Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 1 (7.1.1910)
- Date
- 1910-01-07
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/3020846-3021873-3021875--18936-3043891- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Ni. 1 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 9 Wie Judenhetzen entstehen. Bndapest. In der medizinischen Zeitschrift »La presse med.« beschäftigt sich Herr Dr. R. Roman mit dem psychopalhologischen Problem der Mythomanie und bringt zur Illustration folgenden von Prof. Kowalewsky beobachteten Fall, dessen glückliche Diagnose einen Pog-om verhütet. Der^Fall ist folgender: Am 9. Mai 1907 gegen 2 Uhr nachmittags setzte sich der 17 jährige Seminarist Melnikoff auf eine Bank gegenüber dem Odessaer Palast des General Kaulbars. Gleich darauf ließen sich 2 Studenten auf diese Bank nieder, die sich lebhaft mit den politischen Zuständen beschäftigten, was der Seminarist von jüdischen Studenten nicht dulden wollte. Die Studenten wiesen die Einmischung zurück, der Seminarist jedoch machte der weiteren Diskussion durch schallende Ohrfeigen ein Ende und jagte die Studenten in die Flucht. Nach 2 Wochen kam Melnikoff in das Restaurant, in dem er gewöhnlich zu Mittag speiste, uüb fand an seinem Tisch einen überaus sympathischen jungen Russen, mit dem er gleich bekannt wurde. Dieser weihte ihn sofort in den geheimen Leidensweg seiner Irrfahrten ein. Er war Postbeamter, kam in den Kreis der Revolutionäre, ne hm teil an einem Generalstrerke, wurde kompromittiert und das Ende war: Verhaftung, Deportation und Anus Verlust. Er hat unterdessen genügend Zeit gehabt,, über seine traurige Lage und was sie veranlaßte, nachzudenken. Er war sich bewußt, ein Spielball in der Hand der Juden, der Erzfeinde des Zaren und des russischen Reiches gewesen zu sein. Seine Lage war eene verzweifelte. Er ging einfach elend zugrunde. Nach kurzer Vereinbarung beschlossen sie, den Abend zusammen zu verbringen. Bei dieser Zusammenkunft kamen sie wieder aus die traurige Lage zu sprechen, und so vertieft gelangten sie wie durch Zufall bis an die Peripherie der Stadt. Hier sah sich Melnikoff urplötzlich von sechs bewaffneten Männern umringt, die mit schußbereiten Brownings für jede Bewegung und jedes laute Wort mit dem Tod bedrohten. Er wurde gefesselt, die Augen mit einem Tuche verbunden, und sein Mund durch einen festen Wattetampon zum Verstummen gebracht. Ein brutaler Rippenpuff bedeutete ihm, zu gehen. Er folgte ihnen eine halbe Stunde lang, bis er das rauschende Fluten von schäumenden Welle, deutlich vernommen hat; er mußte stehen bleiben und wurde mir festem Griff auf einen Kahn geworfen, der sich mit ihm in Bewegung setzte. So ging es ungefähr eine halbe Stunde. Ans Ufer gebracht und ausgeschifft, fühlte man ihn auf hügeligem Gelände, dann nach tiefen Gründen, schließlich mußte er noch zwanzig Stufen in die Tiefe steigen, worauf ihm die Fessel und die Augenbinde gelöst und der Tampon aus dem Munde entfernt wurde. Er war in einer gruseligen Höhle. Bei dem matten Schein einer rauchenden Talgflamme sah er einen langen Tisch, von dessen blutroter Decke ihm ein Totenkopf gespensterhaft entgegenstarrte. Aus den Glasschränken blitzte eine Unzahl von Gewehrlänfen hervor. Die blutigen Dolche, Messer, Revolver und Bomben, die der Wand entlang befestigt waren, vervollständigten den unheimlichen Eindruck, den das Rivolntionstrrbunal, sieben Männer und eine von Kopf bis Fuß in Rot gehüllte Dame in ihm bervorgernfen hat. Auf Befehl des herkulisch gebauten rothaarigen Präsidenten mußte er sich bis auf die Haut entkleiden, worauf das hochnotpeinliche Verfahren emgeleitet wurde. Er wurde angeklagt: 1. daß er Mitglied der Partei der echten Russen sei; 2. zwei Genossen der Sozialrevolutionäre geohrfeigt zu haben und 3. bei dem letzten Judenpogrom aktiv beteiligt gewesen zu sein. Die Anworten wurden