da war es viel bequemer, den Patienten — ach, und er war und ist es wahrhaftig,' wenn Patient von „Leiden" stammt — in Narkose zu versetzen und schmerzlos — zumindest für den Operateur, jenes Resultat zu er—zwingen, das in den Jahrhunderten der Kreuzzüge und des Schwarzen Todes nicht erreicht wurde. Und die Narkose des Assimilationsgiftes wirkte, ja, wirkte so gut, daß viele, die allerdings ohnedies an einen Herzfehler litten, schon beim ersten Atemzug selig in den Herrn dem Judentum — abstarben. Die andern, stärkeren. die begannen zu zählen: ach wieder ein Zeichen des Messias, ein Jude ist geadelt worden: und wieder ein Zeichen, ein Jude, der in der Narkose brav gezählt und noch braver gezahlt, hat einen Grafen zum Schwiegersohn bekommen! Sind das nicht messianische Zeichen, lieht man denn nicht ihre Vorläufer! Ja, und sie sind gelaufen, vor- und nachgelaufen, bis sie den Nachgelauienen zu viel wurden und diese sich bemühten, die Geister loszuwerden, die sie einst riefen. Und sie werden sie ordentlich los! Die Fußtritte sind eindeutig, empfindlich und wecken auch die Trägen schließlich aus der Narkose. Spät, aber doch erkennen sie die falschen Messiasse und ihre falschen Zeichen. Sie schwanken noch — fo ein Sabbatai spukt lange nach seinem Tode — aber es werden doch immer ihrer mehr, die heimkehren und sichern Halt im Kreise der Ihrigen suchen. Man kann rubig sagen, der latente Antisemitismus, der die nationale Bewegung innerhalb des Judentums schuf, ist der Vater der längsten jüdischen Renaissance. Diese Bewegung nahm aus dem Kreise der Jugend ihren Ausgang und dieser Umstand ist ein wichtiger Fingerzeig dafür, auf welchem Wege das Judentum wieder seinen Einzug in das jüdische Haus, in die jüdische Gesellschaft hallen wird. Die jüdisch-religiöse Erziehung der Jugend in der Schule ist das wichtigste und vornehmste Instrument, um die Zukunft des Judentums zu sichern. Dieses Instrument ist aber so zart und fein, daß es nur erprobten Händen anvertraut werden darf, es ist so klein und gebrechlich, daß es nur die kleinste Belastung verträgt. Dem Religionsunterrichte in der Schule stehen wöchentlich ein oder zwei ^Stunden zur Verfügung. Rechnet man aber die Zeit hinweg, die zur Erfüllung der notwendigen schulbureaukratischen Formalitäten verwendet werden muß, und zieht man außerdem die durch die Feiertage und patriotischen Feste entfallenden Stunden ab, so bleibt für die tatsächliche Erteilung des Religionsunterrichtes in den unteren Klassen ein Zeitraum von einer halben und in den höhern ein solcher von einer Stunde pro Woche übrig. Wie soll man nun die so karg bemessene Zeit nützen, wie soll man dieses kleine Instrument handhaben, um das gesetzte so hohe Ziel zu erreichen. Beurteilen wir doch die Sachlage ganz objektiv vom Standpunkte der Zweckmäßigkeit, der Notwendigkeit. Der Casus steht doch offenbar so: Durch den Religionsunterricht soll die Jugend zu treuen, überzeugten Bekennern der jüdischen Religion erzogen werden. Und was tun wir. um dieses Resultat zu erzielen? Als Mittel zum Zweck dienen die Pflege der hebräischen Sprache und die Kenntnis der jüdischen Geschichte. Die Heiligkeit und Zweckmäßigkeit dieser Mittel ist unbestreitbar und selbst als solche ein teures Gut. Indes zur Erreichung des Zweckes, den wir verfolgen, zur religiösen Erziehung unserer Jugend dienen sie nur dann, wenn man den Geist zu erwecken versteht, der ihnen innewohnt. Mit