Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 53 (31.12.1909)
- Date
- 1909-12-31
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 916 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 53 Zur Lage der Jude« in Marokko. Wiederholt ist von den Bemühungen die Rede gewesen, die der Präfident der „Alliance Israelite Universelle“ und die Vertreter der Alliance in Fez aufgewendet habeifi um den Israeliten in Marokko Rechtssicherheit zu gewähren und sie gegen die Bedruckungen durch einzelne Große des Reiches zu schützen. Als neuerlich namentlich ein Kämmerer des Sultans fich mehrfacher Ausschreitungen gegenüber der jüdischen Bevölkerung schuldig machte, überreichte Elmaleh, Direktor der Alliavcefchulen in Fez, dem französischen Vertreter dort ein Promemoria, das der frenzöfischen Regierung zugestellt wurde. In der französischen Deputiertenkammer wurde die Angelegenheit am 23. November erörtert und der Minister des. Auswärtigen, Herr Pichon, nahm zu ihr Stellung. ' Am Tage zuvor, am 22. November 1909, ging an den Großwefir des Sultans, Mulay Hafid, nachstehendes Schreiben: An Paris, den 22. Noveniber 1909 Si Madani Elmezuar El Glaui, Großwesir Seiner Scherifischen Majestät Mulah Abduld Hafid, Sultan von Marokko. Fez. Euer Exzellenz haben die Güte gehabt, uns die Versicherung zu geben, daß Sie den treuen Untertanen Seiner Schellfischen Majestät obne Unterschied der Abstammung und des Bekenntnisses gleichen Schutz angedeihen lasten wollen. Wir freuen uns von Herzen über dieses Zeichen ausdrücklicher Fürsorge, die sie auch unseren Glaubensgenoffen zugewendet haben. Durchdrungen von Dankbarkeit für ihren neuen Her: scher Sultan Mulav Abdul Hafid, der sie seinen übrigen Untertanen gleichschatzen will, voller Dankbarkeit auch gegenüber den Ministern Seiner Scherifischen Majestät, und besonders gegenüber Euerer Exzellenz, besten wohlwollende Haltung zu ihren Gunsten sie anzuerkennen wissen, wollen die Israeliten Marokkos sich besten würdig zeigen und durch ihre Anhänglichkeit und durch ihre Tätigkeit zum Gedeihen des Landes beitragen. Welchen Schmerz haben daher die Israeliten von Fez empfanden. als sie vor einiger Zeit der Gegenstand neuer Bedrückung und schlechter Behandlung von Seite des Kämmerers Seiner Majestät waren. Dieser über unsere Glaubensgenosten ohne Zweifel falsch berichtete Beamte hat sie in ihren religiösen Gefühlen verletzt, indem er sie zwang, während der größten jüdischen Feiertage zu arbeiten. Er drängte ihnen gewaltsam Frohndienste auf, für den sie keinen Lohn erhielten. Er ließ ihnen körperliche Züchtigung auferlegen, die zu verschiedenen Zeiten durch Edikte marokkanischer Herrscher untersagt worden war. Gestatte» Sie uns, Exzellenz, die wir seit fast fünfzig Jahren au der moralischen und intellektuellen Hebung unserer marokkanischen Glaubensgenoffen arbeiten, Ihre wohlwollende Protektion zugunsten der israelitischen Bevölkerung zu erbitten, zu appellieren an Ihr Meuschlichkeits- und Gerechtigkeitsemvfinden, um die Wiederkehr solcher beklagenswerten Vorkommniffe zu verhüten. Unsere Glaubensgenosten bedürfen Ihres Schutzes; Ihre Intervention wird ihnen das Gefühl der Sicherheit geben und Sie werden sich die Dankbarkeit nicht nur der marokkanischen Glaubensgenoffen erworben haben, die Ihren Namen rühmen werden, sondern auch die Dankbarkeit aller Israeliten der Welt, deren Dolmetscher wir sind. Genehmigen Sie, Erzellenz, die Versicherung unserer Ehrerbietung. Der Präsident der »Alliance Israelite Universelle«, N. Leven." lieber die Wirkungen, die die Verhandlungen der französischen Deputiertenkammer und das Schreiben des Präsidenten Leven gehabt haben, berichtet Herr Elmaleh unter dem 7. Dezember : „Fez, den 7. Dezember 1909. Niemals ist eine Intervention zu einem geeigneteren Zeitpunkte gekommen. Während der Horizont der Marokkopolitik umwölbt war, haben Sie förmlich divinatorisch den rechten Augenblick herausgefunden, um zugunsten unserer Glaubensgenossen in Fez zu intervenieren. Der Sultan 'hat mit der größten Aufmerksamkeit die Reden gelesen, die betreffs Marokkos während der letzten Tage in der Deputiertenkammer gehalten wurden. Sobald die Zeitungen in Tanger eintrafen, brachten ihm Eilboten die Uebersetzungen. Sie erinnern sich des Berichtes