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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-01-07 · 1 (7.1.1910) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
1 (7.1.1910)
Date
1910-01-07
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 1 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite IS mit einem von der Versammlung stehend angehörten und lebhaft akklamierten Hoch auf den Kaiser ein. In seinem Berichte über die abgelaufene Funktionsperiode hebt der Vorsitzende hervor, daß, wenn auch in dieser Zeit zu weitausholenden Kundgebungen kein greifbarer Anlatz war, der Ausschutz doch mit Genugtuung auf diese Epoche der stillen Arbeit zurückblicken kann, als auf eine Zeit, in der die Aufgaben und Ziele des Verbandes niemals aus den Augen verloren wurden. Wohl wurden puch einzelne Schritte zu gunsten des einen oder anderen Kollegen unternommen, doch sei das Bestehen des Verbandes an sich von so wohltätigem Einflüsse, datz sehr viele Standesgenossen seine Früchte mitgenießen, ohne sich recht darüber klar zu sein, was und wieviel sie den Vorarbeiten und dem Bestände des Reichsverbandes verdanken. Den Präsidien der Landesverbände für Böhmen und Galizien wurden Vorschläge zur Anbahnung einer gewissen Gemeinsamkeit erstattet, die wohl im Prinzip freudig begrützt wurden, in der Ausführung aber manches zu wünschen übrig lietzen. Ein Anlatz zu regerem Gedankenaustausch und gemeinsamer Tätigkeit war das Bestreben, unseren Standesgenossen den Anspruch auf Eisenbahnlegitimationen zu erwirken. Wenn auch die zahlreichen Schritte nach dieser Richtung bisher erfolglos geblieben sind, so steht doch zu hoffen, daß diese Angelegenheit bald einem gedeihlichen Resultate zugeführt wird. Auch ist der Ausschuß an solche Kollegen, die nicht Mitglieder des Verbandes sind, mit einer höflichen und dringenden Einladung zum Anschlüsse herangetreten. Auch diese Aktion, zu der ein größerer interner Arbeitsapparat aufgeboten wurde, wie z. B. der Neudruck der Statuten, hatte nicht in vollem Umfange den gewünschten Erfolg. Nach Aufzählung weiterer. Punkte aus der Wirksamkeit des Ausschusses, -so z. B. der Aussendung eines Zirkulars an alle Kollegen, des Inhalts, auf die Behandlung, die Juden und Judentum in den verschiedenen Lehrbüchern und in den Werken der Schülerbüchereien erfahren, acht zu haben,, kommt er zu dem Ergebnis, datz, wenn der Ausschuß auch fast gar keine Förderung von außen verzeichnen kann, sein Streben, zum Wohle der Gesamtheit zu wirken, jederzeit das eifrigste gewesen ist. Der Bericht des Vorsitzenden löste eine große Fülle von Anregungen und Empfindungen aus, die in der darauffolgenden Diskussion zur Sprache kamen. Inspektor Rabbiner Dr. David anerkennt den wohltuenden Einfluß des Verbandes, zumal es in Oesterreich keinen Ueberfluß an Vereinigungen gebe, die Wien mit der Provinz verbinden: er wünscht allen Unternehmungen und Beratungen des Verbandes in herzlichen Worten den schönsten Erfolg. Rabbiner Dr. Frankl-Grün- Kremsier unterbreitet dem Verbandstage eine Anregung von großer praktischer Bedeutung, die sodann als Antrag in Verhandlung gezogen und einstimmig angenommen wird. Chefredakteur Dr. I. S. Bloch beglückwünscht den Ausschuß zu seinen Leistungen und erklärt überrascht zu sein, daßbei der geringen Förderung, die dem Ausschüsse zuteil wird, überhaupt etwas zustande kommt. Es sei direkt unbegreiflich, daß in einer Zeit, in der arme Arbeiter und reiche Agrarier sich ohne Unterschied der Nationalität aus allen Provinzen zur Erzielung gemeinsamer Interessen Zusammenschlüßen, die Vertreter des jüdischen Religionsunterrichtes nicht einsehen wollen, daß nur durch eine intensiv gepflegte Vereinigung etwas zu erreichen ist. Die Zustände auf dem Lande seien geradezu erschreckend; doch, ergäbe sich hier nur dann für den Verband ein dankbares Arbeitsfeld, wenn alle Angehörigen des Standes sich ihm anschlössen. Redakteur Dr. Löwy erklärt sich diese Teilnamslosigkeit aus dem Antagonismus, der zwischen der Provinz und Wien besieht und der ihm von einem andern Ähnlichen Gebiete her bekannt ist. Nach dem vom Revisor Rabb. Dr. Bauer erstatteten Kassaberichte wird dem Ausschüsse unter Dank das Absolutorium erteilt. Hieran schloß sich ein nach Form und Inhalt in gleicher Weise vollendetes Referat des Obm.-Stellv. Professors Dr. Adolf Weiß über Standesehre. Ausgehend von einer Aufzählung zahlreicher im rabbinischen Schrifttum zerstreuter Sentenzen, die eine förmliche Standespragmatik ergeben, behandelte er in fesselnder Weise sein Thema vom ethischen, jüdisch-theologischen und politischen Standpunkte. Der Eindruck, den dieses die Arbeit des Bormittags krönende Referat bei allen Anwesenden hervorgerufen hatte, war ein überaus tiefer und über Antrag des Rabb. Dr. Sicher-Nachod wurde der Dank des Verbandstages protokollarisch vermerkt. Vor Eintritt in den folgenden Programmpunkt, die vorzunehmende Wahl des Obmanns und des Schriftführers, erklärt der Vorsitzende seinen festen Entschluß, mit Rücksicht auf Ueberbürdung mit Amtspflichten eine Wiederwahl unter keinen Umständen annehmen zu können und spricht aus Anlaß seines Scheidens aus der Stellung des Obmannes der Generalversammlung für das ihm geschenkte Vertrauen, den Kollegen im Ausschüsse für ihre wertvolle Mitarbeit seinen herzlichsten Dank aus. Obmann-Stellvertreter Prof. Dr. Weiß nimmt nun das Wort und hebt hervor, daß der Verband dem Obmann in Wahrheit zu großem Danke verpflichtet sei: denn gerade er, der seit vielen Jahren die Arbeiten des Verbandes leitete, konnte für sich selber nicht den geringsten Erfolg ansprechen. Solche Selbstlosigkeit verdiene die höchste Anerkennung. Darum wäre es nicht recht, ihm die Bürde der Obmannsstelle noch weiterhin aufzudrängen. Vielmehr stellt er den Antrag, die Verdienste des Vorsitzenden in der solennsten Form durch die Ernennung zum Ehrenmitglieds des Verbandes anzuerkennen. Dieser Antrag wird von der ganzen Versammlung einstimmig per Akklamation begeistert angenommen. Hierauf verweist Redner auf die überaus verdienstvolle Tätigkeit des Prof. Dr. Heinrich Pollak, der zu den Gründern des Verbandes zählt und demselben von jeher seine besten Kräfte gewidmet habe und den er für die Obmannstelle in Vorschlag bringe. Die hierauf vorgenommene Wahl bewies die Einmütigkeit und schöne Harmonie aller Anwesenden. Es erscheinen als einstimmig gewählt: Prof. Dr. Heinrich Pollak als Obmann, Dr. Moritz Rosenfeld als Schriftführer. Es erfolgt hierauf die Wiederwahl aller übrigen Ausschußmilglieder per Akklamation. Der neugewählte Obmann entwickelt nach einigen Dankesworten in schwungvoller Rede sein Programm und gibt der Hoffnung Ausdruck, das in ihn gesetzte Vertrauen des Verbandes gerechtfertigt erscheinen zu lassen. Er gehe mit Freuden, ja mit Begeisterung an seine Arbeit. die in dem Bestreben gipfeln soll, den Anschluß aller Kollegen an den Reichsverband durchzuführen. Aus der Reihe der nun folgenden Interpellationen und Anträge verdient eine Anfrage hervorgehoben zu werden, die eine von allen Wiener Erhortatoren an Mittelschulen an den Kulturvorstand gerichtete Eingabe zum Gegenstand hat und welche Eingabe, wie der Interpellant konstatiert, bisher weder eine Erledigung noch Mch nur eine Beantwortung gefunden hat. Obmann-Stellvertreter Prof. Dr. Weiß konstatiert mit Bedauern das Gegenständliche hieran. Ferner gelangt folgender Antrag des Rabb. Dr. Rosenmann: „Der Verbandstag ermächtigt den Ausschuß, die Sammlung und Herausgabe «sämtlicher, den israelitischen Religionsunterricht an den Mittelschulen sowie die Rechtsstellung der israelitischen Re-

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