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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-01-07 · 1 (7.1.1910) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
1 (7.1.1910)
Date
1910-01-07
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 1 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 11 Mittwoch-Nachmittags-Sitzung. Dr. N o r d a u verlas eine Erklärung Dr. Nossigs, die Anschuldigungen Wolffsohns gegen ihn seien nicht wahr. Wolffsohn produziert zum Nachweis seiner Behauptungen einige Dokumente. Dr. Adolf Friedemann - Berlin erklärt, daß Dr. N o s s i g bei den Sitzungen der „Ajko" beständig gegen den Zionismus sprach, er habe wohl bei seiner Abreise nach Koustantinopel versprochen, in der Türkei nichts gegen den Zionismus zu unternehmen, aber sein Wort nicht gehalten. In der Fortsetzung der Palästina- Debatte spricht Dr. Abrahamjohn-Sarbogard für die in dem „M i s r a ch i"-Verbände vereinigten jüdisch-orthodoxen Zionisten. Er stellt fest, daß diese durchaus willens sind, ihre Forderungen im Rahmen der Gesamtorganisation zum Ausdrucke zu bringen Fräulein G o l d i n-Jerusalem spricht sehr temperamentvoll für die jüdischen Arbeiter in Palästina, rügt ein mangelndes Entgegenkommen der leitenden jüdischen Kreise den Arbeitern gegenüber und stellt eine Reihe diesbezüglicher Forderungen auf. Cohen- Jaffa verlangt, daß die Mitglieder der Leitung in Palästina wohnen müssen. Aronowitsch rügt die Art der Verwendung des Jüdischen Nationalfonds in Palästina. Er verlangt stärkere Berücksichtung der jüdischen Arbeiterinteressen, Bau von Arbeitermohnungen und Schaffung einer besonderen Zentralinstanz in Palästina. Dr. Bodenheimer-Köln, der Vorsitzende des Jüdischen Nationalfonds, widerlegt eine Reihe der gemachten Vorwürfe. Dr. K o h a n-Bernstein Jaffa, verlangt gleichfalls eine Zentralinstanz in Palästina. Er kritisiert die Art der Verwaltung der zionistischen Institutionen in Palästina und rügt den Jnteresscmangel der Leitung gegenüber den palästinensischen Forderungen. Der Präsident des Aktionskomitees, David Wolffsohn, wendet sich gegen diese Vorwürse. Er habe sich bereits die größte Mühe gegeben, um die verlangte Zentralinstanz in Palästina zu schaffen, alle Bemühungen seien aber am Widerstande in Palästina selbst gescheitert. Der nächste Redner Julius Simon-Mannheim gab in längeren Ausführungen eine eingehende Kritik der Leitung der zionistischen Bank in London. Die Bank müsse der zionistischen Arbeit in Palästina dienstbar gemacht werden. Darum stellt er den Antrag, die europäischen Geschäfte der Jüdischen Kolonialbank zu liquidieren und die frei werdenden Mittel nach Palästina zu überführen. Gegen diese Krit.k und Vorschläge wendet sich der Präsident der Kolonialbank, der darlegt, daß in Palästina jetzt für größere Mittel gar keine Verwendung sei. Im weiteren Verlauf der Debatte kommen noch P a s m a n i k, Trietsch und andere zum Wort, die sich wiederum in einer Kritik der Palästinaarbeit der Organisation ergehen. Donnersta g-V ormittags-Sitzung. Herr Moise Cohen erstattet sein Referat über „Die jüdische Einwanderung in der Türkei". Er ging aus von der Toleranz, die die Türken den Juden gegenüber immer gezeigt haben und die von vornherein eine der größten Garantien für die jüdische Einwanderung in der Türkei darstellt. Es gibt keinen Antisemitismus in der Türkei und er ist dort unmöglich. Die Fülle von Nationalitäten, die im ottomanischen Reiche vereinigt sind, schließt insbesondere unter dem neuen Regime auch die Möglichkeit der Unterdrückung einer nationalen Minorität durch die Majorität aus. Darin liegt auch eine Gewähr dafür, daß dem einwandernden Juden die Entwicklung seiner nationalen Eigenart möglich sein wird und daß auch gar kein Grund dafür vorhanden ist, sichIeiner Nationalität zu entäußern. Selbstverständliche Voraussetzung ist natürlich, daß der einwandernde Jude voll und ganz ottomanischer Bürger wird und den Pflichten gegen seine neue Heimat im weitesten Maße nachkommt. Und diese Gewähr ist gerade für eine jüdische Einwanderung gegeben. Die Interessen der jungen Türkei verlangen es, daß sie eine jüdische Einwanderung