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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-01-07 · 1 (7.1.1910) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
1 (7.1.1910)
Date
1910-01-07
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 1 Dr. Blochs Wochenschrift. Sette J Der Vorsitzende erklärt die 36. ordentliche Generalversammlung nach den Bestimmungen der Statuten für beschlußfähig und eröffnet dieselbe, indem er die Vertreter der Kultusqemeinde, Herrn Max Frank, Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. Taqlicht und Oberkantor Dünmann; ferner die Vertretung des Frauen-Wohltätigkeitsvereines, Präsidentin Frau Frida Strauft» Frau Dr. Engel, Frau Dr. Taglicht und Frau Schüller; das Präsidium des Humanitätsvereines „Nachlath Jeschurun", Dr. Carl Löwy und Dr. Landau; ferner die Vertreter der Presse herzlichst begrüßt. Nach Uebergang zur Tagesordnung verliest der Schriftführer, Herr Hermann Liebermanu, das Protokoll der 35. ordentlichen Generalversammlung, welches ohne Debatte verifiziert und von den Vereinsmitgliedern Dr. Ludwig Landau und Dr. Salo Löbl m.tuntelfertigt wird. Der Jahresbericht gedenkt zunächst des 25. Jubelfestes, welches der Vereinstempel begangen hat, eine Feier, welche weihevolle Erinnerungen zuröckgelassen hat. Der Vorsitzende widmet dem verewigten k. k. Kommerzialrat Karl Kraus einen beredten, tiefergreifenden Nachruf und fügt hinzu: „Der Vorstand hat sich vollzählig an dem Leichenbegängniffe beteiligt und wir haben in pietätvoller Weise im Tempel das Jahrzeitlicht durch dreißig Tage brennen lassen." Ferner gedenkt der Redner der Hingeschiedenen Vereinsgenoffen Julius Steiner, Josef Rosenthal, Philipp Naschitz, Adolf Sternberg. Eduard Wiener und Ludwig Katz. Redner zeichnet das treue Werken dieser Männer im Dienste der heiligen Sache und die Versam mlung ehrt deren Andenken durch Erheben von den Sitzen. Aus den weiteren interessanten Mitteilungen heben wir hervor, daß die zwei Filialbethäuser sich eines solch außerordentlichen Besuches erfreuten, daß für die hohen Feiertage im nächsten Jahre ein drittes Filialbethaus errichtet werden dürfte. Redner erwähnt eine Maskir - Stiftung im Betrage von K 2000.— vom Herrn Kommerzialrat Max Eisenberger für seine um das Wohltäligkeitswesen so hochverdiente Mutter Frau Cäeilie Eifenberger sel. And., eine Maskir-Stiftung im Betrage von K 2000.— von Herrn Moritz Mittler für seine verblichene Gemahlin Frau Lina Mittler; eine Jahrzeit-Stiftung im Betrage von K 400.— von Herrn kais Rot Toffler für seine leider allzufrüh verblichene Gemahlin Frau Therese Toffler und eine Jahrzeit- Stiftung im Betrage von K 400.— von Frau Marie Löw für den verstorbenen Herrn Simon Löw; ferner eine anonyme Spende von K 400.—. Die Spende eines prachtvollen Festvorhanges von Herrn Leopold Waller und dessen Gattru Regina, sowie einer neuen prunkvollen Schulchan-Decke von Herrn Ernst Pollak, dem freigebigen Sodn des Herrn Vizepräsidenten, zum ehrenden Andenken an weiland Franziska Pollak. ein prachtvoller Bronzerahmen zur Aufnahme der Sidrah- Bezeichnungen für das ganze Jahr, gespendet v on Herrn Viktor Heim und eine Altardccke von Frau Sofie Heim. Redner spricht den Gönnern und Spendern den wärmsten Dank aus. Aus der Chronik des Vereinsjahres wird erwähnt, daß am 16. Mai 32 Mädchen feierlich konfirmiert