ihm mit dem Dolche abgezavfi. Wenn er etwas verschweigen oder mit der Aussage zögern wollte, wurde er vom rothaarigen Präsidenten mit dem Dolche traktiert. Er verlor das Bewußtsein und erwachte erst, als er einen brennenden Schmerz im Schenkel fühlte, den ihm der rohe Riese durch das Messer verursachte. Er war, so bedeutete man ihm, zum Tode durch den Strang verurteilt und wurde zum nächsten Baumstamm gezerrt, wo man ihn mit dem Stricke erwartete. Schon war die Schlinge um seinen Hals gewunden, als er schreiende Stimmen vernahm. Er schrie aus Leibeskräften. Seine Mörder erschraken und entflohen . . . Zwei Stunden darauf traf Melnikoff erschöpft, von Blut besudelt und entstellt bei der Polizei ein. Die Unmittelbarkeit seiner Schilderung und die blutigen Wunden ließen keinen Zweifel an der Wahrheit seiner Worte aufkommen. Die Presse bemächtigte sich des Falls. Unter dem Hochdruck der bis zum Delirium aufgepeitschten Volksleidenschast wurde von der Polizei nach den Tätern gefahndet. Melnikoff konnte die Höhle nicht entdecken. Auf die Henker erinnerte er sich aber so lebhaft und schilderte sie bis in die kleinste Einzelheit so genau, daß die findige Polizei ihrer bald habhaft wurde. Melnikoff erkannte sie aus den ersten Blick. Es waren — Juden. Nun stellte es sich aber während der Gerichtsverhandlung heraus, daß Melnikoff. der Seminarist, den 23. Mai überhaupt nicht aus dem Hause verbracht habe, seine Wunden derartige find, daß sie unmöglich von fremder, nur eigener Hand herrühren können, und daß die ganze Geschichte die phantastische Erfindung eines mythomaniakischen Hirns sei. Die echten Russen und -ihre Presse wüten nicht wenig über den wissenschaftlichen Prof. Kowalewsky, durch den ihre Kolportage um einen fetten Brocken und die Pogromgeschichte um eine blutige Sensationsgeschichte ärmer wurde. Das-Verfahren mußte natürlich eingestellt und dadurch der raubgierigen Meute ein Bissen entrissen werden, auf den sie seit Monaten gierig lauerte. Salomos Schatz. In Jerusalem sind, wie schon gemeldet, zur Zeit moderne Schatzgräber an der Arbeit: Hauptmann Montague B. Parker von den Gardegrenadieren, Mr. Duff, ein Verwandter des Herzogs von Fifm Mr. Eyrill Ward und Mr. Ciarence Wilson, der seine Nächst dem Unternehmen zur Verfügung gestellt bat, ferner ein finnischer Ingenieur, der die Arbeiten leitet. Es handelt sich um nicht mehr und nicht weniger als um die Wiederauffindung der Schätze der alten jüdischen Könige und verschwundener Werlgegenstände aus dem Salomonischen Temve!. Den Anstoß zu der Sache hat der Ingenieur gegeben, der erklärt, er habe im Talmud ein Kryptogramnl entdeckt, das Bezug auf diese Schätze habe. Durch seine Kenntnisse des Hebräischem und durch übernatürliche Fügung habe er in diesem jüdischen Werke verborgen.-einen Bericht gefunden, daß die Schätze des Salomonischen Tempels in. der Näbe von Jerusalem vergraben seien. Die Expedition willnun die'e Schätze aussinden und hofft, die Bundeslade. Aarons Stab und den berühmten siebenarmigen Leuchter zu finden. Gerade, diese Gegenstände sollen einige Juden nach der Einnahme.Jerusalemdurch Nrbnkadnezar vergraben haben. Sie hinterließen einen Bericht und dieser wurde dan-i in unverfänglicher Weise im Talmud ausgenommen. Außerdem Men auch die Gräber der alten jüdischen Könige nach Wertgegenständen durchsucht werden. Die Arbeiten werden nabe am südlichen. Ende-.der Landzunge, die sich von Moria und dem Tenipelgeb.iet nach Süden hinzieht. vorgenommen. - . > ' Ans dieser Landzunge wird nach den neuesten -Forschungen, die alte Davidstadt verlegt, da dort die einzige Wafferguell-e in jener Gegend war. Die Soldaten Davids drangen sicher quer durch dm alten Kanal, der das Wasser au? dem Jnngfrauenbruniien in. die Stadt führte, ein. als sie die Jebnsitrr ans ihrer Stadt verjagten. .Diese Quelle hatte der König Hesekia ab- und tu den Teich Siloa geleitet. Nahe an diesem Teiche, im Tunnel» war auch der berühmte. Silaastein gefunden worden mit der ältesten hebäischen Inschrift.