andern Worten: Die Kenntnis der hebräischen Sprache und der jüdischen Geschichte allein genügt nicht, um ein religiöser Jude zu sein, sie genügen nicht, um den Zweck zu erreichen, die Aufgabe zu erfüllen, die der Religion im Leben des Menschen zugewiesen ist. Ein katholischer Theologe, der bebrü'sch kann, ist so wenig ein Jude, wie ein Christ Mohammedaner, weil er für den Koran Interesse hat, und ein Jude, der noch so gu?t hebräisch versteht, in der biblischen und in der jüdischen Geschichte noch so bewandert ist und dabei dem Judentum kühl gegenübersteht, hat vom Standpunkte der Religion, und nur davon sei hier die Rede, denselben oder noch geringeren Wert, als jemand, der keine Ahnung vom Hebräischen hat und dem die jüdische Geschichte ein Buch mit sieben Siegeln ist. Die hebräische Sprache, sofern sie nicht der Förderung der Religiösität dient, ist ein Spezialstudium, für das einzelne Vorliebe haben können, den Kindern aber nichts als eine Last bedeutet. Die Kenntnis dieser Sprache ist als die Sprache unseres Gottesdienstes ja notwendig, aber das Mittel darf nicht zum Zwecke werden, man mache beileibe keine Wissenschaft für die Kinder daraus. Die Möglichkeit der Teilnahme am Gottesdienste wird ja dadurch doch nicht geschaffen, wenn man einzelne Stellen notdürftig übersetzen und die anderen lassen kann. Und gerade das Wichtigste und Notwendigste lernt ja das Kind überhaupt nicht kennen. Wenn wir uns nicht was vortäuschen wollen, müssen wir uns doch eingestehen: der Durchschnittsjude kommt ins Gotteshaus an den hohen Festen und gerade da hat er keine Ahnung von den Vorgängen des .Gottesdienstes, er hat ja das Machsor, das die Festgebete enthält, nie gesehen. Wenn wir nun den Unterricht im Hebräischen dabin vereinfachen, daß durch alle Schuljahre hindurch nur das Gebetbuch genommen wird, und zwar nur das übersetzte und wir uns mit den Inhaltsangaben der einzelnen Gebetstücke begnügen, ohne auf der mechanischen Uebersetzung zu bestehen, wenn wir des ferneren den Schüler im Machsor orientieren, wenn wir schließlich die im Gotteshaus üblichen Responsen singen lehren, so beleben wir einerseits den Unterricht des Hebräischen und erreichen es anderseits, daß die Jugend nach einer .6- bis 7jährigen. ununterbrochenen Beschäftigung mit dem Gebetbuch mit demselben vollkommen vertraut wird und am Gottesdienste teilzunehmen befähigt ist. Und auch der Unterricht in der biblischen und jüdischen Geschichte darf nur als Mittel zum Zwecke einer religiösen Erziehung erteilt werden. Der Religionsunterricht muß in allen seinen Teilen ausschließlich ein religiöser sein, in allem muß die warme, echte Herzensreligion sich wahrnehmbar machen. Von den Gebräuchen und Gebeten, soweit sie natürlich heutzutage geübt werden können, darf nicht wie von etwas Gewesenem und Abstraktem gesprochen werden, sondern so herzlich und konkret, wie von etwas Bestehendem und ewig Unvergänglichem. Und gerade das scheinbar Geringe lasse man ja nicht außer Acht. Dem Kinde bereitet es mehr Freude, von den 15 Obstgattungen am 15. Schebat zu hören, als von dem siegreichsten Krieg geaen die Philister, für die Bräuche an Purim und Chanukka wird es viel mehr Interesse aufbringen, als für alle Intrigen einer Jsebel und einer Athalia. Das ureigenste Interesse veranlaßt schon die Kinder, für solche der Freude dienende Gebräuche im Elternhaus Propa-

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