wurden. Ferner wurden 69 Trauungen, 40 Barmizwahs und 15 Namengebungen vorgenommen. — Das Exhibiten-Protokoll der Kanzlei weist eine Erledigung von 540 Geschäftsstücken aus. An Samstag-Nachmittagen wurde ein Jugend-Gottesdienst für Mittelschüler eingeführt, der von der Heranwachsenden Jugend des 6., 7. und 8. Bezirkes sehr fleißig frequentiert wird. So wie bisher wird auch in Zukunft für die würdigste Ausgestaltung des Jugendgottesdienstes gesorgt werden, in der Ueberzeugung, damit ein wirklich gutes Werk zu stiften. Redner erwähnt der feierlichen Veranstaltung zum Jubelfest des Tempels und zum 25jährigen Amtsjubiläum des Oberkantors Düumann und fügt hinzu: „Wir wünschen, daß er so wie bisher noch ungezählte Jahre im Vollbesitze seiner großen künstlerischen Kräfte seines heiligen Amtes zu walten in der Lage sei!" Nun stattet der Redner zum Schluffe dem Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde, insbesondere dem Präsidenten Herrn Dr. Alfred Ster«, dem Vizepräsidenten k. k. Landesschulrat Dr. Gustav Koh«, Herrn kais. Rat Leopold Sachs und dem I. Sekretär Herrn kais. Rat Dr. Lieben für deren persönliche Teilnahme au jenem Jubelfest den herzlichsten Dank ab. Zum Jahresberichte selbst meldet sich der Vertreter der Kultusgemeinde, Herr Max Frank, zum Wort. Er führt aus, daß er dem Umstande, daß der vorjährige Vertreter der Kultusgemeinde bei den Generalversammlungen des Vereines, Herr Salo Kohn, erkrankt ist, die Ehre seiner heutigen Anwesenheit verdanke, denn Herr Salo Kohn hätte es sich gewiß nicht nehmen lassen, auch dieser Generalversammlung beizuwohnen. Herr Salo Koh» habe stets geradezu mit Begeisterung über diesen Verein und seine Hauptversammlung im Vorstande berichtet und nachdem er heute Gelegenheit hatte, aus dem Jahresberichte die ausgezeichnete, musterhafte Leitung des Vereines und seine vielfachen Erfolge wahrzunehmen, so könne er dies vollständig begreifen; er brauche die Versammlung nicht zu versichern, in welch hohem Ansehen der Verein bei der Kultusgemeinde stehe lind wolle er nur seinerseits seiner ganz unverhohlenen Anerkennung für diese Wirksamkeit Ausdruck geben und seine herzlichsten Glückwünsche für das fernere Gedeihen dieses Vereines zum Ausdruck bringen. Diese Worte werden mit lebhaftem Beifall ausgenommen und quittiert der Vorsitzende dieselben mit herzlichstem Danke. Hierauf meldet sich Herr kais. Rat Friedrich Pollak zum Wort, um, anknüpfend an den Jahresbericht, in dem des 25-jährigen Temtzeljubiläums eingehend erwähnt wurde, eine Uebersicht über die finanzielle Entwicklung des Vereines in den letzten 25 Jahren zu geben. Seine hoch'mtereff inten Ausführungen werden von der Versammlung mit lebhaften Beifallskundgebungen ausgenommen. Redner erstattet den Bericht über den Rechnungsabschluß und die Bilanz pro 1909 und erwähnt in demselben mit besonderem Nachdrucke des Jugend-Gottesdienstes, der an den Samstag-Vor- und -Nachmittagen in unserem Tempel abgehalten wird und der tzeziell seine besondere Zustimmung findet, da er diesen als eine der wichtigsten Agenden der Kultus gemeinde hält. Im Namen der Revisoren konstatiert Herr Moritz Mantler die vollste Ordnung und Genauigkeit im Vereinshaushalte, berichtet über die vorgenommene eingehende Revision und bemerkt zum Schluffe, daß die Revisoren sich überzeugt haben, welche außerordentlichen Verdienste sich