-Befouörre.Ergebnisse haben die Ausgrabungen bis jetzt noch nicht gehabt,. adet'.idie Forscher sind fest davon überzeugt, daß ihre Bemühungen von Erfolg gekrönt sein werden, und setzen die Arbeiten mit unvermindertem-Eiier fort. Ob sich die Wünsche, deren Realisierung bis jetzt schon, viel- Geld gekostet hat, verwirklichen werden, ist allerdings noch sehr dir- Fra/e. Nach dem. was wir von dem Eroberer Nebukadnezar., wissen, war er nicht der Alaun, der große Schätze hinter seinem Wege gelassen! hätte, und wie wir die türkische Regierung kennen, wird, sie sich nicht, geneigt finden lassen, wenn wirklich Schätze gefunden werden sollten, diele Kostbarkeiten außer Landes zu geben. Dietürkische Regierung .hat zwar die Erlaubnis zu den Ausgrabungen gegeben, aber sie Hab auch zugleich zwei hohe Beamte. Mejedie Effendi und Habib-Beybeauftragt, die Ansgrabnngsarbeiten zu beaufsichtigen. Es käme der türkischen Regierung schließlich ganz gelegen, ihre Finanzen durch die Schätze ber altjüdischen Könige zu verbessern. Die Schatzgräber selbst würden dmm jedenfalls Nicht me.!ir davon haben als die Ehre,-und die ist-Mkaurlrlich auch etwas wert. .. - Die Juden in Kurdistan/ In einem Vortrage des Kapitäns Bertram Diekson iy "der Londoner Royal Geogravhical Society über seine Rene in Kurdi^an kanl er auch auf die Inden in diesem Lande zu sprechen. KäMän Diekson war lange Jahre englischer Konsul in Baa und hat-verschiedene Reisen ins Innere des Landes unternommen. Seines Absicht nach sind die Bergketten östlich vom Tigerflnß mit dem von den-tten Assyrern „der Berg Nairi" benannten Gebirge identisch. Später erhielt es die Namen Niphates und Urartu. Vom-letzteren stamme "dre'Benennung Ararat ab. Die lokale Tradition versetzt die Sintflut auf den Jebel Judi, einer 7000 Fuß bohen Bergivitze, woselbst^ sich.ein großes Ziaret, eine Arl Tempel befindet, der jedes Jähr einmal ,in glühender Sommerhitze von den Christen. Moslems und ven Msepidiheiden erklettert wird, um das Andenken Roahs zu ehren. Dieser Berg scheint von altersher als geheiligt betrachtet worden zp fein.» Die Doifbewohner zeigen den Ort, wo Noah mit seiner Arche'stand, während sie im Dorfe Hassana Noahs Grab und feinen. Wemgauen zeigen, in welchem er dem ersten Wein zu stark zugesprocheir hüben soll.- Der jetzige Besitzer des Weingartens beteuert, daß er-der direkte Nachfolger Noahs sei, dessen Weingarten bis auf den heutigen Tag von Vater auf Sohn vererbt worden sei. Hie und da findet Wut in den Bergen des Hakkiari auch ausschließlich von Juden, detvöhnte Dörfer, die seit der Eroberung Palästinas durch die Asiyrer hier leben und ihre Religion und Gebräuche unversehrt erhalten haben': -^Die Kurden behaupten, die Nachkommen des Königs Salomo zu-süst, .wie überhaupt die Moslems gerne ihren Stammbaum von SakRnoMleiten. Die Tracht, die Sitten, Hauswirtschaft, sogar Re Akt''8er Anrede unter den Juden in Kurdistan machen den Eindruck/ hfä^pb sie seit Abrabams Zeit sich nicht geändert hätten. Im B.eitkärt'ale liegt die Residenz des Chefs der Girdikurden, die- Stadt Zerm, die zur Hälfte ans Neftorianern und zur Hälfte aus Indenbesteht, 'Re bereits handelstüchtige Menschen sind. Kurdistanist ein Paradiess ftir Archäologen und Kapitän Diekson meint, daß hiernoch ostle Schätze zu holen seien. _ J Landwirtschaftliche Versuchsstation inPaläftiuä. N e w - A o r k. Der bekannte palästinensische AgrononrMröstsohn unternahm im vorigen Jahre, wie Sie berichteten, zum'- Zstrtzäe ver Gründung einer landwirtschaftlichen Versuchsstation m: PalMna eine Studienreise nach Kalifornien, Texas und den übrigen BaumtvMstaaten Amerikas, wo er mehrere Monate verblieb und eine Wtze Reihe interessanter Beobachtungen machte, Re der KolomsatW