unterstützt. Sie findet darin das, was sie am meisten braucht, arbeitssame, intelligente, friedliche und nicht unbemittelte Einwanderer. Und auch die Juden finden in der jungen Tükei das, was ihnen fehlt, ein gastfreundliches Land,' dessen weite unbebaute Strecken ihnen die Möglichkeit der äußersten Entwickelung ihrer Fähigkeiten bietet und dem sie ungeheuer nützlich werden können. Die neue Türkei ist für den Zustrom frischen Blutes sehr dankbar und wird einer jüdischen Einwanderung zweifellos sehr sympathisch gegenüberstehen. Der Antrag Doktor Franz Oppenheimers auf Gründung einer Arbeiter - Siedelungs - Genossenschaft in Palästina wird unter stürmischen Beifall einstimmig angenommen. Eine längere Debatte entspinnt sich über den Antrag des Herrn Julius Simon, worin zum Ausdruck gebracht wird, daß die gegenwärtige geschäftliche Tätigkeit der jüdischen Kolonial-Bank in London außerhalb der zionistischen Interessensphäre liegt. Die Resolution wird mit geringer Mehrheit abgelehnt. Hingegen gelangt ein zweiter Antrag des Herrn Simon, worin die allmähliche äußerste Einschränkung des europäischen Geschäftes der Jüdischen Kolonial-Bank und die Ueberführung des dadurch freiwerdenden Kapitals nach Palästina verlangt wird, trotz des Widerspruchs der Bankdirektoren zur Annahme. Ein Angriff, den der Direktor der Jüdischen Kolonial- Bank. Herr C o w e n vor dem Kongreß gegen den Prof. Dr. Marburg gerichtet, gelangt zur abschließenden Verhandlung. Der Kongreß erklärt, daß er das Vertrauensvotum, das Herrn Prof. Dr. Marburg schon mehrfach von diesem Kongreß ausgedrückt worden ist, für genügend ansieht, um über die vorliegenden Anträge, die eine Mißbilligung des Angriffs enthalten, zur Tagesordnung übergehen zu können. Donnersta g-N achmirrag s-S i tz u n g. In der Sitzung am Donnerstag nachmittags gelangten hauptsächlich organisatorische Fragen zur Erörterung. Eingehend beschäftigte man sich mit der Finanzfrage. Ein von der Leitung ausgehender Antrag, der Bewegung die notwendigen größeren Mittel durch eine Beteiligung der zionistischen Institution an den Kosten der Organisation zu verschaffen, wurde abgelehnt. Die Schlußsitzung, die um 10 Uhr abends begann und erst nach 4 Uhr nachts ihr Ende fand, nahm einen sehr erregten Verlauf. Es handelte sich um die Wahl des Aktionskomitees und den Sitz des Präsidiums. Zwei Lager standen sich gegenüber. Die russische Landsmannschaft und ihre österreichischen Verbündeten wollten durchaus den Sitz des Präsidiums nach Berlin verlegen und damit den bisherigen Präsidenten Wolffsohn ausschalten. In diesem Sinne unterbreitete der Permanenzausschuß für die Wahl des Aktionskomitees folgende Vorschläge: Das engere Aktionskomitee besteht aus 7 Mitgliedern, von denen mindestens 3 an einem Ort wohnen müssen. Der Antrag bezweckt, daß die Leitung der zionistischen Bewegung nicht mehr in einer Hand liegen soll wie bisher. Dr. Heinrich L o e w e gibt namens der überwiegenden Mehrheit der deutschen Landsmannschaft, der geschloffenen südafrikanischen, ungarischen, bulgarischen, türkischen und italienischen Landsmannschaften, der geschlossenen Misrachiföderation, des Order Knigths of Zion, ferner eines Teiles der rumänischen und englischen Förderation, sowie eines Teiles der russischpolnischen Delegierten folgende Erklärung ab, die er als Antrag einbringt: „Der Präsident soll vom Kongreß gewählt werden. David Wolffsohn soll Präsident des E. A. C. sein. Die Bureaus der Leitung sollen sich am Wohnorte des Präsidenten befinden." Wolffsohn, mit lautem Jubel begrüßt, bat, zur Vermeidung von Zwistigkeiten von seiner Wahl Abstand zu nehmen; seit 12 Jahren gehöre er der Leitung an und seit dem Tode Herzls stehe er an oberster Stelle. Man möge auch den Wünschen der russischen Landsmannschaft Rechnung tragen. Der Antrag, das Präsidium überhaupt nicht vom Kongreß wählen zu lassen, wird mit 148 gegen 128 Stimmen abgelehnt. Der Wahlausschuß zog sich hierauf um 12 Uhr nachts zurück, um neue Vorschläge vorzubereiten. Nach zweistündiger Beratung wurde die Erklärung abgegeben, daß man sich über die Personenfrage nicht einigen könne.

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