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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-01-07 · 1 (7.1.1910) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
1 (7.1.1910)
Date
1910-01-07
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 1 Dr. Blochs Wochenschrift. Sette 3 da derselbe flehentlich bat, ihn dort sterben zu lassen. Der humane Offizier erteilte dem Manne eine Rüge, und meinte richtig, man dürfe auch den Gegner nicht ganz einfach sterben lassen, wenn eine Rettung eventuell noch möglich sei. Die Patrouille muhte zurück und fand den Mann noch an derselben Stelle, am Baumzweig gelehnt, aber als Leiche. Jetzt erst zog sie ihn aus dem Wasser. Wer beschreibt die stumme Ehrfurcht der Umstehenden, als man um den Körper des Toten gewickelt — eine österreichische Fahne erblickte. Der Arme zog es vor, auf jede Hilfe verzichtend, eines Heldentodes zu sterben als sein Negimentspalladium auszuliefern. ^lnd auch einen Talisman fand man an einer Schnur hängend auf seiner Brust: Eine winzige Pergament-Zehngebote-Rolle (Mesusa). - Der Name des Wackeren blieb unbekannt. (Fortsetzung folgt.) Die AnbustriaUfierimg Galiziens. In einigen Tagen wird der galizische Landtag daran gehen, durch ein eigenes Gesetz eine Industriebank mit einem Kapital von zehn Millionen Kronen zu errichten. Die Niederösterreichische Eskomptegesellschaft, mit der schon vor mehreren Wochen die nötigen Pourparlers vereinbart wurden, beteiligt sich an diesem Unternehmen mit der Hälfte des Gründuugskapitales (Fünf Millionen Kronen), die zweite Hälfte verpflichtet sich das Land Galizien zur Verfügung zu stellen. Der Verwaltungsrat des Institutes muß darum derart gebildet werden, daß die Hälfte der Mitglieder desselben dem Landesausschusse und die andere Hälfte der Niederösterreichischen Eskomptegesellschaft entnommen werde. Der Vorsitzende des Verwaltungsrates muß aber unter allen Umständen dem Landesausschusse angehören. So sehr es zu begrüßen ist, daß man endlich einmal in Galizien versucht, die dortigen sozialen Verhältnisse zu bessern — denn die Gründung eines für die gegenwärtigen, galizischen Verhältnisse entsprechenden Kreditinstitutes muß als ein gesunder Schritt auf wirtschaftlichem Gebiete betrachtet werden — erscheint es dennoch leider sehr fraglich, ob ein wirtschaftliches Institut mit aktiven polnischen Politik e r n an der Spitze — als solche müssen ja Mitglieder des Landesausschusses betrachtet werden — geeignet ist, fick ausschließlich nur vom wirtschaftlichen Interesse leiten zu lassen. Der Landesausschuß ist der Ausdruck der jeweiligen Majorität des Landtages. Die Majorität hat, um sich in der Macht zu erhalten, den sehnlichsten Wunsch, vor allem die Bedürfnisse ihrer Parteimitglieder und Agitatoren zu befriedigen. Wenn nun diesen Herren Gelegenheit gegeben wird, eine wirtschaftliche Macht zu repräsentieren, werden sie von ihren Befugnissen einen recht ausgiebigen Gebrauch machen. Ueberall, wo politische Persönlichkeiten an der Spitze stehen, geschieht das; um wieviel mehr ist es erst in Galizien zu erwarten. Die Juden, die in diesem Lande fast ausschließlich dem Handels- und Jndustriestande angehören und für die eine solche Bankgründung in allererster Reihe von Nutzen sein müßte, können schon heute mit der Tatsache rechnen, daß sie unter den obwaltenden Umständen gänzlich übergangen werden. Die bereits bestehenden, vom Lande gegründeten, sozialen Wohlfahrtsinstitutionen, wie zum Beispiel die galizische Landesbank rc. bestätigen vollauf diese Behauptung. Der galizische Landesausschuß, der den Juden trotz ihrer Berechtigung kein Mandat in demselben einräumen will, wird sich auch kein Gewissen daraus machen, sie bei dieser Banktransaktion vollständig auszuschalten. Was kann übrigens von einer Körperschaft erwartet werden, die vor Jahresfrist einhellig beschloß, unverzüglich eine