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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-12-31 · 53 (31.12.1909) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
53 (31.12.1909)
Date
1909-12-31
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Rr. SS Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 915 / 1854 geboren. Er bezog 1874 die Wiener Universität, betrieb zuerst Kunstgeschichte, dann Medizin und wurde Demonstrator bei Brücke. Als Sekundararzt bei Jäger, Kaposi, Zeißl tätig, wurde er hierauf Assistent an der Klinik des Professor Neumann. 1888 wurde er zum Privatdozenten für Dermatologie, 1904 zum Primararzt des t. k. Wiener Krankenhauses ernannt. Nach dem Rücktritte des Hofrates Professor Lang übernahm er die Leitung der Abteilung für Hautkrankheiten im k. k. Allgemeinen Krankenhause. Das Lehrbuch für Hauthistologie, die Arbeiten über Hautfarbstoff, über die Beziehungen der inneren Organe zur Haut und viele andere haben ihm den Ruf eines Gelehrten begründet. Professor Ehrmann, ein ausgezeichneter Jude, betätigt sich auch auf dem Gebiete des öffentlichen jüdischen Lebens, ist ein hervorragendes Mitglied der Wiener Kultusgemeinde, sowie zahlreicher jüdischer philanthropischer Organisationen. 1383 jüdische Kinder in nichtjüdischen Asylen. Unter diesem Schlagworte veröffentlicht der Oberrabbiner der jüdischen Gemeinde in Komäron (Ungarn), Dr. Armin Schnitzer, im Jahresberichte des Komäromer jüdischen Wohltätigkeitsvereines „Gemilus chassodim" einen offenen -Brief an hie Iudenschaft Ungarns im Interesse der in nichtjüdischen Erziehungsanstalten untergebrachten jüdischen Kinder. Der Verfasser des offenen Briefes fordert die Iudenschaft auf, Spenden zu sammeln zum Bau einer Anzahl jüdischer Heimstätten für ' verwahrloste Kinder, damit nicht, wie das derzeit der Fall ist, 1383 jüdische Kinder in christlichen Asylen der Iudenschaft entfremdet werden. Es sei — heitzt. es in dem offenen Briefe — Pflicht des Judentums, dafür zu sorgen, daß die von den staatlichen Asylen bei christlichen Pflegeellern untergebrachten jüdischen Kinder nicht der steten Gefahr der Wegtaufung ausgesetzt seien. Eine hervorragende jüdische Bildhauerin. Großes Aufsehen erregt jetzt in ungarischen Kunst kreisen die Ausstellung einer noch jungen jüdischen Künstlerin in Budapest, Elsa Kalmar. Die Künstlerin hat acht ihrer besten Werke ausgestellt. Besondere Bewunderung zollen die Sachverständigen den „Salome" und „Moses" betitelten Kunstwerken. Ein Fachblatt schreibt aus diesem Anlaß: Mit diesen Werken hat die Künstlerin sich zum ersten Bildhauer Ungams emporgemngen, wenngleich nicht unerwähnt bleiben darf, daß ihre besten Kunstwerke nicht in Ungarn, sondern unter italienischer Sonne entstanden sind. Antisemitische Volkskunde. Aus Budapest wird uns geschrieben: Die ethnographische Abteilung des Ungarischen Nationalmuseums publiziert in ihrem letzten Hefte einen Fragebogen, der an die Lehrer und Geistlichen des Landes gerichtet ist und den Zweck hat, über verschiedene ethnographische Fragen Aufschluß zu erhalten. Der Fragebogen enthält nicht weniger als 91 Fragen. Nachdem sich der Redakteur in geschlagenen 90 Fragen für alles Mögliche und Unmögliche interessiert hat, folgt die 91., die folgenden Wortlaut hat: „Zigeunerwelt, Judentum, jüdische Volks¬ und religiöse Dinge, Armenier." Die Juden werden also hier mit den Zigeunern und Armeniern, den beiden verachtetsten Volksstämmen in Ungam in eine Rubrik gesteckt. Die Antworten, die auf eine solche Fragestellung und Gruppierung von den Lehrern und Geistlichen kommen werden, kann man sich leicht vorstellen. Und