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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-01-07 · 1 (7.1.1910) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
1 (7.1.1910)
Date
1910-01-07
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Sette 10 Tr. Vlochs Wochenschrift. Nr. i Palästinas von Nutzen sein werden. Aarousohn nahm unter andern auch an dem „Dry Farming Congress‘‘ teil, öcr in einer Resolution die geplante Errichtung einer landwirtschaftlichen Versuchsstation in Palästina für wünschenswert erklärte, da sie auch für die Agrikultur der ähnliches Klima aufweisenden Teile Amerikas von großer Bedeutung sein könnte. Ferner gelang es dem palästinensischen Forscher, nicht nur das Interesse der Praktiker und der Gelehrten, sondern auch das der amerikanisch-jüdischen Philanthropen für das Projekt zu gewinnen. so daß sich die Herren Jakob H. Schiff, Guggenheim, Rosenwald (Chicago) und Andere bereit erklärten, den größeren Teil der Kosten der Errichtung der landwirtschaftlichen Versuchsstation sowie einen namhaften Zuschuß zu den Erfordernissen des Betriebes für die Dauer von fünf Jahren sicher zu stellen. Mit den seitens anderer Organisationen in Aussicht gestellten Bewilligungen hat nunmehr der von Herrn Prof. Marburg (Berlin) seit Jahren propagierte Plan endlich seine Verwirklichung gefunden. Sicherlich werden, wenn es der Versuchsstation unter der Leitung Aaronsohu's innerhalb der fünf Jahre gelingt» den Beweis zu erbringen, daß sie für die Kolonisation Palästinas von wirklichem Nutzen ist, die genannten Mäzene das Unternehmen auch fernerhin und mit noch größeren Mitteln unterstützen. Korrespondenzen. Neunter Zioniften-Kongreff Dienstags - Nach mittags-Sitzung. Zu Beginn d-'r Sitzung erstattete Professo.r Marburg den Bericht des Vereines „Oelbaumspende". Die Oelbaumspende ist dazu bestimmt, durch Anpflanzung von Oelbäumen auf dem Boden des jüdischen Nationalfouds eine Kultur in Palästina einzuführen und die Wiederaufforstung des Landes in die Wege zu leiten. Ihr Vermögen beträgt heute bereits so viel, daß sie mehr als 30.000 Bäume wird pflanzen und unterhalten können. Der Präsident der Jüdischen Kolonialbank, Herr Dr. Katzenelsohn, erstattete den Bericht üb;r die Banken der zionistischen Organisationen. Die jüngste, die Anglo Levantine Banking Company in Konstantinopel, hat beim Schlüsse des ersten Geschäftsjahres bereits 6 Perzent Dividende verteilt. Die im Jahre 1903 gegründete Anglo Palestine Company in Jaffa mit Filialen in Jerusalem, Beirut, Hebron und Haifa hat. ihr Aktienkapital seit ihrer Begründung um mehr als die Hälfte vermehrt. Sie hat^ 28 Genossenschaften gegründet, denen sie einen. Kredit von einer halben Million gewährt. Sie hat große Laudkomplexe für den Nationalfonds und andere Unternehmungen erworben, eine Viehversicherungsgesellschaft für die Kolonisten ins Leben gerufen rc. Das wichtigste, zionistische Bankinstitut ist aber die Kolonialbank in London. Sie ist wohl die eigentümlichste Bank der Erde. Sie besitzt fast 130.000 Aktionäre, lauter kleine Leute iu allen Teilen der Welt. Ihr Umsatz hat sich in den letzten drei Jahren um fast 30 Perzent gesteigert. Sie hat große Summen für die zionistische Organisation aufgebracht und ist in Wahrheit das Finanzinstrument der zionistischen Organisation. In der hierauf folgenden Debatte verlangte Herr Eis e n st a d t (Jerusalem) die Uebertragung der Leitung nach Palästina, die Herren Blitz (Dessau), Dr. D a i ch e s (Manchester) und Rabbiner Dr. Thon (Krakau) polemisierten gegen das zu Wenig, das in Palästina geschehe. Nordau habe gesagt: Warten sei ein Kummer, keine Schande. Dem müsse man entgegnen: Untätiges Warten sei eine Schande, sei mehr, der schwerste Schaden für die Bewegung. K a p l a n s k i (Wien) verlangt die Schaffung einer Agrarkreditinstitution, um die jüdischen Arbeiterin Palästina als selbständige Kolonisten anzusiedeln. Ben Z w i (Jerusalem) verlangt, daß die Institutionen der zionistischen Organisationen in Palästina auf breiterer Grundlage reformiert würden. Mittwoch-Vormittags-Sitzung. In der Diskussion über das Palästina-Ressort ergreift zunächst der bekannte Nationalökonom Dr. Franz Oppenheimer (Berlin), mit lebhaftem Beifall begrüßt, das Wort. Vor sieben Jahren, führte der Redner aus, habe ihm der Zionistenkongreß in Basel bereits zugejubelt, als er die genossenschaftliche Siedlungsmethode für die praktische Palästina-Arbeit für die zionistische Bewegung vorgeschlagen habe. Bis jetzt sei es aber beim Jubel geblieben. Er komme aber zu diesem Kongreß jetzt nicht, um zu bitten, sondern um zu fordern. Wer Städte