Enquete zum Zwecke der Erörterung, uuter welchen Umständen der Not der galizischen Judeuschaft abgeholfen werden könnte, einzuberufen, und dann an diesen Beschluß ganz vergessen hat. Die Herren glauben offenbar dadurch dem großen Elend ihrer Juden zu steuern, wenn sie Banken gründen, um ihr politisches Prestige zu befestigen und den verkrachten, polnischen Großgrundbesitzern Lebensstellungen zu verschaffen. Ganz merkwürdig erscheint es, daß die Niederösterreichische Eskomptegesellschaft, ein modern wirtschaftliches Institut, es nicht einsieht, daß die Gründung einer Bank, in der Politiker — noch dazu in Galizien — eine aktive Rolle spielen, nicht den gewünschten Erfolg haben kann. Die Kapitalien, die sie diesem Institute zur Verfügung stellt, können daher kaum als nutzbringend angelegt betrachtet werden. Die Aktionäre der Eskomptegesellschaft würden absolut nicht gegen das Interesse der Bank und ihr eigenes handeln, wenn sie bei der nächsten Generalversammlung auf die neueste Transaktion aufmerksam machen würden. Eine Jndustriebank in Galizien muß mit den maßgebenden , dortigen industriellen Kreisen gemacht werden. Die H a n d e l s k a m m e r n sind als die ersten berufen, hier mitzureden, nur mit ihnen und nicht ohne ste dürfte eine solche Aktion geleitet werden. Die Handelskammern in Galizien sind die einzigen Korporationen, die eine jüdische Majorität besitzen, und schon aus diesem Grunde müßten sie auf das wirtschaftliche Interesse derselben bedacht sein. In diesem Blatte winde schon wiederholt vom Schreiber dieser Zeilen an die Mitglieder der galizischen Kammern in diesem Belange appelliert, sie zeigen aber nicht die geringste Absicht, sich aufzuraffen. Die Herren aus dem „Jüdischen Klub" im Parlamente, die während der Wahlagitation so beredt auf die Vernachlässigung der wirtschaftlichen Interessen der Judenschaft hinwiesen und die Gleichgiltigkeit des Polenklubs mit Recht verurteilten, täten gut daran, wenn sie, im eigenen Lande und im Parlamente, immer wieder und wieder auf die Unhaltbarkeit der gegenwärtigen wirtschaftlichen Verhältnisse aufmerksam machen würden. Freilich kann man von ihnen nicht verlangen, daß sie den Finanzminister dazu bestimmen sollen, geschenkweise jährlich einige Millionen Kronen aus dem Budget den galizischen Juden zur Verfügung zu stellen. Was man von ihnen verlangen kann und darf, ist, daß sie, als Abgeordnete, die Bevölkerung und die Regierung aufklären, wie man die Lage der Juden im Lande verbessert. In ihrem ureigensten Interesse liegt es, die Gründung der projektierten Bank unter den gegebenen Umständen zu verhindern, denn sie haben es an ihrem eigenen.Leibe zu spüren bekommen, welche Rolle solche Institute bei politischen Wahlen spielen. Das politische und wirtschaftliche Interesse der gesamten Judenschaft Galiziens erheischt es, die Gründung der Bank unter solchen Bedingungen zu verhüten. Der Landtag, der die Hälfte des Kapitals her gibt, hat wohl das Recht, mitzureden und deshalb soll ihm ein Sitz im Verwaltungsrat eingeräumt werden. Die Kontrolle auf die Geschäftsführung darf ihm ebenfalls nicht benommen werden. Hingegen dürfen die Beamten und Direktoren weder von ihm direkt, noch durch seinen Einfluß ernannt werden; Personal- und Geschäftsangelegenheiten müßten ausschließlich von der Eskompte- Gesellschaft unter Mitwirkung der galizischen Industriellen besorgt werden. Mit dem Momente, wo es den polnischen Machthabern gelingt, dieses neue Bankinstitut als ihr Monopol zu betrachten, so kann es weder der polnischen, noch der ruthenischen Bevölkerung, am allerwenigsten aber den Juden von Nutzen sein. Dort, wo ein Glombinski oder ein Bataglia das Heft in Händen hat, ist für die Juden nichts zu erwarten. Die Herren aus dem „Jüdischen Klub" müssen energisch Protestieren. _ I. Grobtuch.

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