Herr kais. Rat Pollak um die ausgezeichnete Kaffegebahrung des Vereines erworben bat; sie beglückwünschen den Verein zu diesem vortrefflichen Funktionär und beantragen, dem Vorstände das Absolutorium zu erteilen. Hierauf erhebt sich der Vorsitzende und unterbreitet zur Beschlußfassung den Antrag: Herrn kais. Rat Friedrich Pollak, der am heutigen Tage das Jubiläum seiner 25-jährigen, ausgezeichneten Wirksamkeit als Kasseverwalter des Vereines feiere, zum Ehrenmitglied dees Vereines zu ernennen. Der Präsident wirft einen Rickblick auf die Tätigkeit dieses verdienstvollen Mannes und beme.kt. daß der Genannte tatsächlich der höchsten Auszeichnung durch den Verein wert sei. Lebhafteste Beifallsbezeugungen folgen diesen Worten und es erhebt sich die ganze Versammlung zum Zeichen der begeisterten einstimmigen Annahme dieses Antrages. Nachdem der Vorsitzende dies konstatiert hatte, überreicht er dem Gefeierten ein prachtvoll kalligraphrsch ausgestattetes Diplom als Ehrenmitglied des Vereines, welches die Unterschriften sämtlicher Vorsteher trägt. — Er spricht in bewegten Worten den Wunsch aus. daß es dem Gefeierten bis an die äußerste Grenze menschlichen Lebens vergönnt sein möge, zum Wohle seiner Familie, zum Heile des Vereins und zur Ehre des Judentums zu wirken und zu schaffen. . Herr kaiserl. Rat Pollak erwidert tief gerührt, mit herzliche» Worten für diese Kundgebung, die er absolut nicht erwartet habe und die ihm daher eine umso größere Freude bereite. Durch diese Ehrung habe ihn der Verein für immerwährende Zeiten gebunden; solange er im Stande sein werde, wolle er seine Kräfte mit Eifer für die Sache des Tempels, die ihm so am Herzen liege, einsetzen. Er könne aber nicht umhin, bei dieser Gelegenheit eines Mannes zu erwähnen, dem gleichfalls besonderer Dank gebühre, das ist Herr David Koh«, der seit 25 Jahren ihm bei der Verwaltung, bei dem Finanz-Referate des Vereines treu zur Seite stehe und sich um den Vereiw namhafte Verdienste erworben habe. Er bitte, falls seine Worte die Zustimmung bei der Versammlung finden, diesen Dank mit einem lauten „Bravo l* für Herrn David Koh« zu quittieren — und dankte zum Schluffe nochmals für die ihm überaus ehrende Kundgebung. Herr David Koh« wird hierauf von der Versammlung lebhaftest akklamiert. Schließlich werden die Ergänzungswablen in den Vorstand vorgenommen und kandidieren hierauf in kurzen, beifällig aufgenommenen Reden Herr Präsident Dr. Jakob Engel. Herr Hermann Liebermanu, Herr kaiserlicher Rat Friedrich Pollak und Herr Ernst Schüller. Um die Neuwabl eines Vorstandsmitgliedes aus die Dauer von zwei Jahren, an Stelle des verstorbenen Herrn Kommerzial-Ra^s Karl Kraus, bewirbt sich Herr k. und k. Generalstabs-Arzt Dr. Jakob Zuckermann in einer formvollendeten Ansprache, die den lebhaftesten Widerhall bei den Versammelten findet. Als Skrutatoren wurden nominiert die Herren: Josef Barkau, David Koh» und Salo Lemberger. Das Wahlresultar ergibt, daß die Herren Dr. Jakob Engql, Hermann Liebermann, Kaiserlicher Rat Pollak, Ernst Schüller und Generalstabsarzt Dr. Zuckermann einstimmig bezw. mit einer an Einstimmigkeit grenzenoen Majorität zu Vorstandsmitgliedern gewählt wurden. Der Herr Vorsitzende schließt sodann mit dem Danke an die Erschienenen die 36. ordentliche Generalversammlung.

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