das wird dann vom Ungarischen Nationalmuseum als Wissenschaft verzapft werden. Die Herren vom Ungarischen Nationalmuseum scheinen so vermodert zu sein, daß sie nicht einmal wissen, daß der ungarische Jude Dr. Bernhard Munkacsi der langjährige erfolgreiche Herausgeber der „Ethnographie" der Schöpfer neuer ethnographischer Forschungsbahnen ist und daß zu den besten und auch im Auslande anerkanntesten ungarischen Gelehrten auf dem Gebiete der Ethnographie gerade die Juden Dr. Samuel Krauß, Dr. Adolf Strauß, Dr. Bernhard Heller, Dr. Salamon Ostern, Dr. Venetianer usw. gehören. Bürgermeister Nathan gegen seinen Willen dekoriert. Unter diesem Titel veröffentlicht der Pariser „Siecle" eine Mitteilung aus Rom. die ein neuerlicher Beweis ist für den hohen Grad der Wertschätzung, in welcher der Bürgermeister von Rom, Ernesto Nathan, beim König von Italien steht. Nathan ist als großer Gegner von Ordensauszeichnungen bekannt, der wiederholt ihm zugedachte Auszeichnungen seitens seines eigenen Souveräns, wie auch auswärtiger Staatsoberhäupter, konsequent abgelehnt hat. So hat er erst jüngst in Racconigi auch die Annahme des mssischen St. Anna- Ordens verweigert. König Viktor Emanuel hat nun, so erzählt „Siäle", zu einer List gegriffen, um dem Bürgermeister von Rom den italienischen Kronenorden zukommen zu lassen. Nach Genesung von einer schweren Krankheit, während welcher der König täglich über den Zustand Nathans Erkundigungen einholen ließ, erschien dieser in Audienz beim König, um ihm für diese huldvolle Aufmerksamkeit zu danken. Im Laufe des Gespräches bat der König den Bürgermeister, ein kleines Paket, ein Geschenk der Königin, der Frau Nathan übermitteln zu wollen. Als Frau Nathan das Paket öffnete, kam ein kostbares Etui zum Vorschein, welches die Insignien zum Großkreuz des Kronenordens enthielt. Daneben lag ein Billet von der Hand der Königin, in welchem Ihre Majestät Signora Nathan bittet, den Bürgermeister von Rom zur Annahme der königlichen Auszeichnung zu bewegen. Gerührt durch dieses außerordentliche Zeichen königlicher Huld, nahm Nathan die Auszeichnung an. Paris. Der Deputierte von de la Sarthe, Hippolyte Laroche, hat eine Interpellation über ..die Einhaltung der Handelsverträge mit Rußland" an den Minister des Aeußern angemeldet. Der Deputierte verweist in seiner Interpellation auf die eines freien Bürgers unwürdigen Formalitäten, denen französische Bürger israelitischer Konfession auf ihren Reisen in Rußland unterworfen werden. Laroche hat sein Material zu dieser Interpellation einem ausführlichen Berichte entnommen, den M. Levaillant jüngst dem Zentralkonfistorium in diefrr Angelegenheit unterbreitet hat. Die Fremdenfrage in Rußland. Auf die Interpellationen der Deputierten Laroche (Radikal) und Pressense (Sozialist) hin. welche sich über die Schwierigkeiten beklagen, denen Mitgliedern der Geistlichkeit, Freidenker und Israeliten bei ihren Reisen nach Rußland und bei ihrem Aufenthalte daselbst begegnen, nahm die Kammer beinahe einstimmig eine vom Deputierten Laroche vorgeschlagene Tagesordnung an, in welcher das Vertrauen zur Regierung ausgedrückt wird, daß sie mit Rußland in Bezug auf Verträge, welche diese Frage regeln, Unterhandlungen anknüpfen werde. Das Grabmal Antokolskis. Vor kurzem fand am Petersburger Friedhof die Aufstellung des künstlerisch ausgestatteten Grabmales in Anwesenheit des Barons Günzburg statt. Von den verschiedenen russischen Kunstgesellschaften, deren Stolz einst der jüdische Künstler Antokolski war, hat sich bei der Trauerfeier keine einzige vertreten lassen.

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