Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 53 (31.12.1909)
- Date
- 1909-12-31
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Gttte 914 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 53 Es roird ein Antrag auf Schluß der Rednerliste gejtdtt. Hierüber erhebt sich ein ohrenbetäubender Lärm seitens der russischen und galizischen Delegierten. Der Antrag wird schließlich zurückgezogen. Zu der Nachmittagssitzung verständigte man sich darüber, von den zirka Zl) üngemeldeten Diskussionsrednern nur je vier Redner für das Aktionskomitee und vier von der Opposition sprechen zu lassen. Eine scharfe Kritik an der Leitung übten neuerdings die Delegierten Arpnowitz (Palästina), Prof. Dr. Weiß mann (Manchester), Eoldberg und Dr. Tschlenow (Rußland). Der Hauptredner der Opposition, Dr. Tschlenow-Moskau, griff den Präsidenten David Wolffsohn persönlich an. Die heutigen Ausführungen Wolffsohns jetv.r. auf den Ton des Reichskanzlers Fürsten Bülow gestimmt gewesen, der von russischen Schnorrern und Verschwörern gesprochen habe. Eine Reihe Redner sprach dagegen dem Präsidium ihr Vertrauen aus, insbesondere tat das in sehr entschiedener Weise Bibliothekar Dr. Löwe-Berlin. 2Blnn die Opposition sich darüber beklage, daß in Rußland der zionistische Nachwuchs fehle, so liege dies an den russischen Verhältnissen. Der Redner wandte sich gegen den Vorschlag, den Sitz nach Berlin zu verlegen: dadurch würde man nur schlechte Erfahrungen machen. Von den russischen Landmannschaften lag eine Resolution vor, in der der Leitung nur ein beschränktes Vertrauensvotum erteilt wird. Der Präsident bezeichnete die Annahme einer solchen Resolution als Mißtrauensvotum. Die Resolution wurde hierauf zurückgezogen. 2m Namen der südafrikanischen Landsmannschaft beantragte der Delegierte Kessler eine unbedingte Vertrauenskundgebung für die Leitung des Aktionskomitees. Das Vertrauensvotum wurde dann auch mit überwiegender Mehrheit angenommen. Unter Jubel wurde Wolffsohn umringt und allgemein beglückwünscht. Dienstagvormittags-Sitzung. Zu Beginn der Bormittagsfitzung am 28. Dezember 1909 erstattete Herr Professor Dr. Marburg (Berlin) den Bericht des Palästina-Refforts, dessen Vorsitzender er ist. Professor Marburg berichtet über den Stand und die Fortschritte, sowohl der zionistischen Palästina-Institute — der „Anglo Palestme Company", der Oelbaumspende, des Kulturfonds, der in der Berichtsperiode neu begründeten „Palestine Land Development Company", des Jüdischen Nationalfonds — sowie über eine Reihe nicht speziell zionistischer, aber von der zionistischen Organisation unterstützten, gemeinnützigen Institutionen und privaten Erwerbsunternehmungen. Besonders erfreulich ist die Entwicklung der genannten zionistischen Palästinabank, die im letzten Jahre bereits eine Dividende von 44x/a Prozent zu zahlen in der Lage war und die außer der Zentrale in Jaffa Fllialen in Jerusalem, Beirut und Hebron, sowie eine Agentur in Haifa besitzt. Die Oelbaumspende, die der Aufforstung Palästinas durch Anlage von Oelbäumen zu dienen bestimmt ist, besitzt bereits einen Fond für die Anlage von über 30.000 Oelbäumen. Mit der Anlage eines etwa 15 000 Oelbäume fassenden 'Oelbaumwaldes ist längs der Bahnstrecke Jaffa-Jerusalem bereits begonnen worden. Vorzüglich hat sich auch die Kunstgewerbeschule „Bezalel" in Jerusalem entwickelt, die in einem Nebenraum des KongreßgebändeS eine Ausstellung ihrer Teppiche, Filigranarbeiten, Holzschnitzereien rc. eingerichtet hat. Die „Palestine Land Development Company", die bestimmt ist, die Parzellierungs- und Anfiedlnngsgesellschaft der zionistischen Bewegung zu werden, konnte auf ihrem Gute Kinereth am Tiberiassee bereits beginnen, jüdische Arbeiter, die später als Pächter und Ansiedler in