Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 1 (7.1.1910)
- Date
- 1910-01-07
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3020846-3021873-3021875--18941-3043896- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Sette 14 Dr. Blocks Wochenschrift. Nr. i ligionslehrer an denselben betreffenden Erlässe zu bewirken" zur einstimmigen Annahme. Nach Kenntnisnahme einer Zuschrift des Rabb. Prof. Dr. Brach, der auf sein eben erschienenes Lehrbuch der jüdischen Geschichte aufmerksam macht, wird die Vormittagssitzung geschlossen. In Fortsetzung der Tagesordnung erteilt der Obmann Prof. Dr. Heinrich Pollak am Abend Herrn Rabb. Dr. Lazarus das Wort zu seinem Vortrage über das Buch Hiob auf der Oberstufe der Mittelschule. Gleichwie das Referat des Prof. Dr. Weih dem Vormittage, so . gab dieser grohangelegte, mit lebhaftem Beifall aufgenommene Vortrag der Abrndsitzung das Gepräge. Der gelehrte Vortragende entledigte sich seiner Aufgabe, e.u zeigen, welchen Platz das Buch Hiob auf der obersten Stufe der Mittelschule einnehmen sollte, in meisterhafter Weise. Auch aus der Diskussion, dke sich an diesen Vortrag schloß und an welcher sich die Herren Oberrabb. Dr. Güdemann, Landesrabb.-Stellvertreter Dr. Funk Rabb. Dr. Feuchtwang, Rabb. Dr. Proßnitz, Dr. Rofrnmann und Prof. Dr. Weiß beteiligten, klang der tiefe Eindruck heraus, den diese dankenswerte Arbeit hinterlassen hatte. So hatte der Verbandstag in diesem Vortrage seinen würdigen Abschluß gefunden. Prag. (Der Verband israelitischer Religion slehrer an den Mittelschulen in Böhmen) veranstaltete in den heurigen Winterferien wie im Vorjahre Ferialkurse für die israelitischen Religionslehrer an Volks- und Bürgerschulen. Zunächst muß konstatiert werden, daß die Teilnahme seitens der Zuhörer trotz der ungünstigen Jahreszeit und der mit dem mehrtägigen Aufenthalte in der Großstadt verbundenen Kosten unerwartet lebhaft war. Dieser Umstand ist ein günstiges Zeichen für das Streben der jüdischen Lehrerschaft Böhmens, daß sie die ihr gebotene Gelegenheit zur Erweiterung und Vertiefung ihrer Kenntnisse und zum Empfange neuer, wichtiger Anregungen gerne benützt. Als besonders lobenswert muß hrrvorgehoben werden, daß sämtliche Hörer bei allen Vorträgen - es fanden täglich fünf statt - anwesend waren und sich durch zahlreiche Anfragen über den vorgetragenen Gegenstand mit lebhaftem Interesse beteiligten. Jeder der Vortragenden verstand es sofort, mit seinem Auditorium in innigem Kontakt zu kommen, wodurch sich die Kurse überaus anregend gestalteten, selbst für diejenigen, denen der vorgetragene Gegenstand nichts Neues brachte. Die Ferialkurse wurden durch einen Vortrag jdes Herrn Rabbiners Dr. A. Kisch, k. k. Professors, Obmannes des „Verbandes", eröffnet. Das Thema lautete: Der erste Satz der Genesis, übersetzt und erklärt an der Hand alter und neuer Kommentare und Uebersetzungen. Herr Rabbiner Dr. Klotz. Prag, behandelte in Fortsetzung seiner früheren Kurse die jüdischen Trauerbräuche, also ein Gebiet, das für seine Zuhörer von eminenter Wichtigkeit und großem Nutzen ist. Ein nicht minder aktuelles Thema, das jüdische Kalenderwesen, behandelte Herr Rabb. Prof. Dr. Deutsch, Prag, gleichfalls An seine früheren Kurse anknüpfend, in so praktischer Weise, daß er seine Hörer mit den Grundlagen des jüdischen Kalenders so weit vertraut machte, daß sie auch ohne vorherige Kenntnisse selbständig kalendarische Berechnungen anzustellen im Stande sind. Ein einstündiger Vortrag des Herrn Rabb. Friedr. Knöpfelmacher, Mittelschulreligionslehrers in Prag, Einleitung in die Psalmen, fand vielen Anklang, trotzdem er das Thema nicht erschöpfen konnte. Dem brennendsten Interesse jüdischer Lehrer entsprach ein vierstündiger Kurs über Methodik des hebräischen Unterrichtes an Wolks- und Bürgerschulen, seitens des Herrn Rabb. Dr. Feder- Raudnitz. Herr