schaffen will, muß Bauern schaffen; das sei das Grundgesetz, das die ganze Weltgeschichte lehre. Nachdem Dr. Oppenheimer unter dem teilweise stürmischen Beifall des Kongresses erklärt bat, daß kein Ziel so dringlich sei wie dieses, für das kein Opfer zu groß sei, bringt er folgende Resolution ein: „Der IX. Zionisten-Kongreß hält an den früheren Beschlüssen der Kongresse fest, die genossenschaftliche Siedlungsmethode in den Bereich der zionistischen Tätigkeit aufzunehmen. Um die Durchführbarkeit dieses Beschlusses zu ermöglichen, überläßt der Nationalfond der zu errichtenden genossenschaftlichen Kolonie den erforderlichen Boden. Um das Betriebskapital aufzubringen, wird durch eigene Sammlung ein Genoffenschaftsfond gebildet, der an den jüdischen Nationalfond angegliedert wird. Er wird verwaltet von einem Komitee, bestehend aus Vertretern des Direktoriums des Nationalfonds und der Arbeiterschaft." Es handelt sich, so schließt der Redner, hier um den ersten Versuch jüdischer Großkolonisation und da sollte jeder Einzelne mehr tun, als ihm leicht ist. Für den Oppen heimer'scher Genossenschaftsfonds sind am Kongresse selbst insgesamt 100.000 Mark zusammengebracht worden. Der zweite Teil der Vormittagssitzung wurde ausgefüllt durch ein interessantes Referat des zum ersten Mal beim Zionisten-Kongreß anwesenden Herrn David F l o r e n t i n aus Saloniki, Redakteurs der spauiolischen Zeitung „El Avenir". Herr Floreutin sprach größtenteils französisch, zum Teil auch hebrälsch über „Die kulturelle Lage der Juden in der Türkei". Er beginnt damit, daß zur Behandlung seines Themas noch alle Grundlagen eigentlich fehlen, da man z. B. nicht einmal wisse, wieviele Juden in den jüdischen Zentren der Türkei ansässig seien, daß die türkischen Juden in den weit auseinander gelegenen Teilen des türkischen Reiches einander selbst nicht k nnen und wenig von einander hören. Eine Ausnahme davon bildet nur Palästina, dessen Juden in ziemlich engem Connex miteinander stehen, Zeitungen und sonstige Publikationen besitzen, die den Verkehr und das Verständnis erleichtern. Für die übrige türkische Judenheit aber müßten diese primitivsten Mittel des kulturellen Lebens erst geschaffen werden. So ist es vor allen Dingen nötig, regelmäßig ein Jahrbuch herauszugeben, das Informationen über die türkischen Juden enthalte, jüdische Bibliotheken zu begründen, im Anschluß an ebenfalls dringend notwendige literarische Gesellschaften und Clubs, vor allen Dingen aber die ganze Aufmerksamkeit auf die Reform der bestehenden und die Schaffung neuer Schulen zu richten. Denn die bestehenden Talmud-Thora-Schulen, die Chedarim: aber auch die Schulen der Alliance Jsraelite genügten den Bedürfnissen in keiner Weise. Es ist nur eine kleine Anzahl von Schulen vorhanden — das sind die des Hilfsvereins der deutschen Juden und einige private Anstalten — die sowohl für eine allgemeine Ausbildung sorgen, als auch den speziellen Anforderungen des Landes und der in ihm wohnenden Juden einigermaßen genügen. Die Alliance-Schulen haben den Fehler, daß sie die hebräische Sprache viel zu wenig berücksichtigen. Aber auch der türkischen Sprache muß ein weit größerer Raum im Unterrichtsplan der niederen Schulen eingeräumt werden. Denn erst die Kenntnis dieser Sprache kann die Besucher dieser Schulen für den Kampf ums Dasein gehörig vorbereiten. Es müssen aber natürlich auch Stipendien und Darlehenskassen geschaffen werden, um jungen türkischen Juden den Besuch höherer Lehranstalten und Universitäten zu ermöglichen. In Palästina sind vor allen Dingen mittlere und höhere Schulen zu gründen, damit Palästina das werden kann, wozu es berufen ist: das kulturelle Zentrum der türkischen Judenheit. Eine jüdische Universität in Jerusalem soll dieses Gebäude dann krönen. Schließlich schlägt Herr Florentin als notwendig für die kulturelle Entwicklung die Schaffung von Volksbanken, Sparkassen, Arbeiterhäuser, Konsumgenossenschaften und anderen Institutionen der sozialen Selbsthilfe vor. Mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln aber müssen wir nach der Meinung des Redners an der Schaffung eines jüdischen Bauernstandes arbeiten, auf dem die ganze kulturelle Entwicklung der türkischen Juden sich aufbauen muß. Die Durchführung dieses Arbeitsprogrammes wird aus den zerstreuten Gliedern der türkischen Judenheit ein einheitliches Ganzes machen, als Grundlage zur Durchführung der zionistischen Ziele. Der lebhafte Beifall des Kongresses zeugte von der Uebereinstimmung der zionistischen Delegierten mit den Vorschlägen des türkischen Redners.

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