Betracht kommen, auszubilden. Weiter erstattet Dr. Tschlenow (Moskau) den Bericht über die Tätigkeit der zur Vorbereitung der Gründung eines Agrar-Kreditinstitutes eingesetzten Kommission, Der Redner beantragt die Einsetzung eines Kongreß-Ausschusses, der sofort zusammentreten und dem Kongreß die Prinzipien für die Schaffung eines solchen Institutes vorlegen soll. Herr Jacobus Kann (Haag), Mitglied des Engeren Aktionskomitees, erstattet ein Referat über Handel und Industrie in Palästina, in dem er hervorhebt, daß allerdings die Bevölkerung Palästinas hauptsächlich auf Landbau und Gartenwirtschaft angewiesen sein werde, daß aber dabei industrielle Methoden Anwendung finden könnten. Ueberhaupt werde die Industrie in Palästina sich mehr als anderswo auf die Agrikultur stützen, ja zum Teil direkt agrikulturelle Industrie sein müffen. Als Vorsitzender des Direktoriums des Jüdischen Nationalfonds erstattet den Bericht Dr. Bodenheimer (Köln). Dieser aus kleinen und kleinsten Beiträgen zusammengesetzte Fonds hat bereits eine Höhe von über 2 Millionen Mark erreicht, ein beredtes Zeichen der Opferwilligkeit der breiten jüdischen Maffen. Schließlich nimmt der Führer der jüdisch-sozialistischen Arbeiterpartei Amerikas, Dr. Syrkin, das Wort zu einer Erklärung. Er führt aus, daß die Umwälzung in der Türkei eine neue Grundlage für die Vereinigung der Zionisten geschaffen habe. Das Land der Väter sei jetzt das Land der Kinder geworden. Die jüdische Arbeiterschaft habe das größte Jntereffe an der Schaffung einer Heimstätte und wolle wieder gern und freudig an der Arbeit für dieses Ziel teilnehmen. Unter lebhaftem Beifall des Kongreffes verkündet der Präsident eine Reihe von Stiftungen, die von verschiedenen Süten anläßlich des Kongresses gemacht worden find, im Gesamtbeträge von rund 3000 Mk. Eine zur Schaffung einer Arbeiteransiedlungsgenoffenschaft in Palästina nach den Vorschlägen des bekannten Sozialökonomen Dr. Franz Oppenheimer, der dem Kongreß als Delegierter beiwohnt, vorgenommene Sammlung hat bis heute bereits eine Summe von über rund 10.000 Frcs. aufgebracht. Auf ein Begrüßungstelegramm an den deutschen Kaiser ist folgende telegraphische Antwort eingelaufen: Herrn David Wolffsohn, Präsident des Zionistischen Aktionskomitees, Hamburg, , Seine Majestät der Kaiser und König haben den Huldigungsgruß der dort versammelten Zionisten gern entgegengenommen und laffen bestens danken. Auf Allerhöchsten Befehl: Der Geheime Kabinettsrat: von Balentini. Die Verlesung des kaiserlichen Telegrammes wurde von der Versammlung mit begeistertem Jubel ausgenommen. Schluß der Sitzung um 2 Uhr. * * * In Berlin fand dieser Tage eine Konferenz für hebräische Sprache und Kultur statt, zu der etwa 150 Personen aus den verschiedensten Ländern erschienen waren. Auf der Konferenz wurde ein allgemeiner Verband für hebräische Sprache und Kultur begründet. Der Sitz des Zentralkomitees ist Berlin. Das höchste Ocgan der Organisation ist der aus gewählten D legierten derselben zusammengesetzte Kongreß (Kaeffiah) für hebräische Sprache und Kultur, der zum erstenmal am Ende des kommenden Sommers in Palästina, oder — wenn dies sich als undurchführbar erweisen sollte — in Deutschland stattfinden soll. Die offizielle Sprache des Kongresses, das ist für die Referate und das Präsidium, wird Hebräisch sein. Ein weiteres wichtiges Resultat der Konferenz in praktischer Hinsicht ist die erfolgte Begründung eines Fonds, der die reale Basis für die gesamte hebräische Kulturtätigkeit bilden soll. Auszeichnung eines jüdischen Gelehrten. Der Kaiser hat den Titularprofessor Dr. Salomon Ehrmann zum wirklichen außerordentlichen Professor der Dermatologie an der Wiener Universität ernannt. Prof. Dr. Salomon Ehrmann ist in Ostovec (Böhmen) im Jahre