über die Lage des Mellah, den ich Herrn Gaillard erstattet hatte und der dem Ministerium des Auswärtigen übermittelt worden ist. Sie haben gesehen, daß Herr Pichon in der Kammer von der Lage der Juden in Fez gesprochen hat. Seine Ausführungen waren durch den Bericht angeregt, von dem er eine» Auszug wiedergab. Andererseits hat Herr Pichon über diesen Gegenstand. Vorstellungen an den Mokhri gerichtet, der sie dem Sultan übermittelte. Der Großwefir hat gestern infolge dieser Interventionen die Großrabbinen und Notablen unserer Gemeinde berufen und ihnen im Namen seines Herrn folgendes gesagt: „ „Es ist zu unserer Kenntnis gelangt, daß der Direktor Ihrer Schule zu verschiedenen Malen unsertwegen an die „Alliance Jsraälite" geschrieben hat. Ich bin durch unseren Herrn beauftragt,. Ihnen zu sagen, daß niemals mehr in Zukunft Sie irgendwelche Ungerechtigkeit von Seite des Maghzm zu erleiden haben werden, daß man Ihnen keinen Frohndienst mehr auferlegen wird, daß Ihre Feiertage und Samstage in Zukunft respektiert werden sollen. Ich bringe Ihnen die Zusage des Wohlwollens von Seite des Sultans, der Sie liebt wie seine treuesten Untertanen. Die Türen im Hause des Dar El Maghzen werden Ihnen von heute an weit geöffnet sein und Sie werden immer Ihre Klagen und Beschwerden vor uns bringen können, wir werden sie mit Billigkeit aufnehmen." Ungefähr in diesen Ausdrücken sprach der Großwefir zu den Repräsentanten des Mellah. Unmittelbar, nachdem die Notablen gegangen waren, habe ich dem Großwefir meine Aufwartung gemacht und habe ihm Ihren Brief übergeben. Dieser hat einen bemerkenswerten Eindruck auf ihn gemacht. Der Großwefir ist von ihrem Vorgehen angenehm berührt, was er durch den liebenswürdigen Empfang bewies, den er mir bereitete. Nachdem er mir gegenüber die einige Augenblicke vorher den Notablen des Mellah gegebenen Versprechungen erneuert hatte, erhob er fich, um dem Sultan Kenntnis von Ihrem Brief zu geben. Den Brief hatte ich vorher in gutes Arabisch übersetzen lassen. Elmaleh." Juden iw australischen Heere. Trotzdem in Australien noch kein Gesetz über die Militärdienstpflicht besteht, sind zahlreiche Inden, äum großen Teile aus Rußland eingew ändert, ehemalige Soldaten, freiwillig ins australische Heer eingetreten. Die guten Erfahrungen, die mit diesen jüdischen Freiwilligen gemacht wurden, veranlaßten den Kapitän Jsaacsohn in einer der letzten Sitzungen der jüdischen Gemeinde don Melbourne einen Appell an die Gemeindevprftehung zu richten, die jüdische Jugend zum Eintritt in das Heer zu animieren, da in Bälde ein Militärgesetz erlassen werde und dann brauchbare, fähige Instruktoren notwendig fein würden, als welche sich die jüdischen Freiwilligen besonders geeignet gezeigt haben. Eine Vürgermeifterfeier in der Synagoge. Einer Meldung der „Transvaal Weekly Illuftrated" entnehmen wir den folgenden Bericht: Anläßlich der Wahl des Herrn Harry Graumann zum Bürgermeister der Stadt Johannesburg hat in der neuen Synagoge Ln Johannesburg ein Gottesdienst stattgefunden, welchem neben allen Mitgliedern des Stadtrates das gesamte Konsularkorps und die Spitzen der Behörden beiwohnten. Unter den Anwesenden bemerkte man ferner den Generaldirektor der südafrikanischen Zentralbahnen Sir Thomas Price, die Mitglieder des Oberhauses Hon. W. A.Martin und Mar Langermann, verschiedene Mitglieder des Unterhauses, darunter die Herren I. W. Quinn und K. W. Tücher mit ihren Damen, den Polizeichef Major Mavrogordato, die Herren Georg Albu, L. Reyersbach, E. Friedländer, Seine Ehrwürden Eharles Philipps, Seine Lhrwürden Dr. Roß, Seine Ehrwürden Herrn Doke, sowie die Pastoren und Seelsorger aller anderen Konfessionen. Der ungemein eindrucksvolle Gottesdienst wurde mit einer Ansprache des Rabbiners Dr. Herz eingeleitet, in welcher er die Pflichten des Staatsbürgers und der Gemeindeangehörigen hervorhob und ganz besonders betonte, daß ein Gemeinwesen nur durch die Gleichberechtigung aller seiner Angehörigen zur Blüte und Größe gelangen kann und baß Johannesburg nur diesem Grundsatz sein rasches Aufblühen zu verdanken habe. Den Gottesdienst beendete eine Rede des Rabbiners Dr. Landau, der darauf hinwies, daß in verhältnismäßig kurzer Zeit durch die Eintracht und das Zusammenhalten aller Bürger bedeutende