Dr. S. H. Lieben, Gymnasialreligionslehrer in Präg, trug in zwei Stunden die ersten 3 Abschnitte der Mischna Verachot vor und entledigte sich seiner Aufgabe so vortrefflich, daß ihm zum Schlüsse wohlverdienter DanE und lebhafter Beifall zuteil wurde. Die Schlußrede, die in einen Dank an die Vortragenden und an die Zuhörer ausklang, hielt in Vertretung des infolge Abreise abwesenden Obmannes, her Senior der isr. Mittelschulreligionslehrer und Ehrenpräsident des Verbandes, Herr Professor E. Knöpfelmacher. Rabbiner in Prag. Herr Rabbiner I. Goldstein-Nimburg dankte namens der Hörer für die ihnen gebotenen Belehrungen. Bester Dank gebührt der Repräsentanz der Prager isr. Kultusgemeinde für die Ueberlassung eines Lokales der Religionsschule und für die dem Verbände gewährte Subvention. Nicht minderer Dank dem Zentralverein zur Pflege jüdischer Angelegenheiten, den isr. Kultusgemeinden Kgl. Weinberge, Karolinental, Elbekosteletz, Nimburg, sowie allen jenen Gemeinden und Korporationen, die dem Verbände durch Zuwendung von materiellen Mitteln die Veranstaltung der Ferialkurse ermöglichten. Oeffeutliche Aufreizung gegen die Jude» in Ungarn. Aus Budapest wird uns geschrieben: Als Graf Paul Szapary vor kurzem das Präsidium der neuen „Christlichsozialen Partei" Ungarns übernahm, erklärte er, die Partei wolle die Gleichberechtigung der Konfessionen nicht antasten. Wie ernst diese Erklärung zu nehmen war, erhellt daraus, daß die ungarischen Christlich-Sozialen überall, wohin fie bisher gedrungen, nach österreichischem Muster das Volk auffordern, jüdische Kaufleute zu meiden und bei jüdischen Handwerkern nicht arbeiten zu lassen. Noch wilder wird die Judenhetze in ihren Parteiblättern betrieben. So ist in ihrem offiziellen Organe „Jgaz Szo" (..Das wahre Wort" Lu6H8 a non lucendo!) folgendes zu lesen: Christliche ungarische Arbeiterschaft! Wo leben wir? In Palästina, dem Lande der Juden, oder aber im christlichen Ungarn? Gibt es in der Welt noch ein solch jüdisches Nest, wo man so straflos und mit stiefelsohlendickem jüdischen Zifferblatt schmähen kann die die Basis der modernen Kultur bildende, christliche Weltanschauung, auf welcher sich das christliche Ungarn aufbaut? Nein! Und es wird auch nicht existieren, denn man würde dieser blutsaugenden Raffe den Kragen brechen. Lernen wir von unseren russischen und rumänischen Brüdern! Die ungarische Staatsanwaltschaft hat bisher keine Veranlassung gefunden, diesem hetzerischen Treiben ein Ende zu bereiten. Ein jüdischer Bürgermeister in Satoralja-Ujhely. In einer bedeutenden Provinzstadt Ungarns, in Satoralja- Ujhely, wurde der jüdische Advokat Dr. Salomon Reichard zum Bürgermeister gewählt. Ueber den interessanten Wahlakt wird uns von dort geschrieben: Während der hier stattgehabten Bürgermeisterwahl gab eine Erklärung des katholischen Pfarrers Stephan Bessenyey Anlaß zu stürmischen Szenen. Da nämlich einer der Kandidaten der angesehene jüdische Advokat Dr. Salomon Reichard war, nahm Bessenyey vor Beginn des Wahlaktes das Wort, um unter Anderem zu erklären, daß hinter seinem Rücken achttausend Katholiken stehen, die sich in ihren Gefühlen verletzt fühlen würden, wenn die Bürgermeisterwahl nicht nach ihrem Wunsche erledigt werden sollte (wenn nämlich Dr. Reichard gewählt würde.) Diese Worte riefen einen Sturm der Entrüstung hervor. Von allen Seiten sprangen die jüdischen Mitglieder der Repräsentanz von ihren Sitzen auf und schlugen aus allen Leibeskräften auf die Tische. Der Lärm legte sich erst, als Vizegespan Julius Dokus in den Saal trat, der die Abstimmung anordnete, die nach einem sehr erregten Wahlgang damit endigte, daß Dr. Salomon Reichard mit einer Majorität von fünf Stimmen zum Bürgermeister gewählt wurde. Graz. E n Gründungskomitee des Grazer israel. Asylbaues zur Versorgung arbeitsunfähiger, altersschwacher Armer versendet folgenden Aufruf